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Auf dem Marktplatz

Szene zum Thema Gegensätze


von LottaManguetti

Unzählige Fenster eröffnen ihren Bewohnern einen Blick auf den Marktplatz. Wer hier wohnt, lebt am Puls der Stadt. Nicht jeder ist gleich als Schaulustiger erkennbar. Manch einer verbirgt sich hinter Gardinen, andere lugen durch den Spalt schwerer Vorhänge. Wo sich Sonne im Glas spiegelt, bleiben sie unentdeckt. Hie und da sind Fensterflügel geöffnet. Manchmal bleibt jemand  davor stehen, geht weiter. Andere, auf Kissen gestützt, lassen den Blick auf dem weiten Rund ruhen.
Ich sitze am Brunnen, beobachte das Wasserspiel und lausche der Amsel, die allmorgendlich ihren Auftritt auf dem Rathausturm hat. Leise Stimmen beleben diese Stunde. Sie kommen und gehen, nähern und entfernen sich wieder.
„Willkommen bei uns!“
Aus all meinen Gedanken aufgeschreckt reiße ich den Kopf hoch. Vor mir postiert sich ein hochaufgeschossener, hagerer Blondschopf, mustert mich, grinst. 
„Guten Morgen.“
Die Amsel hat ihren Morgengesang eingestellt. Nur der Brunnen speit unverdrossen. Ich bemerke, wie sich weitere Fenster öffnen.
‚Stoßlüften‘, schießt mir durch den Kopf.
„Und?“
Dieses Wort verwirrt mich. Was und? Der Typ steht noch immer da.
„Ich verstehe nicht.“
Die Antwort hatte er sicher nicht erwartet, denn sogleich beginnt er von Willkommenskultur zu faseln, setzt sich zu mir – zu nahe! Obwohl ich ein Stückchen wegrücke, folgt er mir, rückt näher. Er sei schon eine Ewigkeit auf diesem Marktplatz, wisse alles. Wenn ich Fragen hätte, er könne mir weiterhelfen. Nein, ich habe keine Fragen.
Kurzzeitig rückt er ein paar Zentimeter zur Seite. Sonnenstrahlen brechen sich im hervorstrudelnden Wasserstrahl und lassen einen wunderschönen Regenbogen entstehen.
„Seien Sie vorsichtig“, schnarrt er mir ins Ohr, „hinter den Fenstern die …, die schauen zu und schauen sich alles an und dann, dann reden sie drüber. Sie müssen achtgeben! Sicher wollen Sie kein schlechtes Bild von sich abgeben!“
Das Grinsen, das sich gerade eben in meiner Mimik breitmachen will, rufe ich zur Ordnung. Pokerface, meine Dame, Pokerface! Innerlich packt es mich jedoch. Stoff für einen neuen Charakter, denke ich, einen, der sich freiwillig präsentiert, den ich mir nicht ausdenken muss.
Und so höre ich mich sagen: „Das ist der Grund, warum ich hier bin.“
Der Typ springt auf, hüpft krähend um den Brunnen, bellt gen Himmel und plumpst zurück auf den Brunnenrand. Zu Boden starrend brabbelt er unverständliches Material. Ich verstehe kein Wort. Sollte ich Mitleid empfinden? Ich bin ratlos. Bis vor einigen Minuten noch genoss ich den Morgen, erfreute mich am Regenbogen, am Gesang der Amsel. Seitdem mich dieser Kerl angesprochen hat, fehlt mir die Muße.
Ich rufe mich zur Ordnung: Ignorier den. Lass ihn in Ruhe, dann geht der wieder. Höre nicht zu. Schenke ihm so wenig Beachtung wie möglich!
Einen Moment funktioniert das. Dann aber beginnt mein Sitznachbar mit den Beinen zu zappeln. Sein Gesicht verbirgt er hinter beiden Händen, durch die Finger lugt er in meine Richtung.
Es bedarf keinerlei Willens meinerseits, keiner Anstrengung. Meine Augen rollen ganz von allein.
„Darf ich Sie bitten, mich in Ruhe zu lassen?“
Meine Bitte spreche ich betont freundlich aus.
„Sie sind bösartig, Madame, bösartig und dämlich!“
Habe ich ihn verärgert? Bösartig bin ich nicht. Dämlich … na ja, das ist immer ne Frage der Perspektive, denke ich und werde schon wieder unterbrochen, denn der Typ klappert jetzt die offenen Fenster ab.
„Stimmt doch oder?“, höre ich ihn brüllen. "Sowas von dämlich!"
Die meisten Leute, die bis eben noch auf den Marktplatz blickten, schließen ihre Fenster und ziehen schwere Vorhänge davor. Nur eine Handvoll bleibt auf Kissen gefläzt, glotzt in stoischer Manier auf das Ereignis. Ein dünnes Stimmchen von hinter einem Wühltischgardinchen wirft dem Langen  tröstende Worte zu. Der klaubt sie auf und steckt sie sich tief in die Hosentaschen.
Ein Wunder, wie der Regenbogen sich inzwischen über den halben Brunnen spannt! Ich liebe dieses Funkeln des Wassers in der Morgensonne. Die Amsel, die eben noch  ihr Begrüßungslied vom Rathausturm schmetterte, pickt zu meinen Füßen Brotkrumen.
Auf dem Heimweg mache ich Halt am Blumenladen und kaufe ein Körbchen mit Osterglocken. Für den Küchentisch, denke ich.
Die Welt ist bunt, die Welt ist schön.

 
 

Kommentare zu diesem Text


EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (18.03.2020)
hallo Lotta, ich habe längere Zeit an dem berühmten Marburger Marktplatz gewohnt und dort auch die Erfahrung gemacht, dass er zum Jahrmarkt von Eitelkeiten wurde. Aber in meiner Erinnerung überwiegen die schönen Idyllen. So verstehe ich auch deinen Text.
Liebe Grüße
Ekki
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LottaManguetti meinte dazu am 18.03.2020:
Lieber Ecki, du hast es erfasst. Selbst wenn uns in all der Schönheit auch einmal das Grauen begegnet, es ändert nichts an der Schönheit.
Man darf es ganz bald auch wieder vergessen.

Lotta
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Kommentar von Ralf_Renkking (18.03.2020)
Hi Lotta,

egal was Du damit sagen willst, Du sagst es (Das musste echt mal gesagt werden).

Ciao, Frank
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LottaManguetti antwortete darauf am 18.03.2020:
Hi Frank, Obiges ist genau die Sichtweise, mit der ich persönlich am besten klarkomme. Mir ist das heute morgen auf dem Weg zur Arbeit einfach als Gedanke vor die Füße gefallen. Und was raus muss ... kennste bestimmt auch.
Zumindest musste ich mich zu nix zwingen. ;)
Überarbeiten müsste ich noch etwas, aber dazu hab ich jetzt keine Zeit. Später.

Lotta
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Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 18.03.2020:
Ich finde die Szene auch so schon klasse, Lotta, da bin ich ja mal gespannt.

Ciao, Frank
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LottaManguetti äußerte darauf am 18.03.2020:
Danke
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eiskimo
Kommentar von eiskimo (18.03.2020)
Eigentlich ein Anti-Erlebnis, aber so toll beschrieben, dass es einen sofort Anteil nehmen lässt.
So Heinis gibt es! Und diese Art Gaffer sowieso.
lG
Eiskimo
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LottaManguetti ergänzte dazu am 18.03.2020:
Überall, eiskimono, überall!
Ich gebe zu, manchmal gaffe ich auch.

Lotta
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Serafina
Kommentar von Serafina (18.03.2020)
Hallo LM,
Selber zu entscheiden, was man an sich heranlässt. Sich erschrecken und trotzdem weiter gehen. Ein bisschen verrückt sein aber auf seine eigene Art. Glücklich darüber sein, dass nichts schlimmeres passiert ist und das zu schätzen wissen. Sich abgrenzen.
Diese Szene erzählt von Resilienz, denke ich.
Liebe Grüsse,
Serafina

Kommentar geändert am 18.03.2020 um 13:45 Uhr
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LottaManguetti meinte dazu am 18.03.2020:
Hi, serafina,

da könntest du Recht haben. Resilienz ...
Und ja, mich stresst so schnell nix. Ich liebe die Beobachtung. Die öffnet tausendmal interessantere Blickwinkel, als wenn zwei Leute wie Stiere aufeinanderkloppen.
Aktion-Reaktion und dgl. Am liebsten beobachte ich Ausreden, fehlende Selbstreflexion und unbegründete Arroganz. Die menschl. Abgründe sind so wunderbar vielfältig.
Ebenso gehe ich mit der aktuellen Panikmache um.
Hygiene und basta.

Lotta
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (18.03.2020)
Ich vermute, der blonde, aufdringliche Spinner ist eine Metapher, aber ich erkenne nicht, für wen oder was er steht...
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LottaManguetti meinte dazu am 18.03.2020:
Eine Metapher? Traust du mir keinen geradlinigen Text zu, Dieter?
Na gut, er steht für das, was der Leser hineininterpretieren will oder für sich selbst.
Ich kann schlecht vorschreiben, wie mein Text gelesen werden soll, gleichwohl ich Bilder aus meinem Kopf beschreibe.
s. Serafina, die eine aufschlussreiche Lesart vorlegte.

In diesem Sinne
Lotta

Antwort geändert am 18.03.2020 um 17:30 Uhr
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 18.03.2020:
Okay, Und wozu dient die blumige, stellenweise etwas schwülstige ("Nur der Brunnen speit unverdrossen") Szenenbeschreibung zu Beginn des Texts?
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LottaManguetti meinte dazu am 19.03.2020:
Hi Dieter, ich beantworte dir gern deine Fragen. Diese sollten allerdings gewisse Untertöne vermeiden, damit ich sie als aufrichtig gestellte Informationsbitten erkennen kann.

1. "Brunnen speit" - sieh dir bitte den semantischen Zusammenhang an und überlege, warum ich "speien" schrieb und nicht "sprudelt, gluckst" oder ähnl.

Ich gebe zu, das geht ein wenig sehr tief. Ich persönlich beanspruchte diese Tiefe aber, wenn ich schreibe. Das muss nicht jeder erkennen/tun.
Für mich steht das Kunsthandwerk aber schon im Vordergrund.

2. Rahmenhandlung

Lotta

Antwort geändert am 19.03.2020 um 09:02 Uhr
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 19.03.2020:
Ja, der Text hat so einen Zuckmayer-Touch.
Schreiben als Kunsthandwerk? Finde ich den falschen Ansatz. Schreiben ist doch kein handgeklöppeltes Makramee auf dem Weihnachtsmarkt.
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LottaManguetti meinte dazu am 19.03.2020:
Mein Ansatz ist, keinen bildzeitungsverseuchten Journalismus hervorzubringen bzw. dem Massengeschmack zu huldigen. ;)
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (18.03.2020)
Hallo Lotta,
manche Leute, so scheint es, müssen einfach pöbeln. Virtuell oder real. Neulich hatten wir, also meine Frau und ich, uns entschlossen, eine größere Runde um unser Wohngebiet zurückzulegen. Vorbei an der Friedenskirche, um das Klinikum herum, da wollte ich ihr den großen Stein zeigen, auf den immer unsere Enkel klettern (etwa 2,50 m hoch und 6,00 m lang), wenn ich mit ihnen allein unterwegs bin, der zwischen der Geriatrie und der Kinderpsychiatrie liegt. Daneben befindet sich ein Raucherpavillon, aus dem vier Leute kamen, ein Schlaks von etwa 1,90 m, eine Rollstuhlfahrerin und zwei weitere Personen. Um aneinander vorbeizukommen, der Weg ist ca. 1,20 m breit, ging ich vor, meine Frau war hinter mir, sodass Platz für den „Gegenverkehr“ verblieb. Als wir vorbei waren, hörte meine Frau den spindeldürren Schlaks sagen: „Die Leute werden auch immer dicker!“ Zum Glück habe ich mit meinen 74 Kilo bei mittlerer Körpergröße dies nicht gehört. Dennoch hat es mich hinterher verstimmt. Aber du hast es erfasst: Die Welt ist bunt und schön und pöbelnde Mitmenschen sollte man einfach ignorieren!
Übrigens danke noch und viele liebe Grüße von Gil.

PS: Kurz vor dem Ende unserer Tour steht sie noch, die „traurige Giraffe“ aus Bronze, etwa 2,50 m hoch. Eine Wortschöpfung unserer Enkelin, wohl, weil sie den Kopf hängen lässt!
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LottaManguetti meinte dazu am 19.03.2020:
Hi Gil,

manche Leute pöbeln, weil sie sonst vereinsamen würden. Fehlende und dazu fruchtlose soziale Kontakte bringen oft aufdringliche Charaktere hervor, die sich zuerst wie Kletten an deine Klamotten heften, um dich hinterher, wenn du dich ihrer entledigt hast, als schlechten Menschen hinzustellen. So sind wir halt, wir Humanoiden.
Deine Enkelin ist taff! Ihre Sicht auf die Umgebung muss gefördert werden!

Die freche Jirawwe
Lotta
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (18.03.2020)
Liebe Lotta,
der Marktplatz, Ort der Begegnungen, mit oder ohne Überraschungen!
Die einen sagen: "In jedem Anfang wohnt ein Zauber", die anderen "Wehret den Anfängen"!
Die Geschichte hat Charme, jedenfalls für den Leser.
Und zu dem unsäglichen Typen will ich lieber schweigen
Herzliche Grüße
TT
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LottaManguetti meinte dazu am 19.03.2020:
Das Wort "Charme" habe ich mir ausgeschnitten. Danke, TT.
Und diese Typen sind bessere Studienobjekte als man glaubt!
In diesem Sinne: immer schön aufmerksam zugucken!
Nicht gaffen ...


Lottchen
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LottaManguetti
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Veröffentlicht am 18.03.2020, 9 mal überarbeitet (letzte Änderung am 19.03.2020). Textlänge: 657 Wörter; dieser Text wurde bereits 180 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 31.05.2020.
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