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Der alte, schmutzige Hirte

Text


von Fisch

G. hockt auf den Stufen vor der Löffelabgabestelle Nord XI/7.
Die Löffelabgabestelle Nord XI/7 ist ein derber, unzumutbarer Zweckbau, viel zu viele Stockwerke, bedenkt man die hervorragende Stapelbarkeit von Löffeln.
Und bei äußerst geringem Phantasieverbrauch formt sich rasch das Bild eines Architekten, der, wie hingepflanzt neben einer meterhohen Yucca-Palme, derb und unzumutbar durch eine sich selbst verleugnende Brille mit viel zu stark entspiegelten Gläsern glotzt.

Herr Dr. W. drückt sich grußlos an G. vorbei, die Stufen hinauf.

'Kein Wunder bei dem Geschäftsmodell', rappelt es noch durch G.s Schädel, da setzt sich ein kleines Mädchen neben den Helden der unlosen Hüllenfahrt.

"Hey, G., erzähl mir eine Geschichte!"
    "Ok. Die von der magnetischen Krake?"
"Nee."
    "Ok, die vom alten, schmutzigen Hirten?"
"Au ja!"
    "Es war einmal ein al..."
"Och-nee, doch nicht so eine Geschichte. Eine wahre Geschichte!"
    "Ok. Die wahre Geschichte vom alten, schmutzigen Hirten?"
"Au ja!"

    "Es war einmal die wahre Geschichte von einem alten, schmutzigen Hirten, der so schmutzig war, dass man es kaum glauben mochte. Er war sogar noch schmutziger, als man es glauben  wollte. So schmutzig nämlich, dass man es zuerst nicht glauben mochte, dann nicht wollte, dann es trotzdem versuchte, dann Luft holte, dann röchelte, dann blutigen Schaum hustete und dann tot umkippte.
Der alte, wahre, schmutzige Hirte wohnte noch bei seinen Alten, die noch älter und noch wahrer waren als der Hirte ..."
"Und seine Tiere, wo waren die, G.?"
    "Alle tot umgefallen. - Also dort wohnte er bei seinem Vater und seiner Mutter, die alt waren und wahr, aber nicht schmutzig, denn sie gossen morgens wie mittags wie abends warmes, seifiges Wasser über ihre Häupter.
Eines Tages, als der Hirte mal wieder durchs Dorf streifte und hinter ihm die Leute tot umfielen, steckten die beiden die Köpfe zusammen:

'So geht es nicht weiter, Frau.'
    'Aber was sollen wir tun?  Es gibt hier weit und breit keinen Wald.'
'Aber Sand, Sand bis zum Horizont, Frau!'

Am nächsten Morgen weckten die Alten den alten, schmutzigen Hirten.
'Komm Sohn, wir wollen heute hinaus, Horizont-Sand holen, denn der ist besser als dieser neben unserem kürzlich tot umgefallenen, mumifizierten Kamel.'

Und so zogen sie in die Wüste, vorbei am vergifteten Brunnen, an welchem der alte, schmutzige Hirte sich einmal - einmal! -  einst - einst! - die Füße gewaschen hatte,  weit, weit weg vom Dorf, bis sie endlich den Horizont erreichten.
'Hier nun, Sohn, warte, wir wollen noch etwas weitergehen, hinter diese Düne, Sand scheffeln. Harre hier deiner und stecke deinen Kopf in den Sand, dass dir die Sonne nicht dein Hirn verkocht!'

Also verschwanden die Alten hinter der Düne und der alte, schmutzige Hirte stak seinen Kopf in den heißen Sand, dass es ihm nicht sein Hirn verkoche."

"G.?"
    "Jetzt nicht! - Der alte, wahre, schmutzige Hirte aber gewahrte, als er seinen Kopf aus dem Sand hob, einen tiefen stillen Nachthimmel mit tausenzähligen Sternen und einem Mond, der fern schien, aber nicht fern der Verwunderung und also zu dem Hirten sprach:
'Hirte! Was strecktest du, seit ich erwacht, mir deine fleischigen Hälften entgegen; ist das eine Art?'
    'Mond, es tut mir leid, aber ich schützte mein Haupt vor den Stacheln deiner Mutter! Doch nun sei’s genug und ich wandere heim mit den Meinen.'
'Den Deinen?'
Da lachte der Mond, denn der Überblick war der Seine.
'Niemand außer dir, du Wicht, ist am Orte. Du bist muttervaterseelenallein! Hohoho!'

Und fürwahr, allein stand der alte, schmutzige Hirte in bestem Horizontsand unter dem Mond und von fernen, entblößten Horizonten umzingelt ..."

"Wow, und dann?"
    "Keine Ahnung - gehen wir ein Eis schleckern?"
"Yeah! Danke, G.!"
    "Wie ist eigentlich Dein Name, Kleine, dass Du mich kennst?"
"Jojo, ich bin Deine Tochter, Du blöder Fisch!"
    "Nagut, aber den 'blöden Fisch' wickelst Du wieder ein, sonst warst Du mal meine Tochter!"

Anmerkung von Fisch:

Auf besonderen Wunsch des den Autoren stets umgebenden kreischenden und kik-wäschewerfenden Publikums, das vllt imaginär, jedoch insgl. höchst kompetent ist, hier ein vergleichsweise antikes Stück Literatur des Nutzers Fisch, der weiland als selbiger steif und im Lügenpressenmantel in der Tiefkühltruhe der Möglichkeiten lagerte, als gesandstrahlter Repost aus dem Jahre 2017.


 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (01.12.2019)
Hallo Fisch, ich kann das Metamärchen nicht deuten, aber eines sage ich gerne: Es ist spannend wie ein Kafka-Text.
Servus
Ekki
diesen Kommentar melden
Fisch meinte dazu am 01.12.2019:
Der Weg sei das Ziel, und deuten können wir noch, wenn wir's hinter uns haben.
Grimmscher Gruß,
F.
diese Antwort melden
EkkehartMittelberg antwortete darauf am 01.12.2019:
Dazu passt: "Von einem, der auszog, das Gruseln zu lernen" (Gebrüder Grimm)
diese Antwort melden
LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (01.12.2019)
Wiedererkannt. 😂

Winkewinke
Lotta
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Fisch schrieb daraufhin am 05.12.2019:
Winkewinke auf der Schaukel?

Mutig!
diese Antwort melden
Kommentar von Aha (03.12.2019)
Aha, der Weg ist das Ziel, - so ist es! Das Ende aller Erzählungen war eh ohne Ausnahme immer enttäuschend und hat bis jetzt jedes Werk im Nachhinein zerstört. Echte, geistig gesunde, authentische Autoren wollen eigentlich nur über den Weg schreiben, aber die Verläge verlangen ohne jeden Sinn und Scham ein abschließendes, womöglichst unerträglich kitschiges Ende.

Inzwischen hat man sich schon daran gewöhnt, daß auf das letzte Drittel, in den meisten Meisterwerken, ein peinliches Gemurksel angeklebt wird. Mir drängte sich der Gedanke auf, daß es sich bei den Eltern in Wirklichkeit um die Großeltern handelt... - solange, bis ich ihn wieder verwarf (halbwegs, verwarf). Abgesehen von der erquickenden aquarischen Begriffsschöpfung, erinnert mich der Erzählstil in Teilen an Grimm und Tolkien, von Kafka las ich leider noch zu wenig.

Saludos

A.
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Fisch äußerte darauf am 05.12.2019:
Der Weg sei das Ziel um noch mal das Sein und die Abgrenzung zum Hippie zu betonen, so Du erlaubst, Aha, wobei ich doch dem Gros Deiner Ausführungen meinen Segen erteilen möchte, in aller Bescheidenheit und von dieser umrankt, efeugleich, um dieses Wort auch einmal geschrieben zu haben,
denn manchmal ist das Schreiben eines Wortes ja auch ein Akt der Befreiung, ja, Erlösung; man bringt etwas hinter sich und das, was vor einem liegt, wird mithin ein klein wenig seines Nebels beraubt, oder?
Eine Geschichte zu(m) Ende zu bringen, ist oft genug nicht allein eine eigentümliche Form der Hybris, sondern, genau, auch das Ende der Geschichte, ihr finales Hinsiechen im Finale, das der Zwanghaftigkeit notlos dargebrachte Opfer.
Ich behelfe mich, indem ich das Ende scheue, dafür aber das finale Geschehen runde und den Leser in Scheinbarkeit entlasse...
F.
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Oreste
Kommentar von Oreste (04.12.2019)
So gut!

Ich werde das später noch zwei Mal lesen.
Und morgen dann fünf Mal.
Und weiter? Halt wieder und erneut.
Nur ahne - a.h.n.e.! - ich, dass ich das gar nicht so oft werde lesen können, wie ich für mich bis Dato Verborgenes entdecken würde.
Was also tun? Nochmal lesen!


O.
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Walther ergänzte dazu am 05.12.2019:
Hm. ziemlich gut geschreibselt.
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Fisch meinte dazu am 05.12.2019:
Gut. O., sah jetzt für so 2, 3 Minuten aus
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Fisch meinte dazu am 05.12.2019:
als hätte ich eine hypertonische Birne.
Aber geht wieder.
Gib mir Kunde, wenn Du's ausgelesen hast.
Ich stell's dann wieder ein.
F.

Hi Walther,
klar, hier kommt nur Qualitätsgeschreibsel hin.
Und, in die Lücken, in die kein Qualitätsgeschreibsel kommt,
stopfe ich Geschreibsel rein wg. des konsistenten Eindrucks.
Grüßt der
F.
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Walther meinte dazu am 06.12.2019:
man kann wörter und worte ganz fein schreibseln, würzen, braten/kochen/dünsten/grillen/backen/einfrieren, abschmecken und servieren, genau wie fisch, lb Fisch. bei eis ist das ein wenig anders. lg W.
diese Antwort melden
AvaLiam
Kommentar von AvaLiam (05.12.2019)
Lesen hat Spaß gemacht...

...und keinen Sand im Getriebe hinterlassen.

Werds sicher auch noch 2,3 Mal lesen .


unterhaltene Grüße - Ava
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Fisch meinte dazu am 06.12.2019:
Freut, LiamAva ...

... und klar, ich fege vorm Hochladen.

wüste Grüße,
F.
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