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Ein Gedicht ist eine lyrische Form, die mit bildhafter Sprache (Metaphern) in formell gebundener Sprache in mündlicher oder... weiterlesen
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Märchen zum Thema Wehmut


von Jack

Noch eine Kurve auf dem steilen Bergpfad, und da war dieser Platz, ein versteckter natürlicher Balkon mit Panoramaaussicht. Liine nickte pick, und sah Ari mit drei Miezen seines Alters zurückkommen. “Habe ich euch zuviel versprochen?” lachte der wie Anfang 20 aussehende 36-jährige Mann. Die Miezen hatten zunächst Höhenangst, waren dann aber immer mehr von der Aussicht begeistert. “Das wäre ein sauber Selfie”, witzte Liine, “...da würde von einem nichts übrig bleiben”. “Selfie?” fragte eine der Miezen. “Nicht der gemeiniglich geläufige Selfie, ein Selfie der düstereren Art”, klärte Ari auf. Die Miezen wollten gar nicht erst runtergucken, wo man da aufschlagen könnte. 600 Meter mindestens, aber wohl eher 800. “Und das war der einzige Weg hierher?” Ari nickte. “Vor dem Sonnenuntergang müsst ihr hier verschwinden. In der Dunkelheit würdet ihr abstürzen, ein unfreiwilliger Selfie, sozusagen”.

Die Miezen, eine langhaariger als die andere, nickten mit pick. Ari setzte sich so, dass der 15-jährige Junge zwischen ihm und den Miezen saß, und schwieg die meiste Zeit, weit in die Ferne blickend. Die Gesprächsthemen verdüsterten sich nach anfänglichem Höflichkeitssmalltalk, und Ari stimmte mit ein: “Das Problem ist, dass die Leute nicht mehr verrecken. Es ist eine Sache, seinen Eltern einen Selfie mit 18 nicht zumuten zu wollen. Aber wenn du 40 bist, und deine Eltern immer noch leben, wie lange willst du noch warten?” “Ja, diese verdammte lange Lebenserwartung”, bemängelte auch der 15-jährige Liine. “Aber mir würde schon eine weitere Woche wie eine Ewigkeit vorkommen”. Die 18-jährige Hienne, die Alterspräsidentin des Miezentrios, dachte laut, Liine sei unglücklich verliebt. Die anderen Miezen guckten verlegen, aber es hätte keine von ihnen sein können, denn sie kannten Liine erst seit einer Stunde und Ari seit zwei. Aus ihrem langweiligen Feriencamp kamen sie mit dem schweigsamen Sigma mit, den sie beim Lesen seiner Kant-Lektüre gestört hatten, um ihn nach einem guten Rückzugsort zu fragen. Nun waren sie an diesem Ort und wollten nicht wieder gehen.

Ari setzte einen Tee auf. Hienne stellte fest, dass er am Bergrand der Granitplattform eine Höhlenwohnung hatte, und fragte ihn, wie viele Miezen er hierher schon verschleppt und wo er ihre Leichen entsorgt hätte. “Wäre ich bloß so eine Lesbi-Raubkatze Anfang 20, ich könnte dich stundenlang hotwaxtorturen oder wasauchimmern, aber für einen Mann wäre das eh nur ein Zehntel der Lust”. “Du meinst, Sex für Männer lohnt sich nicht?” “Hedonisch auf keinen Fall. Der Preis ist zu hoch für zu wenig Lust. Aber dafür kennen wir die romantische Liebe, wenn wir jung sind”. Mit dem Tee zurück, sahen Ari und Hienne, wie die jüngeren Miezen dem Schönling Liine näher kamen, sein langgelocktes blondes Haar war halt schön. Julie, das 16-jährige brü- und auch sonst nette Mädchen, holte schon fast zum Kuss aus, als die ultraschüchterne hellblonde Eleine, auch 16, und langhaarigste von allen, ihr etwas ins Ohr flüsterte. “Wie süüüüß!” konnte sich Julie nicht halten und umarmte den Jungen. “Und wie alt ist er?” fragte sie nach anfänglichem Kichern. “Er ist 11, sieht aber aus wie 9, oder wie ein Mädchen, je nachdem, was weiß ich”, war Liine verlegen. Hienne ging zum schon wieder am Abgrund sitzenden Ari, der sie nur mahnte: “Ihr müsst jetzt gehen”. Stattdessen verlangte die verführerische Mieze noch einen Tee. Es dunkelte. “Die werden uns nicht suchen”, wollte sie den sich sorgenden Erwachsenen beruhigen, “Wir haben gut gelogen, wo wir sind”. Es wurde dunkel. Die Jugendlichen kuschelten sich aneinander, Ari legte sich etwas abseits auf den Rücken und beobachtete die immer sichtbarer werdenden Sterne.

Als unheimliche Geräusche der Nacht Stimmung verliehen, wurde Ari zurück auf die Picknickdecke gezogen, und gefragt, was er am liebsten gerade tun würde. “Die Kleine beschützen, die Maus küssen und mich von der Katze verführen lassen”, brachte er die Mädchen zum Lachen, wurde dann aber wieder ernst: “Aber höchstens mit 18. Ich bin schon doppelt so alt, wie ich gern wäre, und was hat es gebracht? Wissen, Weisheit, Freiheit, all das Unsinnliche, das einen immer weiter vom Leben entfernt”. “Ich wäre gern so weise und frei wie du”, seufzte Liine. Er weinte fast “Stattdessen kann ich nur an diesen Jungen denken, der schon in drei Jahren ein zur Unkenntlichkeit entstellter Bengel sein wird, kein zartes engelhaft mädchelndes Kind mehr”. “Eigentlich will man sich in jedem Alter umbrigen”, stellte Hienne fest, und fügte vergenauigend hinzu: “...jedenfalls, wenn man ein Junge ist. Wir Mädchen sind so unromantisch, wir langweilen uns so mit uns selbst, und warten nur darauf, dass sich wegen uns jemand umbringt, nur damit wir wieder Gesprächsstoff haben”.

Schon um Mitternacht war Ari dem Schlaf nahe, während für die Jugendlichen die Nacht erst begann. “Ich wünschte, die Zeit würde stehenbleiben”, würdigte Julie die Schönheit der Nacht. Keiner sagte etwas, also schmiegte sie sich an Ari und fragte: “Du weißt aber schon, wie langweilig die Jungs in unserem Alter sind?” “Meinst du etwa, Männer wären anders? Nur desillusioniert und verbittert, das ist alles”. “Und du?” ließ die Maus nicht locker. “Wenn ich halb so alt wäre, könnten wir weiter flirten”, stand Ari auf und ging wieder an den Rand des Abgrunds. Hienne tat so, als würde sie ihn hinunterstoßen wollen, doch ihm war es zu egal, so dass die schönste Abiturjahrgangsmieze ihrer Schule und nicht nur ihrer selbst Höhenangst bekam und weiter vom Abgrund zurückrückte. “Tut mir leid, dass wir euch nicht unterhalten können”, seufzte Liine, doch Hienne strich ihm übers Haar und sagte: “Ich bin froh, dass ihr nicht versucht, uns zu beeindrucken. Wir sind Freundinnen geworden, weil Schönheit einsam macht, ich denke, du weißt genau, warum”. Liine wusste. Alle Schwulen aus seiner Schule waren wütend auf ihn, dass er sich nicht outete und mit keinem von ihnen etwas anfing. Auch er war der Schönste in seinem Umfeld, wenn auch süßerweise auf mädchenische Art.

Die Nacht wurde kühler, die Miezen wollten kuscheln. “Hast du ein Problem mit dir?” fragte Hienne, als Ari weiterhin über dem Abgrund stehenblieb. Er schwieg. “Magst du dich nicht?” Er wusste nicht, was er sagen sollte. “Du fühst dich gar nicht alt an, sondern rein und kindlich. Du bist ein Traumkuschelwolf, wenn ich mal so sagen darf”. Er lächelte, aber wusste, dass er nicht dadurch wieder 18 sein könnte, dass er sich so anfühlte, auch nicht dadurch, dass er einen frischen gut trainierten und wohlduftenden Body hatte. Nach einer längeren Pause fragte Hienne endlich: “Oder bist du schwul?... Ich meine, wie hast du Liine kennengelernt?” “Er suchte nach einem Ort, um sich umzubringen, aber ich war schon hier”, seufzte Ari. “Es war ein Fehler, euch hierherzubringen. In 3 Jahren werdet ihr nicht mehr die reinen Mädchen von jetzt sein, in 10 Jahren, und was sind schon 10 Jahre, wird auch eure Schönheit verschwinden. Und ich bin dazu verdammt, der Vergänglichkeit zuzuschauen, und jedesmal noch weiser und noch weiser zu werden, und immer mehr Freiheit zu erlangen, die dann zu immer größerem Nichts führt”. Hienne schluchzte und ergriff seine Hand: “Nur der Tod kann dich erlösen, aber du... du kannst uns erlösen. Was meinst du, wie sinnlos das Leben eines Mädchens ist, wenn es nichts Höheres gibt? Du bist ein stolzer Adler, wir sind Kätzchen, Mäuschen, Mädchen! Du bist frei und weise und genügst dir selbst, wir sind unfrei, abhängig, schwach, unwissend, zart, zerbrechlich, niedlich, süß, achwasweißich...” Nun, wie geht es jetzt weiter, dachte sich Ari, und das denke ich mir gerade auch.

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