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Genre des Tages, 20.09.2019:
Gesetz
Für alle Angehörigen eines Gemeinwesens geltende Norm, die Gebote und Verbote aufstellt, um das Zusammenleben zu regeln.
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Antiproporthologisch von Oreste (27.02.19)
Recht lang:  Parteiengesetz von Aipotu, 1. Abschnitt von Dart (483 Worte)
Wenig kommentiert:  Projekt: Hexerei von paradoxa (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Das Gesetz der Zahl von eiskimo (nur 107 Aufrufe)
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Die Gabe - Kapitel 2InhaltsverzeichnisDie Gabe - Kapitel 4

Die Gabe - Kapitel 3

Roman zum Thema Gabe


von Buchstabenkrieger

Kapitel 3 - Der Jahrmarkt

Sie begutachtete ihre Fingernägel und überlegte, wo sie nach Feierabend noch mit den anderen einen drauf machen könnte. Erst würde sie aber noch in die Bücherei gehen, die sie gestern in der Stadt gesehen hatte. Etwas Neues über unheimliche Wahrnehmungen oder Prophezeiungen suchen.
Giulia wollte immer gut gerüstet sein. Seit sie lesen konnte, besorgte sie sich alles, was auch nur im Entferntesten mit Wahrsagen zu tun hatte. Zunächst Märchen und Sagen, später Erzählungen oder Berichte über die Praktiken und Methoden. Über sogenanntes wissenschaftliches Material konnte sie nur lachen. Sie wusste es besser.
Giulia schaute kurz zur Seite. Dieses Jahr werde ich achtzehn, dann kann ich Mama ablösen, wenn mich Opa endlich lässt. Von wegen aufmüpfig und Herumtreiben, von wegen Übermut. Scheiß auf das Kassenhäuschen, scheiß auf Plakatekleben und scheiß auf die Gabe. Ich bin die Auserwählte, die Einzige mit der wahren Gabe.
„Ein Erwachsener, ein Kind? Sechs Mark, bitte“, nuschelte sie kaugummikauend der Frau zu, die mit einem Jungen vor dem Häuschen stand.
Blitzartig öffnete Francesco, der neben ihr saß, seine Augen. Er erhob sich ein Stück aus einem gepolsterten Holzstuhl und streckte seine zittrigen Hände zur Kartenrolle. Mit verbissenem Gesicht riss der Alte schließlich zwei Eintrittskarten ab. Es machte einmal ‚Ratsch‘. Dann ertastete er einen kleinen Stempel, den er sich um seinen runzeligen Hals gebunden hatte, tuschte die Vorderseite mit einem Stempelkissen und versah die Karten mit dem Tagesdatum. Es machte zweimal ‚Klack.’
Der Junge stellte sich auf seine Fußspitzen und lugte durch das offenstehende Fenster. Sein Blick traf für den Bruchteil einer Sekunde den von Giulia.

Marlene bezahlte und nahm die beiden Eintrittskarten entgegen, die der Alte in seinen zwei Nummern zu großen, abgewetzten Anzug intuitiv in ihre Richtung gehalten hatte. Sie wunderte sich, dass der Blinde sie trotz seines starren Blickes zu beäugen schien. Dann nahm sie Fabian an die Hand und trat mit ihm durch das Eingangstor auf den schmalen Weg, der sich zwischen den Zelten und Ständen hindurch schlängelte. „Möchtest du die Eintrittskarten als Andenken aufbewahren, Fabian?“
„Was ist denn los? Hallo! Können wir jetzt auch mal bezahlen?“, hörte Marlene eine laute Stimme. Sie drehte sich um und sah, wie die Kassiererin für ein paar Sekunden stumpf ihre Münzkiste fixierte und dann ihre Arbeit wieder aufnahm.
„Drei Erwachsene? Zwölf Mark, bitte!“ Für einen Moment stierte die blonde Frau Marlene durch den Fensterrahmen geradezu an.
Marlene meinte, in dem sonnengegerbten Gesicht der Frau eine Mischung aus Verwunderung und Ungläubigkeit auszumachen. Kopfschüttelnd drehte sich Marlene wieder um und verschwand zusammen mit Fabian in der bunten und fröhlichen Menschenmenge.

***​


„Grazie, mille grazie. Beehren Sie mich bald wieder, Signora.“ Mit einem südeuropäischen Akzent verabschiedete Madame Negroni eine alte Frau beim Hinausbegleiten aus ihrem Zelt. „Und wie gesagt: Alles wird gut!“, rief sie ihr noch hinterher. „Tutto bene!“
Die Wahrsagerin wartete, bis ihre Kundin außer Sichtweite war. Dann rieb sie sich mit einer Hand den Schweiß von der Stirn, bevor sie auf ihre Armbanduhr schaute. Einen letzten Kunden würde sie heute noch schaffen, dachte sie. Dann drehte sie das Schild am Eingang auf ‚Nächster Kunde bitte – Eintritt erwünscht’ um.
Sie setzte sich an ihren Tisch, atmete einmal schwer aus und öffnete die Schublade. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, nahm sie ihren Ring ab und ließ ihn hineinfallen. Diese kleine Freiheit nahm sie sich; schließlich musste sie ihn laut Regel nur beim Wahrsagen tragen und nicht in der Zeit zwischen den Sitzungen. Viel zu früh würde sie den Ring für den nächsten Besucher wieder herausholen müssen.
Sie legte einen Geldschein in die Lade und kratzte sich seufzend unter ihrer Perücke. Nachdem sie ein Kartenspiel und einen Haufen Steine auf den Tisch geordnet hatte, legte sie ihre Hände über die Furchen auf dem Tisch. Sie erhoffte, aus den Spuren der Handabdrücke ihrer Ahnen etwas Kraft aufnehmen zu können. Als sie sich erneut ihre Stirn rieb, spürte sie, dass ihre Kopfschmerzen nachgelassen hatten.

***​


Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fielen schräg über die Zelte, Holzbuden und Stände, die fast alle schon geschlossen hatten. Fabian und seine Mutter schritten langsam auf das Ausgangstor zu. Der Junge hatte den stärksten Mann der Welt gesehen, einige Zauberer, Jongleure sowie Feuerschlucker und -spucker. Wenn es nach ihm ginge, hätte er noch eine weitere Runde über den weiträumigen Platz gedreht und jeden einzelnen Winkel abgesucht. Er hatte das Wichtigste noch nicht gesehen.
Kurzentschlossen hielt Fabian an einem Süßigkeitenstand an. „Mama? Kann ich einen Paradiesapfel haben?“ Hoffnungsvoll riss er die Augen auf.
„Du hattest doch gerade erst Mandeln.“
„Bitte, Mama. Ich bezahle auch selber.“ Fabian holte seinen Zehner aus der Hosentasche und hielt ihn seiner Mutter winkend entgegen.
Marlene konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und holte ihr Portemonnaie aus der Handtasche. Sie drehte sich zum Verkäufer um, der hinter dem Tresen stand. „Zwei Äpfel, bitte.“ Sie zeigte kurz auf die Auslage und wandte sich dann wieder ihrem Sohn zu. „Behalte du ruhig dein Geld und spare es.“
Die beiden gingen ein paar Schritte weiter und setzten sich auf eine Bank. Während Fabian den leuchtend roten Zuckerüberzug seines Apfels von allen Seiten mehr ableckte als abbiss, sagte seine Mutter schmatzend: „So, danach gehen wir aber wirklich nach Hause.“
„Aber ich will noch nicht, Mama!“
„Wie hat es dir denn gefallen, Fabian?“, wich sie seiner Forderung aus.
„Eigentlich gut, Mama“, entgegnete er. „Aber ich habe noch gar nicht alles gesehen!“ Mit vollem Mund murmelte er weiter. „Wo sind denn eigentlich die gruseligen, verunstalteten Leute und …“
Seine Mutter hörte bereits nicht mehr zu. Stattdessen streckte sie kurz ihren Hals, da sie meinte, etwas Altvertrautes wieder erkannt zu haben. Plötzlich packte Marlene ihren halb abgebissenen Apfel in ein Taschentuch und legte ihn neben ihren Sohn auf die Bank.
„…diese Monstermenschen? Aber vor allem die …“, brabbelte Fabian weiter.
„Kann ich dich mal eben kurz alleine lassen? Ich bin mal kurz für ein paar Minuten dort drüben.“ Marlene zeigte mit einer Hand auf ein kleines Zelt, während sie sich mit der anderen über ihre glasurbeschmierte Lippen fuhr. Das Zelt stand so versteckt hinter einer großen Losbude, dass es vom Hauptweg aus nicht zu sehen war.
Fabian schaute seine Mutter mit kauendem Mund und großen Augen an.
„Ich sag’ dem netten Apfelverkäufer Bescheid, dass er auf dich aufpassen soll.“ Sie küsste ihren Sohn auf die Stirn und stand auf. Fabian streckte seinen Hals und schaute auf das weiße Zelt mit dem bunt gestreiften Dach. Er versuchte, das Schild zu lesen, das über den Zelteingang hing. Doch aus seiner Entfernung konnte er es nicht entziffern.
„Ich will auch mit!“
„Du wartest hier!“
Fabian setzte sich mit verschränkten Armen auf die Bank und biss wieder in seinen Apfel.
Marlene sprach mit dem Verkäufer und deutete dabei mit einer Hand auf Fabian. Der Mann nickte kurz. Dann schaute sie noch mal auf ihren Sohn und machte sich auf dem Weg zum Zelt mit der Aufschrift ‚Madame Negroni’.

***​


Giulia wippte ungeduldig auf dem knarrenden Holzstuhl hin und her. Abwechselnd schaute sie auf ihre Armbanduhr und aus dem Fenster hinaus. Sie hätte schon vor einer Viertelstunde am Kassenhäuschen abgelöst werden sollen. Ihren blinden Großvater, der schnarchend auf seinem Stuhl saß, konnte sie unmöglich hier alleine lassen, auch wenn so kurz vor Torschluss kaum neue Besucher kommen würden. Ihr blieb nichts anderes übrig, als auf Tom zu warten. Auch wenn sie jetzt was viel Wichtigeres zu tun hatte.
Nach weiteren fünf langen Minuten kam ein pummliger, junger Mann mit schwarzen Locken angelaufen. „Tut mir leid, Giulia. Ein ... ein Affe ist ausgebüxt und ich … ich ... musste beim ... beim ... Einfangen helfen.“ Völlig atemlos hob er dabei die Hände.
Giulia machte ein gequältes Gesicht „Ja, ja. Ist ja schon gut, Tom. Komm endlich rein!“
„Warum bist du denn so hektisch? Ist ... ist was Besonderes pass... pass...?“
„Passiert? Das kann man so sagen“, bekräftigte sie und lief los.
Überrascht sah Tom Giulia hinterher, die schnell auf dem Gelände verschwand. Dann ging er ins Kassenhäuschen und sah Francesco mit fragendem Blick an. Doch der Alte saß mit geschlossenen Augen auf seinem Stuhl und machte nur ein vergnügliches Gesicht.

Francesco hatte durchaus jedes Wort mitbekommen, auch wenn er sich nichts anmerken ließ. Er hatte auch gespürt, dass hier und heute noch etwas Besonderes geschehen oder zumindest eingeleitet würde. Auch wenn er nichts sehen konnte, so hatte er das kurze Innehalten seiner Enkelin wahrgenommen, wie auch sie die Aura einer Person gespürt haben musste, einer Person, die für die Prophezeiung seiner Vorfahren eine große Rolle spielen würde.
Das überrascht mich nicht, dachte er. Sie wird eine wahrhaft würdige Nachfolgerin; ich habe es immer gewusst. Schon bald ist sie volljährig, und wenn mich meine Krankheit nicht dahinsiechen lässt, darf ich den ‚besonderen Tag’ vielleicht noch miterleben. Dann, und erst dann, darf ich das Geheimnis der Gabe offenbaren. Dann ist meine Aufgabe erledigt. Wenn diesmal alles nach Plan verläuft!

Die Gabe - Kapitel 2InhaltsverzeichnisDie Gabe - Kapitel 4
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