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Der Spiegel

Text zum Thema Alleinsein


von Xenia

Das kleine Mädchen weint nicht mehr.

Sie steht vor dem Badezimmerspiegel und schrubbt mit dem Waschlappen immer und immer wieder über die selbe Stelle an ihrer Wange, immer und immer wieder, reibt sich die Stelle wund, langsam bildet sich eine Schürfwunde an der Wange, dort wo die Spucke der Mutter sie getroffen hatte, sie bemerkt es nicht, nimmt alles nur wie durch einen Nebel wahr. Bilder drängen sich ihr auf:

Das Gesicht ihrer Mutter, von Wut entstellt, wie sie spuckte, als sie sie anschrie.
Die einzelnen Tropfen Spucke, die auf der Wange des Mädchens landeten.

Sie würgt und übergibt sich ins Waschbecken.
Fest sieht sie sich in die Augen und erkennt sich doch nicht wieder.
Ihre Augen sind zu alt.

Kaltes Wasser wäscht die letzten Spuren aus ihrem Gesicht.
Sie verlässt das Badezimmer.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Ralf_Renkking (04.06.2019)
Ein kurzer prägnanter Text über die innere Einsamkeit, die nach außen hin überspielt werden muss, damit die Protagonistin nicht vollends verloren geht. Das Problem besteht allerdings in einer Projektion, die sehr ambivalenter Natur ist, denn der innerlich aufgebaute Druck will abgebaut werden. Meist führt das dazu, dass Kinder, die mit Wut oder Gefühlskälte konfrontiert worden sind, diese gegen sich richten, in welcher Form auch immer, meistens jedoch durch Selbstverletzungen mit Messern, Rasierklingen, Nadeln, etc. Aber gerade dieser Versuch, ins Leben zurückzufinden, endet meist tragisch, denn die meisten Menschen mit Borderline-Syndrom hegen zunächst keine suizidalen Absichten.
Angeblich schleicht sich die Krankheit mit zunehmendem Alter aus, doch die wenigsten erleben das. Es bleibt den Betroffenen nur zu wünschen, dass ihr Syndrom rechtzeitig erkannt, und sie entsprechende therapeutische Hilfe erhalten, denn diesem schon in der Kindheit beginnenden Teufelskreis entrinnt kaum jemand, und diejenigen, die ihm entrinnen, sind ungewöhnlich willensstarke Menschen.

Ciao, Ralf.
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Veröffentlicht am 04.06.2019, 7 mal überarbeitet (letzte Änderung am 04.06.2019). Textlänge: 133 Wörter; dieser Text wurde bereits 90 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 01.07.2020.
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