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Mütter sind geschlechtslos

Bericht zum Thema Familie


von eiskimo

Ich hatte meine Mutter nie nackt gesehen.
Sie war irgendwie geschlechtslos,  schwebte dadrüber.
Es gab auch kaum Körperkontakt bei uns, keine Liebkosungen.
Als das im Fernsehen anfing mit Nacktszenen, schaltete Mutter ab.
Das ist nichts für euch, sagte sie bestimmt, und die Kiste blieb aus.
Die keusche Geschlechtertrennung betraf besonders meine Schwester.
Die hatte immer ihr eigenes Zimmer, wir Jungens teilten uns eins zu drittt.
Auch bei Körperpflege, Baden, dem sich Umziehen – stets schamhaft getrennt.
Wenn  Mutter mal krank war – selten genug -  war das der Job meiner Schwester.
Nur am Ende, als Mutter nicht mehr alleine leben konnte, war ich als der Sohn gefragt.
Sie ins Auto bugsieren oder später in den Rollstuhl, da hatte ich sie tatsächlich im Arm.
Wie eine Puppe, kaum noch vierzig Kilo schwer. Und ich fühlte fast nur Knochen.
Ein Mal im Hospital, als sie zusammen geklappt war, half ich bei ihrer Einlieferung.
Da habe ich sie auch nackt gesehen. In der Notaufnahme. Aber war das noch meine Mutter?

 
 

Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (13.06.2019)
Das gefällt.
Ich bin als praktizierende Frühaufsteherin stets froh, am Morgen einen guten Text vorzufinden.
Besonders gelungen finde ich den letzten Vers, der den erlebten interfamiliären Widerspruch zusammenfügt: die gefühlte Geschlechtslosigkeit der Mutter, den Mangel an Zärtlichkeit, die Reaktivierung des Mann-Kindes im Alter. Die Offenbarung.

"Das war nicht schön."

Liebe Grüße
der8.
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eiskimo meinte dazu am 13.06.2019:
Da hast Du alles mit klarem Blick auf den Punkt gebracht. Danke sehr für die positive Gesamtsicht.
Frühaufsteher scheinen den Blick fürs Wesentliche zu haben!
Sag ich mal, es ist 7.46 Uhr - bin schon ´ne Stunde auf den Beinen
lG
Eiskimo
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Cora
Kommentar von Cora (13.06.2019)
-

Kommentar geändert am 13.06.2019 um 12:38 Uhr
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Moja
Kommentar von Moja (13.06.2019)
Gut geschrieben! Dein Text versetzt mich zurück in das Zeitgefühl ab den 50er Jahren, weder Körperlichkeit noch Gefühle wurden zugelassen, Du bringst es kurz und dicht auf den Punkt. Sehr gerne gelesen.

Grüße, Moja
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eiskimo antwortete darauf am 13.06.2019:
Das freut mich.
Gut auch, dass Du diese - heute sagt man: Verklemmtheit - als Zeitgefühl der 50er Jahre einstufst, also nicht als singuläre "Verirrung" meiner Familie.
Ich denke wie Du, dass es generell war. Sonst wäre auch Ende der 60er Jahre nicht die "Sexwelle" so hoch geschwappt.
lG
Eiskimo
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Kommentar von Ebenholz (68) (13.06.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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eiskimo schrieb daraufhin am 13.06.2019:
Dem ist nichts hinzuzufügen!
lG
Eiskimo
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AZU20
Kommentar von AZU20 (13.06.2019)
Ja, ein gelungener Text auf eine prüde Zeit. Und heute? LG
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eiskimo äußerte darauf am 13.06.2019:
Heute gucken 11jährige auf ihrem Smartphone Pornos und haben ein völlig unbeschwertes Verhältnis zu ihrem Körper...
Alles gut!
LG

Antwort geändert am 13.06.2019 um 11:41 Uhr
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (13.06.2019)
Hallo eiskimo,
es ist wohl der Zeit geschuldet, dass solche liebevollen Körperkontakte zwischen Eltern und Kindern eher die Ausnahme waren. Die Erwachsenen hatten Kriegszeiten erlebt und ihre Kinder sollten "satt und sauber" sein. Etwas, was sie selbst als Kinder vielleicht nicht hatten.
Heute ist das glücklicherweise anders. Wir konnten und können unseren Kindern sagen und zeigen, wie sehr wir sie lieben.
Allerdings ist es sicher etwas sehr natürliches, wenn ich nicht möchte, dass mein Sohn mich nackt sieht und er das ebenfalls als unangenehm empfindet. So wie ich auch jederzeit seine Intimsphäre akzeptiere.
Sehr schön geschriebener Text zu einem nicht ganz einfachen Thema.

Liebe Grüße
Kerstin
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eiskimo ergänzte dazu am 13.06.2019:
Die Kriegs-Vergangenheit war sicher mit im Spiel. Und auch, was Du mit "natürlicher Scham" für heute ansprichst, leuchtet mir ein.
Danke für die Auseinandersetzung mit meinem Thema!
lG
Eiskimo
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Isaban
Kommentar von Isaban (13.06.2019)
Mal unter uns: Wer möchte denn wirklich und wahrhaftig seine Mutter nackt sehen?
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BabySolanas (35) meinte dazu am 13.06.2019:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Cora meinte dazu am 13.06.2019:
-

Antwort geändert am 13.06.2019 um 17:00 Uhr
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niemand meinte dazu am 13.06.2019:
@ Isaban
Genau getroffen! mit dieser Frage.
Heutzutage will man, nein man muss, jeden und zu jeder Zeit,
bis ins Detail [sprich bis nach Pusemuckel] gesehen haben, wenn nicht ist man verklemmt. Ist man wirklich entklemmt, wenn man es fortdauernd tun muss? Oder klemmt man da nur die eigene Fantasie restlos ab?Alles gesehen zu haben, macht alles beliebig.
LG Irene
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eiskimo meinte dazu am 13.06.2019:
Mein Eingangssatz war ja nicht voyeuristisch gemeint - er sollte sagen, dass da Respekt war, aber auch sehr viel Distanz, vielleicht sogar eine Wand. Es fehlte das Körperliche.
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Cora meinte dazu am 14.06.2019:
Mich berührt die Geschichte sehr. Gerade weil ich es mit den Eltern und mit den Kindern anders erlebte. Nacktheit ist nichts besonderes, Nacktheit ist nicht automatisch voyeuristisch. Wir waren im Sommer immer am FKK-Strand, da waren alle nackt.
Isaban hat auch recht, ab einen Punkt, irgendwo kurz vor Pubertät, wollen Kinder auf gar keinen Fall nackte Eltern sehen. Auch das ist ganz natürlich, hat nichts mit voyeurismus zu tun.
Körperliche Nähe ist für kleine Kinder wichtig, die brauchen das Kuscheln, die sogenannten Streicheleinheiten.

Der heutige Umgang mit Nacktheit und Körper ist aber auch unnatürlich. Nacktheit wird mit Sexualität gleich gesetzt, ein großer Fehler. Einerseits eine aufdringliche Bilderflut, andererseits Abgrenzung als höchster Wert, bloß nicht anfassen, es könnte Ärger geben, Verdacht erregen.

Antwort geändert am 14.06.2019 um 09:33 Uhr
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niemand meinte dazu am 14.06.2019:
@ Cora

An Voyeurismus habe ich nicht gedacht, aber an die Tatsache,
das jeder Mensch seine Intimsphäre braucht, damit sie nicht beliebig wird. Du schreibst "Nacktheit ist nichts Besonderes"
und ich meine dass sie es ist, weil eben etwas ganz Persönliches,
das man nicht mit jedem teilen möchte und auch nicht muss.
Und sie kann auch aufdringlich sein, sofern man diese beim anderen nicht betrachten möchte, wozu man heutzutage schon fast genötigt wird [zumindest zum Teil, weil es immer moderner wird sich zu entblößen]. Streicheleinheiten/Kuscheln, wie Du schreibst muss man nicht nackt und wenn, dann nur mit ausgewählter Person. Bekleidete Menschen sind mir lieber, weil man mehr Respekt vor deren Person hat. Ich muss und will nicht jedes männliche Gehänge und jede weibliche Rundung aufs Auge gedrückt bekommen. Was mir aber viel mehr auffällt ist, dass Menschen, die sich körperlich gern unbedeckt präsentieren, seelisch/psychisch oft ziemlich verklemmt/bedeckt sind.
Ausgleich? Gleiches bei Eltern. Man muss sie nicht nackt sehen/betrachten, viel schlimmer ist es wenn sie ihr Inneres
verbergen/bekleiden/verkleiden. Daran krankt man als Kind, aber ganz bestimmt nicht daran, seine Erzeuger im Adam/Ewa-Kostüm nicht gesehen zu haben. FKK war ja eine Sache mit der sich der Osten als was Besonderes geben/präsentieren wollte,
als Ausgleich zu anderen Verklemmungen, welche den meisten von dort ziemlich bekannt sein müssten? Ich denke ja.
LG niemand
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eiskimo meinte dazu am 14.06.2019:
@cora, @ niemand
Ich kann nur mit großen Augen lesen, was Ihr da Erhellendes zum Thema vorbringt - das wirft ein verändertes Licht auf meine Kindheit und Jugend ! Danke - es bringt mich weiter.
Eiskimo
diese Antwort melden
Cora meinte dazu am 14.06.2019:
@eiskimo

Ich möchte dich nicht kränken, mit der Erzählung der anderen Erfahrung.
diese Antwort melden
Cora meinte dazu am 14.06.2019:
@ niemand

Was mir aber viel mehr auffällt ist, dass Menschen, die sich körperlich gern unbedeckt präsentieren, seelisch/psychisch oft ziemlich verklemmt/bedeckt sind.


hmm.
Ich schrieb ja auch nicht vom Präsentieren.

Der Mensch kommt nackt auf die Welt. Diesen Zustand als etwas zu vermeidendes zu kultivieren, als etwas das seiner Würde Abbruch tut, ist in meinen Augen bedauerlich.

Dabei wünsche ich mir nicht, nackte Menschen zu sehen, oder mich auszuziehen.

Einfach nur ein entspannteres Verhältnis zur Körperlichkeit, das wäre gut.



Streicheleinheiten/Kuscheln, wie Du schreibst muss man nicht nackt

Nein, das war auch nicht nackt gemeint, das bezog sich auf den anderen Hinweis von eiskimo, auf fehlende Körperlichkeit. Das hätte ich als angezogen dazuschreiben sollen.

Antwort geändert am 14.06.2019 um 12:24 Uhr
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eiskimo meinte dazu am 14.06.2019:
@Cora
Keine Sorge, das kränkt mich keineswegs. Auch wenn das in dem Text anders klingt - ich hatte eine sehr positive Kindheit und Jugend. Man muss das ja alles aus der Zeit und den familiären Gegebenheiten her sehen. Aus dem Blickwinkel und mit den Maßstäben von heute darf man da nicht richten, finde ich.
lG
Eiskimo
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Cora meinte dazu am 14.06.2019:
Das sehe ich auch so. Es war damals anders als heute. Die Mutter war so geprägt worden durch ihre Erziehung und durch die Menschen ihrer Umgebung.
Auf keinen Fall möchte jmd. deshalb verurteilen.
Körperlichkeit war in früheren Zeiten sogar noch mehr geächtet. Das ging soweit, dass eine Frau, die es sich leisten konnte, ihre Kinder nicht selber stillte, sondern einer Amme übergab.
Bei Naturvölkern hingegen ist die körperliche Nähe zur Mutter selbstverständlich geblieben.
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BabySolanas (35) meinte dazu am 14.06.2019:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Cora meinte dazu am 15.06.2019:
Ich schrieb eben nicht über Prüderie und nicht über Sexualität. Beides ist zw. Eltern und Kindern nicht normal. Bei Körperlichkeit sofort an sexuelles zu denken, ist nicht normal.
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Lluviagata
Kommentar von Lluviagata (13.06.2019)
He, Eiskimo (...welch Name an dieser heißen Tagen!)

Ich habe es so erlebt und durchlebe es immer noch.
So etwas kann nur der behaupten, der es am eigenen Leibe erleben musste.

Berührt und beschäftigt mich sehr.

Liebe Grüße
Llu ♥
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eiskimo meinte dazu am 13.06.2019:
Hallo, Llu
ja, da kommen sehr prägende Erfahrungen hoch, Seelisches und Körperliches. Und das geht ans Selbstwertgefühl, an die Nähe, die man zulässt.
Vielleicht hat das sogar mit meinem Pseudo zu tun.
Liebe Grüße
Eiskimo
(Heißkimo wäre aber auch blöd..)
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eiskimo
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Veröffentlicht am 13.06.2019, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 14.06.2019). Textlänge: 152 Wörter; dieser Text wurde bereits 140 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.08.2019.
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