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Genre des Tages, 10.08.2020:
Elegie
Die Elegie besteht oft aus Distichen; hat traurige, klagende Inhalte und eine sehnsuchtsvolle, schwermütige Stimmung. In... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

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Traum? Kapitel 22InhaltsverzeichnisTraum? Kapitel 24

Traum? Kapitel 23

Kurzgeschichte zum Thema Meer


von Manzanita

Es ist 3 Uhr morgens.

Ich liege in einem Bett.

Wenn ich richtig hinschaue, liege ich sogar auf meinem eigenen Bett. Zuhause, in Deutschland.

Aber das kann nicht sein.

Wie soll ich denn bitte nach Deutschland gekommen sein? Wer hat mich nach Hause gebracht, wenn nicht meine gestorbene Mutter. Und die wird das ja wohl nicht geschafft haben. Wie also bitte kann das sein, wenn es überhaupt so ist?

Gute Fragen, nur ohne Antwort. So komme ich nicht weiter. Wenn das hier real ist, muss ich irgendwie nach Deutschland gekommen sein, ich kann mich zwar nicht davon überzeugen, aber es ist trotzdem so. Es gibt keine anderen Möglichkeiten.


Neben mir sitzt ein Mann.

Er trägt ein blaues T-Shirt und eine einfache Jeans. Sein Gesicht sieht nicht gerade so aus, als würde er in Deutschland leben. Schon sein ganzer Körper ist ziemlich stark gebräunt, aber sein Gesicht wurde von der Sonne regelrecht überfallen, es ist rot. So rot wie der Rücken meiner Mutter, nach dem Urlaub in Süditalien.

Plötzlich beginnt seine Nase, in seinem Gesicht zu wackeln. Es ist eine dieser hässlichen krummen Nasen, die so streng und ernst aussehen. Erst besucht sie die rechte Seite des Gesichtes, wo sie kurz stehen bleibt, und dann wackelt sie die paar Zentimeter zurück auf die linke Seite, dann kommt sie wieder in die Mitte.

Sobald sie wieder die „Standartposition“ eingenommen hat, fängt der Mann an zu reden. Oder besser: Er fängt an zu schreien. Er scheint sehr wütend zu sein. Aber nicht auf mich, sondern auf jemand anderes. Denn die Sprache, die er spricht, und noch dazu in der Schnelle, kann ich nicht verstehen. Es klingt nach Italienisch, kann aber auch eine andere Sprache sein, die vom Latein abstammt, vielleicht auch Latein selber, nur Französisch war es sicher nicht. Das klingt anders.

Er scheint jemanden anzuschreien. Er muss wirklich sehr wütend sein. Seine Nase ist anscheinend auch sehr wütend, denn sie bewegt sich im Takt der Wörter hin und her. Es sieht sehr lustig aus, aber der Mann meint es bestimmt nicht so.

Plötzlich hört der Mann auf zu reden. Er legt etwas auf den Tisch. Erst dann bemerke ich, dass er die ganze Zeit ein Handy am Ohr gehabt hat, das jetzt auf dem Tisch liegt. Ich bin erleichtert. Er hat nicht mit mir geredet.
Dann wendet er sich mir zu.

„Lieber Sebastian, herzlich willkommen zurück!“

Mein Mund geht auf und wieder zu. Ich weiß nicht, wovon er redete.

„Du bist sicher müde, denn du hast eine lange Reise hinter dir. Aber wie ich dich kenne, stört das deine Neugier ganz und gar nicht. Also werde ich fortfahren. Wie du, und mittlerweile die ganze Welt weiß, ist das Schiff, mit dem deine Mutter und du eine Kreuzfahrt unternommen habt, untergegangen. Bis heute ist der Grund nicht geklärt, aber es hat viel, sehr viel mit Korruption zu tun. Rettungsboote wurden durch Yachten ersetzt, der Kapitän floh ohne die Passagiere zu evakuieren, usw.“

„Ich weiß, ich weiß, das habe ich schon gelesen!“, unterbreche ich ihn, neugierig danach, was er eigentlich mit mir zu tun hat. Vielleicht ist er auch nur ein Reporter, der einen Zeitungsartikel schreiben will. Er sieht zwar nicht danach aus, aber man weiß ja nie…

„Wie du meinst, mein lieber Sebastian, wie du meinst.“ Nein, das ist kein Reporter. „Nach dem du ein paar Tage im letzten Rettungsboot verbracht hattest, kam in einer Nacht ein großer Sturm. Ich weiß nicht, was du getan hast, um ihn zu überleben, aber Fakt ist, dass du es geschafft hast. Und das war auch gut so, denn der Sturm sollte deine Rettung sein. Durch die heftige Strömung wurde dein Boot in die Nähe einer Küste getrieben, die du am nächsten Morgen erblicktest. Wie du es geschafft hast, weißt nur du, jedenfalls fand dich ein Bademeister am nächsten Tag am Strand im Sand. Er rief sofort einen Arzt an, damit du untersucht werden konntest, und man fand heraus, dass du der einzige Überlebende des Schiffes Clara warst. Dann wollte man dich natürlich sofort zu deinen Familienangehörigen bringen, und weil deine Mutter, naja, sie hat es leider nicht...“

„Ich weiß, sie ist tot!“, unterbreche ich ihn. Wieso haben sie mich zu diesem Mann gebracht? Was soll er am Ende mit mir zu tun haben? Ich beginne einen Verdacht zu schöpfen. Aber ich weiß nicht, ob der gut sein soll.
„So ist es leider. Also haben sie dich zu mir, zu deinem…“

„…Vater gebracht“, beende ich seinen Satz. Er ist mein Vater! Er hatte sich scheiden lassen, als ich erst sechs Jahre alt war, deswegen kann ich mich nur noch so schlecht an ihn erinnern. Zumindest konnte ich mich bisher nicht besser an ihn erinnern. Jetzt kann ich es plötzlich wieder.

Es war während meiner ersten Woche in der ersten Klasse. Nach der Einschulung, die am Dienstag stattfand (am Montag hatten wir Erstklässler noch frei), wollte ich jeden Tag mit meinem Vater zur Schule gehen, weil er mir meistens eine schöne Geschichte erzählte. Und so vergingen auch die ersten paar Tage. Aber am Freitag, als Mama mich wie immer weckte und zum Frühstück bringen wollte, da war die Tür zum Schlafzimmer zu. Obwohl meine Mutter schon wach war, und mein Vater es daher auch sein sollte, erklärte meine Mutter mir, dass Papa heute arbeitsfrei habe und noch ausschlafen würde und sie mich daher heute zur Schule bringen würde. Besonders schlimm fand ich das  auch nicht, da mich am Montag ja wieder Papa begleiten würde, aber so kam es nicht. Im Gegenteil, als Mama mich (auch wie immer) von der Schule abholte, sagte sie mir, Papa wäre zu einer langen Reise gerufen worden, von der er vermutlich frühestens an Weihnachten (es war Mitte August) zurückkommen würde. Diese Nachricht brachte mich als sechsjähriges Kind natürlich gleich zum Weinen, wahrscheinlich tat ich es sogar noch stärker als je zuvor. Aber das interessante war, dass auch Mama, bei der ich mich nicht daran erinnern konnte, dass sie jemals geweint hatte, in Tränen ausbrach. Ich denke, wahrscheinlich war es der Instinkt, jedenfalls versuchte ich sie sofort zu trösten. Aber es half nichts. Mama sagte gar nichts mehr. Und so blieb es auch den ganzen Nachmittag lang. Nach dem Mittagessen schloss sie sich in das Schlafzimmer ein, dass immer noch geschlossen war, und kam erst wieder am Abend raus. Zu dem Zeitpunkt war auch ich so aufgewühlt, dass ich in meinem Bett lag und weinte. Ich versuchte zu schlafen, aber dieser Versuch konnte gar kein Erfolg haben, es war ja erst halb sechs. Mama legte sich zu mir und wir trösteten uns gegenseitig. Irgendwann, wir lagen schon ewig lange in meinem Bett, flüsterte sie mir etwas ins Ohr, was ich ziemlich merkwürdig fand, denn wir waren ja allein in der ganzen Wohnung. „In ein paar Minuten kommen dein Opa und deine Oma dich abholen, du bleibst am besten eine Woche bei ihnen.“ Nichts stoppte nun meine Tränen, oder konnte es auch nur versuchen. Ich sollte Mama verlassen, nachdem Papa uns verlassen hatte. Ich bekam Angst um Mama, vielleicht würde sie auch weggehen. Und ich konnte nichts dagegen tun, denn tatsächlich kamen ein paar Minuten später Opa und Oma herein. Sie weinten zum Glück nicht. Ganz im Gegenteil, sie strahlten wahrscheinlich seitdem sie wussten, dass ich eine Woche Extra-Urlaub bekam. Auch mit meinem lautstarken Schreien konnte ich mich nicht dagegen wehren, von ihnen „abtransportiert“ zu werden. Auch sie wollten kein Wort über Papa und Mama reden, sie wechselten dann immer ganz geschickt das Thema. Wir verbrachten die Woche wie vor der Schule in Museen, gingen auf Abenteuerspielplätze usw. Aber keine von den Attraktionen gefiel mir wirklich. Ich wollte einfach nur zurück nach Hause, in die Schule, zu meinen neuen Freunden. Aber dorthin kam ich erst wieder in der dritten Schulwoche. Und Papa, den sah ich seitdem nie wieder. Nicht in der alten Wohnung, nicht in der neuen. Bis heute.

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