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Monolog zum Thema Arbeit und Beruf


von RainerMScholz

Hätten das denn viele geschafft, den Magister mit 1 abzuschließen, während sie Nachtschicht am Flughafen in der Gepäckbeförderung schieben. Aus einem katholischen Internat in der Eifel zu entkommen um dann Abitur zu machen in der Großstadt, und dass, obwohl die Mutter mich drei Monaten vor den Prüfungen auf die Straße setzte. Wo haben wir uns denn kennengelernt: Im Speak Easy, wo der Rockerklub der Bandidos die Mädchen vom Tresen weg auf den Strich schickt. Bei all den Freunden, die ich hatte, bin ich nicht kriminell geworden oder drogensüchtig. Hätte das jeder Hinz und Kunz geschafft? Ein paar sind auch auf der Strecke geblieben. Ich habe nicht einmal Punkte in Flensburg. Wahrscheinlich bin ich der Spießer unter den Rockern, Totschlägern, Junkies und Nutten.
Nicht jedermann hätte diese Asojobs angenommen, um ein paar Kröten zu verdienen. Nachtwächter, Nietengürtelstanzer, Gebäudeausräumer, Fahrer mit und ohne Steuererklärung, mit und ohne Anhänger oder funktionierendem Kühler oder Versicherung. Und dann all die Idioten, die meine Chefs gewesen sind, und von Gerd habe ich noch 400 DM zu bekommen, so lange ist das schon her. Hat sich einfach am Telefon von seiner geilen blonden Freundin verleugnen lassen, bis ich es aufgegeben habe. Oder die Kurierfahrten durch den Frankfurter Sommer. Das war ein Alptraum ohne Klimaanlage im Opel Corsa, und über Funk habe ich den lächerlichen hessischen Dialekt nicht verstehen können. Und dann die Kunden: arrogante Versicherungs- und Banktupsen! Und alles für einen Hungerlohn, 16 Stunden-Schichten im Frankfurter Augustalptraum, am Frankfurter Kreuz, auf der A5 und der A66.
Dann habe ich mir den Arm verbrüht als Schwarzfahrer für einen Subunternehmer bei einer Spedition hinter dem Kaiserlei am Main, als die Hochfinanz da die Reichenneubauten noch nicht hochgezogen hatte, wo der Sicherheitsdienst patrouillieren muss, damit die ihre Klingelschilder nicht geklaut bekommen. Bei dem VW LT ist der Motorblock im Führerhaus, und da der Kühler undicht war, war die Abdeckung weg, ein mörderisches Getöse. Immer wenn der Kühler trockenlief, habe ich auf das Ventil gedrückt, um den Dampf abzulassen und kaltes Wasser nachzufüllen, und wie das eben so ist, habe ich das eine Mal das Ventil nicht lange genug betätigt, den Deckel aufgeschraubt, um nachzufüllen, und da spritzt das restliche kochende Kühlwasser an die Fahrerkabine, während ich drin bin. Das tat sehr weh. An der Tanke habe ich kaltes Wasser über den Arm laufen lassen, aber der war immer noch knallrot. Also bin ich in die nächste Apotheke und kaufte zwei Tuben Brandsalbe und Mullbinde. Die hat vielleicht komisch geguckt, die Verkäuferin. Das habe ich mir auf den brandigen Arm geschmiert und bin dann weitergefahren. Das Auto war ja noch komplett voll. Eine halbe Stunde habe ich die Frontscheibe angeschrien, so ein Schmerz war das. Nach der Tour habe ich Urlaub genommen. Die schauten mich an in der Firma, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Mein Hausarzt hat mich dann noch dran genommen, nachdem ich drei Stunden auf einer Pritsche hinter einem Vorhang auf ihn gewartet hatte, ich glaube, irgendwo gingen schon die Lichter in der Praxis aus. Ich musste ihn anlügen, dass das zuhause in der Küche passiert sei, ich hatte ja keinen Arbeitsvertrag. Wahrscheinlich hat er mir nicht geglaubt. Aber mit Ärzten habe ich immer Glück gehabt. Ich bin ja auch nicht oft da. Mein damaliger Urologe, ein Bulle von einem Mann mit riesigen Händen und wirklich drallen polnischen Assistentinnen, hat mich immer gefragt, wie lange ich denn krankgeschrieben sein wolle, vor allem nach dem Vorfall bei der Bundeswehr mit dem geschwollenen Hodensack.
Bei der Post war es viel einfacher. Mein Einweiser stellte sich morgens um sechs Uhr an den Kiosk und zog erstmal ein Henninger ab, bevor es dann nach der Sortierung losging ins Revier, und zwar von Trinkhalle zu Büdchen zu einem Kumpel und wieder zum Kiosk. 12 Uhr mittags war ich voll. Er ging nach Hause, um mal ein Bier zu trinken.
Über Ranstadt kam ich neben anderen Firmen zur AIG Frankfurt. Bei der AIG im Jahre 2001. Ein Kollege und ich räumten das Archiv auf, sorgten dafür, dass ein betrügerischer Mitarbeiter gefeuert wurde, tätigen ein paar Überweisungen auf veralteten Computer mit extrem umständlichen Buchungsprogrammen, und dann war der Anschlag in New York. AIG hatte einige Etagen im WTC und niemand wusste, was als nächstes passieren würde. Wir glaubten den Bildern im Fernsehen auch nicht so recht. Aber es kam überall. Gegen 14:45 Uhr wurden alle nach Hause geschickt, auch mein Kollege Nabil El Saghir und ich. Die haben ganz schön gezittert, klar, die hatten auch Freunde da gehabt. Aber wir fürchteten uns auch. Irgendwie. Es war absurd.
Bei der GZS in Bad Vilbel lief es dann ruhiger. Die durchgeknallten ehemaligen Friseusen und Nagelstudiopleitiers, die jetzt da an den Computern saßen, konnten mich alle gut leiden, meine Chefin lächelte mich an und auch sonst war alles in Ordnung. Dann wurde aus der Firma First Data International und drei Abteilungen wurden geschlossen. Ich ging das zweite Mal in meinem Leben zum Arbeitsamt in der irrigen Annahme, eine Stelle zu finden, und landete in einer Fortbildungsmaßnahme in Butzbach, in der den Teilnehmern erklärt wurde, was man bei einem Vorstellungsgespräch anzuziehen habe, dass Hygienemaßnahmen wie Duschen und Zähneputzen obligatorisch seien, und ich glaube, wir sagten auch einmal das ABC auf, nachdem der Instruktor aus der Bildzeitung vorgelesen hatte. Ich absolvierte ein Praktikum beim Versorgungsamt in Nidda mit lauter sitzengelassenen Fregatten, die die Alimente für Geschiedene bei den Exehemännern einzutreiben versuchten. Ich weiß nicht weshalb, aber die hassten mich. Beim Cocon-Verlag in Hanau hieß es, ich sei zu teuer, obschon ich nicht eine Zahl genannt hatte. Vielleicht lag es daran, dass ich dem Chef einen Buchvertrag versaut hatte, weil der örtliche Geschichtsverein vergessen hatte die Nazizeit in seiner geschichtlichen Denkschrift zu erwähnen und ich das als Lektor nicht einfach so durchgehen lassen konnte. Aber der Schulmerich war fair, hat mir sogar die Spesen bezahlt. Journal Frankfurt, und auch nur, weil ich den Anzeigenleiter von früher kannte – chancenlos. Aber ich war da. Und für diese Praktika hat die „Bildungsinsel“ in Butzbach nicht einen Finger gerührt. Leider hat der Sachbearbeiter des „Jobcenters“ in Friedberg diese Anregung nicht weiter verfolgt, mir aber den nützlichen Rat erteilt, deutsch mit ihm zu sprechen. Das Gespräch war bald beendet.
So, das war`s. Mehr kommt nicht. Jobs, wo die Kollegen dachten, ich nähme ihnen den Job weg, Haudraufjobs, Ausbeuterjobs, Schwarzarbeit und der ganze Rest. Und zwischendurch Bumsen und Saufen und Heavymetalspielen, Beziehungskrisen, Weinen und Lachen und ein Stückchen Leben. Und das ist nur das, was ich hier erzählen kann.
Und jetzt sortiert mich nicht aus, weil ich nicht ganz ins bürgerliche Bild passe. Fuck, das ist doch der Witz daran! Jetzt hätte ich gerne die Stelle, meine Damen und Herren. Mit vorzüglichem Gegrüße.


© Rainer M. Scholz


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