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Erzählung zum Thema Ende


von RainerMScholz

Nacht voller Schemenhaftigkeit, Neonlicht in regennassen Asphalt geätzt, Stimmen, ein Flüstern aus heimlichen Winkeln und Spalten, diabolisches Kichern, Wiehern, kratzendes Keuchen aus blinden Fensterfluchten, ein Leuchten rotglühend weißverdrehter Augäpfel, Grinsen hellgrüner Phosphat­hauer, eckig, reißend, vampiresk, Lefzen weinender Kirschmünder. Schritte auf ausgetretenen Wegen, Straßen, über unbelebte Plätze schreiender Leere, an scheinbar unbewohnten Orten, an denen die Klaustrophobie der Massen des Tages nachhallt wie beredtes Echo.
Aus den Steinen der Mauern, über die singenden Zäune, von jenseits der Tunnel und Schächte grollt die Stadt, brüllt ihre Seele, weint das Tier und gebiert...

Alles ist mein, ich bin alles. Sie suchen nach mir, doch ich bin der Jäger. Mir gehört die Nacht und die Vergeltung. Ich begleiche die Rech­nung. Weiß um ihre Ängste, kenne ihre Lust und den Wahn, bin schon überall gewesen, besitze die Schlüssel zu jedem Schloss der Stadt. Ich weiß schon, dass sie mich verachten - so haben sie es nicht anders verdient. Würden Sie das geschehen lassen? Das zulassen? Ich bin die Hyäne, die die Kadaver frisst.
Ich mach’ nur sauber. Hinter euch. Haltet eure Straßen rein! Frauen und Kinder zuerst! Beim Verlassen stets das Licht löschen! Spare Strom! Immer das Licht löschen. Das Leben löschen.

Er lag betrunken in der Gosse und schlief in seinem Erbrochenen, der schwere Schädel war auf die Schul­ter gekippt und sein Zottelhaar hing ihm in fettigen Strähnen in die Stirn. Die silbernen Adlerschwingen der Gürtelschnalle drückten sich in den feisten, weißen, behaarten Bauch, der sich über der schwarzen, viel zu engen ledernen Hose wölbte. An der den Körper stützenden rechten Hand des Mannes blitzten Totenkopfringe, Adlerkopfringe martialisch sil­bern. Er bemerkte mich nicht, er zuckte nur in arhythmischen Intervallen, versuchte sich aufzurichten, speichelte auf sein Kinn und seine Brust, sank wieder zurück ins Delirium. Ich betrachtete eingehend seine hässliche verpickelte Visage, die aufgequollene, von geplatzten Äderchen vernetzte Nase, die fetten Lider, seine herabhängenden, mit Erbrochenem verkruste­ten Mundwinkel. Er schien zu träumen. Also weckte ich ihn. Mit dem Tep­pichmesser schlitzte ich seine linke Wange auf. Augäpfel rollten unter den Lidern, das Blut quoll aus dem Schnitt, er kratzte sich bewusstlos in der Wunde. Das bleiche rosige Wangenfleisch hing lose von seinem Gesicht und allmählich begriff er. Ein spasmodischer Ruck durchfuhr seinen Körper. Er schlug die Augen auf, riss sie ganz weit auf, stierte verständnislos, irr: Das Blut an seinen zitternden Händen, das Neonlicht, die Straße, der Fremde. Ich. In einer panischen Anstrengung versuchte er aufzustehen, verbrachte sich auf alle Viere. Ich nahm seinen Schädel, zerrte ihn über das Pflaster, knallte ihn an die Häuserwand bis er still sitzenblieb. Den Kopf schiefgelegt, betrachtete ich ihn, der schon aufgegeben hatte. Nach Mitternacht. Alles war still. Ich stieß das Messer in seinen Wanst, stieß zu, bis meine Hand im Fleisch ver­sunken war. Er öffnete blöde den Mund und sah zu, während das Blut sich eruptiv aus seinem Innern erbrach, sich zwischen seine gespreizten Beine ergoss zusammen mit seinen Gedärmen.

Sein Kopf sank vornüber, als er, immer noch verständnislos, aufhörte mich anzustarren.  Er sah mich nicht mehr und hatte mich auch nie gesehen.
Ich hörte meinen Namen rufen. Eine Stimme in meinem Kopf. Als riefe er nach mir, während das Leben aus ihm herauslief.
Doch es war eine Frauenstimme, die rief: „Seveso?“

Er wirbelt herum und sieht sie, ihre verdrehte, ausgemergelt erscheinende Gestalt, die schwarzen Netzstrumpfhosen, spitze Brustwarzen durch ein dünnes Batikhemd gedrückt, rotes Handtäschchen lose an der knochigen Schulter, roter Lippenstift, rote Haare, roter Blick: Clarissas Finger kriechen brüchig in ihr entsetztes Gesicht, aus dem flackernde schwarze Augen ihn verwirrt ansehen, das Messer sehen, den Toten sehen. Opaleszierende Schwarzschatten schleichen aus den Spalten in der Welt, eine schimmernde Phosphoreszenz senkt sich über die absurde Szenerie. Wie Benzin in einer schillernden Lache.
Dann reißt zwischen Seveso und Clarissa ein schwarzes Loch auf. Der Tote am Rande der Straße verschwindet in der Kulisse eines unerklärlichen Kammerspiels. Als Seveso sich schlangengleich aufrichtet, mit dem besudelten Messer auf die erstarrte Frau deutet, zu ihr tritt und sie umarmt. Zärtlich ihre Wange küsst. Die Handtasche rutscht von ihrer Schulter. Und fällt zu Boden. In den Dreck aus Gedärmen und Körperflüssigkeit.
„Wir gehen zu Dir.“, flüstert der Mörder ihr leise ins Ohr.
Dann nimmt er ihre Hand in die seine und die Lichter werden blasser, verschwimmen im Nebel der Gaslaternen, die einzigen Zeugen.


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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Langer Nächte Messer.
Veröffentlicht am 14.01.2020. Textlänge: 715 Wörter; dieser Text wurde bereits 73 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 23.06.2021.
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