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Die Möglichkeit der Liebe

Text


von aliceandthebutterfly

Über die Geburt und das Meer habe ich nun schon geschrieben und auch Aphrodite – „Die Schaumgeborene“ – Göttin der Schönheit und der Liebe, wurde aus diesen Tiefen geboren. Das Meer ist ein Ort der Liebe. Und in El hombre sirena wird von der Liebe, der Möglichkeit zur Liebe, erzählt.
Diese Möglichkeit ist eine Zwischenwelt, hier ist alles noch unsicher - weder befindet man sich in der vorherigen Welt, in welcher man alleine dastand; noch hat man sich wirklich auf die andere Welt und den anderen Menschen eingelassen:
„(…) Aunque no puedo decirle que lo amo: no todavía, debe pasar más tiempo, debemos hacer las cosas paso a paso. Primero él al cine, después yo al fondo del mar.“
Dies ist auch ein Beispiel dafür, mit welcher humorvollen Leichtigkeit sich Samanta Schweblin zwischen der phantastischen und realen Ebene bewegt. Und leicht ist auch das, was zwischen dem Mädchen und dem Sirenenmann ist. Die Liebe, von der hier erzählt wird, ist eine jugendliche, in der nur der Moment – ohne irgendwelche Absichten, Lebensplanungen… – zählt.

Die erste Annäherung der Beiden ist so, wie sie sie wohl auch junge Menschen aus der „realen“ Wirklichkeit erleben – die „Flirtsprache“ des Sirenenmannes, sein selbstbewusstes Auftreten; die körperliche Anziehung, die bei dem Mädchen Unsicherheit und auch ein wenig Schamgefühl auslöst:
„(…) siento que la frescura de su cuerpo me llena de una felicidad vital. Me da vergüenza y me suelto. No sé que hacer con las manos. Sonrío. Él se arregla el pelo – tiene un jopo muy a lo americano- (…)„
Die uns bekannte Wirklichkeit können wir hier wiedererkennen - die verschwimmende Grenze zwischen Phantastik und Realität zeigt Situationen auf, die aus dem Leben gegriffen sind. Verfremdend wirkt einzig die äußere Gestalt des Sirenenmannes, das Merkmal, welches ihn als phantastisch ausweist.

Zwischen den – sehr menschlichen – Dialogen, fügt die Ich – Erzählerin immer wieder Beschreibungen von seinem halbmenschlich- halbfischigen Körper ein, so dass wir uns erinnern, dass es sich bei ihm nicht um einen „normalen“ jungen Mann handelt.
Einerseits verstärken diese Beschreibungen den Eindruck der Phantastik und des Meeres in der Erzählung, aber sie sind auch sinnlich und stehen möglicherweise für die (oben genannte) Initiation des Mädchens in die Welt der Erwachsenen, für das Erwachen ihres Liebeslebens:
Miro sus piernas, o mejor dicho, su cola brillante que cuelga sobre el hormigón. / Tiene la piel helada, como pescado de congelador. / Tiene la piel lisa, ni un solo pelo en todo el cuerpo, y llena de pequeñas aureolas de polvillo blanco, apenas visibles, quizá formadas por la sal del mar. / Por primera vez reparo en sus labios. ¿Serán también heladas? /  u.s.w.

Hier ist es der Mann, der verführerisch wirkt und er tut auch das Seinige dazu, das Mädchen auch wirklich zu verführen: er nimmt ihre Hände, drückt sie auf seinen Waschbrettbauch, will mit ihr ausgehen… Und seine Versuche zeigen Wirkung, die Beiden küssen sich und unsere Heldin trifft dann sogleich eine Entscheidung:
Pero ya tomé una decisión, irrevocable, ya nada me separará de él. Yo, que toda la vida creí que se vive por un único amor, encontré al mío en el muelle, junto al mar, (…)“ Sie will über die Grenze, sie will den Sprung wagen: hinein in das Land der Liebe -
der Liebe - oder das einer verführerischen Illusion – vielleicht gar – eines irreführenden Wahngebildes? Der Grund des Meeres ist kein Ort, an dem wir Menschen überleben können…

Und zu den Sirenen gehört auch die Verlockung. So stiegen die Schwestern der  „Kleinen Meerjungfrau“ an stürmischen Abenden bis an die Oberfläche des Meeres und sangen für die Seeleute von der Schönheit, die am Grunde des Wassers auf sie wartete. Die Männer, die den wundervollen Gesang der Nixen für das Stürmen  des Windes hielten, kamen dann auch… als Leichen schwebten sie hinab bis zum Schloss des Meereskönigs.
Die schönen Stimmen der Sirenen stellten auch eine Gefahr für die Gefährten Odysseus dar, als die heiße Mittagssonne das Wachs in ihren Ohren schmelzen lies. Und die anderen Meerfrauen der Odyssee – Kirke und Kalypso – welche auch für eine Unterwelt - Totengöttin stehen, versuchten die Seefahrenden von ihrer Rückkehr zur Heimat – der Welt der Lebenden - abzuhalten.
Was, wenn nun auch der Sirenenmann unserer Erzählung diese dunkle Seite seiner Meeresschwestern in sich beherbergt? Vielleicht birgt er in sich denselben Zwiespalt, wie man ihn auch bei Aphrodite findet, die nicht nur „die Güldene“, sondern auch „die Schwarze“ als Beinamen hat – vergleichbar mit Platons Konzept der „himmlischen“ und der „irdischen, käuflichen“ Liebe.  Vielleicht ist der rettende Helfer, der engelhafte Traummann ebenso ein düsterer Lockvogel…

Als ich die Erzählung das erste Mal gelesen habe, interpretierte ich das Ende, das Verlassen des Sirenenmannes, als Feigheit, als Zurückweichen vor der Liebe – aus Angst. Doch mittlerweile, mit dem Bewusstsein, dass das eigentlich dargestellte Problem die schreckliche momentane Lebenssituation der Ich - Erzählerin ist, habe ich meine Meinung geändert.
Dass die Liebe manchmal eine Illusion, auch eine Fluchtmöglichkeit, sein kann, dies gehört zu den Erfahrungen des Lebens. Und nichts ist verständlicher, als dass dieses junge Mädchen einfach flüchten, untertauchen möchte – die Augen vor dem Unausweichlichen schließen und sich in einer Welt der Phantasie, der Liebe, vielleicht auch des Wahns verlieren will.

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