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Genre des Tages, 20.09.2019:
Gesetz
Für alle Angehörigen eines Gemeinwesens geltende Norm, die Gebote und Verbote aufstellt, um das Zusammenleben zu regeln.
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Antiproporthologisch von Oreste (27.02.19)
Recht lang:  Parteiengesetz von Aipotu, 1. Abschnitt von Dart (483 Worte)
Wenig kommentiert:  11. Gesetzeserlass von Aipotu von Dart (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Das Gesetz der Zahl von eiskimo (nur 107 Aufrufe)
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Die Gabe - Prolog: Das ArtefaktInhaltsverzeichnisDie Gabe - Kapitel 2

Die Gabe - Kapitel 1

Roman zum Thema Gabe


von Buchstabenkrieger

„Nur wenn eine Prophezeiung geglaubt wird, das heißt,
nur wenn sie als eine in der Zukunft sozusagen bereits eingetretene Tatsache gesehen wird,
kann sie konkret auf die Gegenwart einwirken und sich damit selbst erfüllen.“

(Paul Watzlawick)​


1 - Buchstaben und Zahlen​

Er betrachtete kurz die kleinen Plastikplättchen, schloss dann die Augen und dachte nach. Sein aktueller Rekord lag bei neunundfünfzig. Es war dieselbe Prozedur wie in den Tagen zuvor: Zunächst die gleichen Wortkombinationen in Gedanken aufsagen, dann die Buchstaben der Plättchen solange in seinem Kopf herumschwirren lassen, bis er eine weitere Kombination legen würde. Danach käme wieder alles sorgfältig in den Karton zurück und sein Spielchen würde am nächsten Tag fortgesetzt.
Fabian beschäftigte sich oft mit selbst ausgedachten Buchstabenspielen, den Morsealphabeten, Primzahlen oder mit der Fibonacci-Folge. Später wollte er auch gerne einen Beruf ausüben, der damit zu tun hatte. Er konnte noch nicht ahnen, dass sich seine Arbeit später tatsächlich um Zahlen drehen würde – wenn auch quasi nur um zwei.

Gehorsam stand er auf, als seine Mutter aus der Küche nach ihm rief. Er drehte sich um und fiel beinahe über das Spielzeug seines Bruders, das auf dem Boden lag. Dann zog er seine heruntergerutschte Jeans hoch und ordnete schmunzelnd noch rasch die einzelnen Buchstaben seiner Ausgangsposition ‚FABIAN SCHILLER‘ um, bevor er die Schreibtischlampe ausschaltete.
Mit einem Brummen auf den Lippen schob er einige auf dem Teppich liegende Legosteine mit dem Fuß zur Seite und bahnte sich einen Weg durch ein großes Durcheinander aus Spielsachen, Schulbüchern, Arbeitsheften und Süßigkeiten. Mittendrin lag Marcus, der die Unordnung innerhalb weniger Minuten angerichtet hatte. Er spielte unbeirrt mit seinem Auto, obwohl er doch Hausaufgaben machen sollte.

Marcus wartete, bis sein drei Jahre älterer Bruder aus dem Zimmer war und schaute neugierig auf die Scrabble-Buchstabenplättchen. Er wunderte sich über die ausgelegten Worte ‚ACH FALL INS BIER’, war er doch kürzlich erst beim Toben im Hausflur über einen Bierkasten gefallen war, den sein Vater in den Keller bringen wollte. Mit einem Knurren brachte er Fabians neue, sechzigste Variante durcheinander.

Marlene schälte gerade Kartoffeln und begleitete dabei flötend die Schlagermusik aus dem Küchenradio. Als Fabian herein kam, griff sie in ihre Tasche und hob eine Augenbraue. „Hier hast du 10 Mark von deinem Papa und mir.“
Fabian schaute sich den Schein von allen Seiten an. „Warum ..., wofür denn?“
„Zur Belohnung für deine guten Noten. Aber auch für das, weswegen du uns schon die ganze Zeit nervst …“ Sie schmunzelte und fuhr dann fort „… und wo wir beide hingehen.“
Fabian fiel nur eine Sache ein. Schließlich ging er auf seinem Schulweg immer an den gelben Plakaten vorbei und er hatte oft gefragt, ob er dorthin dürfte. Er war neugierig, hatte er doch von einem älteren Spielkameraden die unglaublichsten Dinge darüber gehört. Dort gäbe es den stärksten Mann der Welt, einen geheimnisvollen Magier und ein Gruselkabinett mit wahren Monstermenschen. „Der Jahrmarkt?“, fragte er. „Fantastica!?“ Ohne eine Antwort abzuwarten sprang er auf und umarmte seine Mutter.
„Du bist jetzt zwölf und alt genug für diesen ‚gruseligen Jahrmarkt’“, sagte Marlene mit Betonung auf die letzten beiden Worte.
„Und was ist ... mit Marcus?“ Fabian hätte es ungerecht gefunden, wenn dieser auch mit gedurft hätte. Generell fand er, dass sein drei Jahre jüngerer Bruder sowieso mehr Freiheiten genoss. Das fing schon bei seiner Unordnung an, die Fabian überhaupt nicht ausstehen konnte und für die er teilweise sogar auch mit ausgeschimpft wurde. Und außerdem fand er es nicht gut, dass Marcus schon für ein ‚Befriedigend’ gelobt wurde und zwei Mark bekam, während er denselben Betrag für ein ‚Sehr gut’ erhielt.
„Er ist noch zu jung dafür. Papa bleibt mit deinem Bruder zuhause.“
Das war die Antwort, die Fabian hören wollte.

„Hast du dem Jungen das Geld gegeben, Lenchen?“ Charlie schlug das Briefmarkenalbum zu und schob es zur Seite. Unter seiner großen, fleischigen Hand sah das Sammelalbum merkwürdig winzig aus.
Marlene zog die Schürze aus und setzte sich neben ihren Mann auf die Couch. „Er hat sich gefreut. Vor allem, dass er mit zum Jahrmarkt darf. Ich freue mich auch schon.“ Sie lächelte ihren Mann an.
„Ach, hör doch auf, ich weiß doch, dass du nur wieder zu dieser sogenannten Wahrsagerin willst.“ Charlie machte eine abwinkende Geste. „Du bist viel zu leichtgläubig und glaubst ja jeden Scheiß.“
„Ist doch gar nicht wahr, Schatz. Es ist bisher immer alles eingetroffen. Letztes Jahr sagte sie, ich bekomme ein technisches Gerät.“ Sie faltete noch immer die Schürze zusammen und legte sie schließlich auf den Tisch.
„Dass ich nicht lache! Jeder normale Mensch hat doch gemerkt, dass du schlecht hörst und ein Hörgerät brauchst. Das hätte ich dir auch ‚wahrsagen’ können.“ Kopfschüttelnd fügte er hinzu: „Dafür brauchst du keine Wahrsagerin.“ Dann griff er nach seinem Orangensaft und nahm einen Schluck.
„Charlie, ich finde das faszinierend, bezaubernd ...“
„Was wäre denn gewesen, wenn ich dir zu Weihnachten einen Mixer gekauft hätte? Wäre die Wahrsagung dann auch eingetroffen?“ Jetzt lächelte er Marlene an, die mit verzogenem Mund an der Schürze nestelte. „Mach, was du willst. Aber komm’ mir nicht mit Tarotkarten an oder dass du aus meinen Händen lesen willst. Zuletzt lässt du dich noch hypnotisieren und läufst hier wie ein Geist herum.“

Die Wahrsagerin, ... dachte Fabian, der das Gespräch zwischen seinen Eltern aus der Küche mithören konnte. Er schaute auf das Gemüse, das seine Mutter für das Abendessen vorbereitet hatte und steckte sich noch eine letzte Möhre in den Mund, bevor er wieder ins Kinderzimmer zurückging. Schon oft hatte er darüber nachgedacht, was ihm sein Freund noch über den Jahrmarkt erzählt hatte. Dass er heimlich ins Zelt der Wahrsagerin gestarrt habe und angeblich eine alte rothaarige, kreischende Hexe gesehen hätte, die total angsteinflößend aussah. Unsinn, dachte er. Das alles glaube ich erst, wenn ich es selber gesehen habe. Die Hellseher im Fernsehen ziehen doch auch nur eine raffiniert ausgetüftelte Show ab.

Die Gabe - Prolog: Das ArtefaktInhaltsverzeichnisDie Gabe - Kapitel 2
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