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Die dunkle SaraInhaltsverzeichnisDie wahre Sara

Die rosarote Sara

Text


von aliceandthebutterfly

Für mich ist die rosarote Sara die, die ihren Eltern nicht zur Last fallen will; das gute Mädchen, das so ist, wie es für Andere sein soll. Der gefangene, nicht der frei fliegende Vogel:
„Mi nena era realmente una dulzura,“ / „-¿Qué es eso? –Una jaula –dijo Sara, y sonríó.“ / „(…) y fue hasta la jaula dando un brinco de por medio, como hacen las chicas que tienen cinco años menos que ella.“
Sie wirkt eher wie ein kleines Mädchen als wie eine Jugendliche.
Unheimlich wird es, wenn die rosarote nahe der dunklen, vogelessenden Sara auftritt, was oft geschieht. Zum Beispiel in den Szenen, die ich weiter oben beschrieben habe, wenn Sara in ihr Zimmer geht, um ihren Spatz zu essen, während der Vater vor dem Fernseher seine Mahlzeit einnimmt:
„A veces bajaba unos minutos después, perfectamente peinada y serena. Otras veces se duchaba y bajaba directamente en pijama.“
Die Ordnung scheint wiederhergestellt zu sein – die Spuren des toten Vogels sind mit dem Duschwasser in den Abfluss verschwunden und wie irgendein anderes junges Mädchen kommt Sara – sauber und heiter – hinunter, um mit ihrem Vater noch ein bisschen Fernsehen zu schauen.

Oftmals wirkt es so, als sei sie sich der „Abnormalität“ ihres Handelns nicht bewusst: als Martín sie bei ihrem ersten Zusammentreffen fragt, was denn mit ihrer Mutter los sei, zuckt sie nur mit den Schultern; als sie von ihrer Mutter weggeschickt wird, nachdem Martín mit eigenen Augen sehen konnte, was seine Tochter tat, winkt sie ihm nur fröhlich und wartend aus dem Auto zu… Aber dann versteckt sich Sara doch beim Vogelessen, tut es heimlich, schämt sich…

Sie spricht auch fast nicht und wenn sie etwas sagt dann lautet es fast immer:
„Sí papa“ / „Permiso papá“ / „Hola papá“; wie eine Puppe, die sprechen kann.
Sie erinnert mit ihrem automatisch wirkenden Verhalten an Olimpia bei Hoffmanns „Der Sandmann“. Doch während es sich bei dieser wirklich um eine Puppe handelt, ist Sara ein junges Mädchen, das verängstigt und unterdrückt ist.

Diese unterdrückte Position von Kindern innerhalb des Familiengefüges ist in der Literatur von Samanta Schweblin keine Seltenheit:
"(…)También aparece mucho el tema de la maternidad, como en “Conservas”. Son todas madres muy dictadoras, de alguna manera (risas). Hay como dos grandes miedos en muchos cuentos: el de las mujeres que no son madres a ser madres, y los miedos de los hijos hacia las madres, porque son hijos muy obedientes, muy de bajar la cabeza, muy sumisos. Obviamente hay cuestiones autobiográficas muy disfrazadas. Nunca comí pájaros, no suelo cazar niños en la estepa, pero son miedos que aparecen cuando escribo."
Dies lässt uns die Autorin wissen und beide angesprochene Themen finden wir auch in Pájaros en la boca wieder.
Zwar ist die Mutterrolle hier nicht von zentraler Bedeutung, aber auch Silvia ist eine Frau, die in vielen Augen unserer Gesellschaft wohl nicht „mütterlich“ handelt. Als ihr die Tochter mit ihrem „Vogelproblem“ zuviel wird, schickt sie sie zu Martín, um sich am Ende wahrscheinlich ganz von Beiden zurückzuziehen.
Sie hat in der Familie die dominante Rolle inne; bringt Sara einfach zum Auto des Vaters und lässt keine Widerrede gelten / behandelt Martín bestimmend, sodass dieser sich im Kontakt mit Sara fragt, was für seine Ex - Frau wohl „das Richtige“ wäre.
Martíns Umgang mit Sara scheint mir auch schwierig zu sein. Zwischen ihnen gibt es einen einzigen liebevollen und ehrlichen Moment, den ich später zitieren werde. Doch am Ende entscheidet er sich nicht wirklich für seine Tochter, was er tun würde, wenn er sich dem Problem stellen und ihr somit helfen würde. Für mich steht der Kauf des Vogels für den Vorzug der Bequemlichkeit, des Scheins - vor dem Eingeständnis, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, an dem auch ihn Schuld trifft.
Sara, die rosarote Sara, ist hier das „gehorchende“ Kind mit „gesenktem Kopf“, das gelernt hat sich selbst zurückzunehmen, wenn es angenommen werden will. Sie ist der im Käfig gehaltene Vogel, dessen Beine „gefesselt“, dessen Flügel „gestutzt“ wurden - und der nicht einmal mehr den Mund öffnen und von der Freiheit singen kann, sondern sie tötet und hinunterschluckt.
Ich denke, dass diese rosarote „gute“ Sara der Grund dafür ist, dass die dunkle entstand. Solange sie den Mund nicht öffnet und sich wehrt, solange werden ihre Flügel nicht heilen und sie kann nicht spüren, wie es sich anfühlt, wenn man vom Wind getragen wird.

Die dunkle SaraInhaltsverzeichnisDie wahre Sara
aliceandthebutterfly
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Zwischen den Welten - Grenzerfahrungen in den Erzählungen der Samanta Schweblin.
Veröffentlicht am 14.03.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 14.03.2019). Textlänge: 719 Wörter; dieser Text wurde bereits 22 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.05.2019.
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