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Ganz normaler Wahnsinn

Kurzprosa zum Thema Worte


von LottaManguetti

Frohgelaunt schnappte ich nach dem Aufstehen einen Schirm, den Einkaufsbeutel und hastete die Treppen hinunter. Seit dem frühen Morgen hatte Regen die Straßen in mittelgroße Kanäle verwandelt. Vor der Haustür hielt ich inne.
Nach den schwülen Tagen der vergangenen Woche erholte sich die Erde. Der Staub war wie fortgewaschen. In Pfützen spiegelten sich satte Baumkronen, zwischen denen sich weiße Wölkchen gemächlich vorwärtsschoben.
Ich fühlte, wie meine Umgebung erleichtert aufatmete, während ich zwischen Rinnsalen und Lachen zum Supermarkt tappte.
Ich mochte Supermärkte nicht. Sie erinnerten mich an unfairen Tauschhandel in einer Welt übersteigerten Konsums. Nur widerwillig schenkte ich ihnen Aufmerksamkeit.
Blankgeputzte Gurken begrüßten mich im künstlichen Grün. Knallrot versprachen Tomaten Geschmack. Angestellte huschten mit unterwürfiger Aufmerksamkeit durch die Gänge.
Ich wusste zwar, dass hier oft geklaut wurde, bedauerte aber die Diebe, denen es gelang, solcherlei Ramsch erfolgreich fortzuschleppen. Ich war froh, wenn ich noch Genießbares vorfand. Die Machenschaften der Nahrungserfinder waren hinlänglich bekannt, ihre kriminellen Höchstleistungen kaum zu toppen.
Nur beim Ziegenkäse verdrängte ich das Gefühl, Artfremdes mit Geschmacksmitteln zu kaufen. 15% Ziegenmilchanteil. Ich konnte nicht anders, ich war süchtig danach.
Zum Frühstück fehlten noch zwei Brötchen. Die Bäckereiverkäuferin lümmelte gelangweilt am Tisch vor ihrer Theke und starrte auf eine Zeitung. Ich wartete artig.
Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie sie aufschaute und sich endlich aus ihrer Position erhob, um sich mit auffälligem Augenrollen zwischen Brote und Kuchen zu quetschten.
"Was hätten wir bitte?", krächzte sie in meine Richtung Beinahe hätte ich vergessen, was ich zu kaufen gedachte. Mein Blick  schien sie zu irritieren. Erneut plärrte sie mit genervter Stimme: "Na, junge Frau, was hätten wir denn gern?"
"Zwei Brötchen hätten wir gern."
Bei diesen Worten schüttelte ich den Kopf. Als wenn ich es nötig hätte, mich auf dieses Niveau herab zu lassen!
"Wollen wir ein Tütchen?"
Ja, wir wollten eines! Es war mein Ziel, mit sauberen Brötchen den Frühstückstisch zu erreichen!
"Haben wir noch einen Wunsch?"
Mir war die Lust auf Ironie vergangen.
"Nein."
Sie schaute mich erstaunt an.
Brav erklärte ich: "Ich hoffe, es reicht für alle."
Jetzt war wiederum die Bäckereiverkäuferin irritiert. Die Tüte mit den beiden Brötchen klatschte auf den Ladentisch.
Ich zahlte und ging.
Zu meinem Unmut  rief sie mir angelernt freundlich hinterher: "Ich hoffe, wir haben noch einen schönen Tag!"
"Danke", blökte ich zurück, "den werden wir jetzt haben!"
Dank dieser netten Dame bin ich seit heute Morgen von der Sichtbarkeit meiner Schutzengel überzeugt:
Ich bin nicht allein, und wenn jemand behauptet, ich wäre einsam, kann ich ihn guten Gewissens auslachen! Ich bin wir und wir sind ich! Das ist die einzig wahre Erklärung!
Meine Brötchen werde ich demnächst woanders kaufen müssen, sagte meine Psychologin später am Telefon. Und als ich am Nachmittag die geschlossene Station betrat, begrüßte mich die nette Schwester mit einem wohlwollenden Blick: "Haben wir die Versicherungskarte auch nicht vergessen?"
Natürlich hatten wir das nicht!
Kaum hatte ich die Tür meines zukünftigen Zimmers geöffnet, erklang eine mir gut in Erinnerung gebliebene Stimme, gemischt mit  kreischendem Gelächter.
Die Bäckereiverkäuferin krähte mir entgegen:
"So sieht man sich wieder! Was für ein Zufall! Wir sind ja auch hier!"

 
 

Kommentare zu diesem Text


Sätzer
Kommentar von Sätzer (30.07.2019)
Lebendig beschriebener Wahnsinn in unserer Konsumwelt.
LG sä
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LottaManguetti meinte dazu am 30.07.2019:
So lebendig, dass ich bei der Überarbeitung einen Haufen Fehler reingemixt habe!

Mist!

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Sätzer antwortete darauf am 30.07.2019:
P.S.: Für eine Kurzprosa ist der Text übrigens zu lang und zu wenig verdichtet. Es ist eine kurze Erzählung.
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LottaManguetti schrieb daraufhin am 30.07.2019:
Falsch.

 Merkmale der Kurzprosa



Antwort geändert am 30.07.2019 um 16:14 Uhr
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Sätzer äußerte darauf am 30.07.2019:
Du hast die Merkmale einer KurzGESCHICHTE aufgezeigt, aber deinen Text als Kurzprosa gepostet. Kurzgeschichte ginge auch mit dem Plot am Ende.
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LottaManguetti ergänzte dazu am 30.07.2019:
Wo ist für dich denn der Unterschied?
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Sätzer meinte dazu am 30.07.2019:
Eine Kurzgeschichte hat einen Spannungsbogen in der Handlung, der den Leser neugierig macht, wie es weitergeht bis hin zu einem überraschenden Ende, dem sogenannten Plot.
Eine Kurzprosa ist ein stark verdichteter Text, (ähnlich einigen Lyrikformen), der keinen Plot braucht.
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LottaManguetti meinte dazu am 30.07.2019:
Wieder falsch. Da ich aber deine Unbelehrbarkeit kenne, belasse ich dir deine Annahmen und vermerke lediglich, dass ich Kurzprosa als Überbegriff mehrerer literarischer Formen sehe.
Natürlich suchst du jetzt mit Macht etwas, woran du kritteln könntest. Leider vergeblich.
Ich empfehle das Nachlesen im Literaturlexikon zu einzelnen Begriffen.

Lotta
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Ralf_Renkking meinte dazu am 30.07.2019:
Wie dem auch immer sei, sind Spießer nicht eigentlich Säugetiere aus der Ordnung der Paarhufer?

Ciao, Frank
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Richtig. Allerdings geht es hier nicht nur um eine Begriffsklärung. Wenn dem so wäre, würde ich mich glücklich schätzen, weil es Spaß macht, etwas hinzuzulernen.
So aber verpufft die Freude am Wissenweitergeben bzw. gegenseitigem Lernen, wird aus geplanten Seitenhieben auf der einen Seite ein leichtes Augenrollen auf der anderen, gepaart mit langanhaltenem Gähnen.

Moinsen ...
Lotta
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Ralf_Renkking meinte dazu am 31.07.2019:
Das stimmt schon, und zu differenzieren, bzw. angemessen zu reagieren, fällt sowieso nicht immer leicht. Glücklicherweise ist die Vielfalt hier auf kV so hoch, dass ich denke, irgendwann in der Lage zu sein, Informationen sowohl nach ihrem Gehalt einsortieren als auch weitergeben zu können, Ganz besonders lehrreich empfinde ich dabei die Blödeleien rings um uns, denn die trennen oftmals sehr effektiv die Spreu vom Weizen, die Grenzen sind dadurch schnell abgesteckt, und im schlimmsten Fall meidet man sich, der ganz normale Wahnsinn halt.

Ciao, Frank
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (30.07.2019)
Schön, wenn die Laune von froh über die Psychologin in das nicht einmal standesgemäße Einzelzimmer absinkt. Aber das Gefühl der Gemeinsamkeit ist ja erhalten geblieben. Ich hoffe, du hattest noch zwei Brote und fünf Fische zum Teilen mit. Köstlich! LG von Gil.
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Wir II hatte noch eine Tüte voll Brötchen in der Tasche, sodass Wir I und Wir II mit den Wir-Schwestern am Ende des Tages auf IHR und IHR waren.



Lottchen, die (nicht nur) morgen ganz dolle an dich denkt.
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (30.07.2019)
"Da wünschen wir doch gute Besserung."


Trekan der 7 1/3, Bäckereikönich von KV.
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LottaManguetti meinte dazu am 30.07.2019:
Wir arbeiten dran, versprochen.
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Kreuzberch
Kommentar von Kreuzberch (30.07.2019)
Wir haben gelesen und uns an ähnliche Begebenheiten erinnert. Ärzte haben sowas ja auch manchmal drauf. WIE GEHTS UNS DENN? WAS MACHT DENN UNSER ZAHN? WIE WAR GESTERN UNSER STUHL?
Jeht der Wahnsinn erst mal um,
bleibste oft aschrocken stumm.

Liebe Grüße,
Wir … äh, Stefan.
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Bei "WAS MACHT DENN UNSER ZAHN?" sage ich gern "Sie könnten den ruhig mal öfter putzen!"



Ansonsten:

Ist der Tag kühl oder heiter,
geht der Wahnsinn stetig weiter.
Einer merkts, ein andrer nicht;
's gibt halt Schatten oder Licht.

Et jrüßt
Lotta
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Kommentar von Ralf_Renkking (30.07.2019)
Ja, so sind wir, nur eines nicht: Privatpatienten, aber wie denn auch?

Ciao, Frank
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Privatpatient mag ich gar nicht sein. Das ständig schlechte Gewissen gegenüber meinen Mitmenschen würde mich krank machen.



Lotta
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Ralf_Renkking meinte dazu am 31.07.2019:
Wenn Du Privatpatient wärst, hättest Du kein schlechtes Gewissen, das ist alles eine Frage der Einstellung und Übung.

Ciao, Frank

P.S.: Deine Mitpatienten müssten sich nämlich dauernd anhören, dass Du stets in Vorlage treten, und Dich um jeden Pups selbst kümmern musst, und wenn Du Dein Gejammer richtig drauf hast, sind es im Endeffekt wir gesetzlich Versicherten, die ein schlechtes Gewissen und sogar Mitleid entwickeln.
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (30.07.2019)
Genau, Kreuzberch. Ich kenne das auch *seufz).
Also Lotta: Wie geht es uns denn heute?
Eher gut oder mittelschlecht?
Auf jeden Fall so gut, dass für alle was übrig bleibt. ---

Und im Krankenzimmer sind wir doch eh froh über jede nahrhafte Begegnung ... oder?

Zwinkergrüße
der8.
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Glücklicherweise kenne ich bis dato nur die Geburtsstation, lieber 8er. Mir blieben sonstige Aufenthalte in derlei blutigen Einrichtungen noch erspart.

Das WIR allerdings hamse noch nirgends verdenglischt. Das scheint noch immer uptodate.



Lotta

Antwort geändert am 31.07.2019 um 10:18 Uhr
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (30.07.2019)
Liebes Lottchen, der Mensch, besonders der weiblich, ist eben nicht fürs Alleinsein, er braucht das "wir".
"Wir gehen aus Klo", uns will man nicht dabei haben, da bleibt uns Kerlen doch nur die Rolle des einsamen Wolfes.
Heul!
LG TT
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Einsame Wölfe verirren sich ab und zu in unseren Garten, TT. Bei der Anzahl kann man von Einsamkeit bald nimmer sprechen! Ich glaube eher, das ist so ein typisch männliches Gejammere. Kennt man ja!


Wir grüßen dich!
Deine Lottas
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Fisch
Kommentar von Fisch (30.07.2019)
Lotta goes Prosa de nuevo….
Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben Plattpfirsiche im Discounter gekauft.
Bisher glaubte ich stets, ich sei doch wohl stark genug, um unsinnig zur Stapelbarkeit zuchtverhunztes Wachsgut links liegen zu lassen.
Doch heute haben sie mich gekriegt.
79 ct, Plattpfirsiche im Plasteschober.
Verdammt!
MLG
F.
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LottaManguetti meinte dazu am 31.07.2019:
Dann haben wir heute das gleiche Frühstück!

REWE lässt grüßen.
Winkewinke und gut Hut!
Bei uns gibts noch keine außer nem Schirmpilz. Im "Garten" gedeiht allerdings ne Fette Henne. Die kommt am WE in die Pfanne! Freumich...
Und wenn wir Glück haben, gibts nach dem büschen Regen auch noch die Gelben.

Ich drück dich mit Knutsche auf de Stirne.

Deine Fr. v. Steinpilz

Antwort geändert am 31.07.2019 um 10:27 Uhr
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LottaManguetti
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Veröffentlicht am 30.07.2019, 5 mal überarbeitet (letzte Änderung am 30.07.2019). Textlänge: 492 Wörter; dieser Text wurde bereits 122 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.11.2019.
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