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Jugend - das Schweben zwischen zwei Welten

Text


von aliceandthebutterfly

Die Ich – Erzählerin ist ein Mädchen – noch nicht erwachsen, aber sicherlich kein Kind mehr. Ihr Vater ist tot, ihr Bruder versucht sie zu kontrollieren und die Mutter liegt im Sterben und ist zudem verrückt. Vielleicht hat sie Freundinnen, Verwandte, mit denen sie sprechen kann, vielleicht hat sie niemanden und vielleicht gibt es Sachen im Leben, die einfach niemand anderer verstehen kann… außer… vielleicht… ein Sirenenmann.
Seine Rolle in der Erzählung erinnert mich an die „unsichtbaren Freunde“ mancher Kinder. Sie spielen mit ihnen, reden mit ihnen  - und die „Großen“ sehen nur Luft.
Die Erzählerin schwebt zwischen zwei Welten: der Kindheit und dem Erwachsensein - und an diesem kritischen Punkt ihres Lebens angelangt, wird sie ihre Mutter verlieren. Wäre es da nicht denkbar, dass sie durch die Schranke zurück in ihre Kindheit geflüchtet ist? Dass sie in einer Zeit, als es ihrer Mutter noch gut ging, Zuflucht sucht? Und in dieser Welt angelangt, findet sie auch die märchenhafte, phantastische Seite des Lebens wieder: den Sirenenmann, einen - vielleicht für andere unsichtbaren - Freund, mit dem sie endlich über Unaussprechliches sprechen kann und der sie versteht.

Der Tod ist wohl – neben der Geburt – der wichtigste Übergang in unserem Leben; er löst Angst aus und bedeutet Abschied. Auch die Pubertät ist ein kleiner Tod, der den Abschied von dem Kind, das wir einmal waren, bedeutet. Ein Thema der Erzählung ist demnach das Sterben, mit dem die Ich – Erzählerin in mehrfachem Sinne konfrontiert wird. Und dass sie gerade in diesem Augenblick, in dieser Übergangsphase ihres Lebens Zugang zu der phantastischen Welt findet, ist vielleicht kein Zufall.
Hans Peter Duerr verwendet in Traumzeit den Begriff „Zwischen den Zeiten“, womit er den Moment meint, „wenn die alte Zeit vergangen und die neue noch nicht angebrochen ist,“ Was in einer solchen Nichtzeit, wie sie auch unsere Heldin erlebt, passieren kann, erklärt er später:

„>Zwischen den Zeiten< bedeutet eine Krisis in der Ordnung der Dinge. Die Normalität ist außer Kraft gesetzt, oder genauer gesagt, Ordnung und Chaos hören auf, Gegensätze zu sein. In dieser Krisenzeit, in der sich auch die Natur regeneriert, indem sie zuvor stirbt, >sterben< auch die Menschen und schwärmen als Geisterwesen durch die Gegend, um zur Wiederbelebung der Natur, von der sie ein Teil sind, beizutragen."

Die Ich – Erzählerin wird zwar nicht zu einem „Geisterwesen“, aber sie trifft auf eines – den Sirenenmann – und ich denke, dass ihm die Aufgabe zukommt, dem Mädchen bei ihren Erfahrungen mit dem Sterben weiterzuhelfen; ja es vielleicht sogar wiederzubeleben.

Die Verbindung zwischen den Sirenen und dem Tod ist eine alte – ursprünglich, wie beispielsweise in der Odyssee, wurde ihnen ein Vogelleib zugeschrieben – sie waren „Seelenvögel“. Beim Ansehen solcher antiker Darstellungen der Sirenen, fand ich, dass sie eher Engeln als den heute bekannten Meerjungfrauen gleichen.
Dergestalt fand man sie in früheren Zeiten auf Grabsteinen abgebildet, sie wurden zu „Todesengeln“, zu Begleitern in die andere Welt.
Unser Sirenenmann verkörpert einerseits die auch sinnliche Liebe, also einen Aspekt des Erwachsenenlebens. Möglicherweise steht er deshalb unter anderem für die Initiation des Mädchens in diese neue Phase ihres Lebens (und den Tod ihrer Kindheit). Im Gespräch vertraut sie ihm die Probleme an, die auf ihrer jugendlichen Seele lasten. Der Sirenenmann hört zu. Er ist wie ein Engel, ein Helfer, der ihr die Hand reicht und versucht, sie über die Hindernisse hinweg - über die Brücke - in ein neues Leben zu begleiten:
„(…) y me tiende la mano en un gesto que me invita a subir.“ / „Trabo un pié contra el muelle y tomo la mano que vuelve a ofrecerme.“ / „Une las palmas de las manos, y me ruega con una mueca graciosa, como un ángel a punto de llorar.“

Aber, um auf die letzte Frage des vorherigen Kapitels zurückzukommen: Ist das nun alles wahr? Spielt sich diese Begegnung nur in der Phantasie des Mädchens ab oder kommt es wirklich zum Einbruch des Phantastischen in die natürliche Ordnung? Ich denke, dass diese Frage am Ende unaufgelöst bleibt und somit mit der Forderung Todorovs an das Genre übereinstimmt:
"Das Fantastische liegt im Moment dieser Ungewißheit; sobald man sich für die eine oder die andere Antwort entscheidet, verläßt man das Fantastische und tritt in ein benachbartes Genre ein, in das des Unheimlichen oder das des Wunderbaren. Das Fantastische ist die Unschlüssigkeit, die ein Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Anschein des Übernatürlichen hat. "
Die Überforderung des Mädchens mit der Situation lässt die Vermutung zu, dass sie sich den Sirenenmann selbst erschaffen hat. Dass sie, um sich zu schützen, in einen kindlichen Zustand zurückfällt, der ihr einen „unsichtbaren“ bzw. „Phantasiefreund“ erlaubt. Gleichzeitig könnte durch das, was sie erzählt, auch der Verdacht aufkommen, dass sie an einer psychischen Erkrankung leidet. Sie sagt, sie sei krank, glaubt aber es sei das Herz, weshalb sie Distanz halte. Sie spricht von der Verrücktheit ihrer Mutter; vergleicht sich auch mit ihr:
„-No. Mamá es como yo, somos mujeres independientes y necesitamos nuestro espacio.“

Vielleicht ist das Leiden ihrer Mutter auch ihr eigenes… So gesehen erscheint das Verhalten ihres Bruders Daniel in einem anderen Licht. Denn weshalb wird die Ich – Erzählerin dermaßen streng von ihm bewacht? Seine Wohnung liegt in der Nähe zu der ihrigen, er lässt sie von Nachbarn und dem Besitzer der Hafenkneipe beobachten, will eine Frau anstellen, die auf sie Acht gibt. Wenn er meint: „(…) yo creo que es peligroso que una chica como vos viva sola.“ bedeutet das „wie du“ möglicherweise - ein Mädchen das verrückt ist – und er hat einfach Angst, dass er außer seinen Eltern, auch noch seine Schwester verlieren wird.
Ob der Sirenenmann nun wirklich auf der Hafenmole sitzt, mit ihr spricht, sie küsst; ob er ein Produkt der Einbildung ihres kindlichen Wesens oder ob er gar eine Halluzination, ein Symptom von Krankheiten wie Psychose, Schizophrenie… ist – dieses Rätsel bleibt ungelöst. Jedenfalls tritt er als Helfer in einem Moment auf, der ihre ganze bisherige Welt zu zerbrechen bedroht.

Die verschwimmende GrenzeInhaltsverzeichnisWasser und Land
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