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Der (öffentliche) Tanz beginntInhaltsverzeichnisTrekans Teutschlanttrent

Der (öffentliche) Tanz beginnt 2

Brief zum Thema Weltgeschehen


von TrekanBelluvitsh

Hallo xxx,

ich denke es ist klar, dass ich mir wünsche, dass ich mich irre. Aber ich fürchte, dem ist nicht so. Das liegt an meiner festen Überzeugung, dass all diese Sachen (Atomabkommen, Öl) höchstens als Auslöser angesehen werden können - und das auch nur im besten Fall.

Der wahre Grund für den Krieg ist Hass. Die USA wurden 1979 vom Sturz des Schahs völlig überrascht. Das dieses von ihnen unterstützte Regime gestürzt wurde, hat die politischen Konservativen tief getroffen. Du darfst nicht vergessen, dass die Niederlage im Vietnamkrieg damals erst einige Jahre her war. Das Fass zum Überlaufen brachte für die USA aber die Botschaftsbesetzung in Teheran. Sollte man meinen.  Noch viel schlimmer war jedoch die missglückte Geiselbefreiung. Diese hat bei den Konservativen in den USA ein tiefes Schamgefühl ausgelöst und diese Wunde ist (in deren Augen) nie verheilt. Denn wirklich in Gefahr konnten die USA die Theokratie im Iran seit 1979 niemals bringen. So wurden Schock und Scham zu einem unbändigen Hass, der immer schlummerte. Nun sehen Bolton & Co. endlich die Chance, eine alte Rechnung zu begleichen.

Trump selbst ist so dumm und von sich selbst eingenommen, dass er gar nicht gemerkt hat, wie er von ihnen instrumentalisiert wurde und wird. Wenn ich mich recht erinnere, ging seine erste Auslandsreise nach Saudi-Arabien und das hauptsächlich um Waffen zu verkaufen. Aus heutiger Sicht war das kein Zufall. Innenpolitisch brauchen die konservativen Kriegstreiber gar keine Furcht zu haben - wenn das Szenario nur gut genug vorbereitet ist. Kein Demokrat wird sich finden, der den Iran verteidigt. Die Falken müssen einfach nur dafür sorgen, dass er Krieg ausbricht, bzw. einen vorzeigbaren Kriegsgrund liefern.

Das ist auch gar nicht schwer, weil die politische Führung des Irans niemals besonnen handeln wird. Man muss ihnen nur ein provokantes Stück Käse vor die Nase halten. Die Falle, in die sie dann gehen werden, bauen die von ganz allein. Das ist auch kein Wunder. Der Iran ist - neben den USA, Russland und China - der aggressivste Staat auf der Welt. Was für die Konservativen in den USA gilt, gilt auch für die Konservativen im Iran: Sie werden von einem unbändigen Hass auf die USA angetrieben. Vereinfacht könnte man sagen, dass ist der Hauptantrieb der iranischen Außenpolitik, bzw. der Grundgedanke, der über alle iranischen außenpolitischen Überlegungen durchdringt. Und ebenso wie in den USA scheinen auch im Iran viele Anführer bereit zu sein, den Streit nun auszufechten, dem Hass nachzugeben. Der Wechsel in der Führung Revolutionsgarde vor wenigen Wochen war ein Zeichen dafür. Der neue Chef gilt gegenüber seinem Vorgänger als Hardliner. Und ich möchte nicht wissen, wofür der Vorgänger stand.

Wir sind es gewohnt, heute für internationale Auseinandersetzungen, ganz gleich auf welcher Ebene sie stattfinden, allein rational nachvollziehbare und damit harte Gründe festzumachen*. In diesem Punkt hat die Aufklärung uns jedoch gelinkt. Seit Anbeginn der Menschheit spielten die weichen Faktoren in Auseinandersetzungen immer eine entscheidende Rolle. A mag B nicht, C mag B nicht, also schließen sich A und B zusammen. In diesem Fall stehen mal wieder sozio-psychologische Gründe im Vordergrund. Weil diese nicht durch rational nachvollziehbare Gründe aus der Welt zu schaffen sind, denke ich, dass dieser Krieg kommen wird. In meinen pessimistischen Augenblicken - und davon gibt es, wie du weißt, sehr viele - halte ich ihn sogar für unvermeidbar. Nicht weil er unvermeidbar wäre. Sondern weil beide Seiten ihn unvermeidbar machen/erscheinen lassen, weil beide Seiten die große Abrechnung wollen.


Grüße

Trekan

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

* = harte Faktoren wären z.B. Wirtschaftsinteressen. Man mag diese moralisch-ethisch kritisch betrachten. Dennoch sind sie rational nachvollziehbar und wenn es nur ist, weil man sie beziffern kann.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Cora (29) (10.05.2019)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.05.2019:
Weil für das augenblickliche vorgetragene Szenario das iranisch-israelische Verhältnis keine entscheidende Rolle spielt. Hinzu kommt, dass es zur Zeit gar keine direkte Bedrohung für den Staat Israel gibt. Wirklich feindlich gesinnt ist ihm von seinen Nachbarstaaten nur Syrien. Und dort hat man mit sich selbst genug zu tun und ist militärisch geschwächt. Mit Jordanien und Ägypten gibt es einen bewährten Status Quo und das seit Jahrzehnten. Die iranische Unterstützung für terroristische Organisationen wie z.B. Hamas oder Hisbollah ist eher ein Zeichen dafür, dass der Iran gar nicht in der Lage ist, Israel direkt zu bedrohen.

Das heißt natürlich nicht, dass die iranischen Aktivitäten keine Bedrohungen für israelische Bürger an sich sind. Das sind sie ohne Frage. In diesem Zusammenhang muss man dann jedoch auch die Politik der derzeitigen israelischen Regierung betrachten. Aggressivität gibt es auch unter der Schwelle dessen, was die USA, Russland, China und der Iran außenpolitisch veranstalten.

In seiner Gesamtheit ist Israel jedoch nicht bedroht, auch weil das Land - je nach Schätzung - 80 bis 300 atomare Sprengköpfe besitzt und der Iran keinen einzigen. Und Israel wird keinen Krieg gegen den Iran anstreben. Wenn dieser zwischen den USA (und seinen Verbündeten) und dem Iran ausbricht, wird es einen Parallelkrieg zwischen dem Iran und Israel geben. Allerdings denke ich, dass die Israelis sich auf wenige Ziele für Luftschläge beschränken werden. Sie werden unter dem Einfluss der USA stehen, die eine starke Beteiligung der Israelis zu verhindern hoffen werden, um die Beliebtheit eines solchen Kriegs in der arabischen Welt nicht gegen Null senken zu lassen. (Wobei z.B. Golfstaaten Bahrain, Katar, Kuwait und VAE ein Schwächung des Irans sehr gerne sehen werden. Bleibt die Frage, ob sie das offen zugeben.)
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Cora (29) antwortete darauf am 10.05.2019:
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 10.05.2019:
Ja, es scheint höchst seltsam, dass ein Hass, der vor 40 Jahren entstand, heute noch wirksam ist. Jedoch ist gerade dieses Alter ein Grund für seine Wirksamkeit. Die beteiligten Personen auf beiden Seiten haben sich selbst und ihren Hass niemals kritisch hinterfragt. Und so festigte er sich durch die Jahrzehnte, wurde ihr ständiger Begleiter und die Brille, durch die sie alles "analysieren". Er hat ihr politisches Denken geprägt und ist stets wirksam. Und jetzt hat er die Kontrolle übernommen, was die entsprechenden Personen sogar als Befreiung empfinden werden. Er verschafft ihnen ein gutes Gefühl und wie die meisten Menschen, denken jene, was ein gutes Gefühl verschafft ist gut. Das wäre dann eine Teildefinition von Narzissmus.
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Cora (29) äußerte darauf am 10.05.2019:
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Sätzer
Kommentar von Sätzer (10.05.2019)
"Das liegt hauptsächlich daran, dass ich denke, dass ..." Das holpert -> zuviel das(s).
Glatter formuliert: Ich denke es liegt hauptsächlich daran, dass...

"Das dieses von ihnen unterstützte Regime gestürzt wurde,..."
-> Als das von ihnen unterstützte Regime gestürzt wurde, traf es die politisch Konservativen ins Mark....
Ich würde noch mal in dem Sinne drübergehen. der Text holpert an einigen Stellen. Zu viele Wiederholungen von "das" und auch "diese".
Zum Inhalt: Kann man so sehen. Ob es nun einer haltbaren und ausschließlichen Hintergrundwahrheit entspricht? Ich weiß es nicht. gibt sicher noch andere Faktoren.
LG Sä
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 10.05.2019:
Ja, die empfundene Notwendigkeit zur Veröffentlichung dieses Textes war stärker als eine sehr gründliche Überprüfung.

Das Problem mit anderen Faktoren ist, dass sie sowohl von den Entscheidungsträgern in den USA als auch im Iran unter dem Primat des tief verwurzelten Hasses gedeutet werden. Wäre dem nicht so, würde sich auf beiden Seiten wenigstens Ansätze von Kompromissbereitschaft zeigen. Die erkenne ich jedoch nirgends, im Gegenteil.
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Kommentar von Sin (55) (10.05.2019)
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.05.2019:
Je mehr ich von der Welt weiß, desto weniger will ich von ihr wissen.
Ich will nicht leugnen, dass diese Sichtweise, so paradox es klingen mag, mein persönlicher Hintergrund für meine (bisher) 2 Texte zu diesem Thema sind. Auf der anderen Seite denke ich, dass sie mir einen neutralen Blick auf die Situation ermöglichen. Denn die Analyse sollten ethische Gesichtspunkte nicht verstellen.

Wenn du mich nach meiner persönlichen Meinung fragst: Da fällt mir etwas mit einem Stadion, den politischen Anführern der beteiligten Staaten, dem Rasen des Stadions. Fangruppen auf den Rängen und sehr großen Knüppeln ein. Nicht meine Idee. Aber ein gute, wenn du mich fragst.
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Sin (55) meinte dazu am 10.05.2019:
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (10.05.2019)
Aber Trekan, was wären die Historiker, wenn vor den Schalthebeln der Macht keine Egomanen sitzen würden?
Und was erst mit den Kriegsgewinnlern?
TT
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.05.2019:
Es sehr viel weniger gute Fachbücher, die ich lesen könnte. Aber es macht - nicht nur mir - sicherlich sehr viel mehr Spaß, darüber im Warmen zu lesen, als... na, lassen wir das. Diese Sicht der Dinge wird sich so schnell nicht unter den Menschen durchsetzen...
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Kommentar von Regina (10.05.2019)
Ich finde deine Artikel zur Einschätzung der Weltlage sehr informativ und kompetent recherchiert. Diese Texte haben Hand und Fuß und sind eine echte Bereicherung. LG Gina
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.05.2019:
Danke.

Natürlich ist und bleibt all das ein Szenario. Aber ich selbst würde diese Texte nicht einstellen, würde ich es nicht für ein sehr wahrscheinliches Szenario halten.

Wenn du in einiger Zeit schreiben kannst: Haha, der Trekan ist dumm und hat sich mit allem geirrt. Da war gar kein Krieg"... nun... mit dieser Schande könnte ich leben.
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (10.05.2019)
Hallo Trekan,
lange schon ist es mir sehr suspekt, warum Trump überhaupt an die Macht kommen konnte. Ist die Menschheit wirklich so blind? Zumindest liefert mir dein Text eine vage Ahnung von dem, was "da" läuft. Genau so ein Trump mit all seiner Selbstverliebtheit wird in dieser Position gebraucht. Wenn ich jetzt den Gedanken weiter denke, gelange ich auch zu einer recht pessimistischen Weltanschauung.

Liebe Grüße
Kerstin
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.05.2019:
Ok, ja, gut...

Meine Ansichten mögen von einer.. äh... pessimistischen Grundeinstellung bestimmt sein. Und wenn ich mich irren sollte, wird das meine pessimistische Sicht der Dinge auch nicht ändern. Denn auf lange Sicht hilft der Glaube an den guten Ausgang wenig. Aber das ist wieder nur Pessimismus.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (10.05.2019)
Lieber Trekan,
dein Brief ist kompetent und anregend. Aber ich kann deiner letztlich monokausalen Erklärung mit dem Hass nur teilweise folgen. Bei fanatischen Moslems kann ich mir Hass als alleinige wirkliche Triebfeder zum Krieg vorstellen. Aber bei einflussreichen Amerikanern, gleich welcher politischer Couleur, unterstelle ich eher Zynismus als Antriebskraft des Handelns als Hass. Und damit kämen wieder ökonomische Gründe als Hauptfaktoren für einen möglichen Krieg mit dem Iran ins Spiel.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 10.05.2019:
Hallo Ekki,
ja, der Brief ist bestimmt provokant formuliert und trieft vor Pessimismus. Allerdings denke ich, dass der von mir beschriebene Hass entscheidend ist, weil er das Denken der handelnden Personen beeinflusst und prägend ist für ihre Analysen. Ökonomische Interessen setzt man auch besser ohne Krieg durch, weil der Krieg nur für den militärisch-industriellen Komplex ein Gewinn sein kann*, für alle anderen, insbesondere die beteiligten Staaten als Staaten ist es ein Verlustgeschäft, auf vielen Ebenen. (Und das ist die Unberechenbarkeit des Kriegsausgang noch gar nicht berücksichtigt.)

So stürzten z.B. GB nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und die USA nach dem Zweiten Weltkrieg in eine tiefe Rezession aufgrund der Kosten des Krieges und der nach Kriegsende vorhandenen, aber nun weitestgehend nutzlosen gewordenen Kapazitäten der industriellen Kriegsproduktion. Aus den selben Gründen verlieren die beteiligten Staaten auch Anteile am Weltmarkt.

Chinas aggressive Außenpolitik - unter dem Stichwort "neue Seidenstraße" im Augenblick gut sichtbar - kommt ohne Krieg aus (was ihr die Aggressivität nicht nimmt). Sie ist auf wirtschaftliche Eroberungen angelegt und damit sehr viel nachhaltiger, weil sie die vorhandenen Strukturen nicht zerstört, sondern sich ihrer bedient. Die Kosten neue Strukturen (auf allen Ebenen) nach einem Krieg wieder aufzubauen gepaart mit den Schwierigkeiten, sie auch erfolgreich Durchzusetzen, entfallen. In Italien macht das z.B. die rechtsgerichtete Regierung für den chinesischen Staat.



* Damit der militärisch-industrielle Komplex profitieren kann, müssen die Abnehmer ihre Produkte auch zahlungsfähig sein. Waffen, Munition etc. werden im Krieg benutzt, aber zum größten Teil nach dem Krieg bezahlt. Ist ein Staat nach einer militärischen Auseinandersetzung zahlungsunfähig - oder zahlungsunwillig -, können auch die Verkäufer von militärischem Gerät auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben. So funktioniert halt der Kapitalismus.

Antwort geändert am 10.05.2019 um 14:32 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.05.2019:
Lieber Trekan,
deine bestechend logische Antwort hat mich beeindruckt. Ich fürchte nur, dass die ökonomischen Gründe von Zynikern, Krieg zu führen, trotz deiner guten Gegengründe nicht so sorgfältig durchdacht sind.
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Kommentar von Regina (10.05.2019)
Im Grunde ist das ja alles sehr traurig, Kaum hat sich die Lage in Syrien ein wenig beruhigt, da wird schon der nächste Waffengang vorbereitet, aus welchem Grund auch immer. Und das heißt wieder leidende Menschen, hungernde Kinder, Leute, die alles verlieren und Tote, die keine Schuld haben. Das deprimiert doch eigentlich sehr. LG Gina
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