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Versuch einer Annäherung

Kurzprosa zum Thema Annäherung


von Moja

An allen Orten, die meine Mutter mit mir als Kind aufsuchte, suchte sie nach Menschen aus früheren Zeiten ihres Lebens. Wenn ihre Unruhe überhandnahm, gingen wir los. Am frühen Morgen, wenn es noch dunkel war, die Stadt kalt und leer, fragte sie sich durch, bis wir vor dem gesuchten Haus standen. Da schauten wir eine Weile zu den Fenstern hoch. Mit unsicheren Schritten ging sie auf die Haustür zu, las die Namensschilder, dann zog sie mich weiter. Nie trafen wir eine Person an. Wir traten in muffige Hausflure, standen stumm in Höfen herum. Ihr Atem ging verhalten, alles in ihr hielt an, wartete auf einen lautlosen Widerhall von etwas.

Manchmal fuhren wir im Morgengrauen an weit entfernte Orte. Wir gingen in düstere Gebäude. Mir war beklommen zumute. Wir traten in dunkle Amtsstuben. Meine Mutter bat um Dokumente, Bestätigungen ihrer Arbeit und Haftzeit während des Krieges. Während sie sprach, wurde sie leiser und kleiner. Die Papiere gab man ihr nicht. Vernichtet, unauffindbar, sagten die unfreundlichen Stimmen, in denen Groll mitschwang. Mit der Demütigung fuhren wir schweigend zurück.

Noch Jahrzehnte später umkreisten wir unruhig Plätze und Erinnerungen. Ganze Viertel waren abgerissen worden, neue Häuser standen in den Straßen und auf den Schildern fremde Namen. Verwundert standen wir davor und suchten die Luft ab nach unserer Geschichte. An den Orten, die wir gemeinsam aufsuchten, hatten ihre Angehörigen gewohnt, nach denen sie ein Leben lang suchte. Verschwundene Teile ihrer Familie, die es gegeben haben musste. Ich könnte ein ganzes Dorf füllen mit meiner Familie, sagte sie immer. Die Familie gab es nicht, vielleicht hatte es sie nie gegeben, und es war ihr nicht aufgefallen oder sie hatte sich vollkommen aufgelöst. Zuletzt blieben die Orte, um die unsere Gedanken kreisten, nach denen wir uns sehnten, unerreichbar.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Ralf_Renkking (16.06.2019)
Hi Moja,

dabei sind sie all die Zeit in Euch gewesen, so zumindest empfinde ich das mittlerweile.

Ciao, Ralf
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Moja meinte dazu am 17.06.2019:
Ja, Ralf, danke Dir, grüße zurück!
Moja
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (17.06.2019)
Liebe Moja,
ein überaus anrührender Text.
Gleich zu Anfang aber eine Mäkelei:
Aus meiner Sicht könnest du nach "und suchten die Luft ab nach unserer Geschichte" gut Schluss machen. Die Erklärung empfinde ich als unnötig. Sie nimmt den Lesern das Nachdenken über den Text ab.
Den Riesenrest finde ich sehr gelungen.
Mit unsicheren Schritten ging sie auf die Haustür zu, las die Namensschilder, dann zog sie mich weiter. Nie trafen wir eine Person an. Wir traten in muffige Hausflure, standen stumm in Höfen herum. Ihr Atem ging verhalten, alles in ihr hielt an, wartete auf einen lautlosen Widerhall von etwas.

ist ganz wunderbar.
Der Text besticht durch seine unaufdringliche Art. - Das Grauen bleibt in der Andeutung. Es bleibt offen, warum und auf welche Weise die immer wieder Gesuchten "verloren" gegangen sind. Mir fällt dazu sofort die Deportation deutscher Juden ein.

Applaudierende Grüße
der8.
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Moja antwortete darauf am 17.06.2019:
Stimmt, liebe 8., Dein Einwand ist berechtigt. Der Rest fasst zusammen, was längst gesagt wurde. Der Text funktioniert auch ohne den letzten Abschnitt.

Es ist schwierig, autobiografisch, literarisch zu schreiben und sich nicht in der Recherche der Familiengeschichte zu verheddern, Distanz, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Herzlichen Dank für Dein Lob!
Grüße in Deinen Tag,
Moja
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Herzwärmegefühl
Kommentar von Herzwärmegefühl (17.06.2019)
Hallo Moja,

ein ergreifender Text, die Suche und Annäherung an sich selbst sehr gut beschrieben.
Grau bleibt in diesem Fall grau, wie die Erinnerung.

Lg Moni
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Moja schrieb daraufhin am 17.06.2019:
Danke für Deine einfühlsamen Worte, liebe Moni!

Lieben Gruß, Moja
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