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Das Prosagedicht - Kurzstudie über optische und akustische Verse

Essay zum Thema Literatur


von Ralf_Renkking

Mit dem Auge einen Vers zu erkennen, ist im Allgemeinen recht einfach, da er im Gegensatz zur Zeile kein Format besitzt, sondern immer nur so lang ist, wie es die Prosodie der Neuzeit und die Lyrik der Postmoderne vorschreiben, und selten nur über die Zeile hinausreicht. Der Poetiker Wolfgang Kayser formulierte es recht treffend, als er folgende Definition dazu abgab:

"Unser Auge sagt uns schnell, was Verse sind. Wenn auf einer Seite um das Gedruckte herum viel weißer Raum ist, dann haben wir es gewiss mit Versen zu tun." *1

Sobald jedoch ein Text zu einer Versstruktur neigt, handelt es sich bei diesem auch um ein Gedicht, einmal abgesehen von ein- oder mehrspaltigen, aber relativ kurz gehaltenen Zeitungsartikeln, welche zwar im Allgemeinen durch ihre Formatierung von der Gedichtform abweichen, vornehmlich jedoch den weißen Raum vermissen lassen, den Kayser propagiert. Eine Ausnahme zu Kaysers Definition räumt wiederum der Literaturwissenschaftler Dieter Burdorf ein:

"Diese raumgreifende Darstellungsweise von Versen ist aber nicht zwingend. So wurden im 17. Jahrhundert die Verse meist in der fortlaufenden Zeile nur durch Schrägstriche voneinander abgegrenzt; noch heute findet sich diese Notationsweise in Gesangsbüchern. Ein Gedichttext, dessen Melodie bekannt ist und sich von Strophe zu Strophe wiederholt, bedarf offenbar nicht zwingend einer die Verse voneinander absetzenden schriftlichen Aufzeichnung." *2

Fallen diese Schrägstriche, die in dieser Verwendung als Doppelvirgel bekannt sind, oder ähnlich vorstellbare Abgrenzungszeichen, wie z. B. Trennungsstriche, jedoch fort, ist der Gedichttext vom Schriftbild her nicht mehr von einem Prosatext zu unterscheiden. Der akustische Vers stellt somit einen Sonderfall dar, weil er ebenso wie Prosa dem Zeilenverlauf folgt, allerdings mit dem Unterschied, dass diese Zeilen durch die Zäsuren der Prosodie gebrochen werden.
Im Klartext bedeutet das, dass ein Prosatext, der eine regelmäßige Reimung, Metrik, bzw. Silbenzählung (z. B. bis zum nächsten Komma oder Punkt), oder sogar freie Rhythmen zu eigen hat, die ihm eine lyrische Zäsur verleihen, dadurch Gedichtcharakter erhält, weil er somit einem akustischen Unterteilungsschema, anstelle eines optischen, folgt.
Da solch ein Text sowohl Prosa als auch Lyrik verkörpert, ist er im Gegensatz zur herkömmlichen Erklärung, die einen visualisierbaren Verstext mit Prosainhalt schon als solches bezeichnet, das wahre Prosagedicht, ein Überbegriff allerdings, unter dem sich auch herkömmliche Gedichtarten wie Sonette, Balladen, Oden, Sestinen, usw. verbergen können, selbst wenn ihre Verwortung nicht prosaisch sein sollte.
Inwiefern und wann es jedoch dann sinnvoll erscheinen mag, Gedichte in Prosaform zu präsentieren, sollte jedem Literaten selbst überlassen werden, hängt jedoch nicht unbedingt von Willkür ab, sondern dürfte durchaus stilistische oder der Aussage dienlichen Gründe haben.

Literaturverzeichnis und Zitatquellen:

*1
Wolfgang Kayser, Kleine deutsche Versschule, A. Francke AG Verlag Bern 1946, 18. Auflage 1977, S. 9

*2
Dieter Burdorf, Einführung in die Gedichtanalyse, 2. Auflage, J. B Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, Stuttgart 1997, S. 12.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Sin
Kommentar von Sin (10.11.2019)
Interessante Kurzstudie. Ich schreibe ja nur in dieser Form. Vornehmlich, weil sie den Fluss der Gedanken nicht durch (unnötige) Regeln blockiert. "Schreibe so, wie du auch sprechen würdest" ist dabei die einzige Maxime. Ob das Geschriebene hinterher allerdings auch zu einem "Gedicht" reicht, das ist (für mich) wieder eine ganz andere Frage. Das ergibt sich allein aus dem Inhalt. Denn nur der Inhalt vermag ein Gedicht zu tragen, nicht (allein) die gesetzten Zeilenumbrüche. Von einem zeitgenössischen Meister dieser Gedichtform schicke ich dir gleich mal zwei Links mit Leseproben. All diese Gedichte rechtfertigen ihre Form m. E. allein aus dem Inhalt. Vielleicht stelle ich heute auch nochmal eins rein, so ein kleines kurzes Prosagedicht. Hab gerade Lust bekommen. LG Sin
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Ralf_Renkking meinte dazu am 10.11.2019:
Da bin ich echt gespannt, denn ich habe bisher noch kein Gedicht gelesen, das der Bezeichnung Prosagedicht gerecht werden würde, der Germanistiker und Autor des Buches "Lyrik", Dr. Stefan Elit bezweifelt sogar, dass Gedichte in dieser Form überhaupt existieren, da die, die als solche bezeichnet werden, entweder freie Versgedichte sind, oder halt das Manko haben, kein akustisches Versmuster aufzuweisen. Am einfachsten ließe sich meiner Meinung nach ein Prosagedicht in regelmäßig wiederkehrenden Reimen erstellen, also als Gedicht ohne Versumbrüche, um als Prosagedicht gelten zu können. Na, wie gesagt, ich bin gespannt.

Ciao, Frank

P.S.: Danke auch für Deine Empfehlung und Favorisierung.

Antwort geändert am 10.11.2019 um 16:09 Uhr
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Sin antwortete darauf am 10.11.2019:
Okay, wenn es so ist... Also wenn es so ist und all die genannten Anforderungen gelten, dann ziehe ich meine Ankündigung hinsichtlich eines Prosagedichts zurück. Keine Ahnung, was ich für ein Zeug schreibe. Sollen das doch die Theoretiker heraus finden. Ich habe schon genug mit dem Schreiben schon tun. LG Sin
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Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 11.11.2019:
Hi Sin,

wer allerdings weiß, in welchem Genre er gerade unterwegs ist, bewegt sich dort auch sicherer, weil er auch dadurch ein besseres Verständnis für die Inhalte und Stile gewinnt.
Dr. Elit behauptet bspw., dass das Prosagedicht nur erfunden wurde, um eine Marktlücke zu bedienen, denn seiner Auffassung nach ist eine Zeile keine Brechung wie der Vers, sondern wäre eine durchlaufende Furche (versus = Furche), um ein Gedicht zu kreieren, benötigt es jedoch mindestens ein Furchenpaar (ich glaube, auch Burdorf argumentiert so, das muss ich jedoch erst prüfen) und wenn Du Dir die Definition auf Wikipedia anschaust, siehst Du, wie schwammig das Genre noch ist, und aus diesem Grund mache ich in obiger Studie auf die akustische Furchung aufmerksam, denn damit würde die Bezeichnung als Prosagedicht gerechtfertigt werden können.
Diese Überlegungen sind in obiger Studie noch nicht enthalten, und ich danke Dir, dass Du mich dazu angeregt hast.
Mit der Erkenntnis, dass ich mehr der Theoretiker bin, kann ich ganz gut leben, weil nämlich auch ich nicht immer den richtigen Baustoff verwende, und es riesigen Spaß macht, da hinterher zu jagen. Aber der Kick liegt wohl eher in der Suche und der Manifestierung, denn sobald ich ihn gefunden habe, verliere ich ziemlich schnell das Interesse daran, wenn ich feststellen muss, dass er sich längst etabliert hat.

Ciao, Frank

P.S.: Stell das Gedicht bitte dennoch ein, vielleicht lassen sich dazu ja Abstufungen entwickeln, wie "prosaisches Gedicht" o. s. ä.
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Kommentar von Regina (10.11.2019)
Ja, immer mal wieder interessant, was professionelles zu lesen. Danke. Gina
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Ralf_Renkking äußerte darauf am 10.11.2019:
Danke, Gina,

aber so ganz ausgereift ist es wohl noch nicht, denn z. B. freie Rhythmen im Zeilenverlauf zu erkennen, erweist sich für mich noch als unmöglich, aber deshalb habe ich den Text ja auch eingestellt, über ein absolutes Gehör bspw. verfüge ich nämlich nicht, kann also nicht wirklich beurteilen ob das funktioniert, außerdem hat Klopstock bzgl. dessen die Messlatte ganz schön hoch gelegt, so dass ich mich erst durch seine Rhythmusregeln kämpfen müsste. Aber vielleicht kannst Du mir diesbezüglich ja auch weiterhelfen.
Desweiteren müsste der Text noch um die Perspektive der Stilmittel, der Sprache und des Inhalts ergänzt werden, hier benötigte ich noch ein paar Anregungen.

Ciao, Frank

P.S.: Ich danke Dir auch für Deine Empfehlung
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