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Sonett zum Thema Alter


von Ralf_Renkking

Der Winter hat Witz, denn er kitzelt die Zehen,
der Sommer erfriert, was im Kern er gesteht,
der Frühling lässt sich hin und wieder mal sehen,
der Herbst aber bummelt, er kommt gern zu spät.

Dem Jahr wird ganz anders, ihm ist viel geschehen,
sein wendiges Wetter jagt es quer durchs Beet,
Orkane, die sonnig aus Richtungen wehen,
in denen die Luft aus den Fugen gerät.

Und trotzdem, noch ist es ein Kommen und Gehen,
das nächste Jahr kommt, aber diesem vergeht
letztendlich die Laune, sich ewig zu drehen.

Es opfert sich für die Gesamtentität,
die Stimmung gerinnt, doch die Zeit kommt zum Stehen
für keinen Moment, weil sie sonst sich verdreht.

 
 

Kommentare zu diesem Text


claire.delalune
Kommentar von claire.delalune (16.09.2019)
Klasse, dieses Sonett, auch vom Inhalt her.

Dennoch zwei kleine Anmerkungen:
- ‚Kontinuität‘ - das Wort ist arg unlogisch und fällt (mir). unangenehm auf und lässt Stocken im sonstigen melodiösen Sprachfluss. Das mag gewollt sein, weil es so beim Lesen das Gegenteil bewirkt von dem, was es aussagt. Dann aber erschließt sich mir hier nicht, warum dieser Kniff gewählt wurde. Er trägt aus meiner Sicht nichts zum besseren Verständnis noch etwas zum Inhalt des Gedichts bei.
- die letzte Zeile: Könntest du dir vorstellen, die Worte ‚sonst sich‘ in ‚sich sonst‘ zu drehen? Es entspricht eher dem normalen Sprachfluss, geht leichter über die Lippen. Nun kann auch das wieder gewollt und sprachlicher Kniff sein. Indem durch die Verdrehung das ‚verdrehen‘ vorweggenommen wird. In dem Fall: lassen.

Liebe Grüße
Kathrin
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Ralf_Renkking meinte dazu am 16.09.2019:
Hallo Kathrin,

zunächst einmal danke vorwiegend für den Superkommentar, denn mit der "Kontinuität" habe auch ich so meine Probleme, obwohl der logische Bruch zur vorhergehenden Strophe schon beabsichtigt ist.
Ich tausche es einmal durch "Gesamtentität" aus, und horche mal, was es noch so an Änderungsvorschlägen gibt.
Die Inversion im Letzten Vers ist dementsprechend ebenfalls beabsichtigt, sie bezieht sich nicht nur auf das "Verdrehen", sondern auch auf die Erwartungshaltung "(k)einen Moment" davor.

Ciao, Frank
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claire.delalune antwortete darauf am 16.09.2019:
Oh, ich sehe, ich kann gar keine Korrekturen mehr an meinem Kommentar vornehmen. Mist! Also, inhaltlich wollte ich eh nichts ändern. Aber ich hab gesehen, dass durch die Autokorrektur wieder mal einiges ganz anders da steht, als ich es getippt hatte. Passiert mir am Tablet öfter. Und das hätte ich eigentlich gern behoben. (Z.B. sollte es ‚unlyrisch’ statt ‚unlogisch’ heißen - was ja nun doch eine ziemlich andere Bedeutung hat.) Naja.

Rein sprachlich stolpere ich über die ‚Gesamtentität‘ genauso wie vorher über die ‚Kontinuität‘.
Das liegt auch am Rhythmus bzw an fehlenden Silben in der Zeile.
ZB käme ich, silbentechnisch, mit ‚Gesamtidentität‘ besser zurecht. Dies nur zur Verdeutlichung. - edit: Wobei es auch eine Sache von Betonung ist - grad eben könnte ich es besser im Rhythmus lesen. Hängt vielleicht an der Tageszeit? ;)

Bin auch gespannt, was evtl noch an Vorschlägen kommt.

LG
Kathrin

Antwort geändert am 16.09.2019 um 17:52 Uhr
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Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 16.09.2019:
Gesamtidentität hätte eine Silbe zuviel, wenn Du V. 12 mit bspw. V. 14 vergleichst, kämst Du bei "Gesamtentiät" auf die gleiche Silbenzahl, es könnte also am Metrum liegen, aber auch hier komme ich immer wieder auf den Amphibrachys zurück. Für mich lässt es sich somit flüssig lesen. Vielleicht liegt es aber auch an der Wortmelodie, bzw. der Vokalisierung, und in der Beziehung ist mein Gehör nicht sonderlich geschult, auch mit dem Rhythmus komme ich nicht so ganz klar, wenn es um stauenden, bauenden, strömenden oder fließenden geht, bin ich noch ziemlich aufgeschmissen. und nicht zuletzt ist es das einzige Fremdwort in diesem Gedicht.
Nun, vielleicht kommt ja noch jemand mit einer zündenden Idee, andernfalls muss ich es erst mal sacken lassen.

Ciao, Frank
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claire.delalune äußerte darauf am 16.09.2019:
Ja. Und jetzt weiß ich damit auch, was mich aus dem Rhythmus bringt.

Vers 9 und 11 haben je 12 Silben. Damit brichst du in Vers 12 (11 Silben, wie Vers 14 auch). Und dadurch stolpere ich beim Lesen, weil ich in dem Takt von zuvor weiterlese(n möchte).

Gut‘s Nächtle!
Kathrin
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (16.09.2019)
Hallo Ralf,
ich habe etwas Schwierigkeiten mit dem Bewusstsein des Jahres.
Meine Empfehlung gilt der Form des Sonetts, die du wie immer sehr gut meisterst.
Servus
Ekki
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Ralf_Renkking ergänzte dazu am 16.09.2019:
Hallo Ekki,

danke für Deinen Kommentar, und ich eigentlich auch, die vier Persönlichkeiten in ihm sind wohl durch das Alter völlig aus dem Ruder geraten, und, ja nun, Demenzerkrankungen schlagen sich manchmal erst sehr spät körperlich nieder. Vielleicht zerstört sich dieses Sonett am Ende des Jahres ja auch automatisch.

Ciao, Frank

P.S.: ... und danke auch für die Empfehlung.

Antwort geändert am 16.09.2019 um 14:20 Uhr
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (16.09.2019)
Das Jahr braucht seine Jahreszeiten, sonst ist es kein Jahr. Ein Menschenleben braucht all seine Entwicklungsstufen, um letztlich vollendet werden zu können. Manchmal gehen die Jahreszeiten ineinander über oder geraten komplett durcheinander. Manchmal läuft auch im Leben einiges aus dem Ruder. Das ist aber auch ein Naturgesetz.
Schönes Sonett und gut verreimt

Liebe Grüße
Kerstin
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Veröffentlicht am 16.09.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 16.09.2019). Textlänge: 107 Wörter; dieser Text wurde bereits 57 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.10.2019.
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