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Über die Angst oder: Worin liegt der Wert des Menschen?

Essay zum Thema Angst


von Hamlet

Da ich mich vor und zu Beginn des letzten Dates innerlich nervös gefühlt hatte, mir der ruhige, klare, entspannte Blick ausblieb, denke ich im Folgenden auch psychogenetisch über die Angst nach, wobei ich als Gegenmittel die Vitalität erkläre.

Die innere Nervosität könnte als Symptom der Angst, aber auch als Ursache (in jedem Fall aber als eine weitere Ursache) für noch stärkere Angst erklärt werden. Als Symptom zeigt sich die Angst (hier kann es auch Furcht heißen, weil Furcht auf Bestimmtes trifft, während Angst oft namenlos ist) im Lampenfieber, weil die Ursachen der Furcht die Vorstellungen sind, welche ein Versagen der Kräfte antizipieren.

Umgekehrt wäre die innere Nervosität eine Ursache der Furcht, etwa wenn einem die besten Kräfte fehlen, weil man schlecht geschlafen, am Vorabend zu viel getrunken hat oder wenn man sich kränklich fühlt, sodass ich eigentlich Furcht vor meinem Zustand habe, welcher  im Vergleich mit allen meinen mir bekannten Zuständen minderwertig ist. Dabei werde ich mir selbst zum Gegner, zur Bedrohung, zum Feind. Mein Beobachtendes Ich (der Zeuge, das intuitive Ich-Gefühl oder auch das transzendentale Ich) kann diesen seinen Zustand (sein momentan empirisches Ich) nicht leiden, weil er relativ unattraktiv sowohl für sich selbst als auch für andere ist.

Ob diese Nervosität nun aber als Symptom oder als Ursache der Furcht gedeutet wird, bleibt gegenüber dem Grundverständnis der Angst und Furcht zweitrangig. Immer geht es um die Sorge, dass einem ungewollte Ohnmacht begegnet: dass die Vitalität quantitativ, aber auch qualitativ, nicht hinreicht, seine Wünsche zu erfüllen. Um bei dem oben genannten Date zu bleiben, lässt sich meine innere Selbstwahrnehmung so beschreiben: Bevor wir den zweiten Drink einnahmen, wollte ich partout nicht der sein, der ich gerade war – nicht dass ich etwa jemand anderes sein wollte, sondern nur jener, der ich selbst sein kann, welcher mir aber gerade ausbleibt. Das habe ich schon mit dem Lieblingsradiosender verglichen, der sich verstellt, sodass sich zwischen die schönen Töne ein unangenehmes Rauschen mischt. Diese Störung der Harmonie zeigt sich im Ton, in der Schwierigkeit, für ein möglichst erotisches Date angemessenen Blickkontakt zu halten, kurz: Wäre ich die junge Frau, könnte ich mich erotisch nicht anziehend finden, da sich alles verzieht und verzittert, während ich im erotischen Zustand geöffneter, geistig belebt, körperlich entspannt und verschmust mit angenehm großen Pupillen bin.

Weil sich mir diese Symptome i. d. R. frühestens nach dem zweiten Drink langsam lösen, muss ich zugeben, dass ich ein Problem mit Alkohol habe, jedenfalls immer am Wochenende, wenn ich mir die Zeit nehme, auch für meine erotischen Sehnsüchte zu leben. Freilich macht das erstens keine anständige Frau lange mit. Zweitens habe ich langfristig meiner Gesundheit damit geschadet, sodass die Nervosität noch stärker wird, insofern die Vitalität durch eine angeschlagene Gesundheit nicht richtig durchblüht.

Allerdings sind mir einige Bedingungen bekannt, um die Nervosität gegen Null zu senken, ohne auf ein Übermaß an Alkohol zurückzugreifen. Wenn ich ein Date habe mit einer weniger attraktiven Frau und ich eigentlich lieber eine andere träfe. Wenn ich verärgert werde, weil die Frau viel zu spät kommt. Wenn ich gerade mehrere attraktive Frauen kenne, die ich alle daten könnte, sodass nur wenig an einer hängt. Oder wenn mein Selbstbewusstsein gerade von kleinen Erfolgen erhoben worden ist: Diese können beruflich sein, wenn ich guten Unterricht gemacht habe, sodass die Schüler mich mögen. Sie können geistig sein,  wenn mir ein Gedicht oder etwas anderes Literarisches gelungen ist. Oder wenn die geistige Vitalität hochgestimmt ist, sodass ich etwas lese und mit dem Gelesenen kreativ umgehen kann. Oder es kann ein Gefühl von großer Gesundheit sein, in welchem keine Nervosität steckt.

Allen diesen Situationen liegt eine Bedingung zugrunde, die meines Erachtens nie genug betont worden ist, nämlich die Vitalität, und zwar quantitativ wie qualitativ. Hierzu bin ich froh, auf eine Stelle in „Eckermanns Gespräche mit Goethe“ gestoßen zu sein:
„ [W]as können wir denn unser Eigenes nennen als die Energie, die Kraft, das Wollen!“
Worin als in ihrer Grundvitalität unterscheiden sich denn die Menschen, wohlgemerkt nicht nur quantitativ! Etwa gibt es kränkliche Hochbegabte wie Nietzsche oder Thomas Mann, welche eine schwächere körperliche, aber eine starke geistige Vitalität haben müssen, um überhaupt fähig zu solchen durchdringenden Gedanken zu sein. Diese sind in Anbetracht der Vitalität also nicht minderwertig.

Die Vitalität ist auch deshalb grundlegend wertentscheidend, weil sie überhaupt erst frei zum moralisch Guten und Bösen macht. Denn wer voller Vitalität ist, kann etwa ein Verführer wie Don Juan werden. Fehlt sie einem, gibt es keinen Zauber, nichts erotisch Anziehendes. Erst in der Vitalität zeigt sich, ob jemand nur vermeintlich gut ist, weil er in Wirklichkeit schwach ist, oder ob er sich in der Fülle seiner Möglichkeit für ein moralisch gutes Leben entscheidet, indem er vielen Dingen entsagt, welche den Vitalen sogar schnell bedrängen.

Wenngleich auch bestritten werden könnte, dass die Vitalität normativ moralisch zu den höchsten Gütern gehöre, gibt es auf der deskriptiven Ebene keinen Zweifel darüber, wenn man nur in die sich selbst unbewusste sozialdarwinistische Welt sieht: Sowohl bei den Löwen als auch in jeder Schulklasse können sich die Vitalsten nehmen, was sie wollen. Sie werden beneidet und geliebt, sie werden bei Frauen und Männern gesucht und umworben. Alle Vortrefflichen auf der Weltbühne brillieren mit einer überdurchschnittlichen Vitalität, sei es der Sportler, der Künstler oder der Spitzenpolitiker. Insofern hängt der Wert eines Menschen von seiner Vitalität ab: auf der moralischen Ebene wegen der Willensfreiheit und auf der ästhetischen Ebene wegen der Verkörperung eines Willens zur Macht.

Wenn ich die frühkindliche Ohnmacht bedenke und die im Alter wiederkehrende, gibt es nichts Natürlicheres, als dass dieser Wille zur Macht jedem innewohnt. Da Macht nicht ohne besondere Vitalität möglich ist, wünscht sich jeder die Optimierung seiner Vitalität und sehnt sich nach Menschen, die mehr davon haben, um daran zu partizipieren.

Der Wert des Menschen hängt von seiner Vitalität ab und davon, welchen Gebrauch er davon macht. Während in der ästhetischen Grundlage (dem Körper) eine ungerechte Gabe steckt, insofern man auf die Konzepte Karma oder Gott verzichtet, beginnt das, was man sich zum Ende seines Lebens selbst zuschreiben muss, im Gebrauch der eher mickrigen oder vollen Vitalität. Weil Freiheit schon immer als das dem Menschen eigentümliche betrachtet worden ist, und sich der Grad der Freiheit mit zunehmender Vitalität steigert, ist die Vitalität grundlegend für Verehrungswürdiges. Wie ich schon andernorts angeführt habe, hingen Prinz Shakyamuni die Trauben nicht zu hoch, vielmehr entsagte er aus der vollen Freiheit heraus, entweder ein König oder ein Buddha zu werden.

Zum Schluss beziehe ich die Vitalität auf die Angst, bei welcher mein Essay begonnen wurde. Ich bin zeitlebens eher ängstlich gestimmt, ich sage nicht furchtsam, sondern ängstlich, weil es sich auch um grundlose Stimmungen gehandelt hat. Diese Angst deute ich psychoanalytisch, indem ich das vorgeburtliche wie frühkindliche Chaos, welches ich mir vom Hörensagen einigermaßen erschließen kann, als ausschlaggebend dafür ansehe, dass ich mich nur in schönen Ordnungen wohlfühle und dass ich nur wenig begierig bin, neue Situationen zu suchen, weil ich zunächst eine Bedrohung darin sehe, nämlich insofern als dass mir das Urvertrauen fehlt, neue Situationen zu meistern. Denn durch den zwei- bis dreifachen Wechsel meiner frühkindlichen Bezugspersonen wurde langsam entwickeltes Vertrauen in die Umwelt und in meine eigenen Kräfte sehr stark auf die Probe gestellt. Auch daher ist mir die Vitalität ein so übergeordneter Wert, von dem ich geneigt bin, alles andere abzuleiten. Denn je vitaler ich gestimmt bin, desto mutiger bin ich, desto mehr meistere ich alle Situationen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


autoralexanderschwarz
Kommentar von autoralexanderschwarz (04.02.2019)
Das erscheint mir mehr wie ein ausufernder Lehrervortrag als ein Essay, zumal man sich an vielen Stellen eine Fußnote oder zumindest einen (über Eckermann hinausgehenden) Verweis wünscht, um zu erfahren, ob der Verfasser diese Begrifflichkeiten selbst erdacht oder entlehnt hat. Ist das bspw. ein Rekurs auf Nietzsches Vitalismus (UZB II), zumal im Folgenden dann ja auch der „Wille zur Macht“ bemüht wird? Und was meinst du genau, wenn du vom „Wert“ eines Menschen sprichst?

Kommentar geändert am 04.02.2019 um 16:07 Uhr
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Hamlet meinte dazu am 04.02.2019:
Deine Kritik ist berechtigt. Ich habe diesen Aufsatz in einem Zug und Drang durchgeschrieben, wusste noch nicht genau wohin. Ja, Nietzsche steckt hinter dem Willen zur Macht und sein Vitalismus. Nur habe ich kein Zitat suchen können, da, wenn man einige Lieblingsdenker hat, es schwer wird zu wissen, was man genau woher hat. Denn zuweilen verdichtet es sich mit eigenen Ideen neu in einem selbst. Den Begriff "Wert" verwende ich einfach nur als ein Gut, wonach gestrebt wird, etwas Handlungsleitendes. Und das soll die Vitalität oder das hohe Leben sein.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (05.02.2019)
Kurze Zwischenfrage, bitte auch eine kurze 1-Wort-Antwort: Ist das autobiographisch oder fiktiv?
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Hamlet antwortete darauf am 05.02.2019:
Ersteres.
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Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 06.02.2019:
Danke!
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