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noi bambini del paese

Gedicht zum Thema Heimat


von Oreste

meinem vater



wir fegten durch gassen tranken aus brunnen liefen in sandalen
mit den schnellsten salamandern um die wette dem
gesang der grillen nach den schönsten
libellen hinterher
...mutter machte uns jeden morgen vor der schule zuppetta
in milch aufgeweichtes brot vom vortag mit einem schluck caffè
vater kam spät von der arbeit trug uns huckepack ins bett
...in besonders kalten wintern kamen die wölfe aus den bergen
heulten und scharrten an unseren hölzernen türen
im sommer spielten wir im fluss fingen krebse mit bloßen händen
aßen kiloweise kaviar ohne zu wissen was kaviar ist
und mandeln die wir mit langen stöcken aus den bäumen fischten
mandeldiebe waren wir und kaviargauner
...zio oreste besaß als einziger in unserer straße einen fernseher
von zeit zu zeit saßen wir bambini in orestes stube im kreis auf dem boden
und mussten für eine stunde stanlio e ollio charly chaplin oder fantozzi
zuvor eine stunde lang den rosenkranz bebeten
...unsere helden waren schwarzweiss unsere fußbälle blechdosen
zia lea wurde nie müde
uns die geschichte vom zwölftentakeligen flussungeheuer zu erzählen
welches nach einbruch der dunkelheit
unter der schmalen steinbrücke in richtung piazza lauerte
und mit vorliebe kleine kinder verschlang
...wir bauten uns bögen schnitzten uns pfeile schossen auf flaschen
oder die mittagssonne
...der dorfbarbiere kannte genau zwei frisuren
kurzgeschoren für uns knaben
und seitenscheitel mit dem dreizehnten geburtstag
...bei nonna roch es nach kernseife und selbstgemachten gnocchi
nonno nahm uns manchmal auf der ladefläche seiner roten ape
mit nach draußen zu seinem stück land
zur erntezeit mussten wir dann zu fuß zurück
...an allen wegesrändern wuchsen brombeeren weintrauben rosmarin
und in den nachmittagsstunden zog immer ein wind von den bergen auf
...ganz hinten in unserer straße wohnte die alte concetta
sie trug schwarz lief am stock war eine hexe
sie steckte uns caramelle zu die natürlich verhext waren
drum warfen wir sie daheim in den ofen
und sahen gespannt wie sich die dämonen in rauch auflösten

einmal im monat brauste ein fernzug durchs dorf
sein lautes pfeifen kündigte ihn schon von weitem an
dann dampfte es und schnaufte und bebte und alle rannten wir ihm hinterher
wir rannten und winkten und lachten wir
winkten und lachten wir
lachten wir
lachen
und
lachen
und ich sehe
die leuchtenden augen
des kleinen jungen
dessen sohn ich bin

Anmerkung von Oreste:

2015


Übersetzungen:

noi bambini del paese – wir kinder vom dorf
zuppetta – suppe/süppchen
caffè – kaffee/espresso
zio – onkel
bambini – kinder
stanlio e ollio – dick und doof
fantozzi – name eines italienischen komikers
zia – tante
piazza – markt/marktplatz
barbiere – friseur
nonna – oma
nonno – opa
ape – biene [gemeint ist das motorisierte dreirad von piaggio]
caramelle – süßigkeiten


 
 

Kommentare zu diesem Text


managarm
Kommentar von managarm (09.11.2019)
Wunderbares Stilleben von schönen Erinnerungen an eine Kindheit. Sehr gut ist das Ende. Das Rad dreht sich und die Raumzeit wackelt. Super!
diesen Kommentar melden
Oreste meinte dazu am 09.11.2019:
Das freut mich sehr!

Dank & Gruß
O.
diese Antwort melden
Kommentar von BeBa (09.11.2019)
Das ist mal ein ganz anderer Oreste! Und auch auf diese Weise weißt du, den Leser zu fesseln. So persönlich der Text ist, so sehr nimmst du den Leser (zumindest mich) mit.
Ich mag solch intensive, persönliche Texte, wenn sie derart offen für den Leser sind wie dieser.

Mich, glaub es oder nicht, berührt dieser Text sehr!

Und: danke für die Übersetzungen.

Ich mag solche Erinnerungstexte!
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Oreste antwortete darauf am 09.11.2019:
Glaub es oder nicht: Ich mag solche Kommentare. Sehr sogar! (:

Lieben Gruß dir
O.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (09.11.2019)
hallo Oreste, das wirkt anrührend und authentisch auf mich und vieles erinnert mich an meine eigene Kindheit.
Servus
Ekki
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Oreste schrieb daraufhin am 09.11.2019:
Verrätst du mir, was genau, Ekki? Ein, zwei Beispiele. Würde mich interessieren.
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg äußerte darauf am 11.11.2019:
Die ersten vier Zeilen deines Gedichts habe ich ähnlich erlebt. Wir liefen manchmal einfach barfuß. Das mit dem Barbiere und den Einheitsfrisuren war in meiner Kindheit auch so. Ich hatte einen Onkel, der uns Schauergeschichten erzählte wie deine zia.. Es gab natürlich auch Dinge, die in Deutschland ganz anders waren. Wir gingen zum Beispiel zum Fischen an Bombentrichter, die nach meiner Erinnerung erst 1947 zugeschüttet wurden.
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Oreste ergänzte dazu am 12.11.2019:
Danke, Ekki!

Die letzte Erinnerung wühlt auf.
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (09.11.2019)
Diese kleine Widmung oben rechts hat es mir angetan. Die macht dein Gedicht zu etwas besonderem.

Liebe Grüße
Kerstin
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Oreste meinte dazu am 09.11.2019:
Da mache ich mal mehr als die üblichen maximal fünfzig Worte und du empfiehlst lediglich zwei davon, Kerstin. Das ist maximal unbefriedigend.

O.
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Kommentar von Iktomi (09.11.2019)
Wunderschön.
Insbesondere der letzte "Schlenker".
Grüße von Iktomi!
diesen Kommentar melden
Oreste meinte dazu am 09.11.2019:
Danke, liebe Iktomi.
Schön, dass du hier warst. (:


Lieben Gruß
O.
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