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Der tote SchmetterlingInhaltsverzeichnisNichts ist real

Schreiben auf der Grenze: Realitätskritik durch Grenzüberschreitung

Text


von aliceandthebutterfly

Ich habe das Thema der „Grenze“ gewählt, da mir aufgefallen ist, dass die Figuren in den Erzählungen von Samanta Schweblin Grenzen immer wieder überschreiten. Auf mich wirken ihre Erzählungen oft gesellschaftskritisch und durch die Grenzüberschreitungen macht sie auf künstlich geschaffene Regeln sowie auf Missstände aufmerksam.
Nun ist es interessant, dass man in Literatur, die irgendwie in den Bereich „Phantastik“ fällt, eine solche Realitätskritik vorfindet. Wobei die Grenzüberschreitung – zwischen Realität und Überrealität - natürlich eine zentrale Thematik der Phantastik ist. Und oftmals ist es wirklich so, dass diese Gattung versucht, die Alltagsrealität durch das Hereinbrechen des Irrealen (also durch eine Grenzüberschreitung) zu hinterfragen.

Für G. Jacquemin bietet die „Unordnung“ der Phantastik die Möglichkeit, die natürliche, reelle Ordnung des jeweiligen Textes als Farce zu entlarven. Auch R.G. Renner griff diese Theorie bei seiner Beschäftigung mit Kafka auf und meinte, „(…) daß das Phantastische nur eine Unordnung zweiter Potenz ist und eine bereits deformierte Wirklichkeit bloßstellt.“
Bedeutend ist hierbei auch der Begriff der „Transgression“, wobei vor allem die Überschreitung der Grenze zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit - insbesondere in Verbindung mit Tabu und Verbot – gemeint ist.

Wie lässt sich dies nun auf die drei behandelten Erzählungen Samanta Schweblins anwenden?
Die stärkste soziale Grenzüberschreitung sehe ich in Pájaros en la boca. Dem Leser drängt sich hier die Frage auf, was normal ist und was nicht. Für mich will die Autorin diese Frage auch aufwerfen und so lässt sie den Erzähler, Saras Vater, sich damit beschäftigen:
"Pensé en cosas como que si se sabe de personas que comen personas, entonces comer pájaros vivos no estaba tan mal. También que desde un punto de vista naturista era más sano que la droga, y desde el social, más fácil de ocultar que un embarazo a los trece."

Diese Gedanken kann ich gut nachempfinden, weil ich sie auch selbst kenne. Wenn uns etwas Schlechtes begegnet, suchen wir nach Dingen, die noch schlimmer wären. Wenn wir Normverstöße erleben (oder selbst begehen), lohnt es sich manchmal, einen zweiten Blick auf die Normvorgabe und ihre Berechtigung zu werfen.
Das Verspeisen der Vögel wirkt grausam und anormal – aber im Grunde handelt Sara nicht viel schlimmer, als die meisten Menschen, die Fleisch - oft auch aus Massentierhaltung – essen. So antwortet sie ihrem Vater auf seine Feststellung, dass sie Vögel esse: „-Vos también“. Und so meint Samanta Schweblin in einem Interview:
"(…) Son cuentos que abordan mucho lo oscuro y lo anormal, pero no como algo morboso o terrorífico, sino como una crítica a “la norma”. Me interesa todo lo insólito, lo bestial y lo ilegible que hay en temas como las relaciones familiares, de pareja, o el miedo a la pérdida, por nombrar algunos."
Und die „Norm“ hat sie dann auch kritisiert, denn durch die „Unordnung“ die Saras ungewöhnliches Verhalten ausgelöst hat, wurde das eigentliche Problem, die untragbare familiäre Situation, aufgedeckt.

Auch Mariposas kann unter dem Gesichtspunkt dieser Norm, dargestellt durch die Eltern, betrachtet werden. Und wieder macht uns das phantastische Element, die Schmetterlinge, deutlich, dass an der Ausgangssituation etwas verkehrt war.
Calderón kann man als Prototyp eines Vaters sehen, der die Regeln der Gesellschaft verinnerlicht hat und sie nun auf sein Kind überträgt – womit er die Freiheit und Natürlichkeit seines Schutzbefohlenen zerstört.
Da ich manchmal in einem Nachhilfezentrum arbeite, konnte ich selbst beobachten, wie beispielsweise der Leistungsdruck auf Kinder wächst. Wo man früher im Gymnasium Nachhilfestunden nahm, boomt heute auch das Geschäft mit erst sechs oder sieben Jahre alten Kindern. Ich finde das entspringt einem gesellschaftlichen Druck und einer allgemeinen Verunsicherung, deren Leidtragende die Kindheit der allerjüngsten Bevölkerung ist.
In der Erzählung hat der einzelne Schmetterling – das einzelne Kind – keine Möglichkeit sich gegen diesen Übergriff zu wehren. Erst in der Gruppe ist es ihnen möglich ihr Selbst, ihre kindliche Identität, zu wahren, indem sie von den Eltern davonfliegen. Aber dies ist auch traurig, weil hier die Freiheit nur durch einen Akt der Entfremdung erreicht werden kann.

Auch in El hombre sirena erfährt man im Laufe der Geschichte, dass die reale Ausgangssituation keine schöne ist und die Protagonistin daran leidet.
Wie ich erklärt habe, denke ich, dass gerade die Realität, welche das Mädchen im Gespräch mit dem Sirenenmann offenlegt, der Grund für ihre Begegnung mit dem Unterwasserwesen ist. Das Ende, die Rückkehr, habe ich aber positiv gedeutet, wobei gerade diese Erzählung mehrere Lesearten zulässt. Der Leser, welcher den Sirenenmann als pure Wirklichkeit und als Möglichkeit für ein besseres Leben wahrnimmt, wird das Ende als Rückkehr in eine triste, zerbrochene Realität sehen. 
Wie in den anderen zwei Erzählungen entschleiert die Unordnung in El hombre sirena die Probleme der normalen Welt. Aber die Sorgen entstehen für mich hier aus dem Unentrinnbaren, dem Schlimmen, das zum Leben gehört und an dem niemanden eine Schuld trifft. Es ist eine Erzählung über die Grausamkeit, die wir im Leben manchmal erfahren müssen.
Im Gegensatz dazu, denke ich, dass Pájaros en la boca und Mariposas von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen handeln. Wir lesen von individuellen Schicksalen, in denen man aber allgemeine Probleme unserer Gesellschaft wiedererkennt.
Einen weiteren Unterschied (nach meiner Leseart) finde ich darin, dass in El hombre sirena das phantastische Ereignis der Protagonistin nicht nur die zerstörte Realität vor Augen geführt hat; sondern ihr dadurch auch die Kraft gab, damit umgehen zu können.

Der tote SchmetterlingInhaltsverzeichnisNichts ist real
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Zwischen den Welten - Grenzerfahrungen in den Erzählungen der Samanta Schweblin.
Veröffentlicht am 14.03.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 14.03.2019). Textlänge: 856 Wörter; dieser Text wurde bereits 18 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.05.2019.
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