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Das brave und das böse MädchenInhaltsverzeichnisDie rosarote Sara

Die dunkle Sara

Text


von aliceandthebutterfly

Die dunkle Sara ist eben die, welche ein blutverschmiertes Gesicht hat. Diese dunkle Sara ist schön, stark; Haare und Haut glänzen – seit sie sich von lebenden Tieren ernährt:
"Me di cuenta de que, aunque siempre había sido más bien pálida y flaca, ahora se la veía rebosante de salud. Sus piernas y sus brazos parecían más fuertes, como si hubiera estado haciendo ejercicio durante unos cuantos meses. El pelo le brillaba y tenía un leve rosado en los cachetes, (…) "
"Conservaba sin embargo una piel radiante de energía y se la veía cada vez más hermosa, como si se pasara el día ejercitando bajo el sol."

Doch das tut sie nicht – Sara verharrt im Inneren des Hauses in ihrem katatonischen Zustand; auch das hat eine unheimliche Wirkung, sie erscheint als ein Mädchen, das dem Tod näher als dem Leben steht.
Peter Cersowsky  schreibt in einer Erforschung der Phantastik des frühen 20. Jahrhunderts über das Motiv der „femme fatale“. Ich denke, dass Sara Züge solcher Frauen trägt.
Ein bestimmendes Merkmal der „femme fatale“ ist das Katzenhafte in ihrem Wesen. Nun da ich selbst einmal eine ziemlich wilde Katze hatte, weiß ich wie gerne sie Jagd auf Vögel machen. Auch können sie lange regungslos vor sich hinstarren, so wie Sara es tut.
Katzen, sagt man, sind unergründlich und auch das Mädchen unserer Erzählung bleibt für den Leser undurchsichtig.

Der „getrübten Schönheit“ der von Cersowsky genannten Frauen, mit dünnen Lippen, bleichen Gesichtern, aus welchen dunkle Augen glühen… steht Sarahs blühend, gesunde Jugendlichkeit gegenüber. Aber der Anlass für ihr Aussehen, ihr der Todesstarre ähnliches Verhalten und das Bild, das uns von ihr in Schuluniform gezeichnet wird; trübt diese Schönheit und nimmt ihr die Unschuld:
„Aunque ya había terminado las clases ese año, llevaba puesto el jumper de la secundaria, que le quedaba como a esas colegiales porno de las revistas.“
Die „femmes fatales“ werden auch als Nachkommen der Lilith – der ersten Frau Adams, die nicht aus seiner Rippe entstand – bezeichnet. Diese gilt auch als „nächtlicher Vampir“ und so zählt man die vampirartigen sowieso zu den fatalen Frauen. 
Sara isst lebendige Vögel und in der oben zitierten Szene des Essensrituals,  wird ihr blutverschmierte Mund, die blutigen Zähne… betont. Ihre Kraft, die sich im Aussehen spiegelt, kommt allem Anschein nach von der Energie, vielleicht dem Blut, der Wesen, die sie da verspeist.
Sie gleicht den Vampiren, die sich auch von fremder Lebenskraft ernähren und wenn sie Blut trinken aufblühen und schön sind; vgl. beispielsweise Bram Stokers Dracula.
Den Sadismus der „femmes fatales“ kann man im Akt der Nahrungsaufnahme auch finden – wiederholt ist der schrille, kurze Ton des kleinen Vogels vernehmbar, bevor er hinuntergeschluckt wird. Der männermordenden phantastischen Gestalt der Alraune bei Ewers, war es als Kind ebenso ein Vergnügen Tiere zu quälen.
Doch im Gesamten würde ich Sara nicht mit den bei Cersowsky beschriebenen - grausamen - Frauen gleichsetzen. Sie weisen gemeinsame Züge auf; doch dieses Mädchen ist für mich – unter der Oberfläche erahnbar – eine eigentlich menschliche und gute Figur.

Das brave und das böse MädchenInhaltsverzeichnisDie rosarote Sara
aliceandthebutterfly
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Zwischen den Welten - Grenzerfahrungen in den Erzählungen der Samanta Schweblin.
Veröffentlicht am 14.03.2019. Textlänge: 490 Wörter; dieser Text wurde bereits 8 mal aufgerufen; der letzte Besucher war Melodia am 15.03.2019..
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