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Die Sinnlichkeit

Novelle zum Thema Abhängigkeit


von Jack

Wozu den Umweg über die Sinnlichkeit ins Nichts gehen, das Nichts ist doch schon da. Wartet. Ist offen. Ein gähnender Abgrund, der dich anlacht, weil die Lösung so einfach ist. Einfach springen. Aber nein, die Sinne wollen was erleben, und zwar die sexiesten Sexe, und das Ego will Bestätigung, und zwar im Form von anerkennendstem Respekt-ey. Erst allen alles beweisen, und dann springen. Und außerdem bin ich 18, dachte Ari, ich habe noch ein Leben vor mir. Was, wenn da mehr ist als nichts? Nach einem Sommer der Fahrradtouren, um sich selbst zu entfliehen, fand er endlich diesen abgelegenen und hochgelegenen Ort, eine Art natürlichen Balkon über einem Abgrund. Wenn sich umbringen, dann hier, es geht fast einen Kilometer runter. Aber die Maus, was wird sie denken? Dieses wunderschöne und ultraschüchterne 15-jährige Mädchen, weiß sie, dass ich in sie verknallt bin? Und wenn ja, weiß sie, wie sehr? Jeder Tag des Sommers war eine Qual, nur der Gedanke ans Springen ließ Ari ruhig schlafen. Aber ist es nicht am coolsten, das Leben so früh wie möglich wegzuwerfen? Oder haben wir eine Aufgabe hier, ohne zu wissen, wer sie uns gestellt hat? Wie können wir wissen, ob dem so ist? Wie können wir wissen, was die Aufgabe ist? Ist die Aufgabe vielleicht die Aufgabe, und zwar des Lebens durch einen Freitod?

Seit 18 Jahren, seit er 18 war, ging Ari an diesen Ort, baute sich sogar eine Höhlenwohnung, las hier, studierte im Grunde hier, und nicht auf der Uni, und wusste in dieser Sommernacht um 1:31 nicht weiter. Er schloss die Augen und stürzte in die Tiefe, es dauerte nicht lange, bis er aufschlug. Und dann war nichts. Aufgabe erfüllt. Gedanklich zum hundertsten Mal. Er öffnete die Augen, und es war genauso dunkel. Drei Minuten, versprach er der ob der Sinnlosigkeit eines Mädchenlebens fast schon weinenden Hienne, dann würde er sich wieder dazusetzen. Wenn die Mieze wüsste, dass es unendlich schärfer empfundene Sinnlosigkeiten gibt. Ist es sinnlos, das Nichts im dunklen Abgrund anzustarren? Für einen Hund. Für Ari wäre es sinnloser, jeder dieser Menschen zu sein, doch zum Glück war er keiner dieser Menschen, sondern er selbst, und empfand die sinnvollste, die höchste Sinnlosigkeit, eine Art Sinnlosigkeitsluxus. Anstatt sich mit tierisch-menschlichen Problemen abzugeben, starrte er ins Nichts, noch eine Minute lang, dann setzte er sich wieder zu den Mädchen und dem Schönling, der gerade nicht vom Küssen und Sinnlicherem sprach, sondern feststellte, dass er die Maus von einem Jungen, in die er verknallt war, am liebsten strahlend vor Glück sehen wollte, mit dem Mädchen, in welches der Liebling des Schönlings verknallt war. Die Welt ist nicht klein, aber es gibt sehr wenige schöne Mädchen, und als Liine vom Traummädchen des kleinen Jungen erzählte, erkannte Hienne eine bekannte Mieze.

Die Ultraluxusmieze Couchelle, die war es, in die der 11-jährige Junge trotz eines Altersunterschieds von 7 Jahren verknallt war. Zarter und zierlicher als sie es war, war für ihr Alter nicht möglich, aber dennoch handelte es sich um eine 18-Jährige. Die Mädchen kicherten erst, dann lachten sie. Liine versicherte noch, dass der Kleine nicht bloß von einer Mieze wie aus einem Film träumte, sondern ernsthaft in sie verknallt war, sie beschützen wollte, mit ihr zusammen sein, wie mit einer Gleichaltrigen. “Was wolltet ihr denn als Kinder?” machte sich Ari auf einem Kissen bequem und war dem Schlaf nahe. “Ich denke, wir wussten alle in dem Alter nicht, wie lesbisch wir sind”, stellte Julie fest. “Aber ihr habt euch immer so verhalten...” “Als ob wir einen Hund wollten?” unterbrach Hienne den enttäuscht klingenden Liine. “Das ist die einzige Macht, die Mädchen haben. Die Wirkung auf Simps und Manginas. Manipulieren können. Durch Liebreiz in den Selfie treiben. Das ist grausam, aber machtlos zu sein, macht Angst”. “Wenn die Wölfe euch nicht beschützen...” meinte Liine den fast schon schlafenden Ari. Julie seufzte: “Alle guten Männer sind einsame Wölfe oder Mönche oder tot”. “Es tut mir aufrichtig leid”, sagte der einsamste der Wölfe mit edler Stimme, “aber ich habe mich nie als Objekt betrachtet. Ich bin weder gut noch ein Mann noch sonst irgendwas, ich sehe mich, seit ich denken kann, als ein in die Sinnlichkeit geworfenes Bewusstsein, das das Rätsel der Welt, letztendlich vielleicht des Nichts, lösen muss. Ich gehe im Sinnlichen nicht auf, es zieht spurlos, na gut, nicht ganz spurlos, an mir vorbei. Ich leide an dessen Vergänglichkeit, aber ich kann es nicht davor bewahren. Ich wäre euch kuschelgern ein besserer Demiurg, als der, der diese Welt regiert. Ich würde euch die sinnvollsten, liebevollsten, sinnlichsten Lesbiversen erschaffen, aber ich bin leider kein schaffender, sondern nur ein betrachtender Geist. Verflucht, ich kann sogar lieben, aber der Geliebten dann keine Welten schenken”.

Erst streichelte der Wind Aris Gesicht mit dem Haar des langhaarigsten Mädchens, dann spürte der Edelwolf ihren lieblichen Atem, als sie, ängstlich an ihn gekuschelt, einschlief. Hienne betrachtete noch minutenlang das unbeschreiblich schöne Gesicht des soeben eingeschlafenen Mädchens, bevor auch sie einschlief, während die Füße des Jünglings und der Maus über dem Abgrund baumelten. “Ich finde alle Männer hässlich”, sagte Julie. “Nur einige Jungen und einige, die noch wie Jungen aussehen, finde ich erträglich. Aber Mädchen sind schöner. Nur halt langweilig”. Liine war nach Weinen, aber er ertappte sich beim unedlen Grübeln darüber, ob er damit einen unmännlichen Eindruck machen würde. Sein Basileus machte übrigens Anstalten, den Miezen zu beweisen, dass er nicht schwul war. Der Gedanke, Couchelle zu vernaschen, machte ihn geil, er wollte dem Kleinen zeigen: ich bin ein Mann, du ein Kind. Julie wusste selbst, dass sie diese destruktive, tierisch machende Wirkung auf Jungen hatte, und begann leise zu weinen, als Liine unfreiwillig in erotischen Phantasien versank.

Der Sonnenaufgang weckte Ari, der die schlafende Eleine mit einer Zärtlichkeit zudeckte, als wäre sie seine vierjährige Tochter, was Hienne im Halbschlaf registrierte, und weshalb sie das Mädchen etwas an sich zog, als wäre sie was sie halt auch war, ein kindlichst niedliches 16-jähriges Mädchen.  Liine träumte davon, wie der kleine Junge, nun erwachsen, ihn eine widerliche Schwuchtel nannte, und wachte in Tränen auf. Neben ihm schlief brünetterweise Julie, schlief wie ein einsames verlassenes Kätzchen, wehrlos und lecker. Ari prüfte seine Waffenkammer, bewunderte ein paar geile Granaten, checkte die Maschinengewehre und das Geld. Als er mit dem Tee zur Picknickdecke schritt, waren alle schon wach. “Du musst ein Haus bauen”, sagte Julie. “Und einen Staat gründen”, lieblichte Hienne bei. Eleine nickte schüchtern, und Liine fragte zynisch nach: “Was soll er denn werden, ein thermonuklearer Despot?” “Warum nicht?” begeisterte sich Hienne, “er könnte doch eine Insel besetzen, und dort ein Lesbiversum gründen. Wir würden jeden Tag ungestört von all den Losern, all den Alten, Kranken und Bedürftigen, Kätzchen streicheln und interessante Gespräche führen”. “Du verachtest die Menschen”, stellte Ari anerkennend fest. Hienne erleichterte ihr Herz: “Alles Vampire, emotionale Kannibalen, hässliche Monster, dumme, lüsterne, stinkende...” Alle lachten, alle lachten mit. Wenn du nicht allein bist, dann bist du für die, die du liebst, verantwortlich, und die sind halt zart, sensibel, zerbrechlich, verwöhnungsbedürftig, und du willst natürlich die Welt für sie schön machen, so richtig aufräumen, purgen, wenn nötig, alles Leben vernichten, und neues, schönes, nicht ekliges, Leben erschaffen. Nur Gott kann es sich leisten, zu lieben, dachte Ari, als er sich mit den Mädchen zurück auf den Weg ins Feriencamp machte. Selbst der edelste Mensch kann nur aus der Ferne lieben, machtlos, leidend, die Vergänglichkeit alles Geliebten und das Nichts als Endresultat vorwegnehmend. “Was wirst du tun?” fragte Liine, nachdem Ari zurückkehrte. “Ich werde ein Mann sein” sagte der edle Adler entschlossen, “und du geh und sei ein Junge, solange du noch kannst”.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von MichaelBerger (44) (19.06.2019)
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Jack meinte dazu am 20.06.2019:
Licht und Schatten sind eine passende Metapher. Das Licht ist unnahbar und erleuchtet alles, nur nicht sich selbst. Schatten scheinen berührbar, sinnlich zu sein, weil sie eine eigene Form haben, aber es ist das Licht, das ihnen eine Form verleiht.
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Dies ist ein Erzählung des mehrteiligen Textes Qualifikationsspiele zur Literatur-WM 2029.
Veröffentlicht am 18.06.2019. Textlänge: 1.264 Wörter; dieser Text wurde bereits 85 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.09.2019.
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