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Ein starkes Stück

Groteske zum Thema Abstraktes


von Paul207

EIN STARKES STÜCK
von Paul Braunsteiner

„Dass sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden!“ W sah sein Gegenüber nach langem Studium des Papiers in seinen Händen an und reichte es ihm. „Dass sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden“, bekräftigte er seine vorhin gesprochenen Worte, wandte den Blick von seinem Gegenüber ab, L zu, und wartete.
„Ja, dass sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden!“, ergriff nach langem Studium des Papiers das Gegenüber von W das Wort, sah auch zu L, reichte ihm das Papier und lehnte sich in seinem Stahlrohrsessel zurück. L musste sich weit vorbeugen, um das Papier von seinem von ihm leicht links sitzenden Gegenüber ergreifen zu können.
„Eindeutig. Wenn sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden.“ Die drei sich gegenüber Sitzenden waren nach langem und eingehenden Studiums des Papiers einer Meinung.
„Das Ganze steht auf Messers Schneide, oder nicht?“ Ruhig, aber mit nervösem Unterton stellte P die Frage in den Raum. Da ging die Stahlrohrtür auf und K betrat mit G den Stahlrohrraum Einhundert. K bekam sofort von L das Papier ausgehändigt, er solle es hier und jetzt lange und eingehend studieren, das Ganze stünde auf Messers Schneide. K bot rechts neben sich G einen Platz an und setzte sich ebenfalls in einen der Stahlrohrstühle, blickte seine vier Gegenüber an und studierte dann lange und eingehend das Papier.
„Ganz klar, das Ganze steht auf Messers Schneide. Dass sie sich aber nur nicht ins eigene Fleisch schneiden!“, sprach K und gab das Papier an G weiter.
G riss K fast das Papier aus dessen linken Hand und vertiefte sich in das Papier, um es lange und intensiv zu studieren. Die Anderen sahen G gespannt an und warteten. Dann sprang G wie von der Tarantel gestochen auf und drehte sich halb um die Achse, so dass ihr Stahlrohrsessel umstürzte.
„Ein abgekartetes Spiel. Der Bogen ist überspannt!“ G´s Worte kollerten wie Giftpilze durch die Luft, die auf einmal wie zum Schneiden dick war. W erhob sich, ging zum Stahlrohrfenster und schaute lange durch die Stahlrohrscheibe auf die Stahlrohrlandschaft hinab.
„Ja, der Bogen ist überspannt. Dass sie sich aber nur nicht schneiden!“ W trat vom Stahlrohrfenster zu seinem Stahlrohrstuhl, nahm wieder Platz und musterte seine Gegenüber. B, links von K sitzend, ergriff zum ersten Mal das Wort.
„Ich sage, der Bogen ist überspannt. Das Ganze steht auf Messers Schneide. Es ist eindeutig ein abgekartetes Spiel. Aber dass sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden!“ Er sah durch seine Stahlrohrbrille seine Gegenüber an und lehnte sich in seinem Stahlrohrsessel zurück. In diesem Moment schlug die Stahlrohruhr zwölf und wie auf Knopfdruck sprangen Alle auf, um sich in die Stahlrohrkantine zu begeben.
Eine halbe Stunde später glitt die Stahlrohrtür zum Stahlrohrbüro auf und die Belegschaft betrat, aus der Stahlrohrkantine kommend, den Raum.
B nahm an der Ostseite des runden Stahlrohrtisches Platz, K rechts seitlich, also nordöstlich, G direkt gegenüber zu B, L schräg gegenüber nordwestlich und W links von B. Da summte es im Kopierer, der auf einem Stahlrohrbüromöbel an der Nordseite des Stahlraumbüros stand und ein Papier ausspuckte.
„Ah, der Kopierer hat das erwartete Papier ausgespuckt.“ B erhob sich aus seinem Stahlrohrstuhl, ging um K herum zum Stahlrohrkopierer und nahm das ausgespuckte, erwartete Papier an sich. L hob den Blick und sah an G vorbei W an.
„Ein starkes Stück!“, entrüstete sich L, noch immer W im Visier habend. „Allerdings, ein starkes Stück! Da können sie Gift drauf nehmen.“
Erwartungsvoll richteten sich nun alle Blicke auf B, der das erwartete Papier lange und genauestens studiert hatte, jetzt seine Stahlrohrbrille abnahm und das Blatt endlich an den schräg links von ihm sitzenden W weiterreichte.
„Das ist in der Tat ein starkes Stück. Die wollen auf Teufel komm raus uns das Wasser abgraben, da können sie Gift drauf nehmen.“ B war sich seiner Sache ganz sicher. W, der lange und gewissenhaft das von allen erwartete Papier studiert hatte, lehnte sich langsam in seinem Stahlrohrstuhl zurück und mit kleinen Schweißperlen auf seiner Birne sagte er: „Das ist aber ein starkes Stück. Die haben uns aufs Korn genommen und wollen uns das Wasser abgraben!“
G, L und K hatten nacheinander im Stahlrohruhrzeigersinn das Papier erhalten und es in selbiger Reihenfolge lange und sorgfältigst studiert.
„Ja ist es zu glauben; ein wirklich starkes Stück!“, war die einhellige Meinung. „Dass sie sich nur nicht schneiden, die wollen auf Teufel komm raus uns die Butter vom Brot nehmen.“
K, der das Papier als Letzter lange und intensiv studiert hatte legte es vor sich zu dem anderen Papier auf den runden Stahlrohrtisch.
Die Belegschaft des Stahlrohrbüros Einhundert  des Stahlrohrbetonturmes wurden aus ihren Überlegungen, die Papiere betreffend, aufgeschreckt, als sich plötzlich die Stahlrohrtür öffnete und N mit O das Stahlrohrbetonbüro betrat.
„Wieso haben sie uns zusammengetrommelt?“, wollte N ungeduldig wissen, nachdem er den freien Stahlrohrstuhl direkt zu linker Hand B 's von K angeboten bekommen hatte. G wies O an, doch zwischen W und ihr Platz zu nehmen. K sah unverwandt sein jetzt Gegenüber, O, an und in seiner Stimme schwang Besorgnis mit: „Wir haben zwei brisante Papiere erhalten, welche wir, glauben sie mir, lange und intensivst studiert haben. Die Brisanz dieser Papiere haben uns gezwungen, uns alle zusammenzutrommeln. Lesen sie selbst.“
K nahm die zwei Papiere und reichte sie an B vorbei an N, der sich mit den Papieren in seinem Stahlrohrstuhl bequem zurücklehnte und anfing, sie lange und auf das Genaueste zu studieren. Alle Blicke waren  nun auf N gerichtet. Die Stille im Stahlrohrbetonbüro tropfte ölig von den Stahlbetonrohren und die auf einen Kommentar von N Wartenden saßen wie auf heißen Kohlen in ihren Stahlrohrsesseln.
Endlich hatte N die Papiere fertig studiert, übergab mit vielsagender Miene O die Papiere und nach einer schier endlos scheinenden Pause sagte er: „Das ist ein starkes Stück! Dass sie sich aber nur nicht ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie uns das Wasser abgraben wollen. Der Bogen ist überspannt. Wir werden alles auf eine Karte setzen!“
O, der während der Worte N 's die Papiere fertig studiert hatte, legte sie zurück auf den Stahlrohrtisch, stand auf und ging sinnend im Stahlrohrbetonbüro auf und ab. Schließlich blieb er hinter L stehen, trat links von L und rechts von K an den Stahlrohrtisch, stützte sich mit beiden Händen darauf ab und sagte mit fester Stimme: „ Ich sehe, sie wollen auf Teufel komm raus den Bogen so weit überspannen, dass das Fass überläuft, aber dass sie sich nur nicht schneiden! Das sind ja Zustände wie im alten Rom.“
Plötzlich läutete das Stahlrohrtelefon. L, der am nächsten saß, hob ab. „Hier Stahlrohrbüro Einhundert … nein, das war früher … nein, jetzt nicht mehr, … das machen wir schon lange nicht mehr … bitte sehr, gerne.“
Die Zeit des Telefonats hatten alle außer L genutzt, nochmals die Papiere lange und auf das Eingehendste zu studieren, um ja nichts zu übersehen. L nahm wieder Platz und sah die Anderen fragend an.
Alle müssten jetzt an einem Strang ziehen und Farbe bekennen, sonst sei der Ofen aus, meinte W, links neben N sitzend und das erwartete Papier, also das, das der Stahlrohrkopierer ausgespuckt hatte, wieder auf den Stahlrohrtisch zurücklegend. Jeder im Stahlrohrbetonbüroraum Einhundert war sich einig, jetzt ja nur am selben Strang zu ziehen, sonst schneidet man sich ins eigene Fleisch und der Ofen ist aus. Man wisse schließlich ja, wo es warm rauskommt.
Da wurde die Stahlrohrtür aufgerissen, F steckte seinen Kopf herein und rief aufgeregt: „Sie sollen alle augenblicklich zu einer dringenden Anhörung  in Stahlrohrkommissionsbüroraum Achtzig erscheinen!“
„Die wollen uns doch nur ins Bockshorn jagen, da lege ich meine Hand ins Feuer.“ W bat die links neben ihm sitzende G inständig, sich nur ja nicht das Wasser abgraben und ins Bockshorn jagen zu lassen, wenn sie vor den leitenden Kommissionsmitgliedern in Stahlrohrbüro Achtzig stünden, die sicher auf Teufel komm raus versuchen würden, ihnen das Wasser abzugraben.
„Der Ofen ist noch nicht aus, wir werden alle Register ziehen und die Fackel weiterreichen! Die werden sich noch ins eigene Fleisch schneiden!“
„Jawohl, die Karten sind neu gemischt. Jetzt gilt es, an einem Strang zu ziehen!“ K, der am nächsten bei der Stahlraumtür saß, sah an B vorbei direkt zu N und trug ihm auf, beide Papiere in die von L bereitgelegte Stahlrohrmappe zu stecken und mitzunehmen. Dann standen Alle von ihren Stahlrohrsesseln auf und verließen einer nach dem anderen das Stahlrohrraumbetonbüro Einhundert. Im Stahlrohrexpressaufzug zu Ebene Achtzig bestärkte sich die eingeschworene Gemeinschaft von Stahlrohrbüroraum Einhundert noch ein letztes Mal, sich nur ja nicht das Wasser abgraben zu lassen, sondern der Kommission die Stirn zu bieten um Oberwasser zu behalten.
Der Prunkstahlrohrraum des Prunkstahlrohrbetonraumbüros Achtzig, in dem sich die Untersuchungskommission eingerichtet hatte, war ein geräumiger Prunkstahlrohrbüroraum. Wenn man durch die Doppelflügelprunkstahlrohrtür eintrat, war die rechte Längsseite durch ein großes Prunkstahlrohrfenster, das einen weiten Blick auf die Stahlrohrlandschaft zuließ, unterbrochen. Auf der linken Seite  stand  längsseits ein langer, solide gebauter Prunkstahlrohrtisch, an dem wandseits die Kommissionsmitglieder in Prunkstahlrohrstühlen Platz genommen hatten. An der anderen Seite des langen Stahlrohrprunktisches, also davor, standen sieben einfache, leere Stahlrohrsessel. Die Heraufgerufenen wurden aufgefordert, sich zu setzen.
B setzte sich genau in die Mitte, konnte deshalb direkt  Kommissionsmitglied A über den Prunkstahlrohrtisch hinweg ansehen. N, links neben B sitzend saß so, dass er Kommissionsmitglied U direkt ins Gesicht sehen konnte, G, wiederum links von N sitzend, hatte Kommissionsmitglied P vor sich und L war der Reihenletzte auf der linken Seite von B, der rechts neben sich K sitzen hatte, dem das Kommissionsmitglied D, das links von A saß, ins Gesicht sehen konnte. Rechts neben K kam W zu sitzen, dem rechts O zur Seite saß. Kommissionsmitglied E hatte W und Kommissionsmitglied Z, O vor sich.
„Wir haben sie herzitiert, da die Sache unter den Nägeln brennt.“ Kommissionsvorsitzender A stand auf und blickte die Herzitierten der Reihe nach, von l nach r an, also von O zu L. „Ich nehme an, die Papiere, die sie mitbrachten, hatten sie lange und eingehend genug studiert?“ Die Frage schnitt wie ein Bleiklotz in die nach Stahlschäften riechende Atemluft. A nahm wieder Platz, griff in die Innentasche seines prunkstahlrohrfarbenen Sakkos und zückte einen Prunkstahlrohrstift, klopfte damit mehrmals auf die vor ihm liegenden, von den Herzitierten mitgebrachten Papiere, wie um damit die Brisanz der Sache deutlich zu machen.
Herzitierter B, direkt gegenüber A sitzend, nahm das Heft in die Hand und antwortete im Namen aller Herzitierten: „Ich kann, glaube ich – und dabei blickte er die anderen Herzitierten an, zuerst N, dann G und L, also die linksseitig von ihm sitzenden Herzitierten, dann die rechtsseitig sitzenden K, W und O – für alle hier Herzitierten sprechen, wenn ich rund heraus sage, wir lassen uns nicht um die Burg das Wasser abgraben und auf Teufel komm raus schon gar nicht. Wenn sie uns entgegenkommen, kommen wir ihnen auch entgegen.“
B rückte seine Stahlrohrbrille zurecht und sah in die Runde. Seine Rede hatte Staub aufgewirbelt. Die Kommissionsmitglieder P und E erhoben sich aus ihren Stahlrohrprunkstühlen, begaben sich zu A, bückten sich leicht zu A hinunter und alle drei steckten die Köpfe zusammen, um sich leise auszutauschen. Ah, sie tauschen sich aus, dachte der neben W rechtsseitig sitzende O, sonst hätten sie nicht die Köpfe zusammengesteckt. Da winkte auch Herzitierter A seine Mitherzitierten zu sich, um sich auch mit ihnen auszutauschen. L, G, W und O mussten dazu aufstehen, zu A hingehen und  um ihre Köpfe zusammenstecken zu können, sich zu A hinunterbeugen. N, linksseitig und K rechtsseitig von B sitzend, brauchten sich nur zu B hinab zu beugen, um auch ihre Köpfe mit den anderen zusammenstecken zu können. Die Kommissionsmitglieder sahen natürlich auch, wie die von ihnen herzitierte Belegschaft von Stahlrohrbetonraumbüro Einhundert sich mit zusammengesteckten Köpfen austauschten.
„Ich muss schon sehr bitten!“ Stahlrohrkommissionsvorsitzender A klopfte mit seinem Prunkstahlrohrstift jetzt energisch auf die Prunkstahlrohrtischplatte. „Wir sind hier nicht im Zirkus! Mir reißt gleich der Geduldsfaden. Dann können sie die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben. Sie klopfen auf den falschen Busch, wenn sie glauben die Fackel an uns weiterreichen zu können.“
Jetzt wurde es B zu bunt. Auch K rechts neben ihm kochte. „Dass sie sich nur nicht schneiden“, sagte B in Richtung A. „Wir werden nicht für sie die Kastanien aus dem Feuer holen, die Würfel sind gefallen!“, legte K nach und knallte A die Papiere hin. „Haben sie überhaupt die Papiere so lange und auf das Genaueste studiert wie wir? Da liegt nämlich der Hase im Pfeffer!“
Sämtliche Kommissionsmitglieder sprangen wie von der Tarantel gestochen auf. „Wenn sie uns nicht entgegenkommen, können wir ihnen auch nicht entgegenkommen. Wenn sie sich lange spielen, werden wir ihnen das Wasser abgraben. Aber malen wir nicht gleich den Teufel an die Wand. Ich habe uns hier zusammengetrommelt, um reinen Tisch zu machen!“
Vorsitzführender A wies seine Kollegen an, sich wieder zu setzen.
B, jetzt wieder ruhiger, nahm erneut Vorsitzführenden A aufs Korn. Er wollte es nicht auf sich sitzen lassen, diese brisante Sache in die Schuhe geschoben zu bekommen. Er nahm seine  Stahlrohrbrille vom Kopf und putzte sie langsam und bedächtig mit etwas Stahlwolle und sprach: „Vorsitzführer A, werte Kommissionsmitglieder. Sie haben uns hier zusammengetrommelt, aber schneiden sie sich nur nicht, wenn sie glauben, uns das Wasser abgraben zu können. Das Fass ist kurz vorm überlaufen. Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen. Ich lege ihnen nahe, noch einmal, und zwar auf das Genaueste und Intensivste, die vor ihnen liegenden und von uns vorgelegten Papiere zu studieren, um ja nichts zu übersehen.“
Das hatte gesessen! Die Kommissionsmitglieder sammelten sich erneut um Vorsitzführenden A, steckten die Köpfe zusammen um sich auszutauschen.
Die Heraufzitierten aus Stahlrohrbüro Einhundert atmeten auf und glaubten wieder Oberwasser zu haben.
Die Nachmittagsstahlrohrsonne legte durch das große Stahlrohrprunkfenster ein mildes Licht in den Prunkstahlrohrraum und ließ den Stahlrohrfussbodenprunkbelag glitzern und gleißen. Eine friedliche, erhabene Stimmung erfasste Alle und schien in jedes klitzekleine Stahlrohratom hineinzukriechen.
F, anscheinend Mädchen für Alles, bekam vom Vorsitzführenden A die zwei von B mitgebrachten Papiere mit der Anweisung ausgehändigt, Kopien für alle Kommissionsmitglieder anzufertigen, die F auch tatsächlich in dem an der hinteren, also westlich ausgerichteten Prunkstahlrohrwand stehenden Stahlrohrprunkkopierer anfertigte.
Die Kommissionsmitglieder unter Vorsitz von A hatten ihre Plätze wieder eingenommen und jeder hatte eine Kopie dieser höchst brisanten Papiere in den Händen. Sie begannen, diese als äußerst brisant eingestuften Papiere wirklich lange und auf das Eingehendste und Intensivste zu studieren, um nur ja nicht etwas zu übersehen. Die Spannung, die diese Ruhe der Konzentration zäh wie Samt knisternd durchfloss, wurde fast unerträglich.
Noch bevor im Prunkstahlrohrsaal Achtzig die Kommissionsmitglieder unter Vorsitz von A durch langes und eingehendes Studium der brisanten Papiere zu einer Entscheidung kamen, leuchtete der grossflächige Stahlrohrprunkholofonschirm, der fast die gesamte Südwand neben der doppeltürigen Stahlrohrprunksaaltür einnahm, mit einem metallischen Summton auf. Alle Augenpaare richteten sich auf die mit einem silbriggrün farbigen Protzprunkstahlrohrumhang gekleidete Gestalt des Obergleichrichters X, der sich leicht aus seinem in den Farben der Obergleichrichter gehaltenen, also silbriggrünen Stahlrohrprotzprunkstuhl nach vorne beugte und mit einer ins Fleisch schneidenden Stimme sprach: „Das Obergleichgericht erwartet sie in einer Stunde in Obergleichrichterstahlrohrprotzprunksaal Zwei!“ Genau so plötzlich wie er  erschienen war, verschwand er auch wieder vom Schirm.
„Das ist ja ein starkes Stück!“ Kommissionsvorsitzführender A war der Erste, der Worte fand. „Dass sie sich nur nicht schneiden!“, rief auch W und L wie aus einem Munde. „Wir lassen uns doch nicht ins Bockshorn jagen.“ Jetzt riefen Alle durcheinander, „sie wollen uns das Wasser abgraben“ und „dass sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden“.
Eines war jedem jetzt klar: sie hatten oben Wind von der jetzt noch brisanter scheinenden Sache, den Papieren, bekommen. Die Papiere schienen noch um einiges brisanter zu sein als angenommen. Jetzt galt es, auch zusammen mit den Kommissionsmitgliedern, an einem Strang zu ziehen.
Alle Kommissionsmitglieder und die ganze Belegschaft von Stahlrohrraumbüro Einhundert steckten ihre Köpfe zusammen und tauschten sich aus. Es galt jetzt, sich nur ja nicht das Wasser abgraben zu lassen, man müsse an einem Strang ziehen. Die Würfel wären gefallen. Es dürfe nicht sein, dass das Fass überläuft.
Pünktlich wie die Maurer standen die Kommissionsmitglieder von Stahlrohrprunkebene Achtzig und die Belegschaft aus Stahlrohrebene Einhundert vor dem vierflügeligen Stahlrohrprotzprunktor des Protzprunkstahlrohrobergleichrichtersaales Zwei und harrten der Dinge, die da kommen wollten.
C, offensichtlich das Mädchen für alles hier auf Ebene Zwei, öffnete langsam das vierflügelige Protzstahlrohrprunksaaltor zu Obergleichrichterstahlrohrprotzprunksaal Zwei und sie durften eintreten.
Der Stahlrohrprotzprunksaal der Obergleichrichter hatte gewaltige Ausmaße und nahm die gesamte Ebene Zwei ein. Acht riesige, in silbriggrüner Farbe eingerahmte Stahlrohrprotzprunkfenster unterbrachen die sicher gut und gerne circa so an die sage und schreibe etwa 38 mal 9 Meter messende Nordwand und füllten den Protzprunkstahlrohrsaal mit bleikristallenem Hololicht. Quer in der Saalmitte stand  silbriggrün der Stahlrohrprotzsaalprunktisch. Dahinter, fensterseitig und damit nördlich, saßen in der Mitte Erster Obergleichrichter X, links von ihm Obergleichrichter Y und rechts Obergleichrichter T in den silbriggrün gehaltenen, reich mit Gleichrichterfigürchen geschmückten Stahlrohrprotzprunkstühlen. X hatte seine ausladende Mütze auf, die ihn durch ihre reich mit Darstellungen aus dem Gleichrichteralltag verzierten Flächen als Ersten Obergleichrichter auszeichnete.
C schien genaueste Instruktionen zu besitzen, wohin die Eingetretenen zu führen seien, denn die Kommissionsmitglieder U, A und P mussten die drei einfach gehaltenen Protzprunkstahlrohrstühle linker Hand von Obergleichrichter Y, das heißt an der linken Schmalseite des Protzprunkstahlrohrtisches besetzen und die Kommissionsmitglieder D, E und Z in den an der rechten Schmalseite der Protzstahlrohrprunktisches stehenden, auch einfachen Protzprunkkotzstahlrohrstühlen Platz nehmen. Die Belegschaft von Stahlrohrraumbüro Einhundert wurde von C zu den sieben noch einfacher gestalteten Stahlrohrprotzprunksesseln geführt. Eigenartigerweise mussten die Belegschaftsmitglieder von Ebene 100 genau in der Anordnung vor dem Stahlrohrprotzprunktisch Platz nehmen, in der sie unten, in Stahlrohrprunkraum Achtzig vor der Kommission gesessen hatten. Offenbar waren Informationskanäle ohne Wissen der Heraufbefohlenen evakuiert und gleichgerichtet worden.
„Jetzt ist Feuer am Dach“, murmelte B nach links zu N, „aber die werden sich ins eigene Fleisch schneiden.“ K beugte sich nach links zu B und raunte ihm zu: „Die wollen auf Teufel komm raus uns das Wasser abgraben.“ B warf Kommissionsmitglied A, der von ihm aus an der rechten Schmalseite des Protzprunkstahlrohrtisches zwischen U und P saß, einen vielsagenden Blick zu, worauf langsam A aufstand, den Ersten Obergleichrichter X ruhig ansah und sagte: „Wenn sie glauben, der Ofen sei aus, schneiden sie sich ins eigene Fleisch. Sie wollen auf Teufel komm raus uns allen hier das Wasser abgraben. Überspannen sie nicht den Bogen!“
Kaum hatte sich A wieder gesetzt, ergriff Kommissionsrechner E, von B aus links an der Schmalseite zwischen D und Z sitzend, das Wort: „Aber wenn sie uns entgegenkommen, kommen wir ihnen auch entgegen. Wir lassen uns nicht so mir nichts dir nichts ins Bockshorn jagen. Ich lege ihnen hiermit zwei Papiere vor, deren Inhalt sie, wenn sie sie genügend lange und auf das Intensivste studiert haben, als höchst brisant und als starkes Stück einstufen werden.“
Erster Obergleichrichter X, der bis dahin geschwiegen hatte, zeigte keine Eile, die ihm von E überreichten Papiere an sich zu nehmen, ja er legte sie sogar unbeachtet vor sich auf den mächtigen, silbriggrünen Protzprunkstahlrohrsaaltisch.
„Wie lange und intensiv ich die Papiere zu studieren habe, lassen sie meine Sorge sein!“, herrschte er den Kommissionsrechner E an.
„Und überhaupt: Das ist die Höhe! Sie wollen hier auf Teufel komm raus mit dem Kopf durch die Wand?! Dass sie sich nur nicht schneiden, wir sitzen auf dem längeren Ast. Wenn ich sie mir alle vorgeknöpft habe, werden sie sich warm anziehen müssen!“ Der Erste Obergleichrichter war aufgestanden, zu einem der riesigen Protzprunkstahlrohrsaalfenster hingegangen und blickte lange durch das silbriggrün irisierende Protzstahlrohrprunkfensterstahlrohrglas auf die weite Stahlrohrlandschaft.
Diese Zeit wollten die Heraufbefohlenen nutzen, um ihre Köpfe zusammenzustecken und sich auszutauschen, doch wurden sie sofort von den Obergleichrichtern T und Y zusammengestaucht wie daheim bei Muttern, sie haben ihre Plätze bis auf weiteres nicht zu verlassen. Man sei hier nicht bei den Hottentotten.
Wie auf Kommando trat C, Mädchen für alles hier auf Protzprunkstahlrohrsaalebene Zwei, an den Stahlrohrprotzprunksaaltisch,  nahm die Papiere und ging beflissen zu dem großen Protzprunkstahlrohrsaalkopierer an der Südwand, um Kopien für die Obergleichrichter T und Y zu erhalten, die er, wieder zurück, ihnen mit devoter Haltung vorlegte.
Erster Obergleichrichter X ging nun schnellen Schrittes zu seinem Platz und setzte sich wieder zwischen T und Y. Zielstrebig nahmen er, T und Y jetzt die zwei Papiere  und blätterten sie  durch, wie um sich erst einmal einen groben Überblick verschaffen zu wollen.
Aha, gleich werden sie sie lange und eingehend studieren, dachten alle im Protzstahlrohrprunksaal. Und tatsächlich fingen sie an, die Papiere lange und wirklich auf das Genaueste zu studieren, um nur ja nichts Wichtiges zu übersehen.
Wie in einem einstudierten Ritus öffneten sich auf einmal die vier Flügeln des Protzprunkstahlrohrprotztores und zwei Mitarbeiter des Obergleichgerichtes führten Stahlrohrprotzprunkwägelchen mit Erfrischungen herein. Zuerst wurden die Kommissionsmitglieder von Ebene Achtzig bewirtet, dann erst die Belegschaft von Ebene Einhundert. Aus silbriggrünen Stahlrohrprotzprunkkannen wurden Säfte ausgeschenkt, die in hohen, silbriggrün glitzernden Gläsern serviert wurden.
„Aufstehen!“ Der Gleichrichtergerichtsdiener R war unbemerkt angetreten, „das Obergleichrichtergericht verlautet!“
Der Erste Obergleichrichter legte die Papiere vor sich hin, nahm seine silbriggrüne Stahlrohrprotzprunkbrille ab und  sprach: „Also das ist ein starkes Stück! Nein, das ist das stärkste Stück, das mir je untergekommen ist. Auch dass man den Bogen so dermaßen überspannen kann, hätte ich nie geglaubt. Das ist der überspannteste Bogen überhaupt! Mehr überspannen kann man den Bogen nicht. Deshalb wird das Obergleichrichtergericht nicht auf Teufel komm raus mit dem Kopf durch die Wand, sondern die Karten neu mischen. Wenn jemand glaubt, wir lassen uns den Schneid abkaufen, so schneidet er sich ins eigene Fleisch. Die Würfel sind gefallen! Das Obergleichrichtergericht zieht sich zur Beratung zurück!“
Soeben wollten sich die Obergerichtsgleichrichter erheben, da erscholl eine Stimme aus offenbar im ganzen Stahlrohrprotzprunksaal verteilten, verborgenen Lautsprechern:
„Stahlrohrpompprotzprunkebene Eins. Alle Anwesenden in Stahlrohrprotzprunksaal Zwei augenblicklich auf Stahlrohrpompprotzprunkebene Eins in Pompprotzprunkstahlrohrspiegelhalle Eins kommen!“
Die Obergleichrichter, die Kommissionsmitglieder und die Belegschaft von Einhundert, Alle erstarrten augenblicklich. Das war ja ein starkes Stück! Pompprotzprunkstahlrohrspiegelhalle Eins befahl sie hinauf! Das konnte nur eines bedeuten: jetzt geht es um die Wurst! Man will uns das Wasser auf Teufel komm raus abgraben. Aber nur ja nicht jetzt aufstecken, es gilt  nun umso mehr am selben Strang zu ziehen.
Und so steckten sie die Köpfe zusammen und lebhaft durcheinander diskutierend tauschten sie sich aus.
„Dass sie sich nur nicht schneiden! Die klopfen bei uns auf den falschen Busch. Der Bogen ist damit überspannt. Wir lassen uns das Wasser nicht abgraben. Jetzt geht es um die Wurst!“, sprach Erster Obergleichrichter X und Alle nickten bejahend. Kommissionsmitglied A legte sorgfältig die brisanten Papiere in seine Stahlrohrmappe und hielt sie fest an sich.
Sie bestärkten sich noch einmal, auf jeden Fall an einem Strang zu ziehen und so geeinigt machte man sich auf den Weg zu Pompprotzprunkstahlrohrspiegelhalle Eins, auf der sehr hoch gelegenen Ebene Eins, die dem  Obersten Evakuator direkt unterstand. Die Hinaufbefohlenen fuhren mit dem Pompprotzprunkstahlrohrexpressaufzug hinauf zu Ebene Eins.
Die Tür des Pompprotzprunkstahlrohrexpressaufzuges glitt auseinander und sie standen in einem sehr hohen, sicher so an die gut und gerne circa ungefähr in etwa neunundsechzig Meter hohen, rund gebauten, an eine Eingangsstahlrohrhalle einer typischen Gleiterstation erinnernden Raum. Vor ihnen stieg eine breite Treppenflucht empor zu einer dunklen, fahl glitzernden, die Treppe abschließenden Stahlrohrfront von, das sahen sie gleich, auserlesenster Qualität. Die Stahlrohre waren erste Wahl, aus dreimal umgesintertem und ebenso dreimal vorverstärkten Stahlrohredelstahl.
Einen inneren Halbkreis in kurzem Abstand zur Wand bildeten lieblich  verzierte Stahlrohrgefäße, in denen naturgewachsene, wunderschön stahlrohrfahlfarben blühende Stahlröhrchenblümchen gedeihten, die, in der bestehenden Stahlrohrnatur als für lange schon ausgestorben galten, aber für die Pompprotzprunkstahlrohrsaalebene Eins vermutlich extra angezüchtet worden waren.
In regelmäßigen Abständen flossen die Stahlrohrwände wie an Wasserfälle erinnernde breite Bahnen von winzigen, pseudoreal verstofflichten und hochglänzend polierten Holokülen aus schmalen, langen, knapp unter der Stahlrohrraumdecke befindlichen  Schlitzen hinunter. Die Holokülfälle verschwanden in ebensolchen Öffnungen im stahlrohrfahlfarbigen Bodenbelag der Pompprotzprunkstahlrohrempfangshalle Eins. Zwischen diesen Holokülkaskaden waren Stahlrohrreliefs, die Darstellungen aus dem Evakuieralltag zeigten, in überwältigender Pseudo-Realität und auch aus den teuersten Edelstahlrohren gefertigt.   
Wie die Heraufbefohlenen feststellen konnten, war die gesamte Halle in diesen edlen Materialien gehalten. Das Licht schien aus verborgenen Quellen zu kommen und wälzte sich stahlrohrfahl, in pulsierenden Wolken durch die Pompprotzprunkstahlrohrempfangshalle.
Da öffnete sich die Stahlrohrfront oberhalb des Stahlrohrstiegenendes. Anscheinend erwartete man dort oben die Heraufbefohlenen. Also machten sich die Heraufbefohlenen auf den Weg. B zählte im Stillen mit, es waren in etwa so an die gut und gerne vierhundertundeinundzwanzig Stufen. Noch nie waren sie auf dieser Ebene  gewesen, zu Ebene Eins hatten normalerweise - wenn überhaupt – nur die Wichtigsten der oberen Zehntausend Zugang und sogar die hatten sich nicht frei auf der Ebene Eins zu bewegen, sondern durften nur bestimmte markierte Bereiche betreten.
Die Zeit zog sich endlos wie ein Strudelteig hin, denn den Heraufbefohlenen kam beim Hinaufstapfen der Pompprotzprunkstahlrohrstufen die Zeit unendlich und das Hinaufsteigen mit jeder erklommenen Stufe um vieles anstrengender vor. So quälten sie sich hinauf und leise vor sich hin fluchend verließ sie nach und nach der Mut und die Resignation wollte Oberhand gewinnen.
Doch sie wollten noch nicht das Handtuch werfen! Wir werden uns nicht ins eigene Fleisch schneiden, keuchte auf Stufe dreihundertunddreiundachtzig mit letzter Anstrengung Obergleichrichter X zu den auch Ächzenden. „Nur Mut, die da oben wollen, dass wir die Flinte ins Korn werfen und uns uns die Kugel geben. Wir müssen gerade jetzt am selben Strang ziehen. Wir werden uns nicht die Kugel geben! Der Bogen ist endgültig überspannt!“
Alle Heraufbefohlenen schöpften durch die Aufmunterung des Obergleichgerichtsrichters erneut neue Kraft. Nein, man wolle sich  jetzt erst recht nicht die Kugel geben.
Endlich standen sie oben am Pompprotzprunkstahrohrtreppenende vor dem Eingang des Stahlrohrpompprotzprunkspiegelsaales Eins. Der Spiegelsaal war riesig. Sicher gut und gerne circa so an die in etwa unglaubliche zweihundertundzehn mal sechsundneunzig Meter im Geviert. Das Überwältigendste waren die sich ganz langsam um ihre Raumachsen drehenden gigantischen Spiegeln aus aufwändig hergestelltem, stahlrohririsierenden Pompprotzprunkstahlrohrfahlglas, die die vier Saalwände einnahmen. Durch diese fortwährende Veränderung des Gespiegelten wurden die so schon zermürbten Heraufbefohlenen richtig schwindelig und so manchem wurde leicht übel und wieder bedurfte es aufmunternder Worte wie: „wir lassen uns nicht den Schneid abkaufen“ und „nicht um die Burg geben wir uns die Kugel“, um sich ja nicht das Heft aus der Hand nehmen zu lassen.
Den einzigen Blick in die Außenwelt gestattete die Saaldecke, eine einzige, in einem Stück gegossene, stahlrohrfahlgrau getönte und konvex ausgeführte Pompprotzprunkstahlrohrglasscheibe. Durch sie schimmerten die Hauptsterne des Bleistiftspitzers, denn, so erkannten verblüfft die Heraufbefohlenen, war es während des mühsamen Aufstieges bereits Nacht geworden.
Die bei diesem Anblick zuerst wie Maulaffen feilhaltende Ölgötzen dastehenden Heraufbefohlenen wurden von vier uniformierten Unterevakuierten in die Mitte genommen und zielstrebig in die Mitte des Pompprotzprunkstahlrohrspiegelglassaales zum auf einem Podest ruhenden Pompprotzprunkstahlrohrspiegelsaaltisch geschleust. Sie durften davor Aufstellung nehmen, denn Stühle gab es für sie, wahrscheinlich absichtlich, keine. Die drei stahlrohrdunkelfahlen Pompprotzprunkstühle dahinter waren leer.
So ist das also, dachten sich die wie bestellt und nicht abgeholten Stehengelassenen. Wir sollen wahrscheinlich warten bis wir schwarz werden! Dass sie sich nur nicht ins eigene Fleisch schneiden, die haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wir geben uns nicht um die Burg die Kugel!
Doch schon nach circa einer Stunde öffnete sich wie auf Knopfdruck ein Wandteil und der dahinter versteckte Holoschirm, ein wahrer Gigant, flammte mit dem typischen Stahlrohrsummen auf. Das Gesicht des Ersten Prahlpompprotzprunkstahlrohrevakuators persönlich schaute herab auf sie mit stählernem Blick und befahl: „Prahlpompprotzprunkstahlrohrflucht Null unverzüglich aufsuchen! Wir werden ihnen die Waden nach vor richten, die Würfel sind gefallen!“ Die letzten Worte überschlugen sich fast vor Zorn.
Das gibt’s ja nicht! Die Oberste der obersten Ebenen, die Prahlpompprotzprunkstahlrohrebene Null hatte sich eingeschaltet, dachten die wie bestellt und nicht abgeholt Stehengelassenen. Da muss Feuer am Dach sein! Die wollen uns um die Burg das Wasser abgraben. Eigentlich müssten wir uns spätestens jetzt die Kugel geben!
„Ich schlage vor“, rief Erster Obergleichgerichtsstahlrohrrichter X, nachdem er sich gefasst hatte „jetzt auf Teufel komm raus aufzutrumpfen, unter allen Umständen dürfen wir uns nicht das Wasser abgraben lassen und die Fackel, komme was wolle, weiterreichen! Wenn die glauben, uns ans Zeug flicken zu können, haben sie sich geschnitten. Auf gar keinen Fall geben wir uns die Kugel!“
„Die klopfen bei uns auf den falschen Busch, wir wissen, wo es warm rauskommt! Die Würfel sind gefallen!“, rief auch B in den sich wieder Mut machenden Haufen der wie bestellt und nicht abgeholt Stehengelassenen und auf Null hinauf Kommandierten, „trotzdem müssen wir aufpassen wie die Haftelmacher und uns nicht den Schneid abkaufen lassen.“
Wie auf Knopfdruck waren plötzlich fünf in ihren Spezialstahlrohruniformen steckende Aufsichtsorgane aus Seitenöffnungen getreten, hatten den sich durch aufmunternde Parolen wieder Mut gemachten, doch jetzt durch den Anblick der Aufsichtsorgane aber schon wieder leicht verunsicherten Haufen in ihre Mitte genommen und durch die selbe Stahlrohrtür, durch die sie gekommen waren, hinaus geschleust.
Es ging einen langen, sich seltsam windenden und immer breiter sich öffnenden Gang entlang. Unwirklich laut klang der schwere Gleichschritt der Uniformierten in den Ohren der von ihnen Durchgeschleusten. Schon standen sie vor der dreiflügeligen Stahlrohrtür eines Stahlrohrexpressliftes, der sie sicherlich auf Null hinaufbringen sollte.
Niemand wusste wirklich, wer auf Null arbeitete, selbst der Erste Obergleichrichter stand auf der Seife, als B und K von ihm wissen wollten, was es mit Null auf sich hatte. Der gesamte Stahlrohrbüroturm bis zum Pompprotzprunkstahlrohrspiegelsaal hinauf wusste nichts über Null, nur so viel, wie die Wenigen, die einmal hinaufkommandiert worden waren, berichten konnten, was aber nicht viel war und keinen Aufschluss über Null ergab.
Die Stahlrohrtür glitt auseinander und der auf Null hinaufkommandierte Haufen, von den Uniformierten in die Zange genommen, verlor angesichts des Anblicks, der sich ihnen bot, augenblicklich allen Mut und die Zuversicht, sich doch nicht gleich die Kugel geben zu müssen, schwand. Sie standen vor einer Stiege, deren Ausmaße schier alles übertraf, was sie jemals an Stiegen gesehen hatten. Sicher so an die in etwa circa sage und schreibe gut und gerne eintausenddreihundertundvierundsechzig Stufen – sie wurden einmal von einem auf Null Hinaufkommandierten gezählt – erhoben sich in eine Höhe, deren Ende in stahlrohrdunklem Wolkendunst verschwamm und nicht mehr zu schauen war.
Total erschlagen und zum ersten Mal wirklich völlig entmutigt, starrten Alle diese fast unüberwindbare, sich in schwindelnde Höhe aufsteigende Prahlpompprotzprunkstahlrohrtreppe hinauf und wussten auf der Stelle, wie viel die Uhr geschlagen hatte. Das war in der Tat ein wirklich starkes Stück! Mit einem Male erkannten sie, der Ofen war aus, nie und nimmer konnten sie nunmehr die Fackel weiterreichen, denn der Bogen war hier und jetzt für sie überspannt. Prahlpompprotzprunkstahlrohrebene Null hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Der Erste Obergleichgerichtsrichter sah gebrochenen Auges in die Runde, die tapfer mit ihm bis zum Schluss an einem Strang gezogen hatte und sprach: „JETZT können wir uns die Kugel geben.“

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (24.09.2019)
Übliche und dem Leser angenehme Konvention ist es, solche Namensabkürzungen ein Punkt zu verleihen.
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Paul207 meinte dazu am 24.09.2019:
Lieber Herr Dieter_Rotmund,
das wollte ich nicht, denn es ist in diesem Fall keine Abkürzung, sondern der Buchstabe ist der Name.
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Dieter_Rotmund antwortete darauf am 24.09.2019:
Wirkt sehr sperrig und hölzern.
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Paul207 schrieb daraufhin am 24.09.2019:
Nein. Finde ich nicht, sondern ist raffiniert flüssig. Man muss die Geschichte ganz lesen.
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (24.09.2019)
„Ein abgekartetes Spiel. Der Bogen ist überspannt!“ G´s Worte kollerten wie Giftpilze durch die Luft, die auf einmal wie zum Schneiden dick war. W erhob sich, ging zum Stahlrohrfenster und schaute lange durch die Stahlrohrscheibe auf die Stahlrohrlandschaft hinab.


Hat was.
Der8.
(Ex-Vorständlerin der IG Metall)
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Paul207 äußerte darauf am 25.09.2019:
Freut mich!
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LotharAtzert ergänzte dazu am 27.09.2019:
"(Ex-Vorständlerin der IG Metall)"

Ach du lieber Himmel, das erklärt natürlich einiges.
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RainerMScholz
Kommentar von RainerMScholz (27.09.2019)
Was ist das mit der Häufung der Stahlrohre?
Grüße,
R.
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Paul207 meinte dazu am 30.09.2019:
Na ja, einfach weils lustig ist, die Steigerung bis zur Prahlpompprotzprunkstahlrohrebene voran zu treiben. Es ist absurd und das Absurde entspricht meinem Humor.
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Paul207
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Veröffentlicht am 24.09.2019. Textlänge: 5.064 Wörter; dieser Text wurde bereits 141 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 03.04.2020.
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