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Auf der Flucht nach vorn Teil 1

Erzählung zum Thema Allzu Menschliches


von regenfeechen

Ein eiskalter wütender irrer Blick aus den Augen mit geweiteten Pupillen trifft mich.
Er kommt auf mich zu, packt mich beiden Armen und hält mich mit Gewalt fest. Es gibt kein Entrinnen!
Wieder einmal hat Paul zu viel getrunken und ist nicht mehr bei Sinnen.  Er prügelt auf mich ein und drückt mich brutal gegen die Wand. Immer wieder schlägt er zu und beschimpft mich mit den Worten: „Du Schlampe, Hure, keiner will dich mehr haben. Wo ist mein Geld, beklaust du mich?“
Wie kommt er nur darauf? So etwas mache ich doch nicht.
Immer war ich treu und hab alles für ihn getan. Die Schläge schmerzen, aber noch viel mehr diese Worte von dem Mann, den ich doch einmal so geliebt habe.
Ich versuche mich zu ducken, mich aus seinem festen Griff zu befreien, alles tut mir weh. Laut bricht es aus mir heraus:„ Hör doch auf, lass mich los, du tust mir weh, ich habe dir doch nichts getan!“
Aber Paul ist stärker, und holt zum nächsten Schlag aus! Mit dem freien Arm versuche ich mein Gesicht zu schützen, damit nachher niemand etwas sehen kann.
Keiner darf wissen, was hier geschieht.
Ein Geräusch ist zu hören, und für einen kurzen Moment dreht ER sich um, ist eine Sekunde abgelenkt. Das ist meine Chance! Ich reiße mich los und flüchte.
Tränenüberströmt laufe ich die Treppe hinauf, am liebsten würde ich rennen, weit weg rennen. Meine Arme und mein Rücken, mein ganzer Körper schmerzt von den Schlägen und ich möchte schreien, laut schreien: „Warum, warum tust du mir das an?“ Aber ich kann nicht, die Angst schnürt meine Kehle zu und kein Ton kommt aus mir heraus.
Am ganzen Körper zitternd vor Angst und Wut flüchte ich mich in „mein“ Zimmer. Ich drehe den Schlüssel im Türschloss und hinter der geschlossenen Tür rutsche ich  völlig erschöpft schluchzend auf den Boden. Ich horche an der Tür: Kommt ER hinterher um mich noch weiter zu prügeln und zu demütigen? Nimmt diese Quälerei denn nie ein Ende?
Aber alles ist ruhig.

Dieses Zimmer, es wurde eingerichtet als Gästezimmer. Ein schlichtes Bett und ein Schreibtisch mit dem alten Computer darauf. Außerdem ein Apothekerschrank mit vielen kleinen Schubladen. Die Möbel sind alle aus hellem Kiefernholz und wirken sehr anheimelnd.  Einige Blumen aus dem Garten und ein paar Kerzen auf dem Schrank lassen das Zimmer sehr gemütlich wirken. Der Schaukelstuhl in der Ecke verstärkt diesen Eindruck noch. Die Tür zu dem kleinen Balkon und das Dachfenster sind mit weißen Gardinen mit kleinen Blümchen darauf geschmückt. Aber nun ist dieser Raum mein Zufluchtsort, hier kann ich mich „verstecken“ und mich schützen. Hierher kommt Paul so gut wie nie.
Schon lange schlafe ich auch hier in diesem Zimmer, weil ich es in unserem Ehebett nicht mehr aushalte. Paul neben mir liegen zu sehen, das geht gar nicht, ich ertrage seine Nähe nicht mehr. Meine Gefühle für ihn bestehen nur noch aus Angst und Wut.
Immer noch laufen Tränen über mein Gesicht, lassen sich nicht stoppen. Noch ist nichts zu hören, was macht Paul nur? Kann ich es wagen aus dem Zimmer heraus zu gehen? Wo ist er nur? Im Wohnzimmer oder im Keller in seinem Computerraum?
Dann höre ich die Haustür zu schlagen und schaue durch das Fenster. Paul geht zu seinem Auto, der Motor heult laut auf und er saust mit quietschenden Reifen los.

Mein Gott, denke ich, er ist doch total betrunken. Wie kann er denn so mit dem Auto los fahren?  Was wenn er jetzt einen Unfall hat und andere in Gefahr bringt?
Und da schießt noch ein anderer , ein erschreckender Gedanke durch meinen Kopf! Gut, wenn er jetzt nicht wieder zurück kommen würde!
Wünsche ich Paul in diesem Moment, nachdem er mich so gequält hat, den Tod? Nein, nein ihm soll nichts passieren, er soll nur nicht wieder zurück kommen. Einfach weg bleiben! Endlich hätten all diese Misshandlungen und Demütigungen ein Ende! Er soll mich und die Kinder in Ruhe lassen!  So kann ich einfach nicht weiter leben.
Im gleichen Moment schäme ich mich. Wie kann ich so etwas denken, das bin doch nicht ich selbst. Hat mich all das schon so sehr verändert das ich so etwas Schlimmes denken kann?
Am liebsten würde ich auch einfach abhauen, irgendwohin, egal wohin. Ein neues Leben beginnen. So kann es doch nicht weiter gehen. Ich kann Pauls Anblick nicht mehr ertragen, den Streit, die Beschimpfungen und die Gewalt nicht mehr aushalten. Ich habe doch nur noch Angst vor ihm und wenn er in meine Nähe kommt, zucke ich zusammen. Aus Angst vor dem nächsten Mal, wenn er so aggressiv wird.
Aber ich kann nicht einfach gehen, die Kinder, was wird dann aus meinen Kindern?

 
 

Kommentare zu diesem Text


princess
Kommentar von princess (18.07.2019)
Hallo regenfeechen,

ich lese hier eine Geschichte stellvertretend für all diese Geschichten, die auch heute noch genau so oder ähnlich hier mitten unter uns geschehen. Die Protagonistin hat ein sehr klares Bewusstsein für ihre Situation. Sie beschriebt, sie wertet nicht, sie bleibt im Verständnis für alle Beteiligten. Oder vielleicht: Für fast alle Beteiligten. Denn rein inhaltlich würde ich mir eine andere Schlussfrage wünschen: Was könnte nur aus meinen Kindern werden, wenn ich endlich ginge? Mit den Kindern, natürlich.

Realistisch und berührend.

Viele Grüße
princess
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regenfeechen meinte dazu am 19.07.2019:
Danke Princess,
ich danke dir,
für deine klare Meinung zu meinem Text. Ich möchte all diejenigen mit meinem Text aufrütteln, bei denen es noch nicht angekommen ist, das Menschen, Familien zerstört werden durch Gewalt in der Ehe. Und ja, ich denke, ich werde den Text noch weiter schreiben.
Denn natürlich kann das noch nicht das Ende sein.

Liebe Grüße
Rgenfeechen
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regenfeechen
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Veröffentlicht am 17.07.2019, 6 mal überarbeitet (letzte Änderung am 10.10.2019). Textlänge: 769 Wörter; dieser Text wurde bereits 58 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.01.2020.
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