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Leben im KäfigInhaltsverzeichnisDas brave und das böse Mädchen

Innen und außen

Text


von aliceandthebutterfly

Innen und außen sind in dieser Erzählung Ebenen, die voneinander abgegrenzt sind. Innen – das ist die Familie, das Haus und was darin geschieht. Außen ist die Welt, von der Sara sich zurückgezogen hat, und der Schein, der aufrechterhalten wird.

Die Atmosphäre in Martíns Haus wird beklemmend, nachdem Sara bei ihm eingezogen ist.
Seine Tochter ist ihm unheimlich geworden – das Essen der Vögel, ihre bewegungslos starre Lebensweise - in seinem Kopf setzen sich schreckliche Bilder und Gedanken zusammen, welche aber äußerlich – und vor Sara – versteckt bleiben:
„(…) me daban ganas de salir y dejarla encerrada dentro con llave, herméticamente encerrada, como esos insectos que se cazan de chico y se guardan en frascos de vidrio hasta que el aire se acaba. ¿Podía hacerlo?“

Sie schauen gemeinsam Fernsehen – Sara bleibt aufgerichtet, starr; als Martín für sie Beide ein vogelfreies Essen aufträgt, entschuldigt sich Sara, geht in ihr Zimmer und ihr Vater hört einen schrillen, kurzen Ton, dann das aus dem Wasserhahn laufende Wasser.
Tagtäglich wiederholt sich dies nun, isst Sara alleine in ihrem Zimmer - versteckt; ab und zu findet ihr Vater herumliegende Federn.
Mit der Situation gehen sie vorsichtig um. Außer dieses erste eine Mal, als er sie darauf hinweist, dass sie Vögel isst, wird das Thema nicht mehr offen angeschnitten - obwohl es eigentlich nun den Mittelpunkt ihres Lebens bildet.
Zum Schluss, als Silvia nicht mehr erreichbar ist, überwindet Martín seinen Ekel und bringt seiner Tochter ihre Tiere:
Dejé la caja sobre el escritorio, salí del cuarto y cerré la puerta. Entonces me di cuenta de que no me sentía bien. (…) Oí un chillido breve, y después la canilla de la pileta del baño. Cuando el agua empezó a correr me sentí un poco mejor y supe que, de alguna forma, me las ingeniaría para bajar las escaleras.
Das Wasser sehe ich hier als oberflächliches Abwaschen von „Schmutz“; als die - sich durch die gesamte Erzählung ziehende - Vertuschung des „Problems“. Die Spuren sind beseitigt, also fühlt sich Martín etwas besser - er kann weiterhin so tun, als wäre nichts, obwohl er an dieses „nichts“ dauernd denkt.
Wo das Wasser für mich in El hombre sirena ein Symbol der Reinigung und Wiedergeburt ist,  steht es hier also einem Neuanfang im Wege.

Diese dargestellte häusliche Situation wirkt auf den Leser angespannt, unecht – sie ist unheimlich geworden. Der Bereich des Lebens, in dem man sich geborgen fühlen möchte – die Familie und das Eigenheim – wird hier zum Ort des Grauens.
Dies ist nicht so ungewöhnlich, jedenfalls nicht für Sigmund Freud, der im Unheimlichen nicht wie Jentsch das „Neuartige“ und „Nichtvertraute“ sah, sondern „jene Art des Schreckhaften, welche auf das Altbekannte, Längstvertraute zurückgeht.“.
„Unheimlich“, so erforschte er, meint oft dasselbe wie das im Wort enthaltene „heimlich“ – was einerseits das Heimelig- Vertraute, andererseits aber das Versteckte und die Gefahr des Verborgenen ausdrückt.
Und dieses „Heimliche“, „Verborgene“ finden wir eben auch in Pájaros en la boca – wo Gefühle nicht ausgedrückt, Worte nicht gesprochen werden; wo die Oberfläche intakt gehalten wird – und Flügel nicht heilen können.

Leben im KäfigInhaltsverzeichnisDas brave und das böse Mädchen
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Zwischen den Welten - Grenzerfahrungen in den Erzählungen der Samanta Schweblin.
Veröffentlicht am 14.03.2019. Textlänge: 492 Wörter; dieser Text wurde bereits 5 mal aufgerufen; der letzte Besucher war Melodia am 15.03.2019..
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