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Der Mann der sein Spiegelbild nicht mochte

Schwank zum Thema Allzu Menschliches


von Nimbus†

Es war ein ganz normaler Tag in einem Irish Pub. Ich arbeitete da abends als Service Kraft. Übermäßig überlaufen war das Pub an diesem Abend nicht. Doch wer Gastronomie kennt, weiß, es gibt immer etwas zu tun, im Zweifelsfall werden eben die Regale abgestaubt, Flaschen aufgefüllt oder sogar die Tiefkühltruhe säubern. Langweilig wir einem nicht. Damals durfte man noch in den Kneipen rauchen, und ich war immer schrecklich Pedantisch im Bezug auf Aschenbecher. Die wurden bei mir im Minutentakt geleert. Ich glaube mehr als drei Zigarettenstummel hat man nie darin gefunden.
Nebenbei hatte ich ein Katz und Maus Spiel am laufen. Irgendwie ging mehr Kindergarten gar nicht. Das kann passieren, wenn Leidenschaft über brodelt und man Probleme damit hat ihm in die Augen zu sehen. Mein Chef kannte das Spiel und war meist so freundlich ihn zu bedienen. Nach ein paar Bieren legte sich das und meist wurde ich dann abgesprochen und dann auch mitgenommen. Die Zeit war bescheuert und dennoch denke ich gerne an unsere kleinen Spielchen zurück. Obgleich ich an für sich lieber einen gerade aus Weg bevorzuge, doch ich war ja auch wie ein liebesbekloppter Teenager. Jedes Mal wenn ich ihn sah habe ich quasi weiche Knie bekommen. Wir waren zu blöd um wirklich darüber zu reden. Witziger Weise würde ich uns beide dennoch als Alphamännchen titulieren. Wir haben uns eben anders profiliert. Manchmal durch das Aussehen, mal durch das Auftreten, manchmal durch Musikauswahl. Blicke Gesten, und eben auch mal den Gockel oder das Hühnchen gespielt.
Ich glaube ich spülte gerade Gläser, da krachte es ziemlich laut, und der Lärm kam aus den Gästetoiletten. Normalerweise sagt man ja Frauen nach, sie würden nie alleine die Toiletten aufsuchen. Ob das nun ein Zufall war, oder nicht ist auch komplett unerheblich, dass zwei Männer aus der Toilette kamen und lachten.
So wurde es mir zugetragen, dass einer von beiden meinte auf den Spiegel hauen zu müssen, der andere, natürlich "mein" kleiner Prolet (den ich nie als klein auch nicht wirklich als Prolet empfand) zeigte dem anderen dann, wie das wirklich geht. So schepperte es durch den ganzen Raum, als der Spiegel zerbrach. Irgendwie haben die Jungs das wohl vergessen, dass dies Unglück bringen soll.
Eines stand außer Frage, die Aufmerksamkeit hatten sie auf diesem von jedem im Raum. Mein Chef flippte auch gar nicht aus, da der Flurschaden großzügig bezahlt wurde. Offenbar fanden sie das so lustig, dass dies innerhalb von zwei Wochen zwei Mal praktiziert wurde. Ich habe heimlich gegrinst, obgleich sogar ich das bekloppt fand. Allerdings ging mir das auch schon mal so, dass ich mein eigenen Spiegelbild nicht ausstehen konnte. Warum also nicht sich damit in Szene setzen?
Ich persönlich tat als Gast mal ähnlichen Blödsinn, nur nicht so laut. Man hat so seine Plätze in der Gastronomie, die man immer wieder bevorzugt einnimmt. So natürlich auch bei mir, und witziger Weise auch ein Lieblings WC.
Da dieses aber permanent besetzt war, ich aber niemanden heraus oder herein gehen sah, schaute ich mal vorsichtig nach, ob man paar Füße sehen konnte, hätte ja auch einem etwas passiert sein können.
Da war niemand. Also kletterte ich einfach drüber, so über die Tür und öffnete das verschlossenen WC. Bis mir einfiel, das wäre viel zu langweilig, und dann beide Türen der beiden Damen Toiletten blockierte.
Mein Chef stinksauer, sagte auch zu mir, jeder andere hätte dafür Hausverbot bekommen. Aber "mein" Typ hatte das mitbekommen.
Wie albern kann man eigentlich sein? Profilieren um jeden Preis. Doch mal Hand aufs Herz, das zieht sich doch irgendwie durch das ganze Leben durch. Später sind es dann eben die Autos, oder sonst irgendein Schwachsinn, und jeder meint, der große Individualist zu sein. Erkennt man dann mal wie blöd das alles ist, lässt man dennoch nicht davon ab.
Wir bleiben alles große Kinder. -

 
 

Kommentare zu diesem Text


AZU20
Kommentar von AZU20 (31.07.2019)
Das wollen wir doch auch irgendwie. LG
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Nimbus†
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Veröffentlicht am 29.07.2019. Textlänge: 630 Wörter; dieser Text wurde bereits 177 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.08.2020.
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