Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
pawelekmarkiewicz (28.11.), Graeculus (28.11.), keinleser (25.11.), Sandfrau (18.11.), Loewenpflug (14.11.), Tigerin (12.11.), Seifenblase (12.11.), Marty (05.11.), Slivovic (22.10.), C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.), georgtruk (12.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 666 Autoren* und 78 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.913 Mitglieder und 431.394 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 05.12.2019:
Prolog
Ein Meister des Vorwortes war Erich Kästner, der seinen "heiteren Romanen" für Erwachsene gern ein ausführliches, ironisches... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Die Wahrheit ist ein ungebetener Gast von Markus_Scholl-Latour (08.11.19)
Recht lang:  Ein Kind der Nacht von ThalayaBlackwing (2303 Worte)
Wenig kommentiert:  Prolog von Mondsichel (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Wer hat das wohl gesagt? von eiskimo (nur 106 Aufrufe)
alle Prologe
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen.
von juttavon
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
ErkenntnisseInhaltsverzeichnisGefühlsspiele

Brief (Auszug)

Brief zum Thema Urteilsvermögen


von TrekanBelluvitsh

"Die Sache ist so logisch wie banal. Ja, für die Einzelheiten sind einzelne Handlungen nötig, um sie zu analysieren. Spezielle Taten enthalten spezielles Wissen und offenbaren spezielle Charaktereigenschaften. Ansonsten sind es gerade die alltäglichen Dinge, die uns verraten. Jenes, das wir tun ohne nachzudenken. Es fußt auf dem, was man Unterbewusstsein nennen könnte, obwohl ich persönlich diesen Begriff für unangebracht halte, weil er uns zu einer Marionette von uns selbst macht. Aber das ist eine andere Frage.

Nimm diese Situation in einem Supermarkt oder sonst einem Etablissement, in dem man für die Bezahlungen der Leistung an einer Kasse anstehen muss. Jeder kennt sie. Wie oft hast Du das erlebt? Hundert Mal? Tausend Mal? Es dauert nicht lange und einer der Anstehenden wird sich mit den, zumeist in einem herrischen Ton vorgebrachten, Worten "Können sie mal ne zweite Kasse aufmachen" auf sich aufmerksam machen. Es wird Dir aufgefallen sein, dass ich auf ein Satzzeichen verzichtet habe. Eigentlich würde hinter so einen Satz ein Fragezeichen gehören. Wir beide wissen jedoch, dass der Sprecher mindestens ein Ausrufezeichen in seine Worte gelegt hat. Interessanterweise stellen sich viele, die Zeuge von Derartigem werden, nicht die einfachste Frage: Warum tut diese Person das? Also: Warum tut diese Person das?

Allgemein betrachtet gibt es dafür drei Motivationen. Die erste ist Dummheit. Tatsächlich hat diese Person es eilig. Eine zweite Kasse würde ihr Fortkommen beschleunigen. Und genau da offenbaren sich Jene. Sie können mit ihrer Zeit nicht umgehen. Sie meinten, die Zeit würde noch ausreichen. Dabei gehen sie davon aus, dass sie an der Kasse schnell abgefertigt werden. Als gebe es keine langen Schlangen. Ihre Erfahrung müsste sie eines Besseren belehren. Das ignorieren sie jedoch und gehen von dem aus, was man Best Case Scenario nennt, also dem günstigsten aller Fälle. Diese treten selten ein. Mit ihnen fest zu rechnen, ist ein eindeutiges Zeichen von Dummheit.

Der zweite Motivationsgrund enttarnt den Wichtigtuer, Menschen die meinen es gewohnt zu sein, dass sich alles nach ihnen ausrichtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob da eine Anwältin, ein Friseurmeister oder ein Alkoholiker steht. Sie drehen sich um sich selbst. Nicht selten handelt es sich um Soziopathen, die sich bei allen Dingen zuerst nach dem Nutzen für sich selbst fragen. Welches Schicksal ich jenen an meinen schlechten Tagen zuwünsche, ist Dir wohl bekannt.

Der dritte Grund ähnelt dem zweiten und kann mit jenem bei ungenauer Beobachtung verwechselt werden. Doch der Antrieb dahinter ist ein andere. Ich persönlich halte es für die, quantitativ betrachtet, am häufigsten auftretende Motivation. Es ist die Langeweile. Damit meine ich nicht, dass sich diese Menschen langweilen, obwohl das bei den wenigen Hellsichtigen durchaus vorkommen mag. Ihre Existenz ist von Langeweile geprägt. Es geschieht nicht. Nichts in ihrem Leben macht dieses besonders. Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich gehöre nicht zu jenen Soziopathen aus der zweiten Gruppe, die darum das Leben dieser Menschen gering schätzen. Und dennoch haben diese Leute nichts zu bieten, was auch nur einen ganzen Nachmittag mit einer erfrischenden Geschichte füllen könnte. Und darum rufen sie vor der Supermarktkasse. Ihr Leben ist gar nicht so spannend, als das sie Wichtiges verpassen würden, wenn sie drei oder vier Minuten länger warten müssen. Aber darum geht es ihnen  nicht. Dieses sich-bemerbar-machen ist ein Spannungsmoment in ihrem Leben.

Wie ich sagte: Es ist ebenso logisch wie banal. Obwohl ich befürchte, dass dein ewiger Optimismus ganz andere Deutungen zu Tage fördert. Verzeih mir, wenn es zuweilen so wirkt, als würde ich mich darüber lustig machen. Tatsächlich ist deine Meinung eine der wenigen, die ich respektieren kann. Auch wenn sie mir noch so abenteuerlich erscheinen mag. Darum höre bitte nicht auf mir zu schreiben. Unsere Ansichten werden sich dadurch wohl kaum annähern. Doch ich empfinde es immer wieder erfrischend, von Dir zu hören. Das ich auf der anderen Seite hoffe, dass sich unsere Wege nie wieder kreuzen, wirst Du wohl verstehen und ich hoffe, dass Du mir zustimmst."

 
 

Kommentare zu diesem Text


loslosch
Kommentar von loslosch (16.03.2019)
der appell nach einer weiteren kasse entbehrt ja nicht der logik. noch schlauer der hinweis eines "eiligen" kunden (meist kundin), man habe nur paar wenige artikel und bitte, vorgelassen zu werden. der erste, der vorlässt, löst ungewollt eine lawine aus.

als eine käuferin mir das zurief, hatte ich keinen mumm, ihr zu widersprechen, meinte aber halb trotzig: "nachher zuhause haben Sie alle zeit dieser welt". später, nachdem ich gezahlt hatte, entdeckte ich die eilige frau im flurbereich. dort war sie in ein gespräch vertieft.

na, der hab ich was launiges zugerufen.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 16.03.2019:
Motivation zwei.
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (16.03.2019)
Hallo Trekan,
du hast die eine Seite der Medaille scharfsinnig beleuchtet, aber ich muss mich auch oft über die andere wundern, dass es sehr lange dauert, bis der Dienstleister ohne <Aufforderung auf die Idee kommet, eine zweite Kasse zu öffnen.
diesen Kommentar melden
AZU20 antwortete darauf am 16.03.2019:
Ist uns gerade auch wieder passiert. LG
diese Antwort melden
TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 16.03.2019:
Der Unterschied ist, dass das Verhalten der Angestellten wenig über deren persönliche Motivation aussagt, sondern mehr über die Vorgaben ihres Arbeitgebers. So ist bei vielen Discountern die ständige Untersetzung der Filialen und die daraus resultierende Überforderung der - zumeist in Teilzeit angestellten - Mitarbeiter Geschäftsmodell um die Personalkosten niedrig zu halten. Frustrationen und Fehler der Belegschaft werden so Vorschub geleistet.

Darum hat man es, wie ich oben bereits andeutete, mit systemimmanenten Problemen zu tun. Der persönliche Antrieb der Mitarbeiter ist sekundär, weil ihre persönlichen Ansichten sich der Unternehmensphilosophie unterzuordnen haben. (Das trifft übrigens auf alle Angestellten im Dienstleistungssektor zu. Will man jemanden, der dort beschäftigt ist, nach seinem persönlichen Antrieb einordnen, bedarf es einer viel intensiveren Beobachtung.)

Der Kunde hingegen trifft beim Einkauf eine individuelle Entscheidung: Deckt er seinen Bedarf in einem eher hochpreisigen Supermarkt oder bei einem Discounter? Dabei ist es nicht schwer, den Unterschied bei der Behandlung der Mitarbeiter durch ihren Arbeitgeber zu erkennen. Wer durch sein Verhalten offenbart, dass er diese Unterschiede nicht erkennt oder nicht erkennen will, legt dem aufmerksamen Beobachter genug vor, um seine Motivationen deduzieren zu können.


So würde wohl der anonyme Briefschreiber argumentieren, denke ich...

Antwort geändert am 16.03.2019 um 16:26 Uhr
diese Antwort melden
Habakuk
Kommentar von Habakuk (16.03.2019)
Yeap, den Text finde ich lesenswert.
Nein, in vielen Punkten werden sich unser beider Ansichten sicherlich nicht angleichen. Die Gefahr, dass ich dir über den Weg laufen werde, ist gleich null.
Wer in der Fülle vergeudeter Zeit glaubt, nicht einige Minuten an der Kasse verschwenden zu können, ist ein Idiot. Ab und an gehöre ich auch dazu.
In dem Sinne, schreiben wir uns einfach weiter Erfrischendes.

H.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 16.03.2019:
Na super, jetzt hast du es allen verraten...

Beobachtende Grüße
TB



Antwort geändert am 16.03.2019 um 20:25 Uhr
diese Antwort melden
Sätzer
Kommentar von Sätzer (16.03.2019)
Ausgezeichnet beschrieben - jeder kennt die Situationen. Ich nehms gelassen, hab genug Zeit als Rentner. Die Menschen sind halt wie sie sind und es hat für dich eine story hergegeben.
LG Sä
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 16.03.2019:
Supermärkte und der Öffentliche Personennahverkehr ist eigentlich ein Muss für jeden der schreibt.
diese Antwort melden
Kommentar von Trainee (71) (16.03.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 16.03.2019:
Ich persönlich bin auch der Meinung, dass es jeder problemlos hinkriegen sollte, sich einfach und normal zu verhalten.

Der anonyme Briefschreiber liefert ja keine quantitative Analyse der Schlangesteher ab. Er begrenzt sich auf eine bestimmte Gruppe. Dabei ist festzustellen, dass er kein "Best-Case-Scenario" erstellt. Vielleicht ist er ein wenig misanthropisch, vielleicht auch nur Realist, vielleicht bezieht er nur für den unbekannten Adressaten, scheinbar eine optimistische Person, die Gegenposition. Woher soll ich das wissen?
diese Antwort melden
GastIltis
Kommentar von GastIltis (16.03.2019)
Hallo Trekan, von früher her (DDR-Zeit) waren alle Kassen mit langen Schlangen besetzt. Da hießen die Verkaufseinrichtungen bei uns Kaufhallen und nicht Supermärkte und man war froh, wenn man im hinteren Bereich, Fleisch, Gemüse, jemand kannte, der etwas zurückgelegt hatte, weil man, ich weniger, meine Frau mehr, ja auch gewisse Vergünstigungen (Terminvergaben) bieten konnte. Insofern lungere ich in Supermärkten, wenn es um Wasserkisten geht, ein wenig rum, bis die Kasse öffnet, an der ich gut zum Zuge komme. Panik zu verbreiten, ist eine Unart. Davon habe ich nie etwas gehalten. Wenn ich ansonsten einkaufe, dann mit Zettel, und dann stehe ich grundsätzlich an der langsamsten Kasse. Damit lebe ich. Herzliche Grüße an den Briefschreiber (m/w), falls er sich mal offenbart, um nicht outen zu sagen. Gil.
diesen Kommentar melden
TrekanBelluvitsh meinte dazu am 17.03.2019:
Wie ich Sätzer schon schrieb, sollte eigentlich für jeden, der schreibt, ein Supermarkt eine Pflichtveranstaltung sein - zumindest wenn man seine Äuglein mal aufbekommt.

Danke für den Rückblick in die gute alte Zeit. Das die Menschen hier in der Bundesrepublik sich heute noch zuweilen so benehmen, als gäbe es morgen nichts mehr (z.B. vor und nach(?) Feiertagen), wäre einen weiteren Brief wert. Oder das Läden, zu deren Tür man nicht direkt mit dem Auto fahren kann, nichts taugen... na, lassen wir das.


P.S.: Vielleicht taucht der Briefeschreiber dieses Jahr noch auf KV auf. Das ist möglich, aber nicht sicher. Und ob du es glaubst oder nicht: Seinen Namen kenne ich nicht.
diese Antwort melden
GastIltis meinte dazu am 17.03.2019:
Wäre dennoch eine positive Überraschung! Gil.
diese Antwort melden

ErkenntnisseInhaltsverzeichnisGefühlsspiele
TrekanBelluvitsh
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Der elfte Blick.
Veröffentlicht am 16.03.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 16.03.2019). Textlänge: 649 Wörter; dieser Text wurde bereits 148 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Schlagworte
Urteilsvermögen Ansicht
Mehr über TrekanBelluvitsh
Mehr von TrekanBelluvitsh
Mail an TrekanBelluvitsh
Blättern:
voriger Text
nächster Text
Weitere 5 neue Briefe von TrekanBelluvitsh:
Der (öffentliche) Tanz beginnt 4, oder: Liebe Drohne Der (öffentliche) Tanz beginnt 3 Neuer Brief, alte Frage Der (öffentliche) Tanz beginnt 2 Bis der neue Tag anbricht
Was schreiben andere zum Thema "Urteilsvermögen"?
Renaissance (Ralf_Renkking) Über-Blick. (franky) Kontrollverlust (Ralf_Renkking) Watzprotz Marcel (Matthias_B) Das Jüngste (Isaban) Immer Recht. (franky) Geworfen oder gefallen? (loslosch) Gefährliche Überzeugungen (Strobelix) Durchblick (Obstinator) Einfach langweilig (DeadLightDistrict) und 31 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de