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Scheinheilig

Kommentar zum Thema Aktuelles


von Melodia

Beinahe eine Milliarde Euro. Nach dem Brand in der Kirche Notre-Dame fließen die Spenden für den schnellen Wiederaufbau nur so. Ein Großteil dieses Gelds stammt von einigen Milliardärsfamilien sowie größeren Konzernen. Doch auch die weltweite Unterstützung ist enorm und von Kleinstädten über Privatpersonen bis hin zu Staaten versprechen sie alle mit Material, Personal oder noch mehr Geld zu helfen. Selbstverständlich ist das alles objektiv betrachtet äußerst lobenswert und das Ausmaß an Solidarität vorbildhaft. Dennoch kommt hier das berühmte Wörtchen „aber“ zum Tragen.

Dass Notre-Dame wieder aufgebaut werden muss, steht allein aus kunsthistorischer Sicht außer Frage. Ohne erst von Welthunger, Kriegen etc. anfangen zu wollen, aber wie ist es möglich, dass ein, zugegebenermaßen wichtiges, Gebäude innerhalb kürzester Zeit Menschen dazu bewegen Unsummen zu spenden, während alleine Frankreich auf Grund seiner Innenpolitik und seit Jahrzehnten vernachlässigten sozio-ökonomischen Problemen kurz vor einer Revolution zu stehen scheint? Schierer Patriotismus? Unterstützung für ein verbündetes Land?

Wie erklärt man z.B. den Menschen in Flint, Michigan, dass die US-Regierung Hilfe für Notre-Dame verspricht, während sie selbst seit Jahren kein sauberes Leitungswasser haben? Oder, um nähere Parallelen zu ziehen, sich weder Regierung, noch die Menschen in den USA groß für die in jüngster Zeit durch Brandstiftung zerstörten Kirchen in Louisiana interessieren?
Vor einem halben Jahr brannte das Nationalmuseum in Rio de Janeiro mit fast 90% aller teils einzigartigen Exponate ab. Eines der größten und wichtigsten Museen in ganz Amerika wohlgemerkt. Bisherige Spendensumme? 2,3 Millionen.
Und dies sind nur Beispiele aus der sogenannten „westlichen Welt“. Wie viele Kulturgüter in Syrien oder im Irak zerstört wurden, teilweise mit aktiver französischer Unterstützung, lässt sich nur schätzen. Hinzu kommt, dass die katholische Kirche mehr als genug Geld besitzt, um den Wiederaufbau in die eigene Hand zu nehmen.   

Möglicherweise polemisiere ich und selbstverständlich wären die gesellschaftlichen Probleme in Frankreich selbst mit 2 Mrd. Euro nicht von heute auf morgen behoben. Außer Frage steht ebenfalls, dass jeder so viel und wofür er spenden kann, wie es der eigene Geldbeutel und das Gewissen erlauben. Aber die Ereignisse demonstrieren erneut eindrucksvoll, wie das System des Kapitalismus funktioniert. In all seiner Scheinheiligkeit.

Die Reichen profilieren sich mit Spendensummen, die für unsereins kaum greifbar sind. Dass aber allein die zwei Milliardäre, die als erstes insgesamt 300 Millionen gespendet haben, ein gemeinsames Vermögen von über 100 Milliarden Euro besitzen, relativiert ihre Großzügigkeit. Zumal das Geld zuvor (und in geringeren Mengen) für die Restaurierung der Kirche hätte gespendet werden können. Aber das würde dem kapitalistischen Grundsatz der Akkumulation widersprechen und dafür gibt es z.B. Steuergelder.
Bei Notre-Dame handelt es sich um ein Prestigeobjekt, ein Wahrzeichen, das jährlich tausende Touristen anlockt. Mit positiven Folgen für die Wirtschaft. Wenn sich Milliardäre und Großkonzerne mit astronomischen Spenden hervortun, gibt es mit fast 100%iger Sicherheit einen Hintergedanken. Und sei es lediglich, dass der Ruf aufpoliert wird, ergo Menschen eher ihre Produkte erwerben werden.

Denn leider gibt es in diesem Wirtschaftssystem ausschließlich zwei alles definierende Faktoren: Geiz und Gier. Weder Menschlichkeit, noch Selbstlosigkeit, geschweige denn Nächstenliebe.
Bleibt uns lediglich die Hoffnung, dass Notre-Dame tatsächlich schnell wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen wird, so dass wir ebenfalls davon profitieren.

Anmerkung von Melodia:

Ich möchte mich an dieser Stelle bei euch allen für die regen und sachlichen Diskussionen bedanken!


 
 

Kommentare zu diesem Text


TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (19.04.2019)
Ein bedenkenswerter Einwurf. Aber nur die Sau, die am lautesten quiekt wird halt beachtet. (Wer hier die Sau ist, überlasse ich dir).

Und Jürgen Todenhöfer nannte sein 2003 erschienenes Buch auch Wer weint schon um Abdul und Tanaya? Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror und nicht Wer weint schon um Unteroffizier Jalal und Feldwebel Saad? Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror. Denn mal ehrlich: Mitgefühl mit irakischen Soldaten? Ich bitte dich... Children hingegen gehen immer...
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Melodia meinte dazu am 19.04.2019:
Och, die es ja in allen Farben und Formen. Da kann sich jeder selbst eine Meinung bilden.

Da hast du nicht Unrecht, zumal es den Zusatz mit den Namen bei dem Thema nicht darf. Es erzeugt aber eben diese besondere Emotion. Bin jetzt auch nicht ein großer Fan davon, aber als Einwurf könnte man sagen, dass ein Soldat sich durchaus bewusst ist, dass der Tod ein Berufsrisiko ist.
Die Gründe für den Terror und seine Folgen sind ohnehin ein Thema für sich.

LG

LG
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 19.04.2019:
Wobei ich es mal in Frage stelle, ob sich durch die Zeiten, die meisten Soldaten immer freiwillig dazu entschlossen haben, Soldaten zu sein. Nehmen wir den sozialen Druck noch hinzu... naja, aber ich schwafle.

Verstehe mich nicht falsch: Ich finde es gut, wenn bestimmte Leute spenden, besonders jene, die mit ihrem gelangweilten Geld viel mehr Unsinn anstellen könnten. Auf der anderen Seite steigen sie in meiner Bewertung dadurch nicht. Ich finde es vielmehr erfreulich, dass dies Strippenzieher dieses mal die nützlichen Idioten sind.
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Melodia schrieb daraufhin am 19.04.2019:
Über den sozialen Zwang bzw. der "Notlösung" Soldat zu werden, um Geld zu verdienen (wie es durchaus oft in den USA vorkommt), könnte man vermutlich auch wieder genug Diskuttieren. Es ändert aber genau genommen nichts an meiner Aussage: wer Soldat wird, muss damit rechnen beim Einsatz zu sterben. Weshalb die Person eingetreten ist interessiert den Gegner wohl eher nicht.

Da bin ich durchaus deiner Meinung. Sie könnten das Geld für weitaus unnötigeres/schlimmeres ausgeben. Und in meiner Bewertung würden sie erst steigen, wenn sie sich für soziale Belange engagieren würden - ohne Agenda.
Es bleibt mir aber immer dieser fade Beigeschmack, dass Superreiche niemals ohne einen Plan Geld ausgeben. Womöglich können sie am Ende die ganze Spende von der Steuer absetzen.
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 19.04.2019:
Es geht hier ja (auch) um den Zusammenhang zwischen Geld und Kunst/Kultur. Und da muss ich etwas (pekuniäres) Wasser in den (kultuirellen) Wein schütten:

Der unabhängige Künstler ist eine Erscheinungsform der Neuzeit. So gilt z.B. Washington Irving (1783-1859) als erster Schriftsteller, der allein von seinem Schreiben leben konnte. Das bedeutet, dass Kunst/Kultur jahrtausendelang immer Auftragskunst war, d.h. vom Geldgeber abhängig. Weshalb es z.B. in der Malerei nur so von Portraits wimmelt. Ohne Absicht erstanden solche Kunstwerke nie. (Allerdings gab es auch immer  Auseinendersetzungen zwischen Auftraggeber und Künstler.) Und gerade in der Architektur ist die Auftragskunst ja die Regel.

Dennoch sind wir als moderne Menschen an den unabhängigen Künstler gewöhnt. Er scheint uns das Normale zu sein. Gerade dem unabhängigen Schriftsteller begegnen wir heute ständig.) Auf der anderen Seite schmücken sich auch heute Unternehmen, Reiche und zuweilen selbst öffentliche Verwaltungen mit Kunst. Das suggeriert Offenheit.

Was will ich sagen...
Eine solche Finanzierungskampagne wie bei Notre Dame scheint aus der Zeit gefallen. Ich selbst weiß nicht, ob sie das ist. Es hängt in der Tat sehr von der Art der Kunst ab. Es mag als Kunst gelten, wenn ein Bild sich kurz nach seiner Versteigerung "selbst" zerstört. Wäre es auch Kunst gewesen, wenn die Elbphilharmonie kurz nach der Einweihung in sich zusammengefallen wäre? Ist der BER ein Kunstwerk, weil die Inbetriebnahme 2012(sic!) sein sollte?

Und dennoch bleibt bei der Spendenbereitschaft für Notre Dame ein fahler Beigeschmack. Dafür ist Geld da. Zur gleichen Zeit hat auch der US-amerikanische "Präsident" mit seinem Veto die Unterstützung der im Jemen kriegführenden Saudis gegen den Kongress gesichert. Vor einigen Jahren strich die Bunderegierung den Anteil für Alkohol aus den Berechnungsgrundlagen für ALGII-Bezieher - und beschloss in der Woche darauf weitere Subventionen für deutsche Schnapsbrenner.

So wird Notre Dame weniger ein Beispiel für Verschwendung, denn für die gesellschaftliche selektive Wahrnehmung von Problemen und für den Umgang mit ihnen. Den Wolf muss man abschießen, weil er eine Gefährdung für  Kinder sein könnte. Der Straßenverkehr ist eine Gefährdung für Kinder (und viele andere). Doch die Gefallenen des Mobilitätskrieg entlocken uns nur ein müdes Schulterzucken.

Wenn der Mensch für den Wiederaufbau einer weltberühmten Kirche spendet, fühlt der Mensch sich gut. Denken sie nur an ein allgemeines Tempolimit, fühlen sich die meisten (in Deutschland) unwohl. Das zeigt, worum es geht: Gefühle, sonst nichts.
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Melodia ergänzte dazu am 20.04.2019:
Du hast Recht, dass Kunst historisch betrachtet durch Auftragsarbeiten entstand. Aber ich gehe mal davon aus, dass Notre-Dame ein Auftrag der Kirche war und sich bis heute in dessen Besitz befindet. Demnach sollte meiner Meinung nach die Kirche auch für Reparaturen, Instandhaltung sowie Wideraufbau selbst aufkommen. Geld hat sie genug und profitiert u.a. vom Tourismus.

Kunst scheint heutzutage ohnehin ein subjektives und fragwürdiges Feld geworden zu sein. Nicht zuletzt auf Grund der „Kapitalisierung“. Das Banskys Bild Kunst ist, ja. Ist es 1,2 Mio. wert? So gesehen fand ich das Statement gut, auch wenn ich befürchte, dass es jetzt noch teurer wird, da die Szene alles als Kunst oder Teil einer Performance deklarieren kann. Anders kann ich mir auch moderne Kunst nicht erklären, wenn man eine einfarbig gestrichene Leinwand betrachten muss und sich fragt, wie es das Kind mit seinem Werk ins Museum geschafft hat.

Die Elbphilharmonie würde ich auf Grund der Architektur eventuell noch als Kunst durchgehen lassen, zumal im Innern ja Kunst dargeboten wird. Ein Flughafen? Niemals Aber ich weiß worauf du hinaus möchtest.

Das sind sehr gute Beispiele! Und eine ebenso hervorragende Schlussfolgerung: Gefühle. Vermutlich hätte ich im Text auch noch irgendwo die Medien einbauen sollen. Das Menschen von Katastrophen (zählen wir den Brand einfachmal dazu) wie magisch angezogen werden, solange sie selbst nicht betroffen sind, ist nichts Neues. Sollte man darüber berichten? Auf jeden Fall. Muss der Beitrag oder Livemitschnitt 15 Minuten gehen? Muss es jede Stunde ein Update geben? Eher nicht. Das ist wohlgemerkt nur spekuliert, da ich keinen Fernseher besitze.

Aber gefühlt scheint es so zu sein

LG und vielen Dank für diesen Dialog!
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Kommentar von Regina (19.04.2019)
Wenn das Geld via Tourismus, Ansehen usw. wieder reinkommt, ist es eher Investition als Spende.
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Melodia meinte dazu am 19.04.2019:
Genau das ist der Punkt

Antwort geändert am 19.04.2019 um 01:42 Uhr
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Kommentar von Nimbus† (45) (19.04.2019)
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BeBa
Kommentar von BeBa (19.04.2019)
Genau diese Diskussion war zu erwarten. Und sie ist irgendwie verständlich. Warum wird für einen alten Christentempel so viel Geld gespendet und für all die Probleme der Welt nicht?

Ich bin der Ansicht, dass das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hat. Und ich bin der Ansicht, dass alles dafür getan werden muss gegen diesen enormen Verlust der menschlichen Kultur. Ja, ich bin froh, dass anscheinend ausreichend Geld fließt für dieses bedeutende Stück menschlicher Kultur Notre-Dame mit all seiner Geschichte.

Es geht doch gar nicht darum, dass Geld für Notre-Dame gespendet wird und damit nicht mehr für andere notwendige Projekte zur Verfügung steht! Nein, nach meiner Auffassung steht genügend Geld für all die offenen Löcher bereit. Was fehlt, ist die Bereitschaft, das Geld auszugeben
Und die Spenden für Notre-Dame spielen hier keine große Rolle. Warum der Rubel an anderer Stelle nicht rollt, hat ganz andere Ursachen. Dafür kann Notre-Dame jedoch nichts. Der Rubel ist da, ob mit Spenden für Notre-Dame oder ohne! Der Grund, warum er nicht rollt, muss an anderer Stelle überprüft werden.

Notre-Dame muss geholfen werden. Nicht, weil es ein französisches Prestigeobjekt ist, sondern weil es ein Kulturgut der Menschheit, also von uns allen ist.

Ok, den „großzügigen Spender“ sollte man nicht gönnen, sich im Spendemodus zu baden, ohne nachzufragen, warum sie für andere wichtige menschliche Projekte nicht so offen sind. Wobei wir dann beim Thema „Scheinheiligkeit“ angekommen sind.
Aber, wie schon gesagt, das ist ein anderes Thema.
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Nimbus† (45) meinte dazu am 19.04.2019:
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BeBa meinte dazu am 19.04.2019:
und wer weiß wieviel Kultur verloren geht, weil lieber in Denkmäler investiert wird, in etwas Totes, als in Leben. -

Ja, wer weiß es denn?

Tja, Denkmäler (wie du es nennst) ist auch das Leben und "die Menschen", wie du es ausdrückst.


>>Leben welches Kultur schafft!

Das dann von dir wieder als nichtachtenswert beurteilt wird?

Hast du meinen Kommentar wirklich gelesen? Nach meiner Ansicht geht es nicht um eine Aufrechnung der Ausgaben ... sondern um die Bereitschaft dazu!
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Nimbus† (45) meinte dazu am 19.04.2019:
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Melodia meinte dazu am 19.04.2019:
Also bevor es hier a la KV wieder direkt in Streit ausartet:

Ihr habt beide Recht. Schnellzusammenfassung.

- Notre-Dame sollte auf jeden Fall wieder aufgebaut werden.
- Jedes Kulturgut sollte erhalten/restauriert etc. werden!
- Es ist auch schön, dass so viele Spenden.
- Wo bleibt diese Spendabilität bei sozialen Problemen?
- Gibt es, System bedingt, womöglich einen Hintergedanken?
- Warum stemmt das die kath. Kirchenicht alleine? Hat die sich überhaupt schon irgendwie dazu geäußert?!

Es mangelt ja nicht am Geld. Davon gibt es wahrlich genug (wenn auch min. 90% nur in digitaler Form, aber das ist ein anderes Thema). Es fehlt allem Anschein nach lediglich der Wille, die Empathie sowie das soziale Verständnis es auch für Mitmenschen auszugeben. Ohne Agenda.
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Hilde (62) meinte dazu am 19.04.2019:
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Nimbus† (45) meinte dazu am 19.04.2019:
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Hilde (62) meinte dazu am 20.04.2019:
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princess
Kommentar von princess (19.04.2019)
Hallo Melodia,

ich glaube, die Welt wäre ein schönerer Ort, wenn wir Menschen einander mit prinzipiell liebevoller Haltung begegnen könnten. Aber natürlich sind wir alle Menschen. Und natürlich begegnen wir einander nicht mit grundsätzlicher Wertschätzung.

Was ist passiert? Notre Dame hat gebrannt. Manche Menschen spenden viel Geld für ihren Wiederaufbau. Und schon kommen andere Menschen aus den Ecken gekrochen und finden diese Spenderei voll daneben. Darf denn nicht jede und jeder nach eigenem Ermessen das eigene Geld behalten oder verteilen? Es ist ja nicht so, dass nun weltweit alle Spendenprogramme eingefroren und auf Notre Dame umgeleitet werden. Hier werden zusätzliche Mittel aufgebracht. Was ist daran verwerflich? Und selbst wenn du ominöse
Hintergedanken
hinter den Großspenden vermutest: Ich behaupte, auch der Kleinspender ist nicht ohne Hintergedanken. Ein besserer Mensch zu sein, wenn er Brot für die Welt unterstützt. Oder das schmerzende Herz mit einer Spende für den Tierschutz zu heilen. Oder oder oder.

Ja, ich glaube, die Welt wäre ein schönerer Ort, wenn wir Menschen einander mit prinzipiell liebevoller Haltung begegnen könnten. Aber

Liebe Grüße
princess
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Nimbus† (45) meinte dazu am 19.04.2019:
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Melodia meinte dazu am 19.04.2019:
Hallo liebe Princess,

dass die Welt ein besserer Ort wäre, würden sich alle Menschen mit gegenseitiger Wertschätzung begegnen, steht außer Frage. Beim bisherigen Verlauf der Menschheitsgeschichte aber wohl leider noch auf längere Sicht nur eine wundervolle Utopie.
Aber da hättest du Recht.

Vielleicht hast du den Text irgendwie missinterpretiert oder ich habe es nicht deutlich genug formuliert, aber ich schreibe durchaus, dass jede Person mit seinem Geld tun und lassen kann was sie möchte und ihr möglich ist. Ich beklage lediglich die mangelnde Bereitschaft dies für Mitmenschen zu tun. Und ich rede nicht mal davon, dass die im Text erwähnten Milliardäre den Welthunger stillen sollen oder dergleichen.
Aber bei so viel Patriotismus (ein Wort das ich verachte), könnte man sich auch den sozialen Problemen im eigenen Land widmen. Bei diesen Summen die sich im Besitz dieser Familien befinden, verdienen sie die Spenden allein durch die Zinsen ihrer Bank auf den Cayman Inseln an einem Tag zurück.

Das mag jetzt zynisch erscheinen, bringt mich aber zum nächsten Punkt: den Hintergedanken. Mit Sicherheit hat jeder, der eine Spende tätigt irgendeinen Hintergedanken. Aber davon war im Text nicht die Rede. Ich habe die Problematik in das kapitalistische System gebettet, denn es handelt sich um Superreiche von gigantischen Konsortien mit Milliardenumsätzen und nicht um Privatpersonen wie du und ich, dessen Name niemand kennt, die wir keine Produkte verkaufen und eventuell mit unseren 200€ lediglich das eigene Gewissen beruhigen möchten.

Und am Ende frage ich mich jedes Mal, weshalb die kath. Kirche die Kosten nicht einfach selbst übernimmt. Es ist ihr Besitz, sie verdient Geld damit. Und Geld hat sie wahrlich mehr als genug.
Dennoch habe ich nichts gegen die Spenden per se oder den Wiederaufbau. Ganz im Gegenteil. Und das sage ich als überzeugter Atheist, der mit Religion und vor allem der Institution Kirche so viel zu tun hat, wie ein offener Starkstromanschluss auf dem Meeresgrund.

Es geht um die Implikationen besagter Großspenden im Bezug auf das Wirtschaftssystem und den Zielen der Unternehmer.

LG
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princess meinte dazu am 19.04.2019:
dass die Welt ein besserer Ort wäre, würden sich alle Menschen mit gegenseitiger Wertschätzung begegnen, steht außer Frage.
Man könnte beispielsweise einem Notre-Dame-Wiederaufbau-Großspender mit Wertschätzung begegnen. Anstatt ihm einen kapitalistisch versauten Charakter zu unterstellen. Man könnte. Man muss natürlich nicht.
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Melodia meinte dazu am 19.04.2019:
Das Konsortium LVMH (dazu gehören u.a. Luois Vuitton, Möet Hennessy und TAG Heuer) wurde mehrfach für die Ausbeutung in ihren Herstellungsbetrieben kritisiert, die an Sklavenarbeit erinnern. Ihr Chef Bernard Arnault, laut Forbes-Liste 2019 der 4. reichste Mensch der Welt mit 76 Mrd. Dollar Privatbesitz, wollte 2012 die belgische Staatsbürgerschaft beantragen, um keine Steuern zahlen zu müssen.

Das andere Konsortium Kering (u.a. Gucci, Yves Saint Laurent) stand nur mal im Verdacht Steuern im Wert von über 2 Mrd. Euro hinterzoigen zu haben. Also Geld, dass dem Land, der Bevölkerung zu gute gekommen wäre (zumindest ein Teil davon).

Man könnte, aber es fällt mir schwer.
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Kommentar von Hilde (62) (19.04.2019)
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LotharAtzert meinte dazu am 19.04.2019:
Hilde, das ist ein sehr guter Gedanke. Ja, so würde das Christentum auf jeden Fall wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Gruß
Lothar
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Hilde (62) meinte dazu am 19.04.2019:
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Melodia meinte dazu am 19.04.2019:
Hallo ihr zwei,

was die Quellen betrifft ist das ein Sammelsuirium an Berichten, Statistiken und Erinnerungen. Ich lege nicht zu 100% meine Hand ins Feuer, was die Zahlen betrifft, z.B. bezüglich dem Museum in Rio. Die 90% und die 2,3 Mio. sind mir hängen geblieben, aber ob es mittlerweile andere, exaktere Angaben gibt weiß icht nicht.

Und jetzt schreibe ich etwas, was ich dachte niemals schreiben würde: ist auch nicht so wichtig. Denn die Zahlen gehen in die Richtung und es handelt sich lediglich um einen privaten Kommentar, den ich spontan am Stück runtergeschrieben habe, um meine Gedanken/Bedenken kund zu tun.

Warum lässt man Notre-Dame nicht so. Ad hoc fallen mir zwei,drei Gründe ein: der Mensch strebt nach Ordnung und ich bezweifle, dass man den Menschen in Paris vermitteln könnte, dass sie ab jetzt mitten in der Stadt eine ausgebrannte Kirche haben werden.

Zumal diese aus kulturhistorischer -und ja meinetwegen auch religiöser - Sicht von großer Bedeutung ist. Sollte sich womöglich noch heraussetellen, dass der Brand durch eine Zigarette eines illegal eingewanderten Schwarzarbeiteres ausgelöst wurde... da würde dann ganz Frankreich brennen bei der momentan Lage. Ist überspitzt formuliert, ich weiß.

Ein anderer Grund: Geld. Da schlägt mein Zynismus wieder zu.

Aber ja, ich denke auch, die Kirche würde an Glaubwürdigkeit gewinnen

@Hilde: Deine Umschreibung der Kirche ist hervorragend.

LG
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tueichler
Kommentar von tueichler (19.04.2019)
@Hilde: Mag sein, dass ich hier ein wenig leidenschaftlich bin. Aber ich kenne Dresden mit all seinen alten und bis zu Wende neuen Wunden - wie auch die Frauenkirche. Ein Mahnmal, so wurde früher gesagt, dass an die Greuel des Krieges erinnern soll.
Am Ende haben die Dresdener Bürger entschieden, man solle sie wieder aufbauen. Warum. Natürlich nicht nur, ‚um dem Herrn ein Haus zu richten‘, nein, weil es ein Stück Identität war/ist.
Ich selbst habe jahrelang in Dresden gelebt und die Ruine fast täglich gesehen. Nun, wo sie wieder aufgebaut ist, treibt es mir immer noch zuweilen Tränen in die Augen, vor Ergriffenheit.
So, glaube ich, wird es den Bürgern von Paris gehen. Identität und der Glauben, dass Dinge gut werden können, auch wenn ein Unglück geschah. Ist es nicht dies, das uns Menschen ausmacht und uns nicht an unserer eigenen Existenz scheitern und zweifeln lässt?

Kommentar geändert am 19.04.2019 um 10:45 Uhr


Kommentar geändert am 19.04.2019 um 10:46 Uhr
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Hilde (62) meinte dazu am 19.04.2019:
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Hilde (62) meinte dazu am 19.04.2019:
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Hey,

das kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir persönlich wäre es auch lieber (kunst)historische Gebäude in all ihrer Pracht zusehen, um es salopp zu formulieren. Aber das gilt eben auch für das Kolosseum, Paestum, das Circus Maximus… eigentlich für das ganze antike Rom. Oder Karthago, Babylon, Athen. Aber das ist mein rein persönliches Interesse.
Das Menschen, die mit gewissen Wahrzeichen, Kunstwerken etc. ihrer Stadt aufgewachsen sind, diese Bauwerke usw. als Teil ihrer Identität wahrnehmen können, erscheint durchaus logisch und würde auch bis zu einem gewissen Prozentsatz die Anteilnahem erklären.

Mich stört ja auch eher das Ausmaß dieser Emotionen. Das ist so ähnlich wie mit Nachrichten über Anschläge. In Paris, da bleiben wir wenigstens vor Ort, sterben im Januar 2015 zwölf Menschen durch ein paar verblendete Fanatiker und die ganze „westliche“ Welt trauert, weint, spricht Anteilnahme und Mitgefühl aus. Das am selben Tag die Gruppierung Boko Haram in Nigeria knapp 2.000 Menschen (so die Schätzung) massakriert hat, interessierte dann niemanden mehr.

Ich kann verstehen, dass Ereignisse „vor der eigenen Haustür“ einen eher berühren oder mitnehmen. Aber das grenzt beinahe schon an Informationsverweigerung. So ähnlich mit Notre-Dame. Unmengen an Spendengelder, während in Frankreich an allen Ecken und Enden – und nicht erst seit 2-3 Jahren – gesellschaftliche Brüche zu Kratern aufreißen. Aber daran hat man sich ja mittlerweile gewöhnt.

An andere Stelle habe ich bereits erwähnt, dass es vielleicht ein mediales Problem ist. Man bekommt schließlich auch nur das mit, was einem permanent oder intensiv vorgesetzt wird. Den Rest muss man selbst recherchieren.

LG
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Augustus
Kommentar von Augustus (19.04.2019)
Grundsätzlich ist es ein kontroverses Thema. Je nach dem wie man das Thema wendet (gleich einer Münze) wird man Vor-und Nachteile sicherlich aufrollen.
Historisch betrachtet ist die Restaurierung zerstörter Kulturgüter keine Neuheit.
Dass die Reichen ein Vermögen spenden um Notre-Damm aufzubauen, stehen sicherlich keine steuerlichen Gründe dahinter.
Auch ökonomisch betrachtet lösen die Reichen die Probleme der Welt nicht, weil sie ein Teil des Problems sind.
Ein analoges Beispiel; der Magent zieht alle kleinen metallischen Splitter an sich, weil es in seiner Natur liegt, diese anzuziehen und festzuhalten. Diese kleben an ihm und sind nur durch einen stärkeren Magenten oder anderweitige Kraft von ihm zu erzwingen.
Grundsätzlich funktioniert so eine Gesellschsft unter den demokratisch-kapitalistischen System.
Wobei ein Wettlauf zwischen den Reichen und dem Staat stattfindet, wie zwischen Tom und Jerry.
Der Reiche will sein Geld halt nicht steuerlich betrachtet dem Staat geben, weil es - erzwungen ist -, daher nutzt er steuerliche Schlüpflöcher weltweit.
Des Weiteren, wenn in den medialen Anstalten den ganzen Tag wo man hinguckt, das brennende Notre-Damm sieht und hört, so ist man auch gezwungen daran teilzunehmen, während gleichzeitig in einem abgelegenen Ecken in Afrika ein Kind seine Augen geschlossen und an Krankheit oder durch Hunger gestorben ist.
Auch hier ist zu beobachten, dass die Wirkung der medialen Präsenz, der einseitigen Berichterstattung Menschen bei dem brennenden Anblick Notre-damm gar zu Tränen gerührt werden, weil in den Gehirnen die Idee und Vorstellung bei Verlust eines bedeutenden historischen Kulturgutes geweckt werden.

Andererseits fehlt es in Afrika an Bildung und Aufklärung, so würden auch weniger Kinder dort verhungern.
Aber Bildung und Aufklärung würde mehr Wissen erschließen und dementsprechend noch mehr Revolution und Kriege und noch mehr Tote in diesen Ländern erzeugen.

Kommentar geändert am 19.04.2019 um 12:01 Uhr


Kommentar geändert am 19.04.2019 um 12:02 Uhr
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Ich gebe dir da in fast allem Recht und die angeführten Metaphern sind sehr passend. Magnetpole kann man umkehren, das wäre mal ein Ziel.

Einzig bei Afrika gehe ich nicht gänzlich d’accord. Mit Sicherheit mag auch an vielen Orten an Bildung fehlen, aber das ist keine bewusste Entscheidung der Menschen dort. Der „Westen“ beutet Afrika aus, zwingt Staaten durch Verträge ihren Müll, Billigprodukte etc. abzukaufen, wodurch heimische Unternehmen sowie die Landwirtschaft unterminiert werden, während sich korrupte Herrscher das Geld in die eigenen Taschen stecken.

Auch das ist definitiv nicht die ganze Wahrheit, und die Verstrickungen, Kausalitäten und Gründe sind wesentlich komplexer. Möchte mich aber nicht zu weit aus dem Fenstern lehnen, da ich mich mit dieser Thematik bisher eher am Rande beschäftigt habe (im Rahmen des Kapitalismus usw.).

LG
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tueichler
Kommentar von tueichler (19.04.2019)
Nichts gegen all die Kommentare zu sagen, die hervorheben, was alles noch Gutes getan werden sollte und wo es überall klemmt. Aber: Unserer Gesellschaft würdejegliche Unterscheidung zum Tierreich, meiner Meinung nac, abhanden kommen, wenn es nicht als Merkmal derselben die Kultur gäbe. Und als solche sollte man auch Architektur, Musik, Literatur, unsere Ernährung ( in welcher Ausprägung und Möglichkeit immer) etc. Betrachten, ohne nur ein Entweder-Oder zu akzeptieren. Klar gibt es für die Notleidenden viel zu tun. Da stehle ich mich weder aus der Verantwotung noch aus der Dikussion. Aber Kultur ist Verortung des Heimatbegriffes. Zugegeben, nicht jeder, der in Paris lebt, sieht Paris als seine Heimat. Das ist ein weites Feld. Aber es gibt eben doch die/den, der emotional an etwas wie die Seine oder Notre Dame als Bindung empfindet und das muss akzeptiert sein, ohne die anderen Schauplätze zu vernachlässigen.
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Da stimme ich dir zu: Kultur, Sprache, Schrift, Musik, Architektur sowie Hüte

Nein ernsthaft, es ging mir (und vermutlich auch den meisten Kommentierenden) nicht darum, dass man Notre-Dame ihrem Schicksal überlässt. Persönlich finde ich den Wideraufbau auch gut. Mir ging es um das Ausmaß, das fehlende Verhältnis zur Anteilnahme an einem Bauwerk und den massiven Problemen im eigenen Land. Zumal ich immer wieder gerne betone, dass es eigentlich Aufgabe der Kirche wäre, in deren Besitz sich Notre-Dame befindet und definitiv das nötige Kleingeld hätte.

Niemand kann befohlen werden, Geld für bestimmte Dinge auszugeben. Aber „logisch“ wäre es eher der Bevölkerung, dem Staat unter die Arme zu greifen. Okay, vielleicht gehe ich da zu optimistisch, anarchisch und utopisch an die Sache. Aber formulieren wir es mal ganz überspitzt und vereinfacht: Kommt es zur Revolution, wird es nicht Notre-Dame sein die gestürzt wird.
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wa Bash
Kommentar von wa Bash (19.04.2019)
ich denke es ist die richtige Herangehensweise deines Textes die Perversität hinter einigen Dingen anzusprechen. ich empfinde es zumindest als pervers ein Land o.ä zunächst zu zerstören und hinterher sich als großer Gönner hinzstellen indem man Spenden durch Stiftungen etc.pp ankurbelt o.ä, es ist einfach grotesk. damit spreche ich aber nicht diejenigen an, die aus freien Stücken und reiner Nächstenliebe spenden. wie gesagt, die Industrie etc. kann man da sicherlich nicht mit zu zählen, da gebe ich dir Recht... und wir wissen ja warum ein Land zunächst zerstört werden muss, damit ich meine eigenen Vorstellungen bzw. Wirtschaftssysteme dort installieren kann, Wirtschaftskollonialisierung wäre wohl das passende Wort...

das hatte jetzt wenig mit notre dame zu tun, was mir ehrlich wirklich leid tut, dies gilt aber für jedes Kulturgut, gebe ich dir auch wieder Recht..
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Würde jetzt neben dem „Danke“ noch ein „Amen“ schreiben, aber soweit lasse ich es dann doch nicht kommen

Habe vorhin noch was gelesen: Alle weinen um ein 850 Jahre altes Gebäude wenn es brennt. Das Jahrtausende alte Regenwälder abgeholzt werden interessiert niemanden.

LG
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Kommentar von Jack (36) (19.04.2019)
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Hmm bin da nicht ganz deiner Meinung, abgesehen davon, dass wir nur spekulieren können, was ein Milliardär denkt. Ich bin keiner und kenn auch keinen.

Klar spielt Eitelkeit mit Sicherheit eine Rolle. Ist dem im Text erwähnten sich profilieren ja quasi identisch, denn nach außen wirkt es auf jeden Fall. Aber gerade diese Wirkung löst bei Menschen Emotionen aus. Und man würde doch eher Produkte eines Kunstgönners erwerben, als von jemandem, der Industrieabfälle ins Meer kippt. Sollte man zumindest meinen. Denn im Kapitalismus leben wir alle (noch), ob wir wollen oder nicht und eine Vielzahl von Menschen verhält sich auch so. Schließlich scheint auch Ottonormalverbrauchern der Brand einer bekannten Kirche näher zu gehen, als die tausend ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer.

Aber wenn du in deinem Beispiel schreibst, dass sich Menschen echauffieren würden, dass nur 100 Millionen statt der dreifachen Summe für notleidenden Menschen gespendet würden, ist das doch ebenfalls Teil des kapitalistischen Systems.
1) Für einen Großteil des Leidens sind zu diversen Anteilen durch das System zumindest mit schuld.
2) Die Frage ist nicht ungerechtfertigt, wenn man weiß, wie viel ein paar wenige Menschen haben und auf jedem Kontinent Luxushäuser, Yachten und Privatjets besitzen. Ja, ich weiß überspitzt, aber braucht eine 4-köpfige Familie eine 400m² große Villa mit doppelt so viel Gartenfläche?
3) Würden sich die Superreichen verantwortungsbewusst verhalten und mit ihrem Geld stets versuchen der Gesellschaft zu helfen, würde sich niemand Gedanken darüber machen, ob es 100 oder 10 Millionen wären.

Die Weltöffentlichkeit ist durch den Kapitalismus, den Konsum mit all seinen Folgen geprägt. Finde ich zumindest.

LG
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BeBa
Kommentar von BeBa (20.04.2019)
Ich möchte dann doch noch einmal ein paar Worte zu dieser Diskussion betragen. Sorry dafür.

Für mich geht die Diskussion in die völlig falsche Richtung, wenn wir fragen, warum das Geld zum Wiederaufbau von Notre-Dame verwendet wird und nicht, um das Leid in der Welt zu lindern.
Darum geht es doch gar nicht. Wie weiter oben schon gesagt wurde, werden doch jetzt nicht alle Spendengelder eingefroren, nur weil der Wiederaufbau eines Kulturguts Geld kostet. Dass gegen das Leid in der Welt zu wenig Geld fließt, hat mit Notre-Dame nichts zu tun. Es würde ebenso wenig fließen, wenn es den Brand in Paris nicht gegeben hätte. Weil das ein ganz anderes Problem ist, das auch an anderer Stelle diskutiert werden muss, nämlich tatsächlich politisch.

Sollte denn Notre-Dame, unabhängig von dem obigen Disput, überhaupt restauriert werden? Oder sollte man es als Ruine stehenlassen, vielleicht (wie Nimbus fantasievoll vorschlug) mit einer Glaskuppel versehen und so zur Sehenswürdigkeit machen?
Ich kenne Notre-Dame. Und ich wünsche mir, dass weitere Generationen (so z.B. meine Tochter) Notre-Dame so sehen können, wie ich es kenne. Es geht doch gar nicht nur darum, dass es ein christliches Monument ist (ich bin kein Christ). Notre-Dame ist so viel mehr, vor allem für die Franzosen und speziell für die Pariser. Und es ist nicht zuletzt auch Kulisse des Romans von Victor Hugo und des Films, der nach ihm gedreht wurde. Notre-Dame ist Kultur.

Nein, das alles sollte nach meiner Ansicht nicht verlorengehen. Die Alternative wäre eine Ruine namens "Die Ruine von Notre Dame nach einem Kurzschluss im Jahre 2019".

Nö, einen Kurzschluss mag ich als Schicksal der Notre-Dame und als Vermächtnis für die nächsten Generationen nicht akzeptieren.

Mich freut es, dass es ausreichend Spender gibt, die die Restaurierung ermöglichen. Und denen werde ich erst einmal nicht gleich (wie leider hier im Thread oft geschehen) nur Eigennutz oder gar böswillige Absicht unterstellen. Aber auch dazu wurde ja in den vorangegangenen Kommentaren einiges Nachdenkenwerte geschrieben.

Zum Abschluss mal ein weiterer Gedankenanstoß:
Notre-Dame liegt in Paris und das bekanntlich in Frankreich. Vielleicht sollten wir neunmalklugen Deutschen mal die Ohren spitzen und zuhören, was die Franzosen denken, was ihnen Notre-Dame bedeutet. Das sollten wir ja hinkriegen!
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Hilde (62) meinte dazu am 20.04.2019:
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Wie mehrfach erwähnt, bin ich vollkommen dafür, dass Notre-Dame wieder aufgebaut wird! Punkt.
Es ist jetzt aktuell einfach als Beispiel zu nennen, wie ambivalent Menschen mit Emotionen und Geld umgehen.

Es gibt auch Beispiele, die ohne Kultur auskommen, wie z.B. die Bankenrettung. Innerhalb kürzester Zeit fand die EU Milliarden, um Unternehmen am Leben zu halten, die andere Menschen durch Spekulationen in den Ruin treiben, während ihnen die Rettung von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer zu teuer ist (was wohlgemerkt nur ein Bruchteil davon kosten würde) und sogar noch ein drauf gesetzt wird, indem Personen verurteilt werden, die privat versuchen diesen Menschen zur helfen.

Ich habe es bereits mehrfach geschrieben: Die Kirche sollte es einfach selbst übernehmen. Und da die Spendengelder nun mal schon da sind, könnte sich ja die Kirch überlegen, was sie damit sinnvolles anstellen könnte.
Denn Hilde hat vollkommen Recht: Am Geld mangelt es absolut nicht, nur am Willen es auch zumindest hin und wieder sinnvoll(er) einzusetzen.
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BeBa meinte dazu am 21.04.2019:
@Hilde,

ich hoffe, du verstehst mich nicht falsch. Dein letzter Kommentar klang fast so, als du von unterschiedlichen Prioritäten geschrieben hast.
Natürlich haben die Menschen, haben Maßnahmen gegen das Leid von Menschen und gegen Armut für mich Vorrang vor dem Restaurieren von Gebäuden. Das ist für mich völlig außer Frage.

Mir ging und geht es um etwas Anderes und ich meine, dass ich das auch immer wieder betont habe:

Geld wäre da, um etwas gegen Leid und Armut zu tun. Aber es fließt nicht. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil es nicht wirklich angepackt wird (vor allem von der Politik) und daher ein Fass ohne Boden ist? Ich weiß wirklich nicht, warum man so schlecht an benötigte Gelder herankommt, die ja da sind (wie man jetzt wieder sieht). Und ich werde ganz gewiss die Reichen nicht verteidigen.

Aber, und darauf kommt es mir in dieser Diskussion an:

Erstens:
Was wäre, wenn man jetzt auf eine Restaurierung von Notre-Dame verzichten würde? Würde dann das nicht ausgegebene Geld für die Armen, die sozialen Probleme fließen? Wohl kaum, es würde sich gar nichts ändern!

Zweitens:
Kostet die Restaurierung so viel Geld, dass nichts bleibt, um die sozialen Probleme zu lösen? Wohl kaum, Geld ist genügend da. Das Problem ist ein ganz Anderes, vor allem Politisches.

Fazit für mich:
Es ist anerkennenswert, wenn versucht wird, im Rahmen der großen Spendenbereitschaft wieder einmal darauf hinzuweisen, dass Geld für soziale Probleme fehlt. Und es ist auch gut, wenn den "edlen" Spendern jetzt mal wieder auf die Füße getreten wird und sie darauf hingewiesen werden, dass Besitz verpflichtet! Alles korrekt. Nur ohne Plan wird sas alles nichts, mit oder ohne restaurierte Notre-Dame.

Aber es bleibt dabei: hier werden zwei völlig verschiedene Dinge miteinander vermischt. Es kann nicht sein, dass jemand, der für die Restaurierung von Notre-Dame ist, gebrandmarkt wird als einer, den soziale Probleme, Armut etc. nicht interessieren und dem Gebäude wichtiger sind als Menschen.
Diese Art zu urteilen (ich mag hier nicht von Denken reden!!) ist die Art der Populisten!

Soweit meine Ansicht.
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BeBa meinte dazu am 21.04.2019:
@melodia,

ich gebe die in Vielem, was du hier geschrieben hast, absolut Recht.
Aber dein Statement, dass es am Willen fehlt, Geld sinnvoller einzusetzen und deshalb so wenig Geld zur Lösung sozialer Probleme fließt, finde ich zu sehr vereinfacht.
Es muss ja erst einmal klar sein, wofür genau Geld benötigt wird, wie es angelegt werden soll, damit es etwas bringt. Und ich glaube, schon hier haben wir das Problem. Es gibt gar keinen Plan zur Lösung all dieser Probleme. Die Politik hat hier keinen PLAN. Und wenn Geld aus Spenden etc. planlos versickert, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Quellen versiegen.

Wenn es wirklich praktikable und erfolgversprechende Pläne und Vorstellungen gäbe, das Elend der Ärmsten und Armen zu bekämpfen, dann fänden sich auch Spender. Ebenso wie es jetzt Spender für Notre-Dame gibt. Das behaupte ich jetzt einfach einmal. Verbrennen wollen Unternehmen und Unternehmer ihr Geld jedoch nicht. Das kann man wohl auch verstehen.

Man sollte nicht immer gleich mit der Klassenkampfkeule kommen, sondern auch mal darüber nachdenken, welche Perspektiven die Politik zur Lösung anbietet. Oft nichts als heiße Luft. Und wenn sie unpopuläre Maßnahmen mit Weitsicht plant, dann ist das Geschrei auch wieder groß. Man kann nicht alle Probleme auf einmal lösen. Aber genau das wird verlangt. Wenn das nicht klappt, dann ziehen wir uns gelbe Westen an und zertrümmern das Land (ok, ist sehr überspitzt und wird mir wieder Prügel einbringen, weil man ja die Gelbwesten und ihre Methoden nicht kritisieren darf). Immerhin haben die Gelbwesten jetzt erreicht, dass Macron seine Politik genauer erläutert. Das soll ja in Kürze geschehen. Mal sehen, was er zu sagen hat. Die Hoffnung, dass er einer der besseren Politiker ist, habe ich noch nicht aufgegeben. Zusammenarbeit statt Konfrontation wäre hier allerdings wünschenswert.

Na ja, am Ende tauchen sie ja auf, die Retter mit ihren Allheilmitteln: die Populisten. Sie stehen in den Startlöchern.

Antwort geändert am 21.04.2019 um 02:46 Uhr
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Melodia meinte dazu am 21.04.2019:
@Beba

Da hast du sicher vollkommen Recht, dass ich es vereinfacht habe. Das war mit Sicherheit auch der Komplexität geschuldet und man müsste auch definitiv abwägen, inwiefern (Privat)unternehmen für die Lösung sozialer Probleme überhaupt eingebunden werden sollen und dürfen. Schließlich ist dies eine Aufgabe des Staates.

Es ist auch korrekt, dass es oft an Plänen mangelt, zumindest auf Seiten des Staates. Man siehe in Deutschland die Probleme mit Hartz 4 gegen das privat finanzierte „Mein Grundeinkommen“ oder die vorgeschlagene Methode der Stiftungsinitiative „Leben jetzt!“ (dazu hat Georg Schramm mal einige Auftritte gemacht; kann man sich auf Youtube anschauen. Hochinteressant und sehr durchdacht).
Man ignoriert von Regierungsseite aus allem Anschein jede sinnvolle Idee. Warum? Um den Status quo beizubehalten. Zumindest scheint mir das der einzige nachvollziehbare Grund. Und wer profitiert davon? Großunternehmer (Leiharbeit, Zeitarbeit, Subventionen, ein fragwürdige Erbschaftssteuer, keine Reichensteuer, steuerliche Schlupflöcher) und die Politiker selbst, in der Hoffnung, dass ihnen die Industrie nach ihrer politischen „Karriere“ ein paar Brotkrumen hinwirft. Oder wie lässt es sich erklären, dass beinahe alle Politiker irgendwann als Vorstandmitglieder oder Berater arbeiten? Warum sponsern Firmen ganze Parteitage?

Für folgt dadurch, dass Großunternehmen Teil des Problems sind und finanziell enorm von der Politik profitieren (wenn man ihr quasi die Gesetze diktiert). Unter diesen Umständen fände ich es persönlich zumindest moralisch zumutbar, dass sich Reiche ohne Agenda sozial engagieren und ein Teil ihres Vermögens der Allgemeinheit zukommen lassen. Baustellen gäbe es genug: Infrastruktur, Bildung, Kommunikation, Rente usw. Ist vermutlich zu idealistisch gedacht, aber man darf ja mal träumen.

Die Klassenkampfkeule. Ja, das rutsche ich automatisch immer etwas rein. Teils bedingt durch meine eigenen politischen Ansichten, teils durch das was ich sehe/lese. Denn genau diese Lösungen sehe ich nicht und Weitsicht ist ein rares Gut geworden. Das sich Politiker von Geschrei des Pöbels beeinflussen lassen, trifft lediglich vor Wahlen zu; meiner Meinung. Ansonsten ignorieren sie die Stimmen aus der Bevölkerung. Schließlich möchte die überwiegender Großteil das sofortige Ende der AKWs, sichere Renten usw.

Ich bin kein absolut kein Fachmann was die französische Innenpolitik betrifft, aber soweit ich mich entsinne möchte (oder hat bereits?) Macron einige Reformen durchsetzten, mit der Folge, dass Frankreich ebenfalls so etwas wie Hartz 4, Leiharbeit usw. auferlegt bekäme.
Der Anfangsgrund der Gelbwesten fand ich eher peinlich, da Macron (allem Anschein nach) sinnvolle Umweltpolitik machen wollte. Die Forderungen danach, nach Anhebung des Mindestlohns sowie der Renten usw. sind durchaus nachvollziehbar; auch wenn die Bewegung ein sehr weites Spektrum an Teilnehmern aufweist. Daher wundert es mich nicht, dass es auch zu Gewalt und Krawallen kommt. Idioten gibt es immer und finde das auch vollkommen unnötig. Gleichzeitig sollte es der Politik aber demonstrieren, dass es den Menschen sehr wichtig ist gehört zu werden und ein Großteil der Punkte ist auch verständlich.

Die deutsche Politik kann sich eigentlich glücklich schätzen, dass seine Einwohner nicht gerade für ihr Aufbegehren bekannt sind, besonders im Vergleich zu Frankreich, Italien oder Griechenland, wo es allenthalben zu bürgerkriegsähnlichen Protesten kommt. Vielleicht interessiert es ein Gros der Bevölkerung auch nicht oder sie sind nicht informiert. Oder um es mit den Worten Volker Pispers zu sagen: „Was meinen Sie was hier los wäre, wenn mehr wüssten was hier los ist!“

Aber ja, wir überlassen es lieber den rechten Populisten auf die Straße zu gehen. Und/oder wir bekommen die „linken“ Proteste nicht mit. Außer natürlich beim G20-Gipfel.

Das wurde dann doch wieder ein halber Roman. Sorry.
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BeBa meinte dazu am 22.04.2019:
Hallo melodia,

danke dir für deinen weiteren und genaueren Kommentar. Ich stimme dir hier in sehr weiten Teilen zu. Besonders was du da im 2. Absatz zu den Großunternehmen, der Leiharbeit etc. schreibst, unterschreibe ich gern.
Auch den unglücklichen Start der Gelbwesten gegen Macron (dem es tatsächlich u.s. um Umweltschutz ging) unterschreibe ich.

Auch Macron ist nicht das Ideal des Politikers. Aber er hat den Arsch in der Hose, etwas zu tun, wenn es auch unbequem ist. Frankreich hat so viele Probleme (viel mehr als wir), da können Lösungen nicht immer bequem sein. Und er rüttelt die EU wach (hoffentlich!), wenn seine Ideen ebenfalls unbequem und zu diskutieren sind.

Ja, unsere Protestbereitschaft ist sehr mäßig. Zu mäßig teilweise. Die Einzigen, die auf sich aufmerksam machen, sind die Rechten. Leider! Auch da gebe ich dir Recht.

Was war noch mal mit Notre-Dame? Aber interessant, was aus deinem Text so geworden ist. Und das gefällt mir.

LG
Beba
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Melodia meinte dazu am 22.04.2019:
Nein, Macron ist mit absoluter Sicherheit nicht der Idealpolitiker!!!

Vermutlich ist es mein Misstrauen gegenüber Politikern, aber gänzlich überzeugt von seinem noblen Vorhaben bin ich nicht.
Aber was das Angehen von Problemen mit unbequemen Methoden betrifft hast du Recht. Hatte ja bereits geschrieben, dass Politiker nur im Wahlkampf, wenn überhaupt, auf die Bevölkerung achten, ansonsten den Lobbys unterworfen zu sein scheinen und auf kompetente Fachleute und Wissenschaftler pfeift man ohnehin, um es salopp auszudrücken. Anstatt ausschließlich auf den Machterhalt konzentriert zu sein, sollten Politiker tatsächlich heikle Themen anpacken.

In Deutschland würde mir spontan einfallen: Subventionen für Kohle und Massentierhaltungsbetrieben (sehr deutsches Wort^^) aufheben, Tempolimit, Bahn wieder verstaatlichen, Atomausstieg sofort, Steuerreformen (Rente, Erbe), Hartz-4, Pflegenotstand, Altersarmut… ach ja: Lobbyisten aus dem Bundestag verbannen. Ich habe die exakten Zahlen nicht mehr im Kopf, aber ich meine dass es doppelt so viele Interessensvertreter als Abgeordnete im Bundestag gibt. Spitze! Es gäbe also mehr als genug zu tun!
Das mit der EU scheint an mir vorbei gegangen zu sein. Hatte mit dem Uploadfilter zu kämpfen. Werde mich diesbezüglich noch mal schlau machen.

Extrem mäßig. Dass mit den Rechten und der Aufmerksamkeit ist aber den Medien und der Politik geschuldet. 3.000 PEGIDA-Leute demonstrieren und die Politik sagt: wir müssen die Sorgen dieser Menschen ernst nehmen. „Fridays for Future“ mit 20.000 Menschen auf der Straße und es heißt die Kinder sollen in die Schule! Zumal gefühlt, zumindest anfangs, jede PEGIDA-Demo groß in den Medien zu finden war. Als damals (und auch nur kurzfristig) Studiengebühren eingeführt wurden, hat man weder in Zeitungen noch im Fernsehen etwas darüber finden können. Erst als die A1 durch einen Protestmarsch gesperrt werden musste gab es einen 10 Sekunden Fernsehbeitrag in den Nachrichten (der aber eher nach: „die sind schuld, dass ihr im Stau standet“ klang). Das allein in Freiburg das Sekretariat für Wochen okkupiert war: Fehlanzeige. „Lügenpresse“ ist das falsche Wort, aber wenn wir den Medien politisch motivierte Agenden vorwerfen, würden wir nicht falsch liegen.

Es gibt sie nämlich schon, die Proteste und Demonstrationen der „linken“ Seite, wobei ich per se keine politische Motivation sehe, wenn Menschen für Klimaschutz, für Menschenrettung oder für Löhne, mit denen man in Deutschland leben kann, auf die Straße gehen. Aber, mit Ausnahme der Black Block Idioten, sind die Teilnehmer eigentlich stets friedlich, schreien keine Kamera an oder attackieren Journalisten. Das ist reißerischer und das Publikum ist auf Gewalt und Katastrophen (man siehe Notre-Dame, um wieder geschickt den Bogen zu bekommen ) getrimmt.

Was hat das mit Notre-Dame zu tun. Hmm. Alles und nichts? Es ist ja irgendwie alles miteinander verwoben, Politik, Medien, Wirtschaft. Das Thema war so gesehen auch eher der Aufhänger für eine „Kapitalismuskritik“, wie man es nennen würde, oder zumindest als Denkanstoß gedacht, dass der Schein trügen kann.

Aber ja, spannend was aus einem kurzen Text und ein paar Kommentaren wird. Bin benefalls hellauf begeistert. So stelle ich mir ein Literaturforum vor Und, wie ich als Anmerkung hinzugefügt habe, finde ich es auch sehr erfreulich, dass es sachlich geblieben ist!

Aber verzeih mir, dass es wieder ein Roman ist. Kurz kann ich wohl nur meine Gedichte halten. 
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autoralexanderschwarz
Kommentar von autoralexanderschwarz (20.04.2019)
Durchaus wahr und gut geschrieben. Ich lese jetzt nicht die ganzen Kommentare und weiß nicht, ob es schon erwähnt wurde, aber ganz am Ende müsste es "ein Wahrzeichen" und nicht " einem Wahrzeichen" heißen.
Gruß
AlX
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Melodia meinte dazu am 20.04.2019:
Vielen Dank und nein, dass ist uns allen entgangen Wird geändert!

LG
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Veröffentlicht am 19.04.2019, 4 mal überarbeitet (letzte Änderung am 20.04.2019). Textlänge: 521 Wörter; dieser Text wurde bereits 399 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.06.2021.
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