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Der Superkavalier

Beschreibung zum Thema Frauen/ Männer


von Regina

Allein kommt er nie, immer bringt er irgendeinen Freund mit. Getränke? Mineralwasser. Ich nehme die Flasche aus dem Kühlschrank und schicke mich an, drei Gläser dem Oberschrank zu entnehmen. Süsy springt auf, besteht strikt darauf, dass ich mich wieder hinsetze. Man kann zuvorkommendes Verhalten auch übertreiben, denke ich, lasse ihn aber machen, obwohl ich insgeheim der festen Überzeugung bin, dass eigentlich ich in meiner Wohnung die Gäste bedienen muss.
Spazierengehen, beschließen wir drei, als uns die Konversationsthemen ausgehen. Kaum stehen wir auf der Straße, reißt er mir meine Handtasche vom  Arm. Nicht, dass er damit abhauen will, auf so eine Idee käme er nie, aber eine Frau darf keine Tasche tragen bei ihm, das sieht er als seine Aufgabe an. So schwebe ich hinterher, frei  von jeglicher Last, fühle mich leicht wie ein Schmetterling. Da rennt er mir davon, rast mit seinem Freund durch den Bahnhof, so dass ich ungefähr um zwölf Gleise zurück bleibe. An der Ecke macht mich die Imbissverkäuferin darauf aufmerksam, dass da ein Becher Kaffee für mich steht, von Süsy spendiert, das gehört sich seiner Meinung nach so. Während ich trinke, frage ich mich, wo die beiden Freunde abgeblieben sind. Ich entdecke sie an der Kasse des Supermarktes, wo sie sich lautstark streiten, wer von beiden das Picknick bezahlen darf, das wir im Stadtpark einnehmen werden. Unterwegs treffen wir noch ein paar Freunde, die sich uns anschließen. Schließlich formieren wir uns zu einer Gruppe von zehn Personen.
Am Stadtparkweiher angekommen, tut Süsy so, als gehöre ihm die einzige Bank, die dort steht und lädt mich ein, darauf Platz zu nehmen.  Er und die anderen Herren lassen sich einige Meter entfernt auf dem Gras nieder. Ich weiß schon, sie führen Männergespräche. Aber ich werde mit Essen, Süßigkeiten und Getränken reichlichst versorgt, so dass ich beinahe platze.
Sie sind alle  jung, männlich und unverheiratet, eine Lebenssituation, die viele von ihnen nur schwer ertragen. Später sprechen sie mit mir, möchten wissen, ob ich irgendwelche heiratswilligen Frauen kenne. Irgendwelche? Geburtenschwache Jahrgänge, diese Altersklasse! Und wer will schon hinterherlaufen und sich alleine auf der Parkbank langweilen? "Ich bin doch keine Heiratsvermittlung!" schimpfe ich und ernte verständnislose Blicke. "Meine Freundin hat Angst, sich mit euch zu treffen", gebe ich zu bedenken. "Angst wovor?" staunt Süsy. Natürlich trägt er meine Tasche wieder zurück.
Unterwegs treffen wir gestresste Mütter, die im Rucksack Großeinkäufe schleppen und gerade nach der Arbeit die Kinder abgeholt haben, Doppelkinderwagen den Burgberg hinauf schieben. Süsy versteht diese Familienverhältnisse nicht. Männer, die den Frauen  solche schweren Arbeiten nicht  abnehmen, das Geld nicht selber verdienen und verwalten, die Kinder nicht zum Arzt bringen, den Frauen zumuten, mit den Lehrern zu diskutieren und Entscheidungen zu  treffen, hält er für widerliche, frauenfeindliche Machos.
Er ist ein ritterlicher edelsyrischer Superkavalier, der eine Frau braucht, die sich nicht andauernd in seine Angelegenheiten einmischt.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (23.04.2019)
Sie sind alle jung, männlich und unverheiratet, eine Lebenssituation, die sie nur schwer ertragen.


Herrlich.

Der Text enthält natürlich auch eine gewisse Mirgrantenkritik, bleibt aber noch angenehm zurückhaltend. "Süsy" würde ich austauschen, ein anderer Name ist sicherlich weniger irritierend.
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Regina meinte dazu am 23.04.2019:
Schön, dass du wieder da bist. Danke
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Kommentar von Ralf_Renkking (30.04.2019)
Hallo Regina,

also, ich finde diese Beschreibung einfach unbeschreiblich (weiblich).
Eigentlich dürfte ich das auf diese banale Weise keinesfalls ausdrücken, da Dieter das sehen könnte.
Gut nur, dass Walther meine Ansicht noch nicht kennt, der würde mir glatt erklären, was ich von dem Text tatsächlich halte.

Ciao, Ralf
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Regina antwortete darauf am 30.04.2019:
Hm. Wer ist Walther? Gina
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Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 30.04.2019:
Gehe doch mal bitte bei Walther auf 'Schlag nicht mich' und lies den Kommentarverlauf. Walther ist für mich seitdem zu einer Art Gewissen geworden, na, einem Running Gag halt. Ich hatte mir auch schon überlegt, ihm zu schreiben, dass er mir schon überlassen sollte, wie ich meine Kommentare abzufassen habe, mich aber stattdessen entschuldigt, und ihm versichert habe, dass ich ihn nicht mehr kommentieren würde.
Das Ganze ist leider mutiert, und Walther hat ausgerechnet mein Sonett 'Kaleidoskop' zerrissen, auf das ich doch so stolz bin (Schluchz).
Na egal, irgendwann wird mich mein Gewissen schon kriegen, und dann setzt es aber was.
Aber jetzt mal ohne Spaß, ich habe diese Kommentarnische als Kleinkunstprogramm richtig liebgewonnen, was aber nicht heißt, dass ich alle Texte parodiere. Heute ist übrigens ein Neuer mit einer verdammt guten Premiere eingestiegen.
Bei Dieter z. B. habe ich aber immer das Gefühl, dass in ihm ein kleiner journalistischer Reißwolf lauert, dem nichts mehr Vergnügen bereitet als Texte zu zerschreddern. Nein, ich rege mich darüber nicht auf, aber es macht Spaß, so zu tun, als ob.
Ciao, Ralf
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Regina äußerte darauf am 09.05.2019:
Was ich interessant finde, dass er die Texte ganz anders liest als alle anderen.
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Ralf_Renkking ergänzte dazu am 09.05.2019:
Seit wann kann Dieter lesen?
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Regina meinte dazu am 09.05.2019:
Ich kann es hier oft auch nicht.
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Auf ewig/Prosa.
Veröffentlicht am 22.04.2019, 7 mal überarbeitet (letzte Änderung am 23.04.2019). Textlänge: 467 Wörter; dieser Text wurde bereits 55 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 22.05.2019.
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