Spielwiese

Kurzprosa zum Thema Traum/ Träume

von  Moja

Nun sitze ich im Fernsehstudio in einer politischen Sendung. Wie bin ich bloß auf diesen Stuhl geraten? Zufall. Mir wurde ein Posten in der Regierung verliehen. Und ich war gerade in der Gegend. Durch die Kamera schaue ich in deutsche Wohnzimmer. Da sehe ich meine Eltern, als junges Paar, am Tisch. Sie entwerfen Spielzeug. Wer bin ich hier? Jedenfalls Angela Merkel vertrete ich nicht.

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Kommentare zu diesem Text

Jo-W. (83)
(29.05.19)
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 Moja meinte dazu am 29.05.19:
Vielleicht die Mainzelmännchen?
Abendgrüße, Moja

 AchterZwerg (29.05.19)
Hallo Moya,

für mich kristallisieren sich folgende Sätze besonders heraus:

"Wie bin ich bloß auf diesen Stuhl geraten? Zufall. Mir wurde ein Posten in der Regierung verliehen. Und ich war gerade in der Gegend."

die vermitteln nämlich ein Gefühl, das mir bekannt vorkommt.
Sich irgendwie fehl am Platze zu fühlen, den eigenen beruflichen Aufstieg nicht zweifellos vorhandenen Fähigkeiten zuzuschreiben, sich gar zuweilen als Scharlatanin zu fühlen ...
Davon berichteten mir bereits viele Frauen. Frauen, die sich unter Wert "verkauften" und gern das Zufällige ihrer Karriere betonten.

Zu diesem Mangel an Selbstvertrauen passt wiederum die Spielzeugszene (Heimarbeit?) gut. - In meiner Generation - und wohl auch später noch - war es durchaus üblich, dass die Eltern den Lebensweg der Mädchen planten.

Bei mir klappte dies gottlob nicht; ich sollte nämlich zur Post. Wegen der Krisenfestigkeit und so ...

Kurzum: Interessante Prosa in meiner Größe. :)

 Moja antwortete darauf am 30.05.19:
Liebe 8.,

ja, das sind auch meine Kernsätze im Traum wie im Leben. Ich sollte Schneiderin werden, Geld verdienen, daraus wurde nichts, ich ging eigene unbequeme Umwege, überschritt sämtliche Grenzen und wunderte mich so manches Mal darüber. Nun ja, jetzt bin ich am richtigen Platz angelangt.

Stelle mir die "Christel von der Post" vor, eine Karriere als AchterZwerg erscheint mir krisenfester, aber wer weiß das schon frühzeitig.

Schmunzelnde Grüße,
Monika

 EkkehartMittelberg (29.05.19)
Hallo Moja, schade, dass du den Posten in der Regierung nur im Traum erhalten hast. Du wärest ein Garant für mehr Humanität.
LG
Ekki

 Moja schrieb daraufhin am 30.05.19:
Lieber Ekki,
Machtposten wich ich aus - in Afrika wurde ich mal in einer Staatskarosse zu einem Elitelager gefahren, in dem Jugendliche gedrillt wurden, die Zusammenarbeit lehnte ich ab, unser Projekt sollte nicht für die Herstellung von Uniformen missbraucht werden. Macht korrumpiert. Das machte mir Angst.

Las eben wieder "Augustus" (John Williams): "....aber mit den Jahren scheint mir doch immer klarer zu werden, dass die alten Tugenden, auf die der Römer so stolz zu sein behauptet,..., wie Rang, Ruhm, Ehre, Pflicht und Frömmigkeit uns schlicht unserer Menschlichkeit beraubt haben..."

2000 Jahre später hat sich die Natur des Menschen kaum verändert, darin liegt wohl die Tragik für unsere Zukunft.

Danke fürs Lesen und Deine immer wieder zum Nachdenken anregenden Texte.

Herzliche Grüße,
Monika

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 30.05.19:
Was du über die Wirkung der alten Tugenden sagst, macht mich meinerseits sehr nachdenklich, Monika.
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