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Tragikomödie
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... und was wir daraus machen:

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Recht lang:  die Folgen der antiautoritären Erziehung oder wie man am wirkungsvollsten sogar die liebsten Mitmenschen auf die Palme bringen kann ... von tastifix (2627 Worte)
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Meine Eltern

Liebesbrief zum Thema Zeitreise


von TrekanBelluvitsh

Meine Eltern sind komische Menschen. Heute mag ich sie. Das war nicht immer so. Als ich jung war, hätte ich, wenn sie eine Dampfwalze überrollen wollte, selbst die Kohlen geschippt. Natürlich nur im metaphorischen Sinne. Mein Vater bemühte sich stets erfolglos, mich an die Schüppe zu bringen.

Vielleicht lag das jedoch nicht an meiner Jugend allein. Vielleicht lag es an meinen Eltern. Sie sind komische Menschen, wie gesagt. Oft fragten sie früher "Hörst Du schlecht?" und sind doch nie darum mit mir beim Ohrenarzt gewesen. Trotz allem schienen sie nicht besorgt. Ihr Tonfall war auch eher trotzig denn besorgt. Komisch.

In der Schule war ich ein mittelmäßiger Schüler. Wenn überhaupt. Mein Vater meinte, ich würde schon stinken. Ich fand, ich roch wie alle in der Klasse. Meine Eltern brachten mir hingegen erstaunliche Sachen bei. "Hör auch mal, wenn man Dir was sagt!" war eine dieser Lehren. Das beeinflusste nicht nur meine sprachliche Entwicklung. Mathematik wurde ebenfalls zum Problem. Fragte der Lehrer mich, "Was ist zwei und zwei?", verstand ich das nicht. Niemand teilte meine Verwirrung. Wie sollten sie auch, hatte ich doch als einziger im Klassenraum "Auch mal ist zwei und zwei?" gehört. Und darauf wusste ich keine Antwort.

Womöglich lag dieses Verhalten meiner Eltern an dem Umgang, den sie pflegten. Vor meiner Geburt. Ich selbst habe viele, die sie gekannt haben, nie kennengelernt. Da war zum Beispiel die Familie Hempel. Ob dies ein Ehepaar war, oder noch zwei bis sieben Kinder zu ihnen gehörte, ich weiß es nicht. Früher müssen meine Eltern die Hempels aber gut gekannt haben. Sehr gut. Sie wussten sogar, wie es bei denen unter dem Sofa aussah. Ob man zusammen unter diese altdeutsche Sitzgelegenheit linste, oder immer wieder einen schnellen Blick unter eben dieses Sofa warf, wenn die Hempels und eines ihrer vielen Kinder - oder keines - nicht im Raum war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kannten meine Eltern sich gut bei Hempels aus. Sie verglichen mein Zimmer mit diesen alten Freunde. "Hier sieht es ja aus wie bei Hempels unterm Sofa", hörte ich oft. Wie es bei den Hempels auf dem Dachboden aussah, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Am aller seltsamsten fand ich jedoch Frau Wurst. Allein der Name erschien mir unglaubwürdig. Ich fragte mich, warum ihre Leber so gut schmeckte. Und was Leber ist. Frau Wurst war eine Hundenärrin. Sie besaß Hunde. Kleine, vermute ich. Keine großen Rassen. Es war immer nur von Frau Wursts Hündchen die Rede. Die dienten allerdings einem bizarren Zweck. Scheinbar trank Frau Wurst ihren Urin! Womöglich verkaufte oder verschenkte sie den auch. Denn meine Eltern empfahlen mir, wenn ich mich mit den Worten „Ich habe Durst“ meldete: "Dann geh zur Frau Wurst. Frau Wurst hat ein Hündchen, dass pinkelt dir ins Mündchen." Das meine Eltern diesen Umgang aufgaben, finde ich gut.

 
 

Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (25.05.2019)
Lieber Trekan,
da kommt mir manches bekannt vor. Insbesondere die Hempels.
Und die unerwiderte "Liebe" zur Mathematik.
Er: "Du kannst eigentlich Mathematik, bist nur stinkend faul!"
Ich (kleinlaut): "Das ist gelogen."
Allerding wurde meine Erziehung noch durch markante Sprüche, wie "liederlich ist widerlich!" und "Mädchen heiraten ja doch" ergänzt.
So hat wohl fast jeder sein Packerl zu tragen und kann später hoffentlich herzhaft darüber lachen.

Ebenso herzhafte Grüße
der 8.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 26.05.2019:
So hat wohl fast jeder sein Packerl zu tragen und kann später hoffentlich herzhaft darüber lachen.
Irgendwomit muss man die Wunden ja verbinden.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (25.05.2019)
Die meisten Menschen reagieren auf die ideologischen Erziehungsspruche ihre Eltern verstimmt, teilweise sogar wütend. Da tut eine versöhnliche humorvolle Rückschau gut.
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 26.05.2019:
Wenn man die Vergangenheit nicht ändern kann, ist der Weg vor einem das Ziel. Dem ist alles unterzuordnen.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (25.05.2019)
Der Text kommt relativ moderat daher. Ich könnte mir einen viel extremeren vorstellen.

H.
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 26.05.2019:
Die gute Absicht zählt.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (25.05.2019)
Ich glaubte lange Zeit sehr fortschrittliche und tolerante Eltern zu haben, denn wenn mein Vater aufstand und sagte, "Ich geh mal zu Frau Meier", nickte meine Mutter nur gleichgültig.
Da haben mit beide sehr imponiert, später war ich darüber ein wenig enttäuscht.
TT
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 26.05.2019:
Manche Dinge muss man nicht verstehen. Obwohl... schöner wärs...
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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Der elfte Blick.
Veröffentlicht am 25.05.2019. Textlänge: 464 Wörter; dieser Text wurde bereits 84 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.12.2019.
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