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Tanka
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Parkstück

Kurzprosa zum Thema Begegnung


von Moja

Die zwei Frauen, die wuchernde Büsche und stille Bänke umrunden, stehen plötzlich vor mir. „Was lesen Sie?“, fragt die Jüngere, mich ausgiebig musternd. „Gedichte.“ – „Eva Strittmatter?“ Und ohne meine Antwort abzuwarten, zitiert sie eine Gedichtzeile aus „Die guten Dinge des Lebens“. Unwillkürlich muss ich lachen. Sie strahlt. 
  Die Frauen gehen weiter, verschwinden hinter den Büschen, und als sie wieder hervorkommen, steuern sie die Bank neben mir an. „Meine Mutter liebt Goethe und Eichendorff“, sagt die Frau  zu mir herüber. Ich halte mein Buch hoch. „Michael Hamburger, Hölderlin, Übersetzungen.“ – „Hölderlin mag meine Mutter nicht“, sagt sie geringschätzig und beginnt zu erzählen. Sie ist Deutschlehrerin, Kindern und Kollegen legt sie gern mal Gedichte vor, es klingt wie Auftischen.
    Sie stehen wieder auf, die Mutter am Arm der Tochter setzt vorsichtig ihre Gehhilfe. Die Lehrerin dreht sich zu mir um, schneidet eine Grimasse, eine grässliche Fratze, hinter dem Rücken der Mutter. Böses Mädchen, beschämt senke ich den Blick in mein Buch.
  „Leben Ihre Eltern noch?“ Plötzlich stehen sie wieder vor mir. Groll steigt in mir auf. Vom See weht ein kühler Wind. Ein Frösteln überkommt mich, entschlossen stehe ich auf. „Halt, halt, halt!“, schreit sie mir nach. Nicht ohne inneren Widerspruch begleite ich die beiden eine Runde. „Kennen Sie das Land, wo die Zitronen blühen?“ Schon wieder Goethe! „Was für ein Land!“, schwärmt sie, dort lebt ihr Sohn. Gemeinsam schauen wir auf den See.
  Und da geschieht es. Vor meinen Augen verwandelt er sich in den Gardasee, geahnt hatte ich es immer. Das  geheimnisvolle Parkstück, in dem wir stehen, ufert grandios aus, während sie: „Orangen, Orangen“, deklamiert und wie beiläufig übergangslos fragt: „Was machen Sie beruflich?“ Die Mutter lächelt, den Kopf sanft an ihre Schulter gelehnt. Die Frage überhörend, entferne ich mich. Die Lehrerin steht da wie in den Boden gerammt mit aufgerissenen Augen. So komme ich nicht fort. Kälte kriecht mir in die Knochen, ich reibe meine Hände, winke verlegen. Die Frauen winken zurück. „Ich bin öfter hier“, höre ich mich zu meiner Verwunderung sagen und beschleunige den Schritt.

 
 

Kommentare zu diesem Text


tulpenrot
Kommentar von tulpenrot (28.01.2019)
Ich mag diese Art des Erzählens, das mit knappen Worten Wesentliches mitteilt und immer durch einen kleinen "Nebenast" einen überraschenden Ausblick in eine andere Welt frei gibt und die scheinbare Geradlinigkeit des Textes bricht.
Mehrmals gern gelesen.
LG
Angelika
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Sätzer meinte dazu am 28.01.2019:
Dem schließe ich mich gerne an.
LG Uwe
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Moja antwortete darauf am 28.01.2019:
Herzlichen Dank an Angelika und Uwe!
Wie gut, dass Tulpenrot durch die Büsche leuchtete, die treffenden Hinweise griff ich sogleich auf,
Letzte sonnige Grüße vom See, Monika
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (28.01.2019)
Eine Art Vorhölle gescheiterter Gemanistinnen, die dann nur Deutschlehrerinnen wurden. Ein Dutzendschicksal, dennoch gerne gelesen!
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Moja schrieb daraufhin am 28.01.2019:
Ach, hättest Du mich doch rechtzeitig gewarnt, Dieter!
Erheitert, Monika
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Dieter_Rotmund äußerte darauf am 28.01.2019:
Autobiographische Traumata sollten Dir bei der Erstellung fiktiver Erzählungen nicht im Wege stehen.
Nach der geschilderten Vorhölle kommt die Hölle mit Heirat und Kind nach einem halben Jahr im Schuldienst usw., eine Art weiblichen Bob Slocum, würde ich sagen.
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Moja ergänzte dazu am 28.01.2019:
Werde ich beherzigen, schmunzelnd,
Monika
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Trainee (71) meinte dazu am 29.01.2019:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 29.01.2019:
Hier geht es um erzählerische Möglichkeiten, Dein Ansatz ist ja fast schon journalistisch.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (28.01.2019)
Man könnte auch als Überschrift wählen "Begegnung mit Bildungsbürgerinnen." Das Erzähler-Ich ist peinlich berührt.
Aber immerhin verwandelt das Zitat des Gedichts " Das Land, wo die Zitronen blühen",den See in den Gardasee.
LG
Ekki
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Moja meinte dazu am 28.01.2019:
Ja, Fremdschämen bewirkt so einiges an Verwandlung, Ekki,
lieben Gruß, Monika
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (28.01.2019)
Bewunderung

Was soll ein Geist sich denn allein bemühen,
wenn eines Schwarmes Vielfalt ihn umhüllt?
Lass ihn doch zu den Marmorbildern ziehen.
Was nützt dem blinden Künstler denn sein Bild?

Stetig hinan bis zu dem Wolkenstege,
der Höhlen dunkelste Gefahr gespürt.
Die Nacht verbracht auf absturzsteilem Wege
und doch das Kind vertrauensvoll geführt.

Wer mit ihm geht, hat auch im Sturm bestanden.
Er sieht den Berg, er ist so fern wie nah.
Abseits der Küsten, fern von grünen Landen,
er spürt sie auf, er ist so gut wie da.

Der kleine Mann, bewundert er ihn täglich?
Alleine daran scheitert er schon kläglich!


LG von Gil.
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Moja meinte dazu am 28.01.2019:
Oh, ein schönes Geschenk, lieber Gil, Wunder über Wunder!
Mein Dank sei Dir gewiss, Grüßchen, Monika
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HaraldWerdowski meinte dazu am 29.01.2019:
Liebe Monika,es kraucht mir bis in die Haarwurzeln, dieses Gefühl, für den Moment fremdbestzt zu sein, von einer Person, über die sich sagen ließe: mehr Schein als Sein.. Dass dieser bedrueckende Moment,sich nicht aus der Umklammerung winden zu können,in solch eine wunderbare Verwandlung der ausseren Wirklichkeit muendet, wunderschoen. Ein sehr guter und schöner Text..Gruss.Harald
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Moja meinte dazu am 29.01.2019:
Danke für Dein Hineinspüren in den Text, lieber Harald, es ist gar nicht so einfach Übergriffigkeit auszudrücken und ihr zu entrinnen. Herzlichen Gruß, Monika
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Kommentar von Trainee (71) (29.01.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Moja meinte dazu am 30.01.2019:
Hallo Trainee,
ich bin erstaunt über Sichtweisen, Lesarten und wie sie in verschiedene Richtungen ausufern, tja, das scheint wohl tatsächlich an diesem formidablen See zu liegen, von dem
ich jetzt heiter herüber grüße,

Monika
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