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Nachgeburt

Prosagedicht zum Thema Körper


von Ebenholz

I.

Mein Vater kehrte nie zurück,
er blieb beim Iwan.
Er zeugte mich in seiner Abwesenheit,
während er in einem Schützengraben lag,
in einer Ecke kauerte,
in einer Zelle
in Kriegsgefangenschaft
in seinen Exkrementen,
erzählte Mutter
und sie unterschrieb die Initiative katholischer Frauen
zur Exkommunizierung
von Uta Ranke-Heinemann
und drückte mich an ihren Busen,
der unter ihrem geblümten Kleid
bebte.

II.

Die Nase und die Ohren wachsen bis an dein Lebensende, Maria,
und darüber hinaus
wachsen die Haare und Nägel.
Die Augen werden ab der Lebensmitte trüb.
Die Biologie hat das so eingerichtet.

Die Haare wachsen weiter
und fallen trotzdem aus.

III.

Bei Rot bleibt man stehen und wartet.
Rot sind Blut und Fleisch,
Striemen, Flußkrebse
und eine Apfelsorte,
die mir zu süß ist
und zu mehlig.
Haut ist weiß
wie Milch und Schnee,
Wände, Leichentücher
und Brautschleier,
aber meine Genitalien,
meine Brustwarzen
sind rot,
aber Haut.

IV.

Mein Bauch wölbt sich rund über den Hosenbund,
als gäbe es noch etwas
zu gebären.

Meine Beine sind schlank geblieben.
Vielleicht wird es diesmal ein Sohn.

Anmerkung von Ebenholz:

Vielen Dank für den Hinweis zu Iwan, ich wusste nicht, daß die Schreibweise einen Unterschied macht. Für das "v" entschied ich mich, weil es hübscher aussieht. Die wachsenden Haare: ich habe lange hin- und her überlegt, ob ich das kleine Werk "Nachgeburt" oder "Ammenmärchen" nennen sollte. Ein liebes Dankeschön für den engagierten und kundigen Beitrag!


 
 

Kommentare zu diesem Text


Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (15.03.2019)
Willkommen, liebe Ebenholz.

Dieser Text macht mich neugierig. Auf das, was ich noch von Dir lesen darf.

Der Iwan ist der Iwan - im Volksmund, nicht der Ivan, damit kann niemand etwas anfangen.

Eine Anmerkung hätte ich noch:
[Die Nase und Ohren wachsen bis an dein Lebensende, Maria,
und darüber hinaus
wachsen die Haare und Nägel.]

Dem ist nicht so, alle Lebensprozesse, das betrifft auch das Haar- und Nägelwachstum, kommen zum Stillstand, durch die Austrocknung des Leichnams scheint der Bart zu wachsen. Es ist jedoch ein weit verbreiteter Volksglauben, der dennoch gut zu Deinem Text passt. Ein Text, der mich berührt, der Bilder entstehen lässt und Erinnerungen weckt.

Liebe Grüße
Llu ♥
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princess
Kommentar von princess (15.03.2019)
Hallo Ebenholz,

dieser fragmentarische Stil gefällt mir hier sehr gut. Kurz aber intensiv erhellt das Spotlight jeweils eine Szene, bevor es auf die nächste schwenkt. Dadurch entsteht für mich der Eindruck einer fortlaufenden Geschichte, deren markanteste Punkte ans Licht kommen. Zusätzlich lese ich aber auch eine Menge von dem mit, das vermeintlich in der Dunkelheit bleibt.

Ob das jetzt an meinem Lesen liegt? Oder an deinem Schreiben?

Wie auch immer: Ein bewegender Text.

Liebe Grüße
princess
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Momo
Kommentar von Momo (15.03.2019)
Dein Gedicht habe ich gerne gelesen, Ebenholz. Ich mag deinen Schreibstil.
Er erinnert mich ein wenig an die Lyrikerin Gioconda Belli aus Nicaragua, deren Lyrik auch oft den fraulichen Körper und ihre Sexualität zum Inhalt hat.
Besonders III. und IV.

Liebe Grüße, M.
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Ebenholz meinte dazu am 15.03.2019:
Vielen Dank für deinen Kommentar, Momo, ich freue mich sehr darüber, daß dir mein Stil gefällt! Morgen gehe ich in die Stadtbibliothek und werde einmal nach der Lyrikerin Ausschau halten. Vielleicht wird das eine neue Inspirationsquelle. Mit liebem Gruß, Ebenholz.

Antwort geändert am 15.03.2019 um 23:00 Uhr
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RainerMScholz
Kommentar von RainerMScholz (15.03.2019)
Uta Ranke-Heinemann?
Grüße,
R.
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Ebenholz antwortete darauf am 15.03.2019:
Uta Ranke-Heinemann zweifelte öffentlich die jungfräuliche Geburt an. Sie war katholische Theologin und verlor deswegen ihre Stellung. Ich erinnere mich noch gut an den Skandal. Natürlich war ich damals schon erwachsen. Danke für die Frage, vielleicht bist du nicht der Einzige, der sich gewundert hat. Grüße zurück, Ebenholz.
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Trainee
Kommentar von Trainee (16.03.2019)
Wieder ein sehr engagiertes Gedicht zur sog. Frauenfrage.
Diesmal blitzt im Hintergrund Sarkasmus auf, der sich gut ins Thema schmiegt.
Ganz besonders gefällt mir der (fast zynische) Schluss, der den dringenden Wunsch nach einem Sohn postuliert - in einem Alter jenseits der Gebärfähigkeit. ;)

Liebe Grüße
Trainee
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Ebenholz schrieb daraufhin am 16.03.2019:
Liebe Trainee, vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, daß du den Sarkasmus und Zynismus herausgelesen hast. Ich fand dieses Stück sogar düster, aber ich weiß nicht mehr, wie ich anders auf diese Selbstverleugnung reagieren soll. Mit liebem Gruß, Ebenholz
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