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Kinder sind Finder

Kalendergeschichte zum Thema Kinder/ Kindheit


von eiskimo

Manchmal, als Kind, ging ich einfach los „etwas finden“. - „Zu Hause hast du nichts verloren!“ den Spruch hörte ich nämlich regelmäßig von meiner Mutter, die auf 40 Quadratmeter noch vier andere Kinder großzuziehen hatte. Also raus! Und draußen, das wusste ich, da würde ich etwas finden. Leute verlieren ja auch etwas; reiche Leute, die dann nicht einmal danach suchen.
Klar, ich hoffte auf die prall gefüllte Geldbörse oder zumindest ein Fünf-Mark-Stück, das da jemandem rausgerutscht war. Natürlich nicht irgendwo, sondern an Plätzen, wo die Leute an ihr Geld müssen. Dieser in meinen Augen brillante Ansatz führte mich meist in die Nähe von einem Kiosk oder unseres Einkaufsladens. Mit der Beute war es meist nicht so brillant. Aber auch wenn es bei einer vergessenen Pfandflasche blieb - die konnte ich noch vor Ort „versilbern“, und das war für uns Kinder damals schon mal was. Denn dann gönnte ich mir aus dem so bunt mit Süßwaren gefüllten Gläsersortiment ein Stück Pfefferminz-Bruch, oder es reichte für einen Riegel Storck-Riesen, fünf Stück waren da drin!
War bei dieser Art „Anschaffengehen“ mal gar nichts zu holen, dann taten wir Geschwister uns zusammen und drehten den Spieß einfach um: Wir hatten da so ein Spiel, bei dem andere  wenigstens zum „Finder“ werden konnten.  Ein Fußgänger-Durchgang, der links und rechts von Büschen und Hecken gesäumt war, bot sich als Tatort in idealer Weise an. Mutters ausgedientes Portmonee war ebenfalls ideal, man konnte es mit einer starken Nadel durchlöchern, einen dunklen Zwirnfaden durchziehen und das Ganze als „Köder“ auf dem Weg platzieren, nach dem Motto: Oh, da hat doch einer seine Geldbörse verloren!
Wir lagen dabei natürlich mucksmäuschenstill hinter der Hecke, gut versteckt, mein ältester Bruder behielt es sich vor,  die „Reiss-Leine“ zu halten. Denn nun musste ein perfektes Timing her. 
Meist dauerte es nicht lange, bis der erste Glückliche herankam. Wir hörten die Schritte, merkten, wie sie plötzlich abrupt stoppten und dann – in das Hinunter-Bücken hinein, kurz vor dem Zugriff – ZACK! musste die vermeintliche Beute weggezogen werden.
Großes Gelächter war das einzige, was der so hinters Licht Geführte ab bekam, denn wir stoben laut und glücklich auf und davon.
Was habe ich von dieser Art Kinderspiel gelernt? Geld kann durchaus glücklich machen, wenn es denn … nur Spielgeld ist.
Und einen besonderen Reflex habe ich seitdem irgendwie im Blut: Wenn ich etwas auf der Straße liegen sehe, irgend etwas Wertvolles – dann bücke ich mich nicht. Nein, denn für mich ist da garantiert ein Faden dran! Was mache ich als mit allen Wassern gewaschener Finder? Ich stelle blitzschnell den Fuß drauf.

eiskimo
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Veröffentlicht am 08.08.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 08.08.2019). Textlänge: 428 Wörter; dieser Text wurde bereits 47 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.12.2019.
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