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Scheherazade oder: Die Kraft von Worten.

Ansprache zum Thema Lernen


von stromo40

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten!

Sie haben heute schon und sie werden noch viele gute, heitere und ernste, Gedanken und Wünsche hören. Ich möchte nur einen beisteuern.

2001, das Jahr Ihres Abiturs, hat Sie zu Ihrem Motto inspiriert: 'Träume aus zweitausendundeiner Nacht'. Das Motto erinnert an 'Alf laila walaila', 'Tausendundeine Nacht', jene berühmte arabische Sammlung von Märchen (Aladins Wunderlampe, Ali Baba...), von Romanen und Novellen (über Ritter, Seefahrer, Schelme, über Liebe und Erotik), von Sagen, Legenden, lehrhaften Geschichten, Humoresken, Anekdoten (zum Beispiel über den berühmten Harun al Raschid).

In meinem Elternhaus gab es zwei Bücher zu dieser Sammlung. 'Märchen aus Tausendundeiner Nacht' hieß das eine, 'Geschichten aus Tausendundeiner Nacht' das andere. Nur das zweite enthielt auch die Rahmenhandlung, und ich war von Anfang an fasziniert von Scheherazade, der Erzählerin. Ich weiß nicht, inwieweit die Rahmenhandlung allen bekannt ist, ich zitiere aus dem Brockhaus in der Schulbibliothek:

"Ein König von Samarkand" (Das ist wo? Richtig, im Osten Usbekistans, nicht weit von Afghanistan.), also: "ein König von Samarkand, von seiner Gemahlin mit einer schwarzen Sklavin betrogen, verliert den Glauben an die Treue der Frauen. Er heiratet deshalb jeden Abend eine neue Frau und lässt jede am Morgen nach der Hochzeitsnacht töten. Die kluge Scheherazade, Tochter des königlichen Wesirs, fesselt den König durch ihre Erzählung, die sie von Nacht zu Nacht weiterspinnt, durch 1001 Nächte, und erreicht, dass er ihr das Leben schenkt."

Über den ersten Teil dieser Rahmenhandlung ließe sich viel sagen:
Warum lässt sich die Königin mit einem Sklaven ein, und warum ist der ausgerechnet schwarz? Warum verliert der König daraufhin den Glauben an die Treue DER Frauen? Was ist das für eine Rache, jeden Tag neu: Heirat, also rechtliche Inbesitznahme einer Frau; Hochzeitsnacht, die Inbesitznahme wird auch rituell vollzogen - und dann wird das Eigentum vernichtet. Auf all das will ich aber nicht eingehen, sondern den Blick nur auf Scheherazade lenken, die buchstäblich um ihr Leben erzählt.

Können Worte, Geschichten tatsächlich so in eine Welt des Todes eindringen und sie verwandeln? Was ist das für ein Zauber, welche wunderbare Kraft bewirkt das? Das Vertrauen von Menschen in die Kraft der Geschichten war so groß, dass viele Generationen und Kulturen solche Geschichten zusammengetragen haben. Die 'Literaturarchäologen' haben in den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht eine indische Grundschicht, eine persische Schicht, eine arabisch-syrische Schicht, eine arabisch-ägyptische Schicht und viele weitere Einflüsse gefunden.

Mir war seit meiner ersten Begegnung mit der Geschichte von Scheherazade und mit ihren Erzählungen nicht zweifelhaft, dass Worte diese Macht haben können. Und ich hoffe, dass Sie irgendwann einmal in der Schule (das wäre schön!) oder außerhalb diese Magie der Worte, der Phantasie, gefangen genommen hat:
Da ist auf geheimnisvolle Weise Leben jenseits dessen, was wir in der Regel 'das reale Leben' nennen und was oft doch nur eine Welt des Todes repräsentiert.
Dies in der Schule zu erfahren, ist sicher nicht ganz leicht. Das Sezierbesteck der literarischen Analyse ist ja zweischneidig: Einerseits erlaubt es ein tieferes Eindringen und Verstehen, andererseits bleibt nach Anwendung oft nur eine Leiche zurück.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass dieser Teil des Lebens, für den Scheherazade steht, Teil ihrer Zukunftsträume ist und bleibt. Der Zukunftsträume, die Sie mit Straßenkreuzer, Luxusyacht und Dollars, die vom Himmel regnen, auf Ihrer Abi-Zeitung sicher nur karikiert haben. Ich wünsche Ihnen, dass der Zugang zu diesem Bereich des Lebens, der mit der literaturwissenschaftlichen Kategorie der 'fiktionalen Literatur' leicht verstellt wird, Ihnen nie verloren geht.

Dass dieser Wunsch bei Ihnen eine Chance hat, dafür möchte ich zwei Dokumente aus der Geschichte Ihres Jahrgangs zitieren. Das erste stammt vom 7. Juni 1996 und lautet:
"Sehr geehrter Herr Steil, aus Folge guter Zusammenarbeit mit Frau .... wünschen wir, die Klasse 8...., Sie auf, sich für die Erhaltung dieser, einzusetzen."
Es folgen 18 Unterschriften, ein Großteil der Unterzeichner und Unterzeichnerinnen ist hier und wird nachher das Zeugnis der Reife empfangen.

Hand auf's Herz: Wenn der 'Sultan von GyNo' der Welt des Königs von Samarkand zuzurechnen wäre, wenn er wirklich Macht über 'die Erhaltung dieser' gehabt hätte und wenn diese Worte das hätten bewirken müssen, es hätte schlecht ausgesehen für Ihre Jahrgangsleiterin, oder? Und bestimmt auch für die Bittsteller!

Aber: Der Sultan hatte nicht zu entscheiden. Und der Sultan hängt der Tugend der Hoffnung wider den Anschein an - zu Recht, wie das zweite Dokument zeigt. Es ist auf Ihrer Jahrgangsfahrt entstanden, Autor bzw. Autorin kenne ich nicht. Es ist ein Gedicht:

Italien

trockene Erde
schenkt gratis Weintrauben zum Mitnehmen

grastrocken

und kantige Steine unterbrechen scharf
entspannte Schritte

die Steine hinterlassen stumpfen Sandstaub
wie mehlige Brötchen

nach dem Ausstieg aus dem Himmelbett:
Weiten


Spüren sie das Leben? Da klingt sie an, die Wirkmächtigkeit des Wortes.
Schütten Sie den Zugang zu dieser Welt nie zu und lassen ihn nie zuschütten.
In diesem Sinne: Vergessen Sie Scheherazade nicht!

Und wenn Ihnen manchmal der Sultan in den Sinn kommt, würde es ihn freuen. Er jedenfalls wird Sie vermissen und nicht vergessen, jedenfalls so lange, wie ihn die Vergesslichkeit des Alters nicht heimsucht.
.
Massel tov! Alles Gute!

Anmerkung von stromo40:

Abitur 2001 am Gymnasium der Gemeinde Nottuln, heute Rupert-Neudeck-Gymnasium.
Aus der Begrüßungsansprache des Autors und damaligen Leiters der Schule.


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Veröffentlicht am 02.03.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 09.03.2019). Textlänge: 827 Wörter; dieser Text wurde bereits 105 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.05.2020.
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