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Vom Vaterland

Erzählung zum Thema Aufbruch


von niemand

Ich war Kind und ich liebte meine Oma. Ja, ich liebte sie sehr. Oma brachte immer etwas mit. Manchmal eine Tüte Drops, manchmal einen selbst gebackenen Kuchen. Immer eine Kleinigkeit, aber genau das was wir Kinder brauchten, in einer Zeit und einem Land in welchem es an vielem mangelte. Omas Haare waren lang. Sie flocht diese zu einem Zopf und drehte ihn dann zu einer Schnecke am Hinterkopf, einer weißen Schnecke, denn Oma hatte weiße Haare. Auch Omas Kleider und Röcke waren lang. Länger als die von Mutter und Tante Else. Oma war Oma und sah deshalb wie eine Oma aus. Auf die Idee, sie könnte einmal anders aussehen kam ich nie.

Oma hatte eine Sehnsucht. Diese Sehnsucht hieß „Vaterland“. Immer wenn sie bei uns war, sprach sie davon und blickte versonnen nach irgendwo. „Oma, was ist ein Vaterland?“ fragte ich sie und Oma sprach von einem Land in welchem alles besser sei. „In diesem Land“, sagte Oma, „bekommst Du was man hier nicht bekommen kann“. „Auch Schokolade und ein Fahrrad?“ fragte ich. „Natürlich“, sprach Oma und ergänzte mit „alles!“

Eines Tages kam mein Vater ein wenig verstört „von zu Hause“ zurück. Vater sprach, immer wenn er zur Oma ging, er ginge nach Hause und er käme von zu Hause, wenn er zurück kam. Mutter war dann ein wenig komisch und auch ich fand, dass sein zu Hause bei uns sein sollte. Vater kam also von zu Hause und sagte, dass Oma jetzt nach drüben geht. „Ins Vaterland?“rief ich. Ja, sagte Vater und dass Oma uns sehr bald nachkommen ließe.

„Ins Vaterland, ins Vaterland!“ rief ich und malte mir einen Berg von Dingen aus, welche ich dann in diesem Land bekäme. „Wann fahren wir denn ins Vaterland, Vater?“ fragte ich und Vater meinte, dass Oma erst dort sein müsste und wir dann mit ihrer Hilfe einen Ausreiseantrag stellen werden.

Zwei Jahre war Oma nun fort. In diesen beiden Jahren bekam ich einen Einblick ins Vaterland, denn Oma schickte uns regelmäßig Päckchen und Pakete mit schönen Sachen. Einmal waren auch Orangen dabei. Das ganze Zimmer roch danach, doch wir bekamen nur eine einzige pro Nase. Sie waren halt etwas Besonderes. Alle Pakete rochen gut. Sie rochen nach Ferne und Unbekanntem. Manches der Pakete kam allerdings zerstört an. Die Schokolade war zerbrochen, der Kakao mit Persil vermischt. So, als gönnte es uns jemand nicht. So, als wäre er neidisch darauf. Egal, denn es war immer ein Fest, wenn der Paketwagen anrollte.

Nach zwei Jahren und einigen Monaten kam ein Brief vom Amt. Wir durften ausreisen. An diesem Tag wusste ich was Glück bedeutet. Ich kann es kaum beschreiben, aber es war so, als ob ein riesiger Engel sich vom Himmel zu mir neigte und flüsterte: „Du darfst jetzt ins Paradies!“ „Ich fahre ins Vaterland“ rief ich in Gedanken, Richtung Himmel, „und das ist bestimmt viel, viel besser!“

Es dauerte einige Wochen bis meine Eltern alles erledigt hatten bezüglich der Ausreise, doch dann kam der Tag, den ich fast nicht abwarten konnte. In mir ist heute noch das Bild, in welchem ich, sitzend im Hinterbereich eines Taxi-Wagens Richtung Bahnhof, in die untergehende Sonne blicke und allem nachwinke was zurück geblieben ist, allem von dem ich mich damals gerne trennte. Später, viel später erst, wuchs in mir der Wunsch nach einer Rückfahrt. Doch in dieser Stunde nicht. In ihr war ich der glücklichste Mensch auf dieser Welt.

Die Ankunft im Vaterland war nicht wie gedacht. Ich glaube, in diesem einen Moment bin ich wohl aus der Kindheit heraus gefallen. In mir war ein Gefühl als bekäme ich viel zu lange Beine und die Arme wuchsen mir aus den Ärmeln heraus, aus den Ärmeln eines Kleides in dessen Muster die Farbe langsam verblasste. Alles war viel gewöhnlicher als ich es mir vorgestellt hatte. Vielleicht war ich ja auch nur im falschen Vaterland angekommen. Aber da war doch noch Oma und die wusste sicher ganz bestimmt wo das richtige liegt.

Ich setzte nun alles auf Oma, auf meine Oma und ihr Vaterland.

Ein paar Tage später stand ich vor ihrer Wohnung. Eine alte Frau machte mir die Tür auf. Das konnte nicht meine Oma sein. Meine Oma hatte ein gütiges Gesicht, sie hatte einen zur Schnecke gedrehten Zopf und sie trug lange Kleider. Diese Frau trug einen kniekurzen Rock und eine Bluse. Eine Dauerwelle umrahmte ihr Gesicht, welches in der Tat dem meiner Oma glich. Doch der Zug um die Mundwinkel war hart, das Gesicht wirkte mürrisch. „Endlich seid ihr da“, sprach sie. An der Stimme erkannte ich sie dann doch. Nach dem Vaterland wollte ich lieber nicht mehr fragen, denn sie vermied beharrlich dieses Wort.

Oma 1 war gestorben, jetzt gab es nur noch Oma 2 und diese redete immer öfter in einer Sprache, welche sie in der Zeit als Oma 1 so hasste. Mein Vater allerdings schien sehr glücklich zu sein, egal ob mit Oma 1, oder Oma 2.

Vater ging weiterhin „nach Hause“. Jeden Tag, nach der Arbeit. Und während ich übers Vaterland nachdachte, hat er das Mutterland wiedergefunden.

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (27.08.2019)
Du hast die Geschichte der verlorenen Illusionen wunderbar erzählt, Irene. Der Vater hat sie freilich nie verloren.
LG
Ekki
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niemand meinte dazu am 28.08.2019:
Dankeschön! Ich freue mich und grüße lieb zurück,
Irene
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Kommentar von Agneta (62) (27.08.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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niemand antwortete darauf am 28.08.2019:
Ich werde es ab und an versuchen, liebe Monika, das mit der Prosa,
obwohl mir ein Gedicht schneller von Hand geht
Mit liebem Dank und lieben Grüßen, Irene
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (28.08.2019)
Du beschreibst die Ausverleibung einer Heimat mit anrührenden Worten.
Wenn sich das gelobte Land der Schokoladenflüsse und Kuchenberge als kalt und trügerisch erweist, stirbt vieles. Unwiderruflich.
Einiges erwacht zu neuem Leben.
Anderes nicht.

Die Sicht eines Kindes ist hier gut gewählt. Denn der Hoffnung auf das Paradies haftet stets etwas Kindlich-Naives an. Einer Hoffnung, die leicht zertreten werden kann.

Liebe Grüße
der8.
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niemand schrieb daraufhin am 28.08.2019:
Vielen Dank für den Kommentar. Ich glaubte garnicht, dass mir
mein Versuch in Prosa gelingen könnte daher freue ich mich darüber. Mit lieben Grüßen, Irene
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Kommentar von Regina (28.08.2019)
Gut erzählt. Die nächsten 150 Jahre darf von Mütterchen Russland geträumt werden. LG Gin
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niemand äußerte darauf am 28.08.2019:
Vielleicht machen das bereits einige, wer weiß
Mit lieben Grüßen und Dank, niemand
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Cora ergänzte dazu am 28.08.2019:
Das machen sogar viele, wie ich weiß. Ich wundere mich nur, dass sie diesen Traum nicht leben, das Mütterchen schließt sie doch so gerne in die Arme.
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Buchstabenkrieger
Kommentar von Buchstabenkrieger (28.08.2019)
Schön erzählt, niemand.

Zum Glück habe ich persönlich so etwas nicht erlebt.

„Wann fahren wir denn ins Vaterland, Vater?“ (KOMMA) fragte ich

hast du öfter ...

LG, Buchstabenkrieger
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niemand meinte dazu am 28.08.2019:
Ich weiß, ich weiß, ich bin ein Komma-Kamel und das sage ich nicht um mich zu entschuldigen, sondern weil ich mit diesen
Häkchen nicht so gut zurecht komme. Bei mir könnte man geradezu ins Komma-Koma fallen Ich werde es nochmals durchgehen. Vielleicht klappt das dann etwas besser.
Mit liebem Dank und lieben Grüßen zurück, niemand
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Veröffentlicht am 27.08.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 28.08.2019). Textlänge: 831 Wörter; dieser Text wurde bereits 87 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.03.2020.
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