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Alterskälte

Kurzprosa zum Thema Alter


von Agneta

Alterskälte

Ich rieche die Kälte, wenn ich meine Balkontüre öffne, um draußen zu rauchen. Sie wabert über die Rattanstühle, hängt sich in die Federkissen ein, die dort als Rückenstütze liegen. Regenschwaden hängen in den Bäumen. Fallend, tropfend zersetzen sie sich. Langsam, fast zögernd. Noch ist nicht Winter. Wir sind die Jüngsten hier im Haus mit Anfang Sechzig.
Der Herbst steckt noch in den Kinderschuhen. Bisher verwöhnte er mich mit seinem goldenen Licht. Vor kurzem noch wanderte ich kilometerweit mit meinen Hunden durch scheinbar unbegrenzte Felder. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen.
Heute kriecht diese Kälte meine nackten Beine empor. Ich mag keine Strümpfe.
Der Pflegedienst kommt zu den Nachbarn. Auf den Balkon weht eine milde Fahne von Duschgel und Urin. Ein Haus voller alter Leute, fast alle weit über achtzig. Täglich sehe ich, wohin der Lebenszug fährt, wohin es geht. Ich rieche das Alter, die Vergänglichkeit, verlorene Zeit. Immer, wenn ich durch den Hausflur gehe, springt es mich an.
Manchmal bringe ich den direkten Nachbarn ein paar Stücke selbst gebackenen Kuchen. Ich backe ja nicht mehr, murmelt die runzelige Frau mit den geschwollenen, rot geränderten Augen und lächelt. Unbeholfen, dankbar und wie mir scheint,  ein wenig beschämt. Ich weiß nicht, was überwiegt und überlege, es demnächst zu lassen.
Ich sage, es wird Winter. Ja, klagt die Frau und nestelt an ihrer zerschlissenen Strickjacke, uns bleibt ja nichts als Fernsehen. Aber wir wollen doch noch uralt werden!
Ich nicht! antworte ich bestimmt. Mich fröstelt.
Mein Blick gleitet von ihren geröteten Augen zur gläsernen Haustüre, an der der Regen in feinen Streifen herab läuft. Unaufhörlich. Unabänderlich.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Sätzer
Kommentar von Sätzer (26.09.2019)
Eindringliche Schilderung des nicht zu ändernden Altwerdens. In so einem Umfeld ist es für "junge" 60-Jährige früh, das so hautnah mitzu"erleben".
LG Sä
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Agneta meinte dazu am 26.09.2019:
ja, das war der Punkt, lieber Uwe. Vielleicht fällt es mir auch nur auf, weil ich die zwei letzten Jahre meine Mutter gepflegt habe. Darum umgeben wir uns privat gern mit jungen Menschen.
LG und danke von Monika
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (26.09.2019)
Ein feiner Text, Agneta, den ich auch kommentiert hätte, wenn du mein Gedicht nicht kommentiert hättest. Soviel dazu!
Er geht in die Tiefe, berührt mich, erzählt von Gefühlen und ist außerdem stilistisch äußerst ansprechend gefertigt.
Sehr schöner Erzählstil. Sehr warmer Erzählton, der eine wohltuende Distanz zu dieser etwas kalt gewordenen Welt herstellt.
Gefällt mir wirklich sehr.
Und lasse den Ich-Erzähler auch weiterhin den Kuchen vorbeibringen. Das ist wichtig und gut.

HG
H.
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Agneta antwortete darauf am 26.09.2019:
danke für dein Lob, Habakuk, und für die Ergänzung, dass es sich dabei nicht um einen Gefälligkeits-Antwort-Kommi handelt. Deine lyrische Bewertung freut mich, da du selbst ja recht anspruchsvoll schreibst.
Danke und lG von Agneta
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eiskimo
Kommentar von eiskimo (26.09.2019)
Ein berührender Text, der perfekt zu diesem herbstlichen Tag heute passt. Nichts Spektakuläres, ehrliches und ungeschöntes Leben - so ist das!
Was mich hat aufhorchen lassen, war dieses "Ich nicht!", das Du so bestimmt sagst. Es wirkte für mich wie ein Vorwurf an die alte Frau.
Werden wir irgendwann einfach die Reissleine ziehen?
nachdenkliche Grüße
Eiskimo
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Agneta schrieb daraufhin am 26.09.2019:
Ich finde es durchaus legitim, lieber Eiskimo, sich selbst dazu zu entscheiden, die Reißleine zu ziehen, wenn man sich selbst so nicht sehen und ertragen möchte. JederMensch empfindet das anders, aber möglich sollte dies sein.
Nein, ein Vorwurf war nicht impliziert beim LI, wohl aber ein Unverständnis, solch ein Leben für sich selbst dauerhaft und noch schlechter werdend als Perspektive anzusehen.
Unabhängig von Kirchen oder Ethik: Jeder sollte sich selbst entscheiden können, sich nicht todpflegen zu lassen. Ja, das hast du schön rausgespürt, das schwingt mit.
Danke und lG von Agneta
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Jo-W.
Kommentar von Jo-W. (26.09.2019)
berührend und traurig-und ehrlich-einen Abendgruß-Jo
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Agneta äußerte darauf am 26.09.2019:
danke, lieber Jo. LG von Agneta
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juttavon
Kommentar von juttavon (28.09.2019)
Ein starker Text, liebe Agneta!

HG Jutta
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Agneta ergänzte dazu am 29.09.2019:
danke, liebe Jutta. LG von Agneta
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