Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Böhmc (25.03.), Kettenglied (24.03.), elissenzafine (23.03.), Kolja (16.03.), Gandha (09.03.), Ebenholz (08.03.), Thero (07.03.), zoe (07.03.), Phoenix (05.03.), Frontiere-Grenzen (04.03.), DeenahBlue (03.03.), stromo40 (26.02.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 723 Autoren und 111 Lesern. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.
Genre des Tages, 25.03.2019:
Rezension
Kritik von Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt oder anderen wichtigen Publikationen.
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Carmen - Oper in 4 Bildern von George Bizet im Aalto-Theater in Essen (16.2.2019) von tueichler (17.02.19)
Recht lang:  Rezensionen von Punkbands von HarryStraight (63179 Worte)
Wenig kommentiert:  Nordlandfahrer / Buchtipp von heor von Heor (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Den Jahren Leben geben... von Heor (nur 29 Aufrufe)
alle Rezensionen
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

"Auf-Bruch" - Fesseln sprengen - Wege gehen ...
von Symphonie
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich gerne und viel schreibe und genausogern viel lese" (Samjessa)

heimsuchung

Bericht zum Thema Befreiung


von Trainee

sie klingeln

wollen eingelassen sein
sich in mein leben schieben
unerträglich
reden vorwärtsdrängen
mich ins rückwärts reißen

stehen hier und drohen schreien
schnappen mit den stimmen über
gieren mit den krakengliedern
weisen auf ihr trautes heim

diesmal
flieh ich per fesselballon

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von BeBa (23.02.2019)
Hi Trainee,

irgendwie fasziniert mich der Text (bin ja Kafka-Fan ), aber auf der anderen Seite ist er mir zu abstrakt, um ihn kommentieren zu können.

Weiß nichts Anderes zu hinterlassen.


LG und ein sonniges Hessenwochenende,
BeBa
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Grüß dich BeBa,
du bist mir nicht nur als Sternsinger willkommen.

Aus den Folgekommentaren wird dir vielleicht ein Licht aufgehen.
Wenn nicht, fände ich das auch nicht tragisch. Das "Verstehen" ist nur ein Aspekt der Lyrik (deine Rede, nicht wahr? )

Herzliche Grüße
Trainee
diese Antwort melden
BeBa antwortete darauf am 23.02.2019:
Hallo Trainee,

du hast Recht. Ich werde mich mal durch die Interpratationen durchhangeln und dazulernen. Vielleicht geht es ja auf, das Licht. Sonst bleibt es eben dunkel.

LG
Beba
diese Antwort melden
princess
Kommentar von princess (23.02.2019)
Das ist spannend, liebe Heidrun. Ich sehe augenblicklich Gestalten aus der Vergangenheit vor mir. Gedanken, Gefühle, Ereignisse, die LyrI hinter sich gelassen glaubte. Doch nicht alles, was vergangen ist, hört auf zu leben. Hier wird LyrI eingeholt von etwas, das mal war. Es scheint, als wollten die Besucher LyrI in ein früheres Leben zurück holen.

Ist ja noch höflich, dass zu Beginn die Klingel ertönt. Die Besucher benehmen sich also zunächst wie Gäste und nicht wie Einbrecher. Und doch sind sie eine Bedrohung für das aktuelle Sein des LyrI. Es wendet sich ab, entflieht in die Lüfte. Und wird doch nicht frei, denn es bleibt nach dem Prinzip des Fesselballons mit dem Boden verbunden. Diesmal deutet darauf hin, dass es nicht die erste Begegnung dieser Art ist. Ich würde zu gerne wissen, wie es beim letzten und beim nächsten Mal zu entkommen sucht.

Ich mag den Text.

Herzlich
Ira
diesen Kommentar melden
Trainee schrieb daraufhin am 23.02.2019:
Liebe Ira,
vielen Dank für diesen schönen und erhellenden Kommentar.

Doch nicht alles, was vergangen ist, hört auf zu leben. Hier wird LyrI eingeholt von etwas, das mal war. Es scheint, als wollten die Besucher LyrI in ein früheres Leben zurück holen.
.

Du sagst es.
Und hast auf Anhieb die Funktion des Fesselballons durchschaut. Und selbst das "diesmal" ist dir nicht entgangen.

Hast ein gutes Auge für Lyrik. - Eine Principessa hatte ja früher bestimmt ein Heer versierter Privatlehrer zur Verfügung, nä?

ahnt
Trainee
diese Antwort melden
Irma
Kommentar von Irma (23.02.2019)
Ich lese das Gedicht als Loslösungsgedicht vom Elternhaus (trautes heim). Die Familie versucht (heimsuchung), das LyrIch immer wieder zurückzuziehen (rückwärts reißen). Sie drängen sich in sein Leben (wollen eingelassen sein, sich in mein leben schieben). Sie setzen LyrIch sogar massiv unter Druck (drohen schreien), versuchen es ihn ihren Armen festzuhalten, halten LyrIch fest umschlungen (krakenglieder).

Die Pubertät ist ein notwendiger Loslösungsprozess von den Eltern, aber oft fällt es den Eltern schwer, das Kind ziehen zu lassen. Sie mischen sich weiter in sein Leben, wollen die Leinen in der Hand behalten. Die Flucht per Ballon (fesselballon) ist schwer, wenn die Eltern weiter an den Schnüren ziehen. Aber Stück für Stück muss und wird die Befreiung gelingen, auch wenn unsichtbare Bande für immer bleiben.
LG Irma

Kommentar geändert am 23.02.2019 um 09:13 Uhr
diesen Kommentar melden
Trainee äußerte darauf am 23.02.2019:
Danke, Irma,

du hast nochmal im Detail aufgebröselt, worum es auf der äußeren (und dominierenden) Ebene geht.
Aber das Gedicht lässt sich inhaltlich durchaus erweitern.
Zuweilen können es sich wiederholende Verhaltensmuster anderer sein, die LyrI zu schaffen machen und es provozieren wollen.
Jene halten ihm im übertragenen Sinn ein Stöckchen hin, über das es springen soll - genau wie es das früher vielleicht auch getan hätte.

Dir einen freundlichen Gruß
Trainee
diese Antwort melden
Kommentar von SinOnAir (23.02.2019)
Hier wurde schon so viel richtiges und kluges gesagt, dass ich mich nur noch am "Fesselballon" festhalten will. Ein wunderbares Wortbild, das mir zuvor nie aufgefallen ist. In die Lüfte entschweben und doch gefesselt bleiben. Spontan fiel mir dazu folgendes Wortspiel ein:

Reisen

Sie
sich

zusammen!

Sehr schön, Trainee. LG Sin
diesen Kommentar melden
Trainee ergänzte dazu am 23.02.2019:

Reisen

Sie
sich

zusammen!


hat was. und passt wunderbar zu der von mir angedeuteten 2. Ebene.

Dir ein schönes WE im Kreise tirilierender Singvögel

Heidrun
diese Antwort melden
Sätzer
Kommentar von Sätzer (23.02.2019)
Fesselballon ist ja immer noch gebunden an die Erde. Doch es hilft wohl nur totales Abheben und irgendwo landen, wo es erträglicher ist.
LG Sä
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Da sind wir ganz einer Meinung, lieber Sätzer.

Aber wenn du immer wieder den Ort (oder ein Muster) wechselst, fehlen dir die Wurzeln.
Gab es nie "richtige", suchst du dir welche. Und das sind dann meist die falschen.
Tja.
Trotzdem:

Unerschütterliche Grüße
Heidrun
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (23.02.2019)
Hallo Heidrun,
die da eingelassen werden wollen sind Geister der Vergangenheit, die behaupten, ihr trautes Heim zurückerobern zu wollen.. Sie handeln mit einer unglaublichen Dynamik, weshalb das Gedicht mit Ausnahme des Adverbs "unerträglich" nur von Verben dominiert wird.
Das Lyrich scheint bisher nur versucht zu haben, den Okkupationsversuchen durch Flucht zu entgehen. "Diesmal flieh ich per Fesselballon." Echte Befreiung sieht anders aus. Ein gelungenes Gedicht über falsche Flucht statt Widerstand.
Liebe Grüße
Ekki
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Ach, Ekki, du kluges Wesen,

in dir ballen sich Wissen und Erfahrung zu einer pulsierenden Masse zusammen.
Da müssen sich deine inneren Organe bestimmt ein bisschen kleiner machen, um dafür hinreichend Platz zu schaffen!

Und ja, Befreiung sieht anders aus. Im Grunde gelingt sie wohl nur wenigen...

Dir meinen Respekt und
herzliche Grüße
Heidrun
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (23.02.2019)
Ich habe Jene vor Augen, die einem an der Haustür Diverses verkaufen wollen: Staubsauger, Gott, Nationalismus...

Ja, ein Fesselballon ist sicherlich eine viel gesetzestreuere Reaktion als ein Maschinengewehr. Mit einem Maschinengewehr kann ich aber besser umgehen. Was nun...?
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Hallo Trekan,

ich verstehe gut, was du mir sagen willst.
In Gedanken bin ich diesen Weg durchaus gegangen. Und habe sogar - hier muss ich mal aus der Schule plaudern - in den frühen 80ern einen Schnellkurs im Steine- Werfen absolviert. Nicht um auf Sachen, Tiere oder Menschen zu zielen, sondern um einmal selbst diejenige zu sein, die schmeißt. -
Das war für mich eine in jeder Hinsicht befreiende Tat, die vieles löste, was zuvor verknotet war.

Liebe Grüße
Trainee
diese Antwort melden
GastIltis
Kommentar von GastIltis (23.02.2019)
Hallo Heidrun, ich weiß, dass du dich bzw. dein LI sich im persönlichen Milieu bewegt. Dennoch erinnert mich dein Text an eine tragische Geschichte, die von einer mecklenburgischen Kleinstadt handelt, in der gleich nach der Wende das aufkeimende Handwerk unbeachtet blieb und die Orientierung, vieles war ja neu, gen Westen ging. Bis durch eine Initiative an einem Wochenende das Rathaus zugemauert wurde, um den Stadtvätern einen Denkzettel zu verpassen. Hat sich etwas verändert? Nicht viel. Später hatte ich mal mit dem Hauptinitiator, einem Bauunternehmer gesprochen und mir Zeitungsausschnitte der Aktion kopieren lassen. Einige Jahre später hat er sich das Leben genommen. Übrigens ist es das schönste Fleckchen Erde, das ich in Mecklenburg kenne. Soviel eben auch zum trauten Heim. Liebe Grüße von Gil.
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Hallo Gil,

das "traute Heim" ist in der Tat die Stelle, die zweideutig gemeint und wohl auch so verstanden wird.
Obwohl ehemalige Westberlinerin, habe ich seinerzeit mit Empörung verfolgt, wie die sog. Errungenschaften des Sozialismus (Gute Schulen, Betriebskindergärten, landwirtschaftlichen Genossenschaften und, und, und) systematisch platt gemacht worden sind. Und das ohne jede Notwendigkeit. Aus purer Dummheit und aus Gier.

Die kleinen, schnuckligen Handwerksbetriebe gibt es wohl inzwischen wieder; ich konnte sie neulich in Weimar bewundern.
Aber vieles wird wohl für immer zerstört bleiben. Es ist, als habe es einen Teil deiner Heimat nie gegeben.

Liebe Grüße
Heidrun
diese Antwort melden
Kommentar von harzgebirgler (23.02.2019)
meist bleibt ein befreiungsschlag
aus wohl bis zum jüngsten tag.

nachdenkliche grüße
harzgebirgler
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Du sagst es, Harzgebirgler.
Vielleicht ist es für Frauen noch ein bisschen schwerer.
Die haben es ja oft nicht so mit dem Schlagen.

Liebe Grüße und vielen Dank
Trainee
diese Antwort melden
Kommentar von niemand (23.02.2019)
Hier könnte man so einiges hinein deuten. Mir erschien es beim Lesen so, als hätte das lyrische Ich einen Rückfall in eine bis dato einigermaßen "überwundene" psychische Erkrankung erlitten. Das Klingeln ist also kein Klingeln an der Eingangstür, sondern ein Klingeln in den Ohren [sowas wie ein Tinitus] nach welchem die Geister der Vergangenheit wieder auftauchen uns zwar so peu a peu und immer lauter und immer mehr. Sie wollen ja ihr "trautes Heim"=die Psyche wieder ganz für sich haben. Es passt ihnen nicht, dass da noch ein sogenanntes zweites [vielleicht gesundes] Ich vorhanden ist. Es ist für mich irgendwie ein Rückfall, aber einer den das Lyrich als solchen spürt irgendwie. Es ist ihm nicht unerklärlich, da vielleicht schon einige solcher Rückfälle erlebt wurden. Das Lyrich möchte, weiß aber, dass es nicht entfliehen kann, weil die Krankheit fesselt. Da muss man wieder andere Wege beschreiten um zu entkommen [Therapie]. Ballon wäre schön, weil es ein leichtes Fliehen wäre. Man steigt aus dem ganzen Elend nach oben, Doch wenn der Ballon nicht kann ... Das wäre so meine bescheidene Lesart. Egal jedoch was letztlich richtig ist, das Gedicht vermag schon zu fesseln. Mit lieben Grüßen, Irene
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 23.02.2019:
Liebe Irene,
das ist gar nicht so weit hergeholt, wie man zunächst vermuten könnte.

Eine unglücklich erlebte Vergangenheit, immer wiederkehrende Verhaltensmuster (eigene und die der anderen) können durchaus als ein Art psychischer Erkrankung verstanden werden., die nur schwerlich einen Ausweg zulässt.
Vielleicht nicht nur, weil der Ballon nicht fliegt, sondern weil es der Gefesselte selbst nicht vermag ...

Ich habe bereits etwas Weiterführendes in Arbeit, das dir und mir Auskunft darüber geben wird.

Herzliche Grüße
Heidrun
diese Antwort melden
Jorge
Kommentar von Jorge (23.02.2019)
Wer heimgesucht wird, sucht selten das Heim. Nicht immer gelingt die Flucht in die Freiheit. Selbst ein Fesselballon gibt nicht immer genug Luft zum Atmen, wenn er in die Luft geht.

Befreite saludos
Jorge
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 24.02.2019:

Wer heimgesucht wird, sucht selten das Heim.


Ein guter Spruch, den ich mir merken werde.

Lieben Dank und Gruß
Heidrun
diese Antwort melden
TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (24.02.2019)
Hallo Heidrun,
ein überzeugendes Sprachbild, mit dem Fesselballon die Freiheit erringen!
Liebe Grüße
TT
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 24.02.2019:
Danke schön, Tasso.

Besser klappt's bestimmt, wenn man alle Seile kappt. Kann aber sein, dass man dann sofort ins Ewige abdriftet ...

Liebe Grüße
Heidrun
diese Antwort melden
Piroschki
Kommentar von Piroschki (27.02.2019)
Mir fielen sofort die Seeleneinkäufer ein. In welcher Form auch immer: ob Religionen, Ideale - jene, die nur Schwarz oder Weiß gelten lassen, hehre Ziele verkaufen und insgeheim gieren: nach Macht, Reichtum, Seelen oder einfach nur nach Überhöhe - sie versprechen den Himmel und erzeugen die Hölle. Und sie sterben nicht aus, trotz aller Erfahrungen wachsen sie immer wieder nach. Sehr gelungen!
Lieben Gruß von P.
diesen Kommentar melden
Trainee meinte dazu am 27.02.2019:
Danke schön,

deine interessante Interpretation freut mich sehr.
Es ist immer wieder spannend, was Lyrik "hervorzukitzeln" vermag.

Herzliche Grüße
Trainee
diese Antwort melden

Trainee
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Veröffentlicht am 23.02.2019. Textlänge: 41 Wörter; dieser Text wurde bereits 152 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 24.03.2019..
Empfohlen von:
HerrSonnenschein, Piroschki.
Lieblingstext von:
EkkehartMittelberg.
Leserwertung
· aufwühlend (1)
· ergreifend (1)
· spöttisch (1)
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Mehr über Trainee
Mehr von Trainee
Mail an Trainee
Blättern:
voriger Text
nächster Text
zufällig...
Weitere 1 neue Berichte von Trainee:
Begegnung um Mitternacht
Was schreiben andere zum Thema "Befreiung"?
Fast wie Bluna (eiskimo) Stark genug (Xenia) Leicht (Xenia) Sie (Xenia) Auf Schätzchensuche (eiskimo) Den Wohlltaten entronnen (eiskimo) verbrecher (toyn) Holzbanktexte (tulpenrot) inklusen (Perry) Mehr (Xenia) und 218 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de