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El hombre sirena - un cuento fantásticoInhaltsverzeichnisJugend - das Schweben zwischen zwei Welten

Die verschwimmende Grenze

Text


von aliceandthebutterfly

Eine andere Welt, die sich unserem Alltagsbewusstsein entzieht… Wenn man sich dem Begriff der Phantastik anfänglich nähert, so gilt es, erst einmal seine Bedeutung als Gegenwelt zu einer empirisch erfahrbaren Realität festzuhalten.  Der Einbruch des Fremden und Unerklärlichen in die vermeintliche Normalität gehört zur Basis der theoretischen Erklärungen zur Phantastik, wie aus den folgenden Zitaten von Caillois und Castex ersichtlich wird:
„le fantastique est rupture de l`ordre reconnu, irruption de l´inadmissible au sein de l´inaltérable légalité quotidienne“ und „(…) une intrusion brutale dans le cadre de la vie reélle.“

Auch in El hombre sirena wird eine Welt gezeichnet, die mit unserer Wahrnehmung der Realität übereinstimmt. Aber schon im ersten Satz bricht die phantastische Dimension über die Wirklichkeit hinein:
„Estoy sentada en el bar del puerto, esperando a Daniel, cuando veo al hombre sirena mirarme desde el muelle.“
Die Grenze zwischen den Welten – der Normalität und dem Übernatürlichen – wird mit dem Auftauchen dieses mythischen Wesens durchbrochen. Nun würden sich die meisten Menschen in einer solchen Situation über die Erscheinung wundern, ihrer Zurechnungsfähigkeit und den eigenen Sinnen misstrauen, sich fragen, ob wohl ein Übermaß an berauschenden Substanzen durch ihre Blutbahnen rinnt. Das Mädchen, das gerade noch auf ihren Bruder gewartet hat, lässt sich aber nicht so schnell aus der Ruhe bringen – sie nimmt die Erfahrung an. In ihre Beschreibung des Wesens mischt sich lediglich eine leichte Verwunderung darüber, dass es so gar nicht ihren (und unseren) Vorurteilen dieser Meeresbewohner entspricht:
"Contra la idea que se tiene de las sirenas, hermosas y bronceadas, éste no sólo es del otro sexo sino que es bastante pálido. Pero macizo, musculoso. Cuando me ve se cruza de brazos –las manos bajo las axilas, los pulgares hacia arriba-, y sonríe. Me parece un gesto demasiado canchero para un hombre serena."

Der Mangel an Staunen und Ungläubigkeit, mit dem das Mädchen auf das Eindringen des Phantastischen – in Gestalt des Sirenenmannes – in ihre Wirklichkeit reagiert, rückt die Erzählung in die Nähe des Märchens; denn im Märchen wird das Wunderbare kritiklos angenommen.
Caillois sieht in der Gattung des Märchens „eine Nebenwelt mit eigenen Gesetzen, die als wunderbar akzeptiert wird". Mit dieser Erklärung grenzt er Phantastik und Märchen voneinander ab und meint:
"In einer Wunderwelt verliert das Außergewöhnliche seine Macht. Es kann nur erschrecken, wenn es eine unveränderbare, starre Ordnung zerbricht oder in Frage stellt, eine Ordnung, die an sich durch nichts hätte erschüttert werden können und die sich als Garantie der Vernunft offenbarte."
In dieser Erzählung von Schweblin finden wir aber auch die besagte Ordnung vor, die Darstellung einer urbanen, modernen Welt, die uns heute unter dem Einfluss der Globalisierung nur allzu bekannt vorkommt. Doch anstatt von einem „Zerbrechen“ dieser Ordnung, würde ich hier eher von ihrem „Verschwimmen“ mit der phantastischen Welt sprechen. Der Sirenenmann wird von der Ich – Erzählerin als solcher und als Figur einer Überrealität erkannt, aber darum ein großes Aufheben machen, das muss sie nicht. Auch der hombre sirena durchbricht in seinem Verhalten, seiner Ausdrucksweise diese Grenze zwischen den Welten – er ist nicht als „rein“ phantastisch erkennbar.
„Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen beispielsweise, verliert ihre Stimme an die Hexe. Stumm wie sie ist, kann sie dem Prinzen ihre Liebe nicht gestehen. Ihrer mythisch romantischen Stimmlosigkeit steht die lautstark moderne Straßensprache unserer männlichen Seejungfrau gegenüber: „Qué hace una moracha tan sola, en el muelle?“ / „Tutéame, preciosa“ Spricht so etwa ein Meerjungmann?

Zwischen ihm und dem Menschenmädchen erspinnt sich im Laufe der Erzählung ein Gespräch, in dem sich allzu Reelles, wie der bevorstehende Tod der Mutter des Mädchens, mit gewöhnlichen Floskeln des Kennenlernens, wie der Frage nach einem Sternzeichen,  abwechselt. Die Beiden reden unschuldig, offen und von gleich zu gleich miteinander; auch der Sirenenmann, ein Einzelkind, wird von Familienproblemen in Form einer besitzergreifenden Mutter geplagt - die Welten verschwimmen.

Auch wenn die äußere Gestalt des Mannes nur ein bisschen menschlich ist, seine Reden, sein Verhalten sind es sehr: er raucht, sie lutschen gemeinsam Mentholbonbons und er möchte mit dem Mädchen essen oder ins Kino gehen (denn er sei ein Kinoliebhaber, meint er). Wie er mit seinem Fischschwanz ins Restaurant oder Kino kommen kann, wird nicht erklärt. Die Tatsache, dass er es könnte, wird einfach akzeptiert. Ist das nun nicht die Akzeptanz des Wunderbaren? Und doch ist es eine phantastische Geschichte. Denn wie die anderen Erzählungen von Schweblin weist  El hombre sirena Leerstellen auf, die in Zusammenhang mit ihrem Konzept der velocidad stehen:
"(…) Eso es velocidad: cada vez que, con una sola línea del escritor, se disparan cinco o seis líneas en la cabeza del lector. Tenemos velocidad, y contra lo que se cree, acá velocidad no es `superficialidad`, velocidad es precisión, y es sutileza, pero sobre todo, es sacar la mitad de la historia del papel, y ponerla en la cabeza del lector.“
Die Fragen und Zweifel sind vorhanden und eine Aufgabe des Lesers ist, sie zu stellen, sich mit ihnen zu beschäftigen. Sie stehen im Text, nur sind sie nicht sichtbar, man findet sie zwischen den Zeilen erzählt. Schweblin hat in die Leerstellen Zweifel und Fragen gestreut, die sich im Kopf des Lesers festsetzen: Wie kann sich der Sirenenmann auf dem Festland bewegen? Weshalb wundert sich das Mädchen nicht über sein Erscheinen? Ist er überhaupt real oder existiert er nur in ihrer Einbildung?
Vor allem diese letzte Frage ist bedeutend, um die Erzählung auch unter Berücksichtigung der Definition von Tzvetan Todorov als phantastisch gelten zu lassen. Im Gegensatz zu den Erklärungen von Castex und Caillois, mit denen ich mich weiter oben beschäftigt habe, steht das übernatürliche Ereignis, welches die reelle Ordnung zerbricht, nicht im Zentrum seiner Überlegungen. Viel wichtiger ist für ihn der Begriff der „Unschlüssigkeit“: Handelt es sich wirklich um ein übernatürliches Ereignis oder gibt es eine rationale, realistische Begründung dafür? Und so schließe ich dieses Kapitel mit einer weiteren Frage: Was könnte uns Leser an der Ich – Erzählerin so sehr zweifeln lassen, dass wir ihrer Wahrnehmung misstrauen?

El hombre sirena - un cuento fantásticoInhaltsverzeichnisJugend - das Schweben zwischen zwei Welten
aliceandthebutterfly
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Zwischen den Welten - Grenzerfahrungen in den Erzählungen der Samanta Schweblin.
Veröffentlicht am 14.03.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 15.03.2019). Textlänge: 973 Wörter; dieser Text wurde bereits 8 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 20.03.2019..
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