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Besuch bei der alten Dame

Gedicht zum Thema Anpassung


von monalisa

Kommt ihr der Gast auch etwas ungelegen,
stellt sie sich darauf ein und nicht dagegen,
serviert wie immer Tee in feinen Tassen
und nickt bei jedem Wort, das sie verschluckt.
Die große Wanduhr tickt und schlägt gelassen
die Stille in die Flucht. Verhalten zuckt
die alte Dame, zögert einen Augenblick,
bevor sie wie gewöhnlich Kuchen reicht
und über seine kühlen Hände streicht,
die gleich darauf nach ihrem Herzen fassen.
Gefügig schmiegt sie sich in ihr Geschick
und willigt ein, die Tafel zu verlassen.
So macht sie ihm sein dunkles Handwerk leicht.





Februar 2019

 
 

Kommentare zu diesem Text


TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (05.04.2019)
Hallo Mona,
den traurigen Moment von besinnlich schönen Worten begleitet.
Zur ersten Zeile fiel mit Eugen Roth ein. In seinem Gedicht "Immer ungelegen" heißt es "Der Tod, der Gläubiger, der Regen, die kommen immer ungelegen".
Liebe Grüße
TT
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monalisa meinte dazu am 06.04.2019:
Hallo Tasso, ja, Eugen Roths Zeilen sind mir auch in den Sinn gekommen.. Dieses 'ungelegen' scheint mir perfekt auf die zurückhaltende, höfliche, sich in ihre Rolle fügende alte Dame zu passen .
Herzlichen Dank für deinen Beitrag,
liebe Grüße
mona
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Stimulus
Kommentar von Stimulus (05.04.2019)
Das gefällt mir sehr, inhaltlich und von der Komposition. Das macht sich ganz klein in seiner einen Strophe und startet zwar mit einem Paarreim, um dann aber seine Reime fast wahllos einzustreuen, als wollte es diese eher bescheiden verstecken (A-A-B-C-B-C-D-E-E-B-D-B-E). Aber es klingt natürlich nicht zufällig fast wie ein Sonett, es endet nur einen Vers früher, fast wie aus dem Leben gerissen. Nur wird hier nichts gerissen, hier wird eingewilligt und fast zärtlich aus dem Leben genommen/geschieden.

Ich finde das grandios gelöst, wie hier zwar einerseits die Würde und Größe dieser alten Dame besungen wird, wie sich ihrem Schicksal ergibt und ohne Wehklagen aus der Welt geht, andererseits aber auch, wenn nicht Kritik, so aber doch Bedauern durch die Zeilen schimmert, wie die Protagonistin offenbar alles immer hingenommen hat, so wie sie sich auf ungebetene Gäste einstellt, die Worte verschluckt und selbst dem argen Schnitter noch Tee in feinen Tassen serviert. Höchstens verhalten zuckt sie, nur ein leichtes Zögern lässt ihren Widerwillen erkennen, aber schon hat sie sich wieder im Griff. Ja, das hat Größe, aber ist eben auch bedauerlich. Warum ist da an keiner Stelle ein Aufbegehren gewesen, wann wäre es nach ihr gegangen, wie hätte es aber ohne Aufbegehren gehen sollen?

Eindrucksvoll, auch und gerade, weil es schlicht gehalten ist und seine Kunstfertigkeit zurückhaltend, subtil beweist. Das ist gekonnt. Chapeau!

Lieben Gruß
Stimulus
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Agneta antwortete darauf am 05.04.2019:
ich schließe mich hier gerne an. Ein richtig gutes Gedicht, liebe Monalisa.Besonders stark: Und nickt bei jedem Wort, das sie verschluckt. Die Wanduhr scghägt die Stie in die Flucht... Raum für Konnotation, Kopfkino.
Ich sehe nicht nur die Variante Tod hier, sondern sehe auch Erbschleicher...
LG von Agneta

Antwort geändert am 05.04.2019 um 11:30 Uhr
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monalisa schrieb daraufhin am 06.04.2019:
Hallo Stimulus, es freut mich ganz besonders, dass du in deinem Kommentar diese Zweischneidigkeit von 'vornehm, zurückhaltend, wohlerzogen, immer Contenance bewahrend' und ' alles hinnehmend, überangepasst, ...' herausgestellt hast. Das war für mich ein sehr wichtiger Aspekt - auch eine Art Denkmal für den mittlerweile fast ausgestorbenen Typus der 'höheren Töchter'. Ich wollte übrigens auch dem Tod ein kleines Schlupfloch lassen, sodass auch in Richtung Erbschleicher, Heiratsschwindler (wie Agneta anmerkt) interpretiert werden kann. Ihre ganze Haltung macht sie ja zum perfekten Opfer für so jemanden.
Ich bin gerade ganz geplättet, mit so einem positiven Echo unter diesem Text habe ich überhaupt nicht gerechnet. Doch freut es mich natürlich sehr!

Vielen Dank für deinen so ausführlichen Kommentar und die eingehende Beschäftigung mit dem Text.
Liebe Grüße
mona
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monalisa äußerte darauf am 06.04.2019:
Hallo Agneta, schön, wie du hier neben dem pesonifizierten Tod auch einen Erbschleicher (Heiratsschwindler) ausmachst, genau das war von mir intendiert. Und so freue ich mich natürlich ganz besonders über deinen Beitrag.

Herzliichen Dank und liebe Grüße
mona
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Momo
Kommentar von Momo (05.04.2019)
Hallo mona,

Ich glaube, dieser Gast kommt in den meisten Fällen etwas ungelegen.
Und nicht jeder alte Mensch ist tatsächlich bereit zum Loslassen. Diese alte Dame schickt sich gefügig und vertrauensvoll (sie streicht über seine Hände) in ihr Los. Gehen zu können und zu dürfen ohne Kampf, das ist doch ein wünschenswertes Ende, meine ich.
Ein bisschen erinnert mich die Szene an den Film Joe Black, in dem der Tod auch in menschlicher Gestalt auftritt.

Den letzten Vers brauchte es für mich nicht. Als ich das Gedicht las, empfand ich diesen Vers als Anhängsel, irgendwie nicht zugehörig.

Liebe Grüße, Momo
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Isaban ergänzte dazu am 05.04.2019:
Sorry, falsche Stelle!

Antwort geändert am 05.04.2019 um 18:30 Uhr
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monalisa meinte dazu am 06.04.2019:
Hallo Momo, wenn man einigermaßen gesund und fit ist, kommt er natürliich ungelegen, aber mit Sicherheit kommt er irgendwann.
Mit dem angehängten letzten Vers magst du nicht unrecht haben, doch scheint mir der Hinweis auf das 'dunkle Handwerk' doch zu wichtig, um ihn ganz fallen zu lassen.

Vielen herzlichen Dank und liebe Grüße
mona
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Isaban
Kommentar von Isaban (05.04.2019)
Hallo mona,

der stilvolle Abgang einer echten Dame - sehr gekonnt und mit großem Kino umgesetzt!

Ein (Klang-) Gedicht aus lauter Terzetten, bei dem zuletzt ein Vers /ein Protagonist/der einzig mögliche Weg übrigbleibt.

Ein Text, mit dem ich mich gern beschäftigt habe.

Liebe Grüße
Sabine
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monalisa meinte dazu am 06.04.2019:
Hallo Sabine, das freut mich natürlich sehr, vor allem, dass du den Klangaspekt hervorhebst. Ja, so soll es sein!

Ganz herzlichen Dank,
liebe Grüße
mona
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (05.04.2019)
Hallo Mona, dieses Gedicht ist exorbitant gut. Die Überschrift, eine raffinierte Abwandlung des Titels von Dürrenmatt, Welch feine Ironie: Der Gast kommt etwas ungelegen. Vornehm geht die Welt zu Grunde: Tee in feinen Tassen. Nicken und verschlucken, ja, das ist Anpassung, Die Wanduhr kann gut gelassen bleiben und schlägt - welch feine Metapher - die Stille in die Flucht. Dann die Alliteration : zuckt und zögert. Die alte Dame kontrolliert noch diese Situation, streicht über seine kühlen Hände. Aber er lässt sich nicht beirren, greift nach ihrem Herzen. Sie wahrt die Contenance und schmiegt sich in ihr Geschick, sodass das dunkle Handwerk leicht erscheint.
Sehr beeindruckt
Ekki
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monalisa meinte dazu am 06.04.2019:
Hallo Ekki, oh, wie ich mich freue, dass du auch den Titel ins Spiel bringst, den ich tatsächlich als Reverenz an Dürrenmatt gewählt habe. Wenn es mir gelungen ist, dich ein klelin wenig zu beeindrucken, kann ich mich darin für den Augenblick sonnen und das warme Gefühl in mir genießen.

Sei herzlich bedankt für diesen sonnenspendenden Kommentar .
Liebe Grüße
mona
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princess
Kommentar von princess (06.04.2019)
Hallo Mona,

das ist ein Gedicht wie die alte Dame, von der es erzählt: verhalten im Klang und eindrucksvoll im Ausdruck. Toll gemacht!

Liebe Grüße
Ira
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monalisa meinte dazu am 06.04.2019:
Hallo Ira, danke für dein schönes Lob, uber das ich mich sehr freue
Liebe Grüße
mona
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (07.04.2019)
Hallo mona, es gibt Zeilen, von denen ein Zauber ausgeht, die den Leser unmerklich in einen stillen Zuschauer zu verwandeln vermögen, ohne dass es ihm bewusst wird. Deine Zeilen besitzen diesen Zauber. Sie kommen so hypnotisierend leicht daher, dass eigentlich nur die vielen vorherigen Kommentare ein wenig Verwirrung stiften. Aber dann ist es bald zu spät. Man verfällt dieser unbeabsichtigten Magie und glaubt fast, die Zeit nicht mehr zu verstehen.
Mir jedenfalls erging es so, und das ist bemerkenswert. Schön und selten zugleich!
Viele liebe Grüße von Gil.
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monalisa meinte dazu am 07.04.2019:
Hallo Gil, du machst mich ganz verlegen, da weiß ich gar nicht was ich sagen soll, außer vielen, vielen Dank für deine berührende Rückmeldung .

Liebe Grüße
mona
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