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Der Fremde

Verserzählung zum Thema Verlorenheit


von Al-Badri_Sigrun

Auf einer Bank im Park
saß ein alter Mann.
Sein Haar war weiß
und in der nahen Birke
verfingen sich die letzten Sonnenstrahlen.

Etwas berührte mich an dieser Szene,
ich vermochte es nicht zu benennen.
Nur wenige Schritte noch,
dann erreichte ich den Fremden
und setzte mich zu ihm.

Er starrte vor sich hin,
schien mich nicht wahrzunehmen.
Ich betrachtete sein Profil und sah Tränen,
die ihm über sein faltiges Gesicht liefen.
Sie verfingen sich in seinem grauen Bart.

Ich überlegte nicht lange,
sprach ihn leise an,
fragte nach dem Grund seiner Traurigkeit.
Verwundert fiel sein Blick auf mich.
Erst jetzt bemerkte er,
dass er nicht alleine war.

Etwas in seinen dunklen Augen,
die mich an glänzende Opale erinnerten,
zog mich an.
Ein unerklärlicher Schmerz überkam mich.

Als der alte Mann zu sprechen begann,
hörte ich ihm aufmerksam zu.
Er hatte eine warme Stimme,
seine Worte klangen bitter.

Er erzählte mir von seinem langen Weg
und dem aussichtslosen Kampf,
den er vergeblich für seine Liebsten geführt
und schließlich verloren hatte.

Nun sei er alleine in einem Land,
in dem er ein Fremder war.
Dann schwieg er
und blickte in die Ferne.

Ich wollte ihm etwas sagen,
ihn trösten,
doch welchen Trost hätte ich ihm geben können?
Hilflos und vorsichtig berührte ich seine faltigen Hände,
ein kleines Lächeln legte sich auf seine Lippen.

Wir trafen uns nun häufig an diesem Ort.
Ich lud ihn zu mir nach Hause ein,
wollte ihn meiner Familie vorstellen,
doch er lehnte dankend ab.
Ich kannte weder seinen Namen, noch wo er wohnte.
Er wollte es so.

Er erzählte mir von seinen Liebsten in der Heimat,
von seinem wundervollen Leben vor dem Krieg
und er erzählte mir von den Bomben,
dem Tod und endlosen Leid.

Eines Tages wartete ich vergeblich
auf den alten Mann,
der schon lange kein Fremder mehr für mich war.
Große Traurigkeit erfasste mich.

Letzte Sonnenstrahlen verfingen sich
in den Ästen der Birke über mir,
der Abend nahte.
Als ich mich erhob und ging,
liefen mir Tränen übers Gesicht.



©by Sigrun Al-Badri
Erstfassung 12.07.2018

 
 

Kommentare zu diesem Text


TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (30.09.2019)
Wenn zu der Fremde noch die Einsamkeit kommt ist das Erspüren des nahenden Endes von besonderer Tragik.
Sich auf der Bank dazusetzen, sprechen und zuhören ist dann von großem Trost.
LG TT
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Al-Badri_Sigrun meinte dazu am 01.10.2019:
Lieber Tasso,

ich danke dir für dein Einfühlungsvermögen in meine Erzählung!

LG Jaika
diese Antwort melden
Kommentar von Sin (55) (30.09.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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AchterZwerg antwortete darauf am 30.09.2019:
Geht mir genauso.
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BeBa schrieb daraufhin am 30.09.2019:
Hier möchte ich mich einfach mal Sin anschließen. Wunderbar gesagt.

Und dein Text hat wieder diese Wärme und Tiefgründigkeit, die ich von deinen Texten kenne und liebe.

Dein Text strahlt vor allem eines aus: Menschlichkeit! Immer wieder ein kleiner Lichtblick im Trump'schen Zeitalter.

Aber vor allem erinnert er wieder einmal daran, dass die Welt nicht überall so bunt, so fett und bequem ist wie (noch!) bei uns.

LG
BeBa
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Al-Badri_Sigrun äußerte darauf am 01.10.2019:
@Sin
Dein Lob berührt mich sehr, lieber Sin. Es zeigt mir, dass ich mit meinen Erzählungen zum Nachdenken anrege. Was könnte ich mir mehr wünschen?

LG Sigrun

@AchterZwerg
Ich danke dir!

@BeBa
Hab lieben Dank auch für deine Anerkennung, lieber BeBa. Sie bedeutet mir sehr viel!

LG Jaika
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (30.09.2019)
Zu den wirklich schweren Erfahrungen im Exil gehört es sicherlich, dass unsere Gesellschaft ganz anders strukturiert ist als die der meisten Herkunftsländer.
Die Alten erfahren kaum Respekt und dürfen allenfalls in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, wenn ihre Kinder den Zuschuss für die "Seniorenresidenz" sparen wollen.

Gut und schnörkellos berichtet.
Der8.
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Al-Badri_Sigrun ergänzte dazu am 01.10.2019:
Liebe AchteZwergin,

du beschreibst einen Zustand in unserer Gesellschaft, der in der Tat traurig stimmt.

Ich danke dir für deinen Beitrag zu meiner Erzählung!

LG Jaika
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Sätzer
Kommentar von Sätzer (30.09.2019)
Eine sehr berührend geschriebene Szene. LG Sä
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Al-Badri_Sigrun meinte dazu am 01.10.2019:
Hallo Sätzer,

ich danke dir für dein Feedback!

LG Jaika
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (30.09.2019)
Liebe Sigrun, mir ist so, als hätte ich die Geschichte (mit dir als Verfasserin) schon einmal gelesen. Macht sie das besser oder schlechter? Keines von beidem. Sie ist schon in ihrer Ernsthaftigkeit und Eindringlichkeit bemerkenswert. Und stellt ein Stück Gegenwart dar, das so traurig ist, wie sich unsere Welt leider präsentiert. Ein Text, der nachdenklich macht!
Herzlich grüßt dich Gil.
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Al-Badri_Sigrun meinte dazu am 01.10.2019:
Du hast dich richtig erinnert, lieber Gil. Ich habe meine Geschichte schon einmal im KV eingestellt. Inzwischen habe ich noch ein wenig an ihr gefeilt.

Deine Gedanken zum Inhalt gehen mir sehr nahe! Hab lieben Dank dafür!

Herzlichst
Sigrun
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