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Kein Beinbruch!

Sestine zum Thema Allzu Menschliches


von LottaManguetti

In Gips gegossen zwackt und brennt mein Arm
seit Nächten, die ich seit dem Fall durchwacht.
Vermaledeit sei jener tumbe Stein,
der heut noch frech mein Ungeschick verlacht
und unbeachtet  brät am Strande, warm.
Verflucht sei auch der süße Erdbeerwein!

Ach, schmeckte er doch widerlich, der Wein!
Denn dieses Mal erwischte es den Unterarm:
Die Sonne schien am Meer so wunderwarm,
als trunken ich, die laue Nacht durchwacht,
am Strand mich fand. Er hat mich ausgelacht,
grad als ich stürzte über jenen Stein.

Naiv im Sand lag einsam dieser Stein,
wo ich, berauscht vom schweren Erdbeerwein,
hab all die müden Möwen ausgelacht.
Ich stolperte und stürzte auf den Unterarm.
Von Schmerz erfüllt bin ich flugs aufgewacht,
allein der gelbe Sand umfing mich warm.

Mich trafen erste Sonnenstrahlen warm.
Verdutzt fixierte ich den Stolperstein.
Ganz plötzlich schien ich aus dem Rausch erwacht.
Im Kopfe hämmerte noch Erdbeerwein,
auch spürte Stiche ich, Zäsur im Arm ...
Vor Schmerzen hätte ich fast laut gelacht!

Welch Bild! Ich habe dann doch aufgelacht,
wenngleich - es kullerten auch Tränen warm.
Schuldlos schwoll dick mein bester Unterarm
(ein Beinbruch wäre näher dran am Stein!).
Welch Trugschluss, dass, nach dem Genuss von Wein,
sein Schutzengel Beduselte bewacht!

Recht schleierhaft, wen der da überwacht,
derweil sich amüsiert ins Fäustchen lacht,
das Bäuchlein feste hält, indes ich wein.
Ihm wird jedoch ums lichte Herze warm,
wenn dabei unversehrt bleibt so ein Stein.
Ich brüllte wütend: "Flügelbruchalarm!

Wenn einst mein Arm aus Gipsbinden erwacht,
zeig ich dem Stein, wer wohl als letzter lacht
und übergieß ihn warm mit Erdbeerwein!"

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Ralf_Renkking (02.12.2019)
Hi Lotta,

ich bin ja überhaupt kein Freund dieser Gedichtform, weil ich weder Identreime (nicht zu verwechseln mit Haufenreimen) mag, noch mir das Schema liegt, aber dieses Gedicht hat mich auf eine Idee gebracht.

Ciao, Frank

P.S.: Müssen die Endungen unbedingt alle stumpf sein? Ich könnte mir vorstellen, dass beim "Terzett" Probleme auftreten, die dürften jedoch zu lösen sein.
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LottaManguetti meinte dazu am 02.12.2019:
Eigentlich sollen sich die Endungen gar nicht reimen, Frank. Ich habe aber meine Freude daran, es trotzdem zu tun. ;)
In der Regel ist das Versmaß des Endecasillabos anzuwenden - sechshebiger Jambus -, durchaus üblich ist aber auch der fünfhebige, den ich hier verwende. Ob nun mit weiblicher oder männlicher Kadenz bleibt dem Autor überlassen.
Solltest du den Drang verspüren, eine Sestine zu schreiben, kann ich nur dazu raten, mit der dreizeiligen Coda zu beginnen und das Gedicht hernach dorthin zu entwickeln. Für mich stellt es sich sehr schwierig dar, nach all der Mühe auch noch eine schlüssige Coda zu verfassen.
Mit den Reimwörtern kannst du spielen: Wein, ich wein, Erdbeerwein/ ...al-arm, Arm, Unterarm - Hauptsache, das Wörtchen "wein" oder "arm" erscheint am Ende. Das macht es ein wenig einfacher, mit Variationen zu spielen.

Lieben Gruß
Lotta
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Ralf_Renkking antwortete darauf am 02.12.2019:
Hi Lotta,

dass die einzelnen Strophenverse sich untereinander nicht reimen müssen, weiß ich wohl, aber gerade das macht für mich den Reiz aus, mich überhaupt an einer Sestine versuchen zu wollen, denn zumindest innerhalb einer Strophe könnte ich eine Haufenreimung mit (pseudo)grammatikalischen Bezügen, also abwechselnd männlichen und weiblichen Endungen unterbringen, und wenn ich die Identreimung innerhalb des Terzetts mitrechne, und dementsprechend verkürzt darstelle, komme ich auf 42 Verse, das wäre ein Dreifachsonett, und würde für mich sowieso bedeuten, mit der Coda zu beginnen, weil
Aber grau ist alle Theorie, und momentan habe ich auch noch keine Idee zum Inhalt. Danke noch mal für die formale Idee.

Ciao, Frank

P.S.: Den Unterschied zwischen Vers Commun und Endecasillabo im Deutschen habe ich übrigens noch nicht verstanden, hängt das irgendwie mit männlichen und weiblichen Reimen zusammen?
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LottaManguetti schrieb daraufhin am 02.12.2019:
Fünfhebig: xXxXxXxXxX(x)
Sechshebig: xXxXxXxXxXxX(x)

Weibliche (x) oder männliche Kadenz X

Muss mal schauen, ob ich ne Sestine (von mir) finde, die weibl. Kadenzen hat.

Antwort geändert am 02.12.2019 um 19:49 Uhr
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Ralf_Renkking äußerte darauf am 02.12.2019:
Aber die 6hebigen werden im Deutschen doch dann als Alexandriner bezeichnet, sogar bei durch ein Wort laufender Zäsur, wenn mich nicht alles täuscht.
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (02.12.2019)
Bingo meine Liebe!
Schwups sind sie alle in den letzten drei Zeilen
Bin begeistert,
TT
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LottaManguetti ergänzte dazu am 02.12.2019:
Upps, dass dir das auffällt! Cool.

Lieben Gruß
Lotta
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Oreste
Kommentar von Oreste (02.12.2019)
Lotta!

Ganz im Gegensatz zu dir, das weißt du, das weiß jeder, habe ich null Plan von Sestinen. Bei Coda denke ich, als halbblutiger Pizzamann, an nichts Anständiges und jene charakteristische komplexe Wiederholungsstruktur lässt mich mehr ans allmorgendliche Geschäft denken denn an Gedichtformen aus dem 12. Jahrhundert. Aber weeste wat? Mir jefällts, wat ick hier les! Ick finds jut!

Dumm, aber lyrisch:
O.
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LottaManguetti meinte dazu am 03.12.2019:
Oreste! ( )

Man kann, muss aber nicht.
Für mich ist wichtig, meine Freude am Schreiben mitzuteilen und bestenfalls zu teilen. Ob nun in starrer Form oder freier - mir egal. Solange sich Mitmenschen daran erfreuen können, find ichs super!

Liebe Grüße
Lotta
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Graeculus
Kommentar von Graeculus (02.12.2019)
Da kann ich nur staunen: über das skurrile Personal, das Du uns hier vorführst, und über die Kunst, mit der Du das tust. So wird aus einem unwillkommenen Ereignis ein willkommenes Werk.
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LottaManguetti meinte dazu am 03.12.2019:
Lieber Graec (ich kann es noch immer nicht fassen, dass du zurück bist!),

ist das schon Kunst oder kann das weg? Wurscht.
Schön, dass du mir einen Fehler "gemeldet" hast. Von Betriebsblindheit wird niemand verschont!

Es winkt dir
Lotta
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Kommentar von Agneta (03.12.2019)
alle Achtung, eine Sestine mit Augenzwinkern, das hat schon was, liebe Lotta.
LG von Agneta
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LottaManguetti meinte dazu am 03.12.2019:
Danke , Agneta
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LottaManguetti
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Veröffentlicht am 02.12.2019, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.12.2019). Textlänge: 244 Wörter; dieser Text wurde bereits 90 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
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