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Leben im Käfig

Text


von aliceandthebutterfly

But a bird that stalks
down his narrow cage
can seldom see through
his bars of rage
his wings are clipped and 
his feet are tied
so he opens his throat to sing.

(…)
for the caged bird 
sings of freedom.   

(Maya Angelou. Caged Bird)


              I know a cat named Easter
              he says will you ever learn
you`re just an empty cage girl if you kill the bird.

(Tori Amos. Crucify)


Diese Ausschnitte aus einem Gedicht von Maya Angelou und einem Songtext von Tori Amos erzählen - wie Samanta Schweblin - vom im Käfig gefangenen Vogel.
Bei der Dichterin verursacht die Gefangenschaft leidvollen Gesang, der nach Freiheit verlangt; das lyrische - Ich der Musikerin weiß irgendwann, dass es nur noch ein leerer Käfig sein wird, wenn es den Vogel - das Freisein - in sich tötet.
Wir sehen, dass ein Vogel sehr oft das Gefühl der Freiheit hervorruft; und der Käfig ist ihr Gefängnis. Er ist die äußere Grenze, die eine Person von der Außenwelt abschottet. In so einen Käfig können wir von anderen eingesperrt werden, nicht selten aber, fliegen wir selbst hinein.

Auch Sara lebt in einem Käfig – sie verlässt nie das Haus, verweilt regungslos darin wie in einem Kerker:
"Sara se quedaba todo el tiempo sentada, erguida en el sillón con las piernas juntas y las manos sobre las rodillas. Yo salía temprano al trabajo (…) sabiendo que ella seguía sentada ahí, mirando hacia el jardín durante horas.“
So ungefähr verhält sich das Mädchen die ganze Zeit, wenn sie nicht gerade schläft oder einen Vogel isst.
Bevor sie das lebendige Federvieh verspeist, wird es in den Käfig gegeben, aus dem sie es dann herausholt. Das ist eine eigentlich unnötige Prozedur und deshalb – wie auch wegen seiner bildhaften Präsenz – denke ich, dass er eine Bedeutung hat. Ich sehe hier eine Analogie zwischen Haus, Körper - Käfig und Sara, Seele – gefangener Vogel.

In Angelous Gedicht wird dem eingesperrten Vogel ein frei mit dem Wind fliegender gegenübergestellt. Sara gleicht dem eingesperrten – dem mit den „gestutzten Flügeln“ und „gefesselten Beinen“.
Deutlich wird das auch in einer Szene, als sie eine Zeit lang auf ihre gefiederte Nahrung verzichten muss:
„Esa noche Sara tardó en dormirse. Mi cuarto estaba bajo el suyo, y la escuché en el techo caminar nerviosa, acostarse, volver a levantarse.“
Sie ist wie das wilde Tier in einem Raubtierkäfig, wie der wilde Vogel, der hinter seinen Gitterstäben jegliche Bewegungsfreiheit verloren hat.

Die Jugend ist eine Zeit, in der es wichtig ist, dass Kinder sich zu unabhängigeren Heranwachsenden entwickeln. Dass sie „flügge“ werden, sich eine eigene – oft von den Eltern sich unterscheidende - Meinung bilden, um irgendwann auf ihrem ganz speziellen Weg weiterzugehen. Doch nicht immer bleiben kindliche Flügel unverletzt, manchmal werden sie von den Erwachsenen einfach zurechtgestutzt.

Schon am Anfang der Erzählung erfahren wir, dass die Familie hier zerbrochen ist. Martín, Saras Vater, würde sich am liebsten vor Silvia, ihrer Mutter, verstecken, als diese an der Tür klingelt. Wir erfahren, dass die Beiden getrennt und nicht gut aufeinander zu sprechen sind.
Martín wirkt wie jemand, der sich seiner Verantwortung als Vater entzieht:
„A veces pienso que quizá debí de habérmela llevado conmigo, pero casi siempre pienso que no.“ Silvia, der er „gehorcht“, als sie ihm in seinem eigenen Haus einen Platz zuweist, scheint ziemlich dominant zu sein.
Als Sara, die bei ihr lebt, anfängt Vögel zu essen, als sie anfängt „Probleme“ zu machen, schiebt sie sie kurzerhand zum Vater ab:
„ -Un día más con ella y me mato. Me mato yo y antes la mato a ella.“  Also nimmt er Sara zu sich.
Er weiß nicht was tun, der einzige Versuch, das Problem anzusprechen, ist:
„-Comés pájaros, Sara –dije. (…) –Comés pájaros vivos, Sara.“ Das weiß sie ja… nach dem Warum fragt er nicht.
Eine andere erste Reaktion auf das Problem ist, im Internet neben Begriffen wie „Vogel“, „roh“ „Heilung“ - „Adoption“ einzugeben. Auch überlegt er kurz, Sara in die Psychiatrie einweisen zu lassen und sich die Besuchstage mit seiner Ex – Frau aufzuteilen. Ja, manchmal hielt man es dort für das Beste, den Patienten von seiner Familie zu isolieren… denkt er.

Ich finde hier haben wir einen Ansatz dafür, warum Saras Flügel verletzt sind.
Die Art wie sie zueinander und vor allem zu ihrer Tochter stehen, sowie ihre Reaktion auf das „Problem“ lassen vermuten, dass auf Sara nicht viel Rücksicht genommen wurde. Dass sie nur akzeptiert wurde, solange sie sich „richtig“ verhielt und ihnen ihr Leben nicht verkomplizierte. Dass sie ihre Füße „gefesselt“, ihre Flügel „gestutzt“ haben, so dass sie nur noch durch die Gitterstäbe ihrer Angst auf die Welt da draußen schaut - und die Freiheit – den Vogel – in sich getötet hat.

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