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Neuer Brief, alte Frage

Brief zum Thema Mensch (-sein, -heit)


von TrekanBelluvitsh

"Es ist unsere alte Frage: Kann man einen anderen Menschen wirklich kennen? Allzu unbedacht werden die meisten darauf mit "Ja" antworten. Doch wer ist es, der uns das größte Leid zufügt, jenes Leid, das dazu angetan ist, uns nie wieder loszulassen? Es sind die Menschen, die wir lieben. Wir lieben sie, weil wir denken, dass sie zu uns passen. Und sie passen zu uns, weil wir sie kennen.

Wie kann es dann sein, dass wir gerade von diesen Menschen das meiste Leid erfahren? Ihr Tun sollte uns nicht überraschen. Weil wir sie kennen. Dann kann uns auch nicht überraschen, dass sie uns von Zeit zu Zeit verletzen. Das "wann" mag im Einzelfall schwer vorherzusagen sein. Doch auf das "ob" und "warum" kennen wir die Antwort. Weil wir diese Menschen kennen. Und weil wir sie kennen, können wir uns darauf einstellen. Mehr noch: Wir können es verhindern, können mit unserem Wissen über den anderen gegensteueren, schon wenn die kleinste Verwerfung sich zeigt, reagieren. Alles bleibt gut.

Du weißt, dass das nicht stimmt.
Es ist noch nicht einmal knapp daneben.
Es ist das Gegenteil von dem, was wir erleben.

Nun ist es so, dass wir zwar mit dem "wann" Probleme haben, dass "ob" uns allerdings oft klar vor Augen steht. Das Verhalten des anderen hat sich verändert. Mal ist es deutlich, mal ist es eine Kleinigkeit. Viele meinen dann, dass sie es spüren. Das ist natürlich nicht wahr. Wir spüren nichts. Wir nehmen die Veränderung des anderen mit unseren Sinnen wahr. Wir beobachten sie. (Weil wir jedoch dem, was wir wahrnehmen nicht trauen wollen, verlegen wir die Beobachtungen ins Reich der Gefühle.)

Du wirst nun womöglich einwenden , dass dies ein Beweis dafür ist, dass wir den anderen Menschen kennen. Dem ist nicht so. Es zeigt lediglich, dass die Anzahl der uns möglichen Verhalten äußerst begrenzt ist. Das Verhalten der Menschen ist vergleichbar. Niemand muss dazu viel wissen. Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit. Dir ist klar  dass alles, was ich tue, darauf beruht. Nicht das Beobachten, einordnen und Denken ist es, dass hier die Schublade erzeugt. Es ist das menschliche Verhalten. Wir sind Schubladenverhalter. Wäre dem anders, könnten wir noch schlechter miteinander umgehen. Wäre jeder in seinem Verhalten tatsächlich einmalig, unsere Geschichte wäre schon weit vor dem Homo Erectus zu einem Ende gekommen.

Was jedoch wirklich verdeutlicht, wie fremd wir uns sind, ist die Tatsache, dass wir auf die Frage nach dem "warum" uns unsere Lieben Leid zufügen, so oft keine Antwort wissen. Dabei möchte ich jene Fälle ausschließen, in denen wir ein Ereignis zur narzisstischen Nabelschau, zum tränenreichen Selbstmitleid missbrauchen, ausschließen. (Ich weiß, dass es so scheint, als ob dieses Verhalten heute sehr viel öfter zu beobachten wäre als "früher"… wann immer diese "früher" auch gewesen sein mag. Dem ist nicht so. Die modernen Kommunikationswege erlauben es allerdings, dieses Gejammere laut und gezielt zu positionieren. Im politischen Denken ist das die Grundlage all der schwachsinnigen Verschwörungstheorien, die Narzissten und Soziopathen anziehen wie eine Neonlampe die Motten.) Auch bei gewissenhafter Prüfung all dessen, was wir über den anderen zu wissen glauben, bleiben wir auf die Frage nach dem tieferliegenden Grund - ich weiß, Du kannst zwischen Grund und Auslöser unterscheiden. Allein das hebt Dich aus der Masse heraus - zumeist hilflos weil unwissend zurück. Das trifft uns hart. Die halbschlauen Menschen fragen sich an diesem Punkt, ob sie den anderen wirklich gekannt haben. Leider bleiben allzu viele bei jenem halbschlauen Schritt stecken und finden die Schuld für alles bei dem anderen. Die Schlauen erkennen, dass sie den anderen doch nicht gekannt haben. Selbst jene legen den Weg zu oft nicht zur Gänze zurück. Sie beziehen dieses nämlich nur auf den Einzelfall. Den nächsten Menschen, den sie als "ihren Lieben" ansehen, kennen sie wieder. Damit sind alle Weichen gestellt, gestellt für die nächste sich wiederholende Tragödie, allen retardierenden Momenten zum Trotz.

Wir kennen die anderen Menschen nicht. Wir können sie nicht kennen. Jene Menschen existieren so für sich allein, wie wir für uns allein existieren. Wir können ihr Verhalten erkennen. Das ist nicht schwer. Hat man genug Verhalten an einem Menschen beobachtet, ist es sogar möglich, zukünftiges Verhalten zu extrapolieren. Aber dies liegt - ich wiederhole mich, aber aus gutem Grund - eben nicht daran, dass man den anderen Menschen kennt. Es liegt daran, dass unsere Verhaltensweisen limitiert sind.

Aus diesem Grund kann ich - zum Ende kommend - sagen, dass ich deinem Urteil vertraue. Ich habe genug von deinem Verhalten beobachtet. Ich bitte Dich allerdings zu verstehen, dass ich dein Urteil nicht immer teile. Ich vertraue ihm nur. Ich vertraue ihm, als Erkenntnisgewinn für mich.

In Hoffnung auf eine baldige Antwort von Dir
Dein xxx"

Anmerkung von TrekanBelluvitsh:

Aus bestimmten Gründen werde ich auf eure Kommentare nicht inhaltlich antworten.


 
 

Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (01.12.2019)
Wir kennen die anderen Menschen nicht. Wir können sie nicht kennen. Jene Menschen existieren so für sich allein, wie wir für uns allein existieren. Wir können ihr Verhalten erkennen. Das ist nicht schwer. Hat man genug Verhalten an einem Menschen beobachtet, ist es sogar möglich, zukünftiges Verhalten zu extrapolieren. Aber dies liegt - ich wiederhole mich, aber aus gutem Grund - eben nicht daran, dass man den anderen Menschen kennt. Es liegt daran, dass unsere Verhaltensweisen limitiert sind.

Der Meinung bin ich auch.
Gerade diese gefühlte Ungewissheit ist es, die manche Menschen dazu verleitet, ihr zeitweise empfundenes "Glück" in die Welt hinauszuposaunen, als wollten sie das Flüchtige festhalten, eine Veränderung gleichsam verhindern oder gar ausschließen. ---
Bei virtuellen Kontakten trifft dies umso mehr zu, weil die Empfindungen durch keinerlei Mimik "unterstützt" werden.
Smileys sind nur ein schwacher Ersatz.

Für mich ein kluger, kenntnisreicher Text.
Der8.
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LotharAtzert meinte dazu am 01.12.2019:
Unsinn.
Wer sich selbst kennt, nicht oberflächlich, sondern sich sein Leben lang immer wieder bepirscht bis ins Innerste hinein, kennt die illusorische Welt, aus der alles besteht, mithin die "anderen", die auch aus Raum, Wind, Wasser, Feuer und Erde bestehen, wohinein sie sich wieder auflösen werden.
So lehrten schon Buddha, Mahavira, Laotse, Heraklit, Plato, Montaigne, Novalis, Hesse etc. etc. Aber die dünken euch wohl alle Verblendete zu sein.
Wenn man seinem eigenen unbedarften Meinen (als tief gedacht und kenntnisreich empfunden) mehr "glaubt", als den Weltüberwindern und Insichgekehrten, kommt am Ende immer raus, was von Anfang an absehbar ist.

Ein Text, mehr nicht.
Die 0
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TrekanBelluvitsh antwortete darauf am 02.12.2019:
Danke.
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Kommentar von Regina (01.12.2019)
Hinzu kommt, dass wir uns selbst nicht ganz kennen. Warum verbinden wir uns mit einem, der uns zum Opfer macht? Konnten wir unsere Opferrolle nicht erkennen? LG Gina
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TrekanBelluvitsh schrieb daraufhin am 02.12.2019:
Danke für diesen weiterführenden Gedanken.
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franky
Kommentar von franky (01.12.2019)
Hi lieber Trekan!

In diesen deinen Ausführungen steckt so viel Wahrheit drin. Der Mensch, den wir lieben und zu kennen glauben kann uns schmerz zufügen, weil dieser Mensch unsere Schwachstellen ausfindig gemacht hat und effektvoll verbal verletzen kann. Er wird verletzend, weil er sich durch Irgendwas angegriffen fühlt.
Das sind die kleinen, alltäglichen Kriege, aus denen dann die großen Schlachten entstehen.

LG Franky
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TrekanBelluvitsh äußerte darauf am 02.12.2019:
Danke für diese Verluste erklärenden Kommentar.
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Stelzie
Kommentar von Stelzie (01.12.2019)
Man kann zig Jahre lang Seite an Seite leben, ohne den anderen wirklich zu kennen. In langjährigen Beziehungen ist es wohl so, dass irgendwann beide staunen. Der Eine, weil er so viele Jahre nicht gewusst hat... und der Andere, weil er dachte, sein Partner weiß es...
Vielleicht sollten die Menschen wieder mehr miteinander reden, auch streiten, wenn nötig. Ich kann den anderen nicht kennen, wenn er mir nicht sagt, wer er ist. Natürlich muss ich es auch wissen wollen. Das ist beides unbequem, aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Liebe Grüße
Kerstin
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Graeculus ergänzte dazu am 01.12.2019:
Ich bemerke: Was uns unterscheidet, ist nicht die Erfahrung, nicht das Nachdenken darüber, sondern die Hoffnung.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für diese Gespräche "provozierende" Gedanken.
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (01.12.2019)
Lieber Trekan,
ja, gerade der, der sich immer wieder selbst in Frage stellt, kann sich selbst, den Wandelbaren, nicht kennen, geschweige denn den Anderen. Das birgt positive und negative Überraschungen. aber es ist gut so, weil es zeigt, dass wir in einem Maße entwicklungsfähig sind, dass die Kenntnisse hinterherhinken. Auch für den Menschen gilt: "Ich weiß, dass ich nicht weiß."
LG
Ekki
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für deinen weiterblickenden Kommentar
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Sätzer
Kommentar von Sätzer (01.12.2019)
Viele kluge Gedanken, aber..
"Viele meinen dann, dass sie es spüren. Das ist natürlich nicht wahr. Wir spüren nichts. Wir nehmen die Veränderung des anderen mit unseren Sinnen wahr. Wir beobachten sie. (Weil wir jedoch dem, was wir wahrnehmen nicht trauen wollen, verlegen wir die Beobachtungen ins Reich der Gefühle.)"
... hier sehe ich einen Wiederspruch. Spüren tue ich in erster Linie mit meinen Sinnen. Es ist nur eine Frage inwieweit die Bereitschaft beim Spürer ist, das auch wirklich wahrnehmen zu wollen.
Natürlich gibts völlig abgestumpfte Menschen, die das Spüren abgelegt haben, um nicht seelisch verletzt zu werden. Demgegenüber stehen Menschen, die - ohne dass Worte gebraucht werden -, sofort spüren/fühlen, was ansteht.
LG Sä

Kommentar geändert am 01.12.2019 um 13:36 Uhr
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Graeculus meinte dazu am 01.12.2019:
Das Sehen gehört zu den äußeren (nach außen gerichteten) Sinnen, während das Spüren ein innerer Sinn ist.

Ich sehe (beispielsweise), daß Du da bist und spüre dabei eine Freude. Beides hängt in diesem Falle zusammen, ist jedoch weit entfernt davon, dasselbe zu sein.

So kann ich mich bei der Wahrnehmung, Du seist da, irren (indem ich Dich mit jemandem verwechsle); daß ich Freude empfinde (oder Schmerz) kann niemals ein Irrtum sein, grundsätzlich nicht.
"Ich freue mich" ist infallibel, "ich sehe dich" ist es nicht.

(Darf ich noch einen Fachbegriff verwenden?) Zwischen beidem existiert ein kategorialer Unterschied.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für die vertiefende Kommentare
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Cora
Kommentar von Cora (01.12.2019)
"Wir lieben sie, weil wir denken, dass sie zu uns passen."

wirklich? Wir lieben, weil uns die Liebe packt.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für den eine andere Linie aufzeigenden Kommentar.
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Cora meinte dazu am 02.12.2019:
Ich glaube, du erwartest von dem Wort "kennen" etwas zu viel, so etwas wie die Innenansicht einer Person. Aber ist so eine Innenansicht überhaupt wünschens- und erstrebenswert? Wäre es nicht besser, das Innenleben dem Gegenüber zu lassen und zu respektieren?
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (01.12.2019)
Lieber Trekan,
dein Brief, so lang er ist, ist natürlich ziemlich nichtssagend. Warum ich das so kess behaupte? Darauf komme ich noch. Zunächst: warum sollten wir jemand anders kennen, wenn wir psychologisch nicht geschult sind? Das nächste ist, dass Psychologen meistens, das hört man immer wieder, besonders Psychiater, Eigenheiten angenommen haben, die darauf schließen lassen, dass sie sich mit anderen mehr als mit sich selbst beschäftigt haben, kurz, sie haben meist nicht nur einen, sondern mehrere Schäden genommen. Sich selbst zu erkennen, ist schwerer, als andere zu durchschauen. Sage ich. Und wenn man versucht, Rückschlüsse z.B. von großen Kriminalfällen zu ziehen, dann kann man nur schlussfolgern, dass irgendwer versehentlich oder mit Absicht die Stühle vertauscht hat und die Fragen und Antworten jeweils der Falsche gegeben hat. Aber ich will das nicht ausweiten. Ich lasse lieber François Villon sprechen. Mit dem, was ich oben angeführt habe, zuvor grüße ich dich aber äußerst herzlich, Gil:

François Villon (1431 – nach 1463)

Ballade vom nichtssagenden Gerede

Ich kann im Rahm das Fliegenei,
Am Rock den Stand des Manns erkennen,
Als ob ich ein Wahrsager sei.
Kann alle Apfelsorten nennen
Und jeden Baum am Harz erkennen,
Weiß Ähnlichkeit, Gleichheit zu finden
Und Fron von Müßiggang zu trennen.
Mich selbst nur kann ich nicht ergründen.

Ich weiß, welch Wams im Koller steckt,
Die Kutte zeigt mir, welch ein Glaube,
Der Knecht, wem er die Stiefel leckt.
Nonnen erkenn ich an der Haube,
Und am Jargon, wer lebt vom Raube,
Den Narrn am satten Wohlbefinden,
Am Faß erkenn ich schon die Traube.
Mich selbst nur kann ich nicht ergründen.

Ich weiß, was Pferd, was Maultier heißt,
Erkenn an ihrer Last ihr Leiden,
Ich weiß, wie man die Würfel schmeißt,
Vision und Traum weiß ich zu scheiden,
Beates Schmerz und Lieschens Freuden,
Weiß von der Ketzer Fehl und Sünden,
Roms Macht und Rache an den Heiden.
Mich selbst nur kann ich nicht ergründen.

Fürst, alle Tiefen, alle Höhen,
Erröten kann ich und Erblinden.
Ich hab dem Tod ins Aug gesehen,
Mich selbst nur kann ich nicht ergründen.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für den die Wahrheit in der Ironie suchenden Kommentar.
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Graeculus
Kommentar von Graeculus (01.12.2019)
Ich stimme Dir weitestgehend zu und kann aus meiner Sicht nur bestätigen:
- Wir verstehen einander nicht. Mit viel Mühe verstehen wir uns selber.
- Wir kennen nur wahrnehmbares Verhalten, also im besten Falle Verhaltensmuster.
- Nahestehende Menschen können uns den tiefsten Schmerz zufügen, weil sie unsere Verhaltensmuster kennen und damit auch unsere Schwachstellen.

Zu den Ursachen einige Bemerkungen bzw. Überlegungen:

- Denken und Fühlen spielen sich in unserem 'Inneren' ab und sind anderen Menschen nicht unmittelbar, sondern allenfalls vermittelt (indirekt) durch Verhaltensbeobachtungen, Sprechakte usw. zugänglich, wobei eine Deutung notwendig ist: "Wenn du X sagst/tust, dann bedeutet dies den gleichen Gedanken bzw. das gleiche Gefühl, wie wenn ich X sage." Eine Vermutung! Dein Schmerz ist etwas kategorial anderes als mein Schmerz - ich habe einen völlig anderen Zugang dazu.

- Wir können nicht entscheiden, ob der Solipsismus recht hat, d.h. daß nur ein einziger Mensch existiert bzw. ich nur von einem einzigen Menschen weiß.
Äußere Gegenstände zu erkennen, ist ein Widerspruch; es ist dem Menschen unmöglich, aus sich heraus zu gehen. Wenn wir glauben, wir sähen Gegenstände, so sehen wir bloß uns. Wir können von nichts in der Welt etwas eigentlich erkennen, als uns selbst, und die Veränderungen, die in uns vorgehen. Eben so können wir unmöglich für andere fühlen, wie man zu sagen pflegt; wir fühlen nur für uns. Der Satz klingt hart, er ist es aber nicht, wenn er nur recht verstanden wird. Man liebt weder Vater, noch Mutter, noch Frau, noch Kind, sondern die angenehmen Empfindungen, die sie uns machen; es schmeichelt immer etwas unserem Stolze und unserer Eigenliebe. Es ist gar nicht anders möglich, und wer den Satz leugnet, muß ihn nicht verstehen.

(G. Chr. Lichtenberg)

Es ist von grotesker Komik, wenn gerade Leute, die nur um sich selbst kreisen, behaupten, sie verstünden alles und jeden. Solipsisten sind es - nicht der geäußerten Überzeugung, sondern ihrer Praxis nach.

Es ist von tragischer Komik, daß wir trotz alledem immer und immer wieder versuchen, miteinander zu kommunizieren. Die Einsamkeit muß groß sein, um die Einsicht noch nach jahrzehntelanger Erfahrung beiseite zu schieben.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für diesen jeden Narzissten und Soziopathen auf die Palme bringenden Kommentar
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (01.12.2019)
Da knall ich doch den Faust auf den Tisch, "Habe nun ach! Philosophie, Juristerei...".
Man weiß alles und ist doch der arme Tor. Gefühle sind eben keine Mathematik. Die Skala der Verletzungen beginnt mit leichtfertiger Oberflächlichkeit und reicht bis zum Verrat und die Reaktion geht eben von Verschnupftheit bis Hass. Kein Mensch ist ausrechenbar, einschließlich wir selbst. Wir sind auf der Suche nach Harmonie und Frieden und herauskommt die Welt, wie sie ist!
TT
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 02.12.2019:
Danke für diesen es auf den Punkt bringenden Kommentar.
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AchterZwerg meinte dazu am 02.12.2019:
Wie heißt es so schön?
"Der Verräter liebt den Verrat!"
Das kann man immer wieder beobachten oder erfahren.
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Habakuk
Kommentar von Habakuk (02.12.2019)
Mir bleibt die Erkenntnis, dass ich so manche Person gar nicht kennen möchte. Aber grundsätzlich gebe ich dir recht.

H.
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TrekanBelluvitsh meinte dazu am 03.12.2019:
Danke für diesen grundsätzlich richtigen ersten Satz!
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Veröffentlicht am 01.12.2019, 4 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.12.2019). Textlänge: 757 Wörter; dieser Text wurde bereits 116 mal aufgerufen; der letzte Besucher war blauefrau am 07.12.2019.
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