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Naima

Kurzprosa zum Thema Begegnung


von Paulila

Ich stand am Fenster und blickte in die regennasse Nacht hinaus. In der Scheibe spiegelte sich das flackernde Licht einer auf dem Tisch stehenden Kerze. Der Raum hinter mir war in samtene Dunkelheit gehüllt, durch die kaum wahrnehmbar eine Melodie schwebte. Ich konnte ebenso das Glas gespiegelt sehen, welches mit einer milchigen Flüssigkeit gefüllt neben der Kerze stand. Einem gütigen Freund gleich schien es auf mich zu warten. Genügend Schlaftabletten, aufgelöst in Wasser, um mich auf meinem Weg in den ewigen Schlaf zu begleiten. Ich lächelte verhalten in die trübe Nacht hinter der Scheibe.
Traurigkeit breitete sich allmählich in mir aus. Die Entscheidung war gefallen. Je länger ich in diese mir unendlich erscheinende Schwärze sah, desto ruhiger wurde ich. Fröstelnd zog ich die Schultern hoch und schlang meine Strickjacke enger um mich. Ich rieb mit den Handflächen über meine Arme, wohl in der Hoffnung, die Reibung würde Wärme erzeugen. Die Kälte kroch aus meinem Innersten nach Außen und ließ mich noch tiefer in die Wolle meiner Jacke sinken.

Ich sehnte mich nach einer Begegnung mit mir, gefunden hatte ich mich hier jedoch nie. Es war an der Zeit zu gehen. Mein bisheriges Leben entsprach einer Art Interim, begonnen mit der Absicht, jene Dinge zu ändern, die mich beständig schwerer werden ließen. Dieses Ziel hatte ich nie erreicht. Paul Celan schrieb in ‹Die Niemandsrose›: »Schwerer werden. Leichter sein.« Das leichtere Sein blieb mir fern.

«Bist du sicher, dass es dort besser sein wird?»
Ich zuckte zusammen und fragte mich, woher diese Worte kamen. Während ich überlegte, ob ich aus Versehen meine Gedanken laut aussprach, wiederholte die Stimme ihre Frage: «Bist du dir wirklich sicher, dass es dort besser sein wird?»
Nun wusste ich, dass ich mich nicht getäuscht hatte, dieser glockenhelle Klang kam nicht aus meinem Mund. Irgendwer war mit mir in diesem Zimmer. Ich drehte mich vom Fenster weg und ließ meinen Blick über das Bücherregal zum Tisch wandern. Auf dem Rand des Glases saß ein kleines Wesen, es baumelte mit den Beinen, während es mich aufmerksam musterte. Ungläubig schloss ich meine Augen. Als ich sie wieder öffnete, schaute mich dieses Geschöpf unverwandt an. Ich konnte nicht fassen, was ich da sah. Rasch rieb ich mir die Augen, trotzdem verschwand es nicht.

«Willst du mir nicht antworten?»
Ich bewegte mich auf den Tisch zu und erkannte, dass dieses merkwürdige Etwas mich anlächelte. Ich lächelte zurück und nahm vor ihm auf einem Stuhl Platz.
«Wer bist du?», fragte ich.
Ich vernahm ein glucksendes Lachen: «Mein Name ist Naima und ich bin eine Schattenliedelfe.»
Ungläubig starrte ich sie an. Ich muss träumen, dachte ich, während ich ein weiteres Mal meine Augen schloss. Als ich sie wieder öffnete, stand Naima direkt vor meiner Nase in der Luft. Ich zuckte unversehens zurück und bemerkte, dass sie bläulich schimmernde Flügel hatte, die ihr dies ermöglichten. Sie kicherte und flog auf den Rand des Glases zurück.
«Es lag nicht in meiner Absicht, dich zu erschrecken. Verzeih.»
«Das glaube ich jetzt nicht.», sagte ich verblüfft, «Ich träume.»

«Bekomme ich nun noch eine Antwort auf meine Frage?»
«Welche Frage?» Ich war verwirrt.
«Bist du dir wirklich sicher, dass es dort besser sein wird?»
«Woher weißt du …?»
Naima lächelte mich ein weiteres Mal an: «Es ist nicht schwer zu erkennen was du vorhast, außerdem kann ich deine Gedanken erfühlen.«
Ich schwieg und betrachtete sie neugierig.

Naima war etwa so groß wie meine Hand. Sie hatte langes glattes, blauschwarz-glänzendes Haar, trug ein türkisfarbenes Kleid und war barfuß. Ihre Augen schimmerten in einem dunklen Blauviolett. Ihr Lächeln, welches sie mir nun entgegen schickte, war warmherzig.

«Nein, ich bin mir nicht sicher, dass es bei den Toten besser sein wird.», erwiderte ich, «Ich glaube jedoch, dass alles angenehmer ist als dieses Leben weiter zu führen.»
«Schön.»
«Schön?»
«Schön, dass du meine Frage beantwortet hast.»
«Woher kommst du? Und wieso besuchst du mich gerade jetzt?»
«Nun, du hast mich hergebeten.»
«Habe ich das?»
«Ja, das hast du.»
«Ich kann mich nicht erinnern.»

Naima flog dicht vor mein Gesicht und sah mir direkt in die Augen: «Geh jetzt schlafen, Tilda. Morgen werde ich deine Fragen beantworten.»
«Woher weißt du meinen Namen?», murmelte ich und spürte mich dabei gähnen. Nun wurde mir bewusst, wie erschöpft ich war. Erstaunt blickte ich zu Naima, die just in Richtung meines Schlafzimmers flog. Ich folgte ihrem bläulichen Schimmer durch den dunklen Raum und ließ mich auf meinem Bett nieder. Naima begann leise jene Melodie zu summen, deren Schönheit ich erst jetzt wahrnahm.

Anmerkung von Paulila:

2011 (überarbeitet)


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