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3, 2, 1

Kurzgeschichte zum Thema Angst


von AchterZwerg

„Bleiben Sie ruhig, Madame“, sagt der Hypnotherapeut. „Wehren Sie sich nicht. Es wird alles in Ordnung gehen.“

Ich schließe die Augen und steige die Stufen hinab. In der Dunkelheit werden Jahrzehnte von mir genommen  – wie sonst nur der Tod es vermag  – und ich lebe noch einmal am Kurfürsteneck, o Gott, in Berlin, und höre meine Widersacher nahen.
Sie kreisen mich ein, und ich beginne in hohen Tönen zu weinen. Doch mein Schicksal ist besiegelt.
An strammen Kinderbeinchen rinnt gelb der Urin aufs Parkett. Sie lachen, gackernd und erbarmungslos.
„Dich machen wir fertig!“ behaupten sie.

Fast wäre es wieder gelungen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (16.06.2019)
hallo Heidrun,
geht es darum, eine Angst erzeugrende Situation aus der Kindheit noch einmal zu erleben, um sie beim zweiten Mal zu meistern?
Liebe Grüße
Ekki
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AchterZwerg meinte dazu am 16.06.2019:
Lieber Ekki,
es geht um eine Aufarbeitung mit offenem Ausgang.
Die abgesetzten Textteile sollen korrespondieren.
In nächster Zeit werde ich mich - angeregt durch die vielgeliebte Moja u. a. - öfter einmal auf das Terrain der Kurzgeschichte / Kurzprosa wagen und bin deshalb für Rückmeldungen dankbar.

Liebe Grüße
Heidrun
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Momo
Kommentar von Momo (16.06.2019)
Hallo AchterZwerg,

ist nicht ganz ungefährlich, so eine Hypnose, aber in diesem Fall offensichtlich erfolgreich: die Angst floss hinfort – aufs Parkett.
Nein, das ist weiß Gott nicht zum Lachen für eine erwachsene Frau, aber ich glaube, der therapeutische Hypnotiseur hat schon ganz anderes erlebt.
Die tief empfundene, verdrängte Angst wieder ans Licht holen und noch einmal durchleben als Chance, sie für immer loszuwerden, das scheint hier gelungen zu sein.
„Fast wäre es wieder gelungen“, ist aber interpretationsfähig.

Eine kurze Szene mit viel Aussagekraft. Gerne gelesen.

Mit einem lieben Gruß
Momo
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AchterZwerg antwortete darauf am 16.06.2019:
Liebe Momo,
du scheinst dich ein wenig mit Hypnose auszukennen.
Für die anderen erläutere ich (stark verkürzt), wie eine wirksame Hypnose, eingeleitet, vertieft und zurückgenommen werden kann.
Diejenigen, die sich mal mit autogenem Training beschäftigt haben oder dies praktizieren, wissen worauf es ankommt.

Die Einleitung kann (!) beispielsweise durch Applikation von Bildern erfolgen (im Text das Bild einer Treppe), Vertiefung durch Konfronation mit einem unangenehmen Ereignis und die Rücknahme anhand einer Zählmethode ( ... 3, 2, 1) erreicht werden.
Es gibt viele Methoden., die aber stets durch erfahrene Therapeuten angewendet werden sollten. Da hast du vollkommen Recht, Momo.
Ich möchte hier aber keinen Vortrag halten.
Wer sich dafür interessiert, kann sich einiges zusammengoogeln oder ggfs. ein Fachbuch besorgen.

Mir geht es hier mehr um die Wirkung des Textes.
Rührt der an oder nicht?
Die Doppelbödigkeit scheint bei dir und Trekan jedenfalls angekommen zu sein:

"Es wird alles in Ordnung gehen."
Fast wäre es wieder gelungen.

Vielen Dank für dein zutreffendes Statement
der8.

Antwort geändert am 16.06.2019 um 16:20 Uhr
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (16.06.2019)
Ich denke nicht, dass man das los wird. Man kann nur lernen, damit umzugehen. Und das ist schon optimistischer - aus meiner Sicht.
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AchterZwerg schrieb daraufhin am 16.06.2019:
Lieber Trekan,
frühkindliche Schädigungen wird man nur schwer los. Das stimmt schon - deshalb habe ich den Schluss offen gestaltet.
Ich glaube aber trotzdem, dass eine erneute Konfrontation hilfreich sein kann (!).
Vielleicht nicht unbedingt beim ersten Mal.
Ich glaube aber auch, dass man an manchen Dingen besser gar nicht rühren sollte.

Herzliche Grüße
der8.
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Moja
Kommentar von Moja (16.06.2019)
Faszinierender Text, liebe AchterZwerg!

Der Titel bedeutet für mich - die Angst herunterzählen.

Dann geht es los, Madame begibt sich (unter Schutz) in ihre Vergangenheit, begegnet sich als dem Kind, das sie war, erlebt wieder, was das Kind erlebten musste - eine Situation der Ohnmacht, dann die Peiniger. Sie sieht, hört alles erneut, das scheint nur so, denn im Text ist schon Distanz zum Geschehen angelegt - sie ist nicht das Kind, sondern Zuschauerin.

Das "behaupten sie." passt folgerichtig. Und dann die Leerzeile - dazwischen, sie schafft Abstand zwischen Hypnose und Realität - 3,2,1 - AUS!

In "In der Dunkelheit werden Jahrzehnte von mir genommen wie sonst nur der Tod es vermag" - hier wird reflektiert, Distanz aufgebaut, niemand in purer Angst denkt so einen romanhaften Satz. Diese Stelle irritierte mich sehr, zieht mich beim Lesen, als ich mich hineinversetzte, heraus.

Kannst Du damit etwas anfangen?

Liebe Grüße,
Moja
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AchterZwerg äußerte darauf am 17.06.2019:
Natürlich kann ich etwas damit anfangen, geschätzte Moja.
Und ich bin froh, dass du auf die Erzählperspektive abhebst und weniger auf das (mitgefühlte) Leid. Solche Statements sind unverzichtbar für Autoren und bringen sie weiter.
Und du hast natürlich Recht; durch den Einschub wird eine doppelte Distanz geschaffen. Von meiner Seite her sollte damit das therapeutische Gespräch angedeutet werden, das in der Regel einer Hypnose folgt. Und die eigene Reflektion des nun erwachsenen Kindes.
Ich werde den leicht pathetischen Halbsatz "wie sonst nur der Tod es vermag" wohl herausnehmen. Der Gesamteindruck ändert sich dadurch nicht. Noch schwanke ich ...

Ich danke dir sehr herzlich und wünsche eine kreative Woche
der8.

Antwort geändert am 17.06.2019 um 07:33 Uhr
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Kommentar von Sin (16.06.2019)
Ich bin bei solchen Dingen immer zwiegespalten. Nicht beim Text, der ist gut, ohne Frage. Nein, bei der Frage, ob man bestimmte Sachen wieder ans Licht holen oder besser nicht daran rühren sollte. In meiner Jugend habe ich es erlebt, wie ein "Freund" im Rahmen einer Tanztherapie völlig aus dem psychischen Gleichgewicht geraten ist, weil ihm ein sog. Therapeut – ich vermute es war ein selbsternannter - vor versammelter Mannschaft mit Kindheitserlebnissen und seinem „Selbst“ - was das auch immer gewesen sein mag - konfrontierte. Seinerzeit waren solche „Schrei- , Ur- oder Kindtherapien“ insbesondere in Sannyasin-Kreisen weit verbreitet. Gut, eine allgemein gültige Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Aber wenn man einen solchen Weg gehen sollte, dann nur im Beisein und unter der Anleitung von ausgewiesenen Experten. LG Sin

Kommentar geändert am 16.06.2019 um 21:43 Uhr
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AchterZwerg ergänzte dazu am 17.06.2019:
Da sind wir ganz einer Meinung, Sin.
Ich habe einen ähnliche Vorfall mal bei einer Familienaufstellung erlebt und auch im Bhagwan-Umfeld soll es nicht eben selten zu ähnlichen Geschehnissen gekommen sein.
Der Begriff "Therapeut" ist leider nicht geschützt und kann von jedem Hansel genutzt werden. Es existiert allerdings eine Liste seriöser und ausgebildeter Hypnotherapeuten.
Ich selber wollte mich dem nicht aussetzen, habe mich allerdings einmal in einem völlig anderen Zusammenhang (Entwöhnung) hypnotisieren lassen.
Vielen Dank für deinen informativen Beitrag,
der8.
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Sätzer
Kommentar von Sätzer (16.06.2019)
Ein gut geschriebener Text, den ich allerdings als Szene und nicht als Kurzgeschichte klassifizieren würde.
Inhaltlich sehe ich solche Settings auch als problematisch an, so wie Sin das schon ausführlicher geschildert hat. Ich hab so etwas auch schon mal mitgemacht und bin heil herausgekommen, aber manch andere Teilnehmer hats hart getroffen. Damals haben viele nur halbwegs kompetente Leute ohne therapeutische Ausbildung solche Sessions geleitet.
LG Sä
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AchterZwerg meinte dazu am 17.06.2019:
Du sagst es, lieber Sätzer.
Es können in solchen Sessions irreparable Schäden zugefügt werden. Manche kommen überhaupt nicht mehr "runter."
Aber selbstverständlich gibt es unter angemessenen Umständen auch viele (!) Erfolge zu verzeichnen.
Das verhält sich genauso wie mit dem Rest der Heilungsindustrie:
"Jahrzehnte werden von mir genommen wie sonst nur der Tod es kann" ...

Leicht zynische Grüße
der8.


P.s.: Mit "Szenen" werde ich mich gleich näher befassen. Versprochen. - Über Jahrzehnte habe ich mich nur mit Lyrik beschäftigt und vieles vergessen, was Fließtexte angeht.
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Moja meinte dazu am 17.06.2019:
Für mich ist Heidruns Text eine Prosaminiatur, komplett und komplex, eine literarische Form, denkt mal an Robert Walser, Günter Eich, Jürgen Becker, u.a., - ein Moment wird festgehalten, das verlangsamt das Zeitempfinden, erfordert eine hohe Konzentration auf diesen Augenblick, der Text muss sehr dicht sein, dazwischen viel Raum für den Leser, wenn es gelingt, ist es ein Roman in Kurzform - nicht zu unterschätzen.
Das Leben wird fragmentarisch erlebt, wir erinnern uns an Ausschnitte, nie lässt sich das Ganze nachzeichnen, bei Miniaturen geht es nicht wie bei Joyce um den Bewusstseinsstrom.

Wäre schade, wenn Du den "Halbsatz" weglassen würdest. Als Resümee, an späterer Stelle vielleicht oder geschickt wie eine Unterbrechung einbauen.

Was mir besonders gefällt, es bleibt viel Raum für den Leser - wie geht es ihr danach, ist sie ihre Angst losgeworden, fragte ich mich. Dazu der treffende Schluss.

Grüßen an Sätzer und AchterZwerg!
Moja

Antwort geändert am 17.06.2019 um 10:23 Uhr
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AchterZwerg meinte dazu am 17.06.2019:
Liebe Moja,
ich bin jetzt deinem Wink gefolgt und habe die tödliche Aussage in Gedankenstriche gesetzt.
So wird auch klarer, dass hier die Erzählperspektive mitten im Satz wechselt. Wie beim Altmeister Thomas Mann! , obwohl der noch einen Tic besser schreibt als ich. Natürlich kaum merkbar ...

Die verschiedenen Prosaformen werde ich mir zeitnah (wieder) reinziehen und beim nächsten Mal durch extreme Kompetenz glänzen, hofft

der lachende8.
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Herzwärmegefühl
Kommentar von Herzwärmegefühl (17.06.2019)
Hallo Heidrun,

für mich ein gut geschriebenes Szenario, das anpackt.
"wie sonst nur der Tod es vermag" nimmt für mich auch etwas den Fluss, aber dafür ein Innehalten, kurze Verdeutlichung - mich schickt es tiefer hinein. Und es ist ja auch wieder fast ein kleiner Tod, der erneut erlebt werden muss.

Lg Moni
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AchterZwerg meinte dazu am 17.06.2019:
Liebe Monika,
auch für deinen Beitrag meinen herzlichen Dank.
Ich habe den goldenen Mittelweg gewählt und den Satzteil erhalten, aber gleichzeitig separiert.
Mir gefällt es so selber besser.
Wie gut, dass Textarbeit noch nicht ganz ausgestorben ist ...

Allen ein schöne Woche
der8.
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Moja meinte dazu am 17.06.2019:
Perfetto würde Onkel ThoM in Venedig....

Grüßchen,
MoJa
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Veröffentlicht am 16.06.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 17.06.2019). Textlänge: 99 Wörter; dieser Text wurde bereits 113 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 08.10.2019.
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