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Kapitel 15 - AussichtenInhaltsverzeichnis

Kapitel 16 - Zeit

Roman zum Thema Abenteuer


von Broom87

„Mombasa“ - Hans Zimmer

16

Zeit

Jule wusste nicht wie sie ans Ziel kommen sollte, nur dass sie es probieren musste. Alles was sie hatte, war eines der Handys, welche sie von diesem Heidl bekommen hatten. Sie musste sich also erst mal auf Ihre Beine verlassen.
Nachdem sie sich in aller Eile eine Hose und einen beigefarbenen Pullover übergeworfen hatte, verließ sie das Haus. Hinter sich ließ sie sogar die Tür offen. Ihr war klar, dass sie nie wieder an diesen Ort zurück kehren würde.  Vermissen würde sie ihn auch nicht. Sie kam sich hier eher vor, wie ein Hamster in seinem Käfig. Daher atmete sie einmal tief durch und fing an zu joggen. Sie musste versuchen ihre Kräfte einigermaßen einzuteilen. Die Hütte lag tief im Wald und allein die Strecke zur Straße würde mindestens 30 Minuten in zügigem Tempo in Anspruch nehmen.
Den Weg kannte sie mittlerweile wie ihre Westentasche. Sie konnte nicht mehr zählen, wie oft sie mit Robert die einzelnen Wege gelaufen, gerannt und gesprintet war. Mit der Zeit hatte sie einiges an Kraft und Ausdauer dazu gewonnen und wo ihre physischen Grenzen lagen, konnte sie nur schätzen. Der größte Fehler wäre jetzt allerdings auf halber Strecke schlapp zu machen und schon auf der ersten Etappe ihres Weges alles zu vermasseln.
Die Bäume flogen an ihr vorbei. Erst relativ langsam, aber ohne es zu bemerken, erhöhte sie automatisch das Tempo. Sie sah nur geradeaus und war mit ihren Gedanken bei ihm. Hatte er sie auch belogen, was den Treffpunkt anging? Lief das Treffen bereits oder war jeder Schritt schon umsonst? Und was passierte, wenn sie dort ankam? Was sollte sie dort ausrichten?
Dass dieser Mistkerl sie einfach angelogen hatte, war unfassbar. So viel zu dem Thema, sie waren ein Team. Am Ende dachten alle Männer doch immer das gleiche. Sie waren die stärkeren und regelten halt einfach alles alleine. Die Frau war dabei nur ein Hindernis und musste vor allem bewahrt werden. Würde sie ihn lebend dort antreffen, konnte er sich auf einen gewaltigen Tritt in den Arsch gefasst machen. Aber erst mal musste sie ihm scheinbar den selbigen retten. Er konnte nicht ernsthaft glauben, alleine dort heil zurück zu kommen. Das war purer Selbstmord. Sie hatten einen Plan und dieser Idiot legte lieber seinen Kopf in die Schlinge, als sie überhaupt in die Nähe des Henkers zu lassen. Sie musste aus diesem verfluchten Wald raus. So schnell wie irgend möglich.
Wieder erhöhte sie das Tempo, die Hälfte der Strecke hatte sie bereits hinter sich. Dass ihre Lunge langsam anfing zu brennen, bemerkte sie nicht. Auch nicht dass ihr Handy klingelte. Der Ton war ausgeschaltet, lediglich die Vibration buhlte um Ihre Aufmerksamkeit.

Zu dem Zeitpunkt, als Jule gerade die Waldwege entlang rannte, stand Robert auf dem großen Areal vor dem alten Fabrikgelände und hielt Ausschau nach anderen Leuten. Das ganze Gebiet war von einer Steinmauer umgeben und grenzte auch noch an die Spree. Passanten verirrten sich nicht hier her. Meistens waren es Kids, die ihrem Abenteuerdrang nachgingen und das Fabrikgebäude unsicher machten. Heute war jedoch Mittwoch. Die Kinder waren in der Schule. Verstecken konnte man sich hier draußen auch nicht. Was er vor sich sah, war eine mindestens drei Fußballfelder große Fläche ohne Bäume oder sonstige Unebenheiten, die dieser Mondlandschaft eine Deckung boten. Sollten also bereits andere Leute hier sein, waren diese bereits im Gebäude oder auf dem Dach. Andere Eingänge als das gusseiserne Tor vor der Einfahrt, durch das man sich zwängen konnte, kannte er nicht. Das Schloss an diesem Tor, hatte er nun jedoch geknackt, um mit dem Wagen rauf fahren zu können. Hinter sich hatte er das Tor wieder geschlossen. Man könnte natürlich auch über die Mauer klettern, aber auch das würde man von weitem sehen. Er ging also davon aus, dass sich zumindest die Handlanger von Harley bereits mit dem Areal vertraut gemacht hatten und innen Stellung bezogen.
Wehmütig sah er zu der Stelle, an der Franzi erschossen wurde. Nicht unweit des Eingangs zu dem Haus, hatte dieser Irre sie einfach niedergeschossen. Ohne mit der Wimper zu zucken. Roberts Hände verkrampften sich in das Lenkrad und er musste stark mit sich kämpfen, nicht einfach die Kontrolle zu verlieren. Wie gern er diesem Typen einfach eine Kugel zwischen die Augen jagen würde. Hier an diesem Ort, hatte sich das Leben für viele Menschen für immer verändert und für Robert stand dieser Tag symbolisch für den ganzen Terror, den Jule und er hatten erleiden müssen. Also egal wie das hier heute ausgehen sollte, er schwor sich diesen Hoodie tragenden Wichser umzulegen. Und wenn das bedeutete, selbst dabei zu sterben. Er konnte einfach nicht zulassen, dass dieser Irre hier wieder frei vom Platz lief. Nicht heute. Nie wieder.
Er ging gerade nochmal seine Ausrüstung durch, die er auf dem Rücksitz hatte. Eine Beretta APX mit drei Magazinen. Diese hatte er sich unter den Gürtel geschoben und konnte nur hoffen, dass sie nicht heraus fielen. Sollte es hier ernst werden, hatte er zumindest die Chance auch auszuteilen. Außerdem eine schusssichere Weste, die er bereits anhatte. Er trug ein Shirt darüber, wusste aber, dass die Umrisse darunter mehr als sichtbar waren. Sollten Sie ihn also ausschalten wollen, wussten sie genau, wohin sie zielen mussten. Er hatte auch ein Messer quer an seinem hinteren Hosenbund in einem passenden Holster. Mit diesem Teil kam er sich ein wenig vor wie John  Rambo. 20 cm Klingenlänge. Sowas benutzte man eigentlich in der Army oder bei Spezialeinheiten. Daher hatte er so ein Teil noch nie benutzt, abgesehen von einem Selbstverteidigungskurs der Jahre her war. Als er so darüber nachdachte, kam er sich ziemlich hilflos vor.
Wenn er ehrlich zu sich selbst war, musste er sich eingestehen, dass diese ganze Geschichte ihm schon seit langem über den Kopf gewachsen war. Ein kleiner Großstadtbulle war einfach nicht dafür gemacht, geschweige denn ausgebildet, um es mit einem ganzen Drogenring und seinem privaten Profikiller aufzunehmen. Dass er hier noch saß und Jule in diesem Bett schlief, war reine Glückssache. Aber nun war er nun mal an diesem Punkt angekommen. Alles was er machen konnte, war sich so gut wie möglich zu verkaufen. Um Jule brauchte er sich keine weiteren Gedanken mehr machen. In ein paar Stunden war sie nicht mehr in diesem Land und irgendwo verschwunden, wo sie diese Schweine nicht finden konnten.
Er lud gerade seine Waffe durch und steckte sie sich hinten in den Hosenbund, als er Motorengeräusche hörte. Ein großer SUV fuhr gerade auf das Gelände und blieb mit ein paar Metern Abstand neben seinem Wagen stehen. Die Scheiben waren abgedunkelt. Die Fahrertür wurde geöffnet und ein hagerer Typ in einem Anzug stieg aus. Er hatte eine Sonnenbrille auf und eine unverkennbare Beule unter seinem Jacket. Lässig lief er um die Motorhaube und öffnete die Beifahrertür. Langsam erhob sich eine Frau aus dem Wagen. Südländisches Aussehen, der Blick wie in Stein gemeißelt. Robert hätte nie geglaubt, dass Harley so jung war. In einem anderen Leben wäre diese Frau vielleicht die Sekretärin in einer Anwaltskanzlei geworden oder eine Kindergärtnerin. Gerade war sie jedoch alles, was zwischen ihm und einem normalen Leben stand. Mit hämmerndem Herzen stieg er aus seinem Wagen und blickte ihr in die Augen.

Jule sah nun das Ende des Waldes vor sich. Sie schwitzte aus jeder Pore und ihre Seitenstechen brachten sie fast um. Ans Stehenbleiben dachte sie aber zu keiner Sekunde. Sie lief und lief und als sie auf die offene Straße kam, blickte sie sich um. Links war in einiger Entfernung die Tankstelle zu sehen, an der sie sich meistens ihr Essen holten. Rechts war nichts weiter als Landstraße. Autos waren auch keine unterwegs. Dieser Teil von Randberlin war ein gottverlassenes Kaff, in dem niemand leben wollte. Perfekt für die Positionierung dieses Safe Houses. Jetzt gerade aber nicht gerade hilfreich.
Es gab nur eine Richtung in die sie laufen konnte, also machte sie sich weiter auf den Weg. Sie brauchte circa fünf Minuten um an der Tankstelle anzukommen. Sie blickte sich um und eine Sache stach ihr sofort ins Auge. Ein Typ tankte gerade sein Motorrad auf. Eine Yamaha R1. Sie erinnerte sich, wie sie im Jugendalter Motorrad gefahren war. Damals war es noch eine Crossmaschine von einem Kumpel gewesen. Aber sie hatte sich seitdem immer geschworen einen Motorradführerschein zu machen. Sie musste sich jedoch eingestehen, dass der Unterschied zwischen so einer Sportmaschine und einem Dirtbike von Enduro wohl gewaltig sein musste. Dieses Monster war in der Lage über 250 Sachen auf die Straße zu bringen. Aber gut, es gab immer ein erstes mal.
Sie hoffte, dass der Typ die Schlüssel stecken lassen würde, wenn er bezahlen ging. So unauffällig wie möglich lief sie langsam an der Tankstelle vorbei und schielte mit einem Auge zu dem Kerl an der Zapfsäule. Plötzlich bemerkte sie eine Vibration in ihrer Hosentasche. Zunächst wusste sie nicht, was das sein sollte, bis sie das Handy in der Hand hielt. Sie überlegte kurz bevor sie abnahm. Die Nummer kannte sie natürlich nicht. Niemand hatte diese Nummer bis auf Robert oder vielleicht dieser Heidl.  Sie nahm ab.
„Ja?“
„Frau Mehring, hier ist Gäbel. Ein Freund und Kollege von Robert. Bitte machen sie sich keine Gedanken. In etwa 20 Minuten werden ein paar Beamte kommen und sie aus diesem Haus holen. Sie sind jetzt in Sicherheit.“
„Das ist sehr lieb von ihnen, aber ihre Kollegen haben den weiten Weg umsonst gemacht. Ich bin bereits ausgeflogen.“
„Dann sagen sie mir, wo sie sind. Es ist vorbei Frau Mehring. Wir schaffen sie außer Landes. Um Robert brauchen sie sich auch keine Gedanken zu machen. Er ist auf dem Weg ins Revier um sich zu stellen. Wenn alles gut läuft, ist er in ein paar Tagen schon wieder draußen.“
„Wissen sie, es ist beruhigend zu wissen, dass er nicht nur mich angelogen hat“, antwortete Jule schnippisch und behielt noch immer den Motorradfahrer im Auge. Dieser hängte gerade den Tankrüssel wieder an die Zapfsäule. Langsam setzte sie sich in Bewegung und ging auf die Maschine zu, während sie weiter sprach.
„Er trifft sich gerade mit diesen Psychopathen und wenn alles schlecht läuft, ist er vielleicht bereits tot. Es wäre also sehr zuvorkommend, wenn sie ihren Leuten sagen würden, dass sie ihren Arsch dorthin bewegen sollen, wo diese Franzi erschossen wurde. Und bringen sie was mit das scheppert.“
„Er macht was? Wieso hat er mir das nicht gesagt?“ Olli war sichtlich schockiert und wusste nicht so ganz, was er von dieser Information halten sollte.
„Wie es aussieht, traut er keinem seiner Kollegen in dieser Stadt mehr über den Weg. Wenn sie das also ändern möchten, sind sie herzlich eingeladen seinen Arsch zu retten. Ich muss jetzt los.“
Mit diesen Worten legte sie auf und warf das Handy weg. Der Kerl hatte tatsächlich den Schlüssel stecken lassen und lief nun in die Tankstelle um zu bezahlen. Selbst der Helm lag wie eine Einladung auf dem Sitz. Zum Glück tickten die Leute hier ein wenig anders. Da war das Grundvertrauen in die Menschheit noch gegeben.
Entschlossen lief sie zu der Yamaha, setzte sich den Helm auf und nahm auf dem Bock platz. Nach wenigen Sekunden hatte sie alle Informationen für sich, die sie brauchte. Gashebel, Schaltpedal, Bremse. Konnte ja nicht so schwer sein. Als sie den Ständer umklappte, fiel ihr jedoch auf, dass die Maschine selbst jedoch ziemlich schwer war. Wirklich kein Vergleich zu den Leichtgewichten, auf denen sie früher mal gesessen hatte. Das war jedoch jetzt nicht von Belangen. Entschlossen setzte sie sich in Bewegung und fuhr vom Tankstellengelände. Als sie auf die Straße abbog, hörte sie noch ein entferntes Fluchen von dem Typen, dessen Maschine sie gerade geklaut hatte.
Die Straße vor ihr war frei. Also drehte sie beherzt am Gashebel und beschleunigte die Maschine. Ein kleines Grinsen huschte über ihre Lippen, als sie den Anpressdruck spürte. Das war genau ihr Ding. Nach kurzer Zeit hatte sie das Gefühl den Dreh raus zu haben und beschleunigte die Maschine auf 180. Die Umwelt verschwamm um sie herum und sie wusste, dass sie mit diesem Teil unter dem Hintern nicht länger als eine halbe Stunde brauchen würde. Sofern sie sich nicht den nächsten Baum mitnahm. Die Straße vor ihr verlief größtenteils geradeaus und in den wenigen Kurven achtete sie penibel genau darauf, nicht die Kontrolle über die Maschine zu verlieren. Sollte sie wirklich stürzen, war sie sich nicht einmal sicher, ob sie dieses Teil überhaupt angehoben bekam. Mit der Zeit wurde sie sicherer und fing an sich etwas in die Seiten zu legen um nicht ganz um Gas gehen zu müssen. Alleine auf dem Weg hin zur Stadtautobahn wurde sie zwei mal geblitzt. Kurz dachte sie, ein Zivilfahrzeug der Polizei wäre hinter ihr. Nach kurzer Zeit war das Auto jedoch wieder verschwunden.
Auf der Autobahn angekommen, hielt sie sich strikt links und drehte auf, so weit sie sich traute. Die restlichen Fahrzeuge schossen nur so an ihr vorbei, einige hupten ihr nach. Als sie an der richtigen Ausfahrt angekommen war, entspannte sich ihr Puls ein wenig. Jetzt musste sie sich nur noch ein paar Minuten durch den Stadtverkehr drängeln und sie wäre da. Mit ein bisschen Glück würde sie auch das schaffen, ohne von einem Ordnungshüter angehalten zu werden. Zielsicher lenkte sie die Yamaha in den Großstadtverkehr.

In dem Moment als Robert auch ausgestiegen war, fuhr ein weiter Wagen auf das Gelände und hielt hinter dem SUV. Er kannte das Auto bereits und wusste genau wer hinter dem Steuer saß. Schulz trug diesmal ein Hemd und eine Jeans.
„Sind dir die Fanartikel ausgegangen?“ Robert sah keinen Grund darin, jetzt noch den gehorsamen Bittsteller zu spielen. Dafür war es bereits viel zu spät. Schulz grinste ihn lediglich hämisch an und stellte sich neben Harley. Diese ergriff auch sofort das Wort.
„Die Herren kennen sich ja bereits. Ich würde vorschlagen wir gehen rein. Ungestört lässt es sich doch leichter reden, habe ich Recht?“
Damit hatte Robert gerechnet. Womit er jedoch nicht gerechnet hatte, war die fast fehlerfreie Aussprache von Harley. Sie hatte natürlich einen merklichen Akzent, aber grammatikalisch war das einwandfrei.
„Von mir aus“, entgegnete Robert. „Sie gehen vor. Ich vertrau ihrem Gorilla nicht so ganz.“
„Wie sie möchten.“
Harley lief also mit Schulz rechts und dem Anzugträger links von sich auf die breite Stahltür zu, die ins Halleninnere führte. Robert spielte kurz mit dem Gedanken, einfach alle drei über den Haufen zu schießen. Es musste jedoch einen Grund geben, weshalb sie sich so sicher fühlten. Er nahm an, dass auf dem Dach Leute positioniert waren, die ganz genau darauf achteten, was er tat.
Die Stahltür war weit offen. Seit seiner Jugend hatte sich hier nichts großartig verändert. Einige Monate war diese mal zugeschweißt worden. Allerdings schien das auch keinen weiter abzuschrecken. Die Tür wurde einfach wieder aufgebrochen und fristete nun seit langem dieses Dasein.
Auch innen war alles wie er es kannte. Eine große, staubige Halle mit ein paar Maschinen vor den Wänden. Er hatte mal gehört, dass es sich hierbei mal um eine Getränkefabrik handelte. Wenn man sich vorstellte, dass in der Mitte der Halle die Laufbänder entlangliefen, war das im Bereich des Möglichen. Der Raum war mindestens 15 Meter hoch und das Glasdach mit seine verdreckten Scheiben lieferte die einzige Lichtquelle, die es hier drin gab.  Auf halber Höhe gab es seitlich Stahlgitterwege, auf denen man um die ganze Halle laufen konnte. Am Kopfende befand sich eine Art Kasten, in dem wohl mal das Büro des Chefs war. Hier und da ein paar verwitterte Holztüren, Stahlträger und zugenagelte Fenster auf beiden Ebenen rundeten das triste Fabrikflair ab. Wohin die einzelnen Gänge verliefen, wusste Robert nicht mehr genau, aber sollte es dazu kommen, dass er da rein musste, würde er sich schon daran erinnern. Schließlich war diese gesamte Anlage über Jahre hinweg sein Abenteuerspielplatz.
Die Dreiergruppe lief vor ihm bis zur Mitte der Halle und blieb dort stehen. Mit einigen Metern Abstand stellte Robert sich ihnen gegenüber. Sein Herz hämmerte in seiner Brust, denn er hatte keine Ahnung was nun passieren würde.
„Wo ist das Mädchen?“ Harley übernahm also die Führung. Schulz hielt sich hier brav zurück.
„Weggelaufen. Scheinbar war ihr das alles zu viel“, erwiderte Robert und blickte dabei Harley an. Die schien das erst mal zu schlucken. Schulz zuckte kurz mit der Augenbraue. Der war also nicht so leicht zu täuschen.
„Das ist schade. Ich hätte sie gerne kennen gelernt. Aber gut, kommen wir zum Wesentlichen. Haben sie den Stick dabei?“
Robert holte den Stick aus seiner Hosentasche und hielt ihn vor sich in der Hand.
„Werfen sie ihn rüber!“
Robert tat was sie wollte und warf ihn der Frau vor die Füße. Der Kerl im Anzug bequemte sich aus seiner steifen Haltung und bückte sich um den Stick aufzuheben.
„Gut. Sie haben also noch eine Kopie gemacht, wie ich gehört habe. Wissen sie was mich daran etwas stutzig macht?“ Harley fing auf einmal an schief zu grinsen.
„Was denn?“ Robert hatte keine Ahnung was sie von ihm wollte.
„Der Stick ist mit einem Sicherheitsprgramm belegt, der dafür sorgt, dass man diesen zwar einsehen, aber nicht kopieren oder ändern kann. Wissen sie also, was ich glaube? Dass sie bluffen.“
Das konnte doch alles nicht wahr sein, dachte sich Robert. Dass er daran nicht gedacht hatte. Ihm war gar nicht in den Sinn gekommen, überhaupt den Versuch zu starten eine Kopie zu machen. Er wollte dieses Teil so sehr los werden, dass er an diese Möglichkeit keinen Gedanken verschwendet hatte. Ganz im Gegenteil. Wenn irgend jemand diese Daten in die Hände bekommen hätte und diese veröffentlichte, führte das sofort auf Jule und ihn zurück. Dieses Risiko konnte er nicht eingehen. Und wenn er drauf ging, war ihm sowieso egal, was damit passierte. Er hatte geblufft, um wenigstens die kleine Chance zu wahren, dass man ihn und Jule in Ruhe ließ. Wenn diese Irren die einzigen waren, die die Daten hatten, würde auch niemand einen Grund liefern können, weiter nach den beiden zu suchen. Jetzt war ihm genau das zum Verhängnis geworden. Alles was er tun konnte, war weiter zu machen wie bisher.
„Wenn sie meinen. Wenn man ein Programm startet, kann es auch wieder gestoppt werden. Dafür muss man kein Genie sein. Sollte also mir oder der kleinen irgendwas passieren, erfährt die ganze Welt von ihrem Leck. Wollen sie es wirklich darauf ankommen lassen?“
„Sie haben Eier, das muss man ihnen lassen. Ich schätze unsere, wie sagt man noch gleich, IT-Abteilung aber sehr und sie machen nicht den Eindruck, als wüssten sie überhaupt wie man einen Game Boy einschaltet. Also ja, ich lasse es darauf ankommen. Legt ihn um!“
Mit diesem Satz zogen Schulz und der Kerl im Anzug ihre Waffen. Robert war jedoch reaktionsschnell genug um seine ebenfalls zu ziehen und richtete sie auf Harley.
„Jetzt bleiben wir alle mal ganz ruhig“, versuchte Robert die Spannung aus der Situation zu nehmen. Der Anzugträger war sichtlich eingeschüchtert. Wie es aussah, war ihm nicht viel daran gelegen, dass sein Boss abgeknallt wurde. Schulz wiederum nahm das alles etwas lockerer.
„Jetzt mach aber mal nen Punkt.“ Er war kurz davor abzudrücken, als er bemerkte, wie Robert den Anzugträger anstarrte. Kurz blickte er rechts zu ihm rüber und musste feststellen, dass an seinem Anzug ein neues Highlight gesetzt wurde, welches vor ein paar Minuten noch nicht da war.
„Meinst du wie den auf seiner Brust?“ Robert tat das, was er am sinnvollsten hielt und sprang einfach hinter die nächstbeste Maschine links neben sich. Schulz schaffte es noch zwei Kugeln abzufeuern, traf jedoch nur die Tür, durch die sie gekommen waren. Dann brach der Kollege im schicken schwarzen Zweiteiler nach einem leisen Plopp ungläubig in sich zusammen. Das Laservisier war also korrekt eingestellt. Der Schuss traf ihn genau in die Brust und Robert stellte fest, dass sein Plan aufging. Hinter der Maschine beobachtete er, wie die Hölle in der Halle los brach und das Chaos seinen Lauf nahm.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (17.04.2019)
Den Weg kannte sie mittlerweile wie ihre Westentasche


Sehr, sehr old school. Ich rate mal: Dur bist über 70?

Ich habe natürlich nur reingelesen. Mir persönlich ist das handwerklich und inhaltlich zu sehr Trivialliteratur und wie ich finde, keine gute, sorry. Aber zumindest sehr wenig Komma- und RS-Fehler, das möchte ich lobend hervorheben, wenn es gestattet ist.
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