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Mariposas: Poesie, Realität und Phantastik

Text


von aliceandthebutterfly

Diese Erzählung, die in ihrer Kürze beinahe wie ein Traum anmutet, zeigt uns eine Verwandlung, die vielleicht stattgefunden hat – und vielleicht nicht.

In der Phantastik bricht das übernatürliche Ereignis über die uns bekannte Wirklichkeit hinein – diese Definition haben wir nun wiederholt und von verschiedenen Wissenschaftlern der Literatur gehört.
Wie in den vorher behandelten Erzählungen (wobei die Realität in Pájaros en la boca – beinahe – die einzige Ebene darstellt) finden wir auch in Mariposas eine realistisch gefertigte Zeichnung unserer Alltagswelt. Und diese steht am Anfang der Erzählung; es wird also gleich eine Situation geschildert, die wir erkennen und die sehr „normal“ ist: Eltern warten vor einer Schule auf ihre Kinder. Zwei Figuren geraten dabei in den Mittelpunkt des Erzählten: Calderón und Gorriti. Zwischen ihnen findet ein „Gespräch“ statt, das eher ein Monolog ist, da nur Calderón spricht – Gorriti deutet nur und hört ihm zu. Auch die Sprache ist hier sehr alltäglich, so verwendet Calderón auch Ausdrücke (z.B. den Diminutiv), die für den Sprachgebrauch des Kastilischen in Südamerika typisch sind: „piecitos“ / „acá“

Samanta Schweblin sagt, dass es ihr wichtig ist, ihre Erzählungen mit einer ganz realistischen Geschichte zu beginnen, aber das was dann passiert, soll ein bisschen übernatürlich sein. Eigentlich fügt sie nur ein phantastisches Element, eine kleine Abweichung, ein Detail ein, dessen Wirkung sei aber enorm.

Was in dem zweiten Teil der Erzählung geschieht, ist dann nicht übernatürlich, aber mit dem Schmetterling kommt die Poesie in den Text hineingeflattert. Die Sprache wird kunstvoller z.B. fügt Schweblin Vergleiche ein wie:
„… y una de las alas se abre al medio como un papel.“

Es wird sehr genau beschrieben wie Calderón den Schmetterling fängt, an seinen Flügeln festhält, sie kaputtmacht und ihn schließlich zertritt.
Der ungleiche Kampf wird detailliert dargestellt, wodurch die Zartheit des Schmetterlings und die Grobheit der Hand, die ihn hält, sowie die Grausamkeit ihn schließlich zu töten, nochmals betont wird.

Denn dritten Moment sehe ich, wenn die Türen sich öffnen und die Schmetterlinge aus der Schule fliegen. Es ist ein starkes Bild, das in einer poetischen Sprache übermittelt wird:
„(…) como si un viento repentino hubiese violado las cerraduras, las puertas se abren, y cientos de mariposas de todos los colores y tamaños se abalanzan sobre los padres que esperan.“
Danach finden die wartenden Eltern eine leere Schule vor, alle Kinder sind verschwunden.
Der Flug dieser Vielzahl an Schmetterlingen in Verbindung mit den verschwundenen Kindern ist surreal. Hier finden wir den – von Schweblin genannten - ein bisschen übernatürlichen Moment, der einen realistischen Anfang unterbricht.

Die Verwandlung der Kinder zu Schmetterlingen wird in der Erzählung nicht beschrieben, sodass nur angedeutet bleibt, dass der Schmetterlingsschwarm mit den verschwundenen Kindern in einem Zusammenhang steht.
Dieser unsichtbare Moment ist das, was Samanta Schweblin eine no palabra nennt:
„La gracia está en la no palabra“ meint sie und greift damit ein Konzept der Schriftstellerin Clarice Lispector auf. Die no palabra gehört zu ihrer Vorstellung der velocidad, die in El hombre sirena beschrieben wurde. Es sind die Worte, welche der Autor zwar nicht auf die Seiten, aber in den Kopf des Lesers geschrieben hat. Es sind die Leerstellen, die beim Lesen einfach „klick“ machen sollen, ohne dass sie im Text ausgedrückt werden müssen. Durch solche „Nichtworte“ wird Schnelligkeit / velocidad erzeugt, welche wiederum eine für cuentos unabdingbare Spannung erzeugt, erklärt uns Schweblin.

Ich denke, dass man diese spezielle Leerstelle in Mariposas auch mit dem von Todorov beschriebenen Konzept des „Pan Determinismus“ in Verbindung bringen kann:
„(…) alles, bis hin zum Zusammentreffen verschiedener Kausalreihen (sprich >>Zufall<<), muß im vollen Sinne des Wortes seine Ursache haben, selbst wenn diese nur übernatürlicher Ordnung sein kann.“
Es wäre natürlich möglich, dass es sich in Mariposas um ein rein zufälliges, zeitliches Zusammentreffen der beiden Ereignisse im Text - dem Wegflug der Schmetterlinge und das Verschwinden der Kinder – handelt. Aber wir suchen nach einer Erklärung und finden eine Ursache, die übernatürlicher Art sein könnte: eine Metamorphose, die Verwandlung von Mensch zu Tier.
Im letzten Satz wird uns diese Lösung vom Erzähler auch nahegelegt:
„Calderón, en cambio, permanece inmóvil. No se anima a apartar el pie de la que ha matado, teme, quizá, reconocer en sus alas muertas, los colores de la suya.“

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