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Das Flüstern

Erzählung zum Thema Natur


von RainerMScholz

Die Blätter rascheln und wispern und raunen; eine Bewegung ist unter den Borken und der mit Laub und Moos und Totholz bedeckte Boden lebt; die Stämme knarren, brummen sonor, unhörbar, doch stetig präsent.
Der Mann starrt in die sich wiegenden Baumkronen. Das Weiße in seinen aufgerissenen Augen ist blutunterlaufen. Da ist dieses Pfeifen und Wehen. Er breitet die Arme aus und dreht sich im Kreis. Die Stiefel an seinen Füßen verursachen ein scharrendes Geräusch. Er streift sie ab. Er beginnt zu rennen, entledigt sich seiner Kleidung im Lauf. Immer noch starrt er in die Kronen, in den dazwischen liegenden Himmel. Er rennt, stößt an schartige Baumstämme, torkelt über Wurzeln und tote Äste, durch Mulden und Senken. Immer schneller und schneller, wie zum Ausgang eines großen Strudels.
Ein Männlein steht im Walde
ganz still und stumm.*
Es gibt ein sirrendes Geräusch, Eisenkrampen reißen aus Holzpflöcken. Die Straße durch den Wald ist nicht weit. Ein vereinzeltes Motorengeräusch verstummt in der Ferne. Der Mann hat sich im Stacheldraht des Zaunes verheddert. Immer noch versucht er in den grünen Himmel zu blicken, doch der Draht in seinem Nacken biegt seinen Kopf nach unten; je stärker er es versucht, um so tiefer reißen die Wunden. Er möchte nur noch einmal nach oben schauen. Nur einmal noch. Das Flüstern nimmt zu. Dann verstummt es abrupt. Er atmet ein letztes Mal aus.

Er war ganz nackt gewesen und blickte so irr mit der Axt in der Hand. Und dann kam er auf uns zu gerannt. Mit der Axt. Gottseidank hatte ich das Kind gerade auf dem Arm. Er stürzte sich auf den Kinderwagen und schlug mit der Axt auf den ein. Alle schrien. Mein Mann versuchte den aufzuhalten, aber das ging ja nicht. Wie bekloppt zerfetzte er den Wagen, und dann rutschte er ab und  - zack – hatte er sich ins Bein gehackt. Aber das hielt den gar nicht ab. Wir waren da schon ein Stück weiter, aber der bearbeitete immer noch den Kinderwagen. Der sah vielleicht aus. Und überall Blut. Ich musste weinen, aber irgendwie auch lachen, ich weiß nicht. Der ist dann wieder in den Wald, wo er hergekommen ist. Da ist es ja ganz finster, dass man nichts sieht, so dunkel und dicht wie die Bäume da stehen. Wir wissen nicht, wo er dann hin ist. Es ist ja November und ziemlich kalt schon. Wir wissen es nicht.

So hoch oben die Äste, dass man alles vergessen mag. Die Sehnsucht schmerzt, und ich will alles vergessen. Ich will nicht mehr wollen. Ich will nicht mehr ich sein. Dieses Raunen und Flüstern, das leise Singen. Wie die Erde selbst, wie der Klang des Planeten bei seiner Reise durch das dunkle All. Und ich bin ein Teil dessen. Ihr seid es nicht, die ihr das nicht zu vernehmen vermögt, mit euren dissonanten Geräuschen und Gedanken, euren lächerlichen Gebärden und mörderischen Gewohnheiten. Ihr widert mich an. Ihr seid wie Aussatz, wie Staupe. Ich muss mich kratzen. Es juckt überall. Ich muss mich kratzen!
Wer mag nur das Männlein sein,
das da steht im Wald allein.
Ich muss mich kratzen! Muss mich kratzen! Ich Muss Mich Kratzen!

Der alte Mann war sofort tot. Er hatte ihm mit einem knorrigen Ast auf den Kopf geschlagen, der alte Mann kippte vornüber von der Bank am Waldesrand und sank tot zu Boden. Seine Frau war vor  entgeistertem Schrecken zur Seite gesprungen. Sie starrte mit den Händen vor dem Mund den Mann an, der da aus dem Wald getreten war und ihren Gatten erschlagen hat. Sie rief leise seinen Namen, aber er antwortete nicht. Sie ging langsam rückwärts, ohne zu wissen, wohin sie trat. Der Angreifer hatte den Mund weit aufgerissen, aber kein Ton war zu hören. Er hielt den Ast weit über seinem Kopf. Die Frau stürzte im Rückwärtsgehen, mühsam hielt sie auf Händen und Knien inne. Dann schrie sie, erst leise und stockend, dann gellend laut, anhaltend, schrill und rau zugleich. Der Mann, der aus dem Wald gekommen war, hieb den Ast auf sie.
Ein Jakob steht im Walde
ganz still. Und stumm.
Ihr Rückgrat brach. Blut spritzte aus dem Mund der alten Frau. Dann war sie still. Luftbläschen bildeten sich in der Lache.
Die Sonne zog rot gen Westen. Aber das wusste der Mann nicht.

Die außergewöhnlichen Vorfälle kamen in allen Medien. Es wurde viel gemutmaßt, aber ein Zusammenhang ließ sich nicht ermitteln. Die Täter waren nackte Männer, die zuvor im Wald gewesen sein mochten, die scheinbar unmotiviert ihre Taten begingen. Nach einigen wurde noch gesucht.

Eine Maria steht im Walde.
Still. Stumm.

Nackt und bar hatte sie sich auf sie gestürzt. Sie hatten das erst für einen Witz gehalten. Aber die Frau war ganz stumm gewesen. Sie hatte einem ihrer Freunde einen spitzen Stock in das Auge getrieben. Der Stecken war auf der anderen Seite wieder herausgekommen und alles schwamm vor Blut. Sie strich sich mit den Händen ihre Seiten und atmete stoßweise. Sie starrte sie mit geweiteten Augen an, blickte aber auch ständig und wie erwartungsvoll in die Baumkronen. Dann lief sie fort.

Das Rauschen. Vielleicht ist es der Beginn von etwas. Diese Menschen werden mehr. Die keine Menschen mehr sind. Sie sprechen nicht und ihre Taten sind unklar. Dieses Rauschen und Flüstern scheint sie zu beeinflussen. Das Raunen und wie entferntes Singen. Diese Stimmen, die eigentlich keine sind. Das unvermittelte Rascheln trockener Blätter, das Knacken von Zweigen. Ein Huschen. Ein Hauch.
Und diese Wesen. Diese Wesen, die überall sind.



*Hoffmann von Fallersleben


© Rainer M. Scholz


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Veröffentlicht am 05.02.2020. Textlänge: 909 Wörter; dieser Text wurde bereits 31 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.04.2020.
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